Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Martin Borowsky, Paul Winstanley, Louise Lawler

Gruppenausstellung – A Space for Contemplation
20.03.2013 - 11.05.2013
Martin Borowsky, Paul Winstanley, Louise Lawler

Paul Winstanley
Man watching TV 2, 2003
Öl auf Leinwand, 90 x 120 cm (Ausschnitt)

Der Künstler Paul Winstanley befasst sich mit traditionellen Genres der Malerei, wie dem Interieur, Stillleben und der Landschaft, die er durch die Linse der Photographie einer Filterung unterzieht. Winstanleys Bildsprache stammt aus Photographien, meistens seinen eigenen. Zugleich methodisch und melancholisch, erinnern seine meist in gedeckter Farbpalette gehaltenen, malerischen Abbildungen von Landschaften, menschenleeren Passagen, Lobbies und Trottoirs, verlassenen College Fernsehräumen und anonymen Interviewzimmern, an einen verschwommenen Schwarz-weiß Schnappschuss. Schwankend zwischen dem Banalen und traumhaften, gewinnen seine Bilder ihre Schönheit aus den gewöhnlichen Orten des modernen Lebens. Seine Subjekte sind alltäglich aber psychologisch aufgeladen; erfüllt von einem fast filmisch anmutenden Gefühl von nahe bevorstehender Handlung, die sich jeden Moment ereignen wird. Er bildet Grenzmomente ab, die auch aus einer anthropologischen Sicht herrühren könnten; die Position des Künstlers ist stets geprägt von kühler Distanz. Trotz der Alltäglichkeit dieser ruhigen, entvölkerten Räume, verleiht Winstanley ihnen eine Stimmung der Melancholie oder Romantik, indem er ihre psychologische Untermauerung offen legt. Die künstlerischen Einflüsse Winstanleys reichen von Vermeer über Brice Marden bis hin zu Richard Hamilton. In seinen Werken beschäftigt er sich sowohl mit der Frage, wie das Photo unsere Seeerfahrung beeinflusst als auch wie eine gemalte Welt der vermeintlichen Neutralität der Photographie entgegentreten kann.
Paul Winstanley (*1954 in Manchester, GB) lebt und arbeitet in London. Seine Ausbildung erhielt er an der Lanchester Polytechnic, Coventry, England; Cardiff College of Art, Wales; und an der Slade School of Fine Art, London. Winstanley hat bereits in den USA und Europa ausgestellt. Winstanley wurde bereits in zahlreichen Gruppenausstellungen, wie etwa in der Kunsthalle Hamburg (2011), im Irish Museum of Modern Art (2009), im Museum of Contemporary Art, Los Angeles (2008), in der Renaissance Society, Chicago (2002); und der Tate Gallery, London (1998) gezeigt. Seine Arbeiten befinden sich neben vielen anderen in Sammlungen wie der MOCA LA, IMMA, Tate, und des Colby College Museum of Art, Maine. Kürzliche Einzelausstellungen fanden in den Galerien Munro, Hamburg, 1301PE, Los Angeles, Kerlin Gallery, Dublin und Mitchell-Innes & Nash, New York, statt. Galerie Andreas Binder arbeitet seit 1994 mit dem Künstler.

In ähnlicher Herangehensweise begegnen die Werke Martin Borowskis dem Raum – eines seiner bevorzugten bildnerischen Sujets. Bei aller Vielfalt innerhalb seines Œuvres zeigt sich seit 2002 in der Malerei und seit 2006 in den druckgrafischen Arbeiten des Künstlers ein besonderes Interesse für Interieurs und deren Details. Die Räume sind zwar meist vom Standpunkt eines Menschen gesehen, der sich in ihnen befindet, doch die Räumlichkeiten selbst sind oft menschenleer und zeugen von einer unbewegten Stille. Wenn doch einmal eine Figur schemenhaft auftaucht, ist sie weder Teil einer Geschichte noch erzeugt sie eine psychologische Spannung, sondern erscheint vor allem als belebende Staffage. Die dargestellten Örtlichkeiten sind anonymisierte, halb öffentliche Sphären: Büros, Bistros, Einkaufspassagen, Museumsräume, Wartehallen in Flughäfen und in Hotels sowie Verkaufsräume von Luxusgeschäften. Es sind also keine privaten, in sich abgeschlossenen Welten, keine bergenden Gehäuse, die bildlich als psychische Resonanzräume ihrer »Bewohner« fungieren könnten. Die Bildgattung des Interieurs ist bei Borowski demnach keine Metapher der Innerlichkeit oder des Intimen. Jedoch ist es weniger der Mangel des Privaten als vielmehr das meist in künstliches Licht getauchte, minimalistische Design der Räume, das eine strenge und atmosphärisch kühle Sinnlichkeit erzeugt.
Martin Borowski (*1970 in Hoyerswerda) studierte von 1994 bis 1999 an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden. Von 1999 bis 2001 war er Meisterschüler bei Professor Ralf Kerbach an der HfBK Dresden. Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in Dresden, Berlin, New York und Rom gezeigt, sowie unter anderem in Gruppenausstellungen in den Kunstsammlungen Gera, im Helsinki City Art Museum, im Residenzschloss Dresden, im Museum Moisbroich Leverkusen und zur 2. Prag Biennale ausgestellt. Martin Borowski lebt und arbeitet in Berlin. . Galerie Andreas Binder zeigte Martin Borowski erstmals 2009 in der Ausstellung Pictures of Pictures.

Louise Lawler hat ihr künstlerisches Schaffen der Untersuchung der Lebensdauer von Kunstobjekten verschrieben. Ihre Photographien zeigen Kunst im Haus des Sammlers, im Museum, im Auktionshaus und der Galerie und in Lagerräumen. Ihre Werke zeugen von einer anhaltenden Reflektion über Ausstellungsstrategien, die maßgeblich die Wirkung und Ausbreitung von Kunst beeinflussen. Die allumfassende Aussage von Lawlers Photographien ist ein stilles Beharren auf die Kontextabhängigkeit, welche die Bedeutung von Kunst definiert. So ist auch das Bild „It could be Elvis“ mit einem kleinen Ausschnitt von Warhols Siebdruck von Joseph Beuys, ein Versatzstück in neuem Raumarrangement und mit bewusst in die Irre führendem Werktitel. Mit Ironie versetzt, verweisen Lawlers gewitzte, treffende und prägnante Photos auf eine große Zahl oftmals übersehener Details – beinahe einem Freudscher Versprecher gleich – die stillschweigend das unaussprechliche zu Tage bringen, was üblicherweise als Macht der Kunst angenommen wird.
Louise Lawler (*1947 in USA) studierte an der Cornell University, lebt und arbeitet in New York. Ihre Werke sind weltweit in zahlreichen großen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Art Institute of Chicago, und Tate Britain in London vertreten. Ausstellungen fanden bereits im Whitney Museum of American Art in New York im Jahr 1991, auf Biennalen in den Jahren 2002 und 2008, im Hirshhorn Museum und im Skulpturengarten in Washington D.C., sowie im Museum für Gegenwartskunst in Basel und dem Stedelijk Museum in Amsterdam. Galerie Andreas Binder zeigte Louise Lawler erstmals 2009 in der Ausstellung Pictures of Pictures. Vom 13. Oktober 2013 bis Januar 2014 wird Louise Lawler in einer umfassenden, retrospektiven Einzelausstellung im Museum Ludwig, Köln, gezeigt.

 

Taking place at

Galerie Andreas Binder

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Tue–Fri 11 am – 6.30 pm • Sat 11 am – 3 pm