Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Bethan Huws

Works on paper
26.10.2018 - 08.12.2018
Bethan Huws
Bethan Huws zweite Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie zeigt Arbeiten auf Papier aus zwanzig Jahren. Aquarelle und Zeichnungen stellen seit jeher einen autonomen Bestandteil im Werk der walisischen Konzeptkünstlerin dar. Für Bethan Huws bedeutet Zeichnen eine intime Form des Nachdenkens und des Erinnerns. Dabei fließen Reflektionen über das eigene Leben und künstlerische Schaffen sowie ihre kunsthistorischen Recherchen ein.
Zarte Aquarellzeichnungen greifen Eindrücke aus der Natur auf, die Bethan Huws in ihrer Heimat, dem ländlichen Nord-Wales, gesammelt hat. Aus feinen Pinselstrichen entwickeln sich abstrakte Figuren, die an verzweigte Baumstrukturen, Wellenlinien eines Baches oder Seeigel erinnern. Die Motive scheinen auf der größtenteils leeren Fläche des Blattes zu schweben und bleiben unverortet, losgelöst von ihrem ursprünglichen Kontext.
Huws künstlerische Praxis bewegt sich stets zwischen den Bereichen Natur, Kunst und Sprache, wobei Denken und Schaffen eng miteinander verzahnt sind. In ihren Zeichnungen, die mit Worten und Bildern spielen, wird dies besonders deutlich. So etwa wenn sie ein mit grünem Buntstift gezeichnetes Rechteck mit Marcel Duchampbetitelt und damit eine Fülle von Referenzen und Differenzen aufruft: von der wörtlichen Übersetzung des Nachnamens (frz. „des Feldes“), bis hin zu all den unterschiedlichen Bedeutungen, die der Begriff „Feld“ je nach Kontext annehmen kann.
Mit der Arbeit Raymond Roussel, 2008 greift Huws eine Theorie der Kunsthistorikerin Michèle Humbert auf, die den Namen des Literaten Roussel mit dem Readymade Fahrrad-Rad Marcel Duchamps in Verbindung bringt (frz. roue=Rad, selle=Hocker). Die Zeichnung zitiert das berühmte Werk und stellt ihm einen weiblichen Akt als Allegorie der Natur auf einem Hocker sitzend gegenüber.
Mit geschwungenen Linien, die sich entgegengesetzt um eine Gerade winden, spürt Bethan Huws der Bewegung nach, mit der Marcel Duchamp einst das Pissoir zum berühmten Fountain machte. Die spiralen Formen in Zeichnungen wie Untitled, 1996, werden zu Symbolen der gedanklichen Bewegung und der Verschiebung von Wahrnehmung.
Eine Gruppe von Editionen, welche die Ausstellung ergänzt, hebt die Sprache als zentralen Aspekt und wichtiges Instrument bei Huws besonders hervor und steht damit in direktem Bezug zu Duchamp, dessen Denken und Schaffen die Künstlerin über zehn Jahre intensiv studiert hat. In seiner Logik ist Huws Werk dem Duchamps eng verwandt: auch sie spannt ein komplexes Netz von Verweisen, Rätseln und Bedeutungsverschiebungen auf, in dem Sprache, Objekt und Bild gleichberechtigt nebeneinander stehen.
BETHAN HUWS, geboren 1961 in Bangor, Wales, UK, lebt und arbeitet in Berlin
Ausstellungen (Auswahl): Kunsthaus Zug, 2018; Bündner Kunstmuseum Chur, 2018; Kolumba Kunstmuseum, Köln, 2016; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, 2015; Kunstmuseum Bern, 2014; Kunsthaus Zug, 2013; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2011; Whitechapel Art Gallery, London, 2011; Museum Ludwig, Köln, 2010, Kestnergesellschaft, Hannover, 2010; Tate Britain, London, 2010; Serralves Museum, Porto, 2009; Kunstmuseum St. Gallen, 2007; Bonnefantenmuseum Maastricht, 2006; Kunsthalle Düsseldorf, 2003; Henry Moore Institute, Leeds, 2001; Lenbachhaus, München, 2000.
Signal plus Toothpaste, 2008
Aquarell auf Papier
45 x 36,5 cm
 

Ausstellungsort

Barbara Gross Galerie

Theresienstr. 56, Hof 1 • 80333 M
Tel +49 89 29 62 72 • Fax +49 89 29 55 10
www.barbaragross.decontact@barbaragross.de
Di–Fr 11 – 18.30  • Sa 11– 16
barrierefrei