Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Beili Liu

Installationen
09.03.2018 - 22.04.2018
Beili Liu

After All / Mending the Sky ist eine großformatige Installation der chinesischen Künstlerin Beili Liu.

Die Installation besteht aus neun organisch geformten, wolkenähnlichen Seidenkuppeln, die durch Cyanotypie in den für das Verfahren typischen cyanblauen Farbtönen gefärbt wurden. Aus den blauen Wolken kommen hunderte feine Fäden an deren Ende jeweils eine Nähnadel herab hängt.
Die Installation beruht auf der alten chinesischen Legende der Göttin Nüwa. In der frühchinesischen Mythologie ist Nüwa die Schöpferin des Menschengeschlechts. Ein Riss im Himmel bringt der Menschheit Unheil und Leid. Um die Ordnung auf der Erde wieder herzustellen macht sich Nüwa an die mühevolle Aufgabe den Himmel auszubessern und wieder Ordnung in die Welt zu bringen.
Der Wille der Göttin durch den demütigen Akt des Nähens das Heil der Menschheit zu retten zeigt, dass sie bestrebt ist, durch die häusliche und als typische Frauenarbeit konnotierte Tätigkeit Neues zu erschaffen und zugleich Wunden zu heilen. Durch dies sichert sie die menschliche Existenz.

Beili Liu wurde in nordchinesischen Provinz Jilin geboren. In ihren Arbeiten erforscht sie ihre chinesischen Wurzeln und ihre persönliche Beziehung zur westlichen und östlichen Kultur. Bereits der Installation Lure, welche 2011 in der Pinakothek der Moderne gezeigt wurde, lag die chinesische Legende der roten Fäden zugrunde. In der aktuellen Arbeit After All / Mending the Sky stellt Beili Liu neben dem Bezug zur frühchinesischen Mythologie auch durch die Verwendung von Seide und Nadeln die Verbindung zur Ihrem Heimatland her. Sie verweist hiermit auf die dortige Produktion von Seide und die oft fraglichen Verhältnisse in der chinesischen Textilindustrie.
Die Künstlerin schöpft aus ihrer persönlichen Beziehung zur westlichen und östlichen Kultur die Inspirationen zu ihren Arbeiten. In ihren Installationen vergegenwärtigt sie Konzepte von Zeit und Vergänglichkeit und der materiellen Zerbrechlichkeit angesichts dieser Konstanten. Dabei arbeitet sie materiell einfach, aber metaphorisch und poetisch großzügig und mächtig. Ihre Installationen und Papierarbeiten sind fast obsessiv arbeitsaufwändig und zeugen dabei gleichzeitig von einer subtilen, meditativen Schönheit. Mit gewöhnlichen Materialien wie Faden oder Papier, kreiert Beili Liu delikate Mikrouniversen, die uns in ihrer Anmut gefangen nehmen.

Die Arbeiten der multidisziplinären Künstlerin wurden schon vielfach international ausgestellt. Unter anderem im Hå gamle prestegard/Norwegian National Art and Culture Center, dem National Art Museum/Litauen, dem Elisabeth de Brabant Art Center/Shanghai, der Granary gallery, Fiskars/Finland, dem Austin Museum of Art/USA, dem Museum of Art and History, Chinese Culture Foundation/San Francisco und dem Institute of the Humanities/University of Michigan.
Liu hat eine vielzahl von Auszeichnungen erhalten, darunter die Künstler Mitgliedschaft der Art Farm, die Aufnahme im Djerassi Resident Artist Programm und die Fiskars Onoma Foundation Artist Residency. Liu wurde 2011 als Künstlerin des Jahres in Austin für dreidimensionale Werke ausgezeichnet.
Sie schloss 2003 ihr Studium an der University of Michigan, Ann Arbor, als Master of Fine Arts ab. Sie lehrt seit 2008 als Dozentin am College of Fine Arts der University of Texas in Austin.

Beili Liu
After All/Mending the Sky , 2016/2017
Installation, Seide, Cyanotypie, Nadeln, Faden, Draht

 

 

 

 

Ausstellungsort

Galerie an der Pinakothek der Moderne – Barbara Ruetz

Gabelsbergerstr. 7 • 80333 M
Tel. +49 89 288 077 43 • Fax +49 89 273 740 43
www.galerie-ruetz.de
Di–Fr 12–19 • Sa+So 12–18 (So nur Besichtigung) • Mo nach Vereinbarung
barrierefrei