Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Alexandros Tsioris

Fluss ohne Ufer
01.06.2018 - 17.06.2018
Alexandros Tsioris

Alexandros Tsioris greift eine Idee auf und beginnt sie aufzuweichen. Er treibt sie Richtung Rand und in dem Moment, wo sie über diesen Rand gerät, droht hinabzustürzen, nimmt er ihre Form auf. Aus eingefärbtem Silikon angehäufte monolithische Blöcke, eingestellt in sture, an Archive erinnernde Regale, ziehen eine Linie von dem, was einmal die Skulptur gewesen ist – vielleicht die Ur-Idee einer dreidimensionalen Ausdickung – zu dem, was Tsioris gerade noch als Restbestand davon übrig lässt.
Alexandros Tsioris studierte an der Münchner Akademie der Bildenden Künste in der Bildhauerklasse von Nikolaus Gerhart. Immer von seinen ironischen und intelligenten Zeichnungen inspiriert, wagt sich Tsioris präzise an raumgreifende Skulpturen und Objekte heran, die mit sicherem Auge so platziert werden, daß dem Betrachter die hoch-künstlerische Eigenwilligkeit ihres Schöpfers unmissverständlich vermittelt wird. So
werden Eisen, Bleche, Rohre, Nägel, Gips, Ton, Ziegel, Holz, Glas, Stein, Asbest, Kunststoffe, Netze, Pressspan und Schaumstoffe, nicht zuletzt Samt und Seide, so verarbeitet, dass deren Erscheinungsbild –bei allem ästhetischen Genuß – die Haltung des Künstlers demonstriert und der Rezipient veranlasst wird, diese und seine eigene Haltung zu reflektieren. 2011 erhielt Alexandros Tsioris den Kunstpreis der Bayerischen
Akademie der Schönen Künste.

Die Pfirsichmarmelade war goldgelbgrün. Die Pflaumenmarmelade schwarzrot. Die Erdbeermarmelade rostigtaub. Die Blaubeermarmelade rotviolett. Die Schwarzfohannisbeermarmelade tiefere Tinte der gleichen Farbe. Die Kronsbeermarmelade tupfiggeisrot. Die Orangenmarmelade streifigklargelb. Das waren die Farben in den kristallenen Schalen. Der Geschmack war des Gaumens Teil. Die Pfirsichmarmelade war mehlzartsüßschaumduftspratzig. Die Pflaumenmarmelade scharfgroßwollsauerkrautig. Die Erbeermarmelade honigblütenlehmtangbleimilde. Die Blaubeermarmelade kugelschleimfettsonnenblumenrindsmaulig. Die Schwarzjohannisbeermarmelade  quellblutkupferessigkatzenzahntraumlos. Die Kronsbeermarmelade sandignußerzkalkigtiefwildsauer. Die Orangenmarmelade bitterfrohmagerregenbogenrund. Holländischer Zwieback. Geröstetes Brot. Salzlose Butter. Tee. …
(Auszug aus „Die Marmeladenesser“ 1928, Hans Henny Jahnn)

 

 

Ausstellungsort

Kunstpavillon

Im Alten Botanischen Garten
Sophienstraße 7a • 80333 M
Tel/ Fax +49 89 59 73 59
www.kunstpavillon.org kontakt@kunstpavillon.org
Di–Sa 13–19 Uhr • So 11–17 Uhr
eingeschränkt barrierefrei