Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Alik Cavaliere

Metamorphosis
26.06.2015 - 01.08.2015
Alik Cavaliere

Anmerkungen zur Technologie der „floralen“ Bronzearbeiten von Alik Cavaliere
von Prof. Hermann Kühn

In den früheren 60er Jahren des 20. Jhs. begann Alik Cavaliere sich intensiv mit der Formenwelt und dem Wesen der Pflanzen zu beschäftigen. Die Anregung dazu gaben ihm die Schriften „de rerum natura“ des römischen Dichters und Philosophen Lucretius Carus (ca. 96 – 55 v. Chr.). Beeindruckt hat den Künstler insbesondere die schier unbegrenzte Energie im Pflanzenwachstum. Aus Abgestorbenem entsteht wieder neues Leben; das ungehemmt Vegetative kommt zum Beispiel auch in den Gitterkäfigen zum Ausdruck aus denen Pflanzen herauswachsen. (Andererseits sind die Käfige auch Metapher für politische Zustände in der damaligen Zeit).
Das Besondere und Eigentümliche im Werk von Alik Cavaliere erweckt den Wunsch etwas über Material und die Herstellungstechnik zu erfahren. Vom Künstler selbst gibt es darüber keine Aufzeichnungen. Auch die Befragung seiner Frau und seines langjährigen Mitarbeiters zu den verwendeten Chemikalien für die künstliche Patinierung hat wenig erbracht.
Lediglich der Gebrauch von Salzsäure ist mündlich überliefert. Belegt werden kann dies durch naturwissenschaftliche Analyse von Patinaproben. Nachgewiesen werden dabei Kupferchloride, Paratacamit, Atacamit sowie das Kupfer-Zinkchlorid Kapellacit. Diese Korrosionsprodukte lassen eine Anwendung von Salzsäure wahrscheinlich erscheinen. Zweifellos ist die Patinierung der Arbeiten von Alik Cavaliere als Reminiszenz an antike römische Bildwerke zu verstehen. Von besonderem Interesse ist auch die Frage wie die komplexen Gebilde gießtechnisch entstanden sind.
Pflanzen wurden u. a. als „Abgüsse nach der Natur“ hergestellt. Dazu hat man die Teile mit Ton ummantelt und anschließend gebrannt. Das pflanzliche Material verbrennt dabei und hinterlässt im Ton einen Hohlraum, der der Gestalt des eingeformten Stückes entspricht. Anschließend wird die Form mit der Bronzeschmelze ausgefüllt. Nach dem Erkalten schlägt man die Tonform ab. Ausserdem drückte der Künstler Teile direkt in Ton ab oder stellte Gipsformen her. Zusammengefügt werden die einzelnen Teile in der Regel durch Schweissen. Bestimmten komplexen Arbeiten von Alik Cavaliere geht eine lange Zeit der Vorbereitung voraus. Dies sei dargelegt am Beispiel eines etwa 2 Meter hohen Apfelbaumes, der 1971 entstanden ist.
Zunächst wurde ein Holunderstrauch gepflanzt. Nachdem dieser die gewünschte Höhe erreicht hatte, wurde dessen Stamm in mehrere Abschnitte zerlegt, die man der Länge nach aufgesägt hat, wobei das Holundermark entfernt wurde. Nach dem Abformen in Ton wurden diese Abschnitte in Bronze gegossen. In den Hohlräumen, die durch das entfernte Mark entstanden sind, wurde später ein Eisenrohr eingeführt um eine ausreichende Stabilität zu erreichen. Die Blätter von Bäumen hat er häufig einzeln in Gips abgedrückt und danach gegossen.

Zusammensetzung der Bronzelegierung
Die Analyse des Metalls von einem Bruchstück ergab folgende Zusammensetzung: 82% Kupfer, 4-5% Zink und einen verhältnismäßig hohen Bleigehalt von 7-8%. Üblich waren solche höhen Bleigehalte zum Beispiel bei römischen Bronzelegierungen der Antike. Die Erinnerung an die römische Antike im Werk von Alik Cavaliere geht also nicht allein auf die literarische Quelle des Lucretius Carus zurück, sondern findet auch Ausdruck in der Materialzusammensetzung der Werke.

 

 

Ausstellungsort

Galerie Michael Hasenclever

Baaderstr. 56 c • 80469 M
Tel. +49 89 99 75 00 71 • Fax +49 89 99 75 00 69
www.hasencleverart.comgallery@hasencleverart.com
Di–Fr 14–18 • Sa 11–14 und nach Vereinbarung

Galerieprogramm:
Contemporary: u. a. Pesi Girsch, Luis Gordillo, Marwan, Roland Kronschnabl, David Reeb, Dario Villalba,
Moshe Gershuni, Katharina von Werz
50er, 60er und 70er Jahre in Europa: u. a. Eduardo Arroyo, Gilles Aillaud, Gianfranco Baruchello,  Alik Cavaliere, Erma,
Erwin Heerich, Winfred Gaul, Harry Kramer, Christian D'Orgeix, Thomas, Uwe Lausen
20er Jahre / Neue Sachlichkeit: u. a. Carl Grossberg, Otto Freundlich, Karl Hubbuch, Rudolf Schlichter, Georg Scholz,
F. W. Seiwert, Hanna Nagel