Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Blutiger Boden – Tatorte des NSU

Fotografien von Regina Schmeken
17.07.2018 - 14.10.2018
Blutiger Boden – Tatorte des NSU

Die Fotokünstlerin Regina Schmeken fotografierte von 2013 bis 2016 an zwölf Tatorten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Die großformatigen Schwarzweißaufnahmen sind vom 17. Juli bis 14. Oktober in der Ausstellung „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ in der Rathausgalerie zu sehen. Regina Schmeken geht es dabei um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen.

„Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.“ (Hans Magnus Enzensberger)

Als Regina Schmeken im Frühjahr 2013 damit begann, die Tatorte des NSU zu fotografieren, wurde ihr das Ausmaß dieser Verbrechen des rechten Terrors inmitten deutscher Städte erst bewusst. In ihrem Ausstellungsprojekt geht es Regina Schmeken um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die zwölf Tatorte in Deutschland. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarzweißfotografien, die verstörend eindrücklich wirken und die Geschehnisse gleichsam mit bildnerischen Mitteln aufarbeiten.

Die Propagandaformel „Blut und Boden“ wurde als begrifflicher Zusammenhang erstmals von Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“ eingeführt und von den Nationalsozialisten in ihrer Überzeugung, dass ein „gesunder Staat“ nur aus der Einheit von „eigenem Volk und Boden“ bestehen kann, aufgegriffen. Auch den Morden des NSU liegt diese Idee zu Grunde. Fast alle Opfer waren türkischer Herkunft, sie wurden auf dem Boden liegend in ihrem Blut gefunden, brutal hingerichtet von rechten Terroristen.

Feridun Zaimoglu nennt die Geschichte des NSU im ausstellungsbegleitenden Katalog „die Geschichte der großen Beschädigung“. Annette Ramelsberger schreibt „Die Reise an die Tatorte war eine Reise in ein Land von Schmerz und Tränen, von Gleichgültigkeit und klammheimlicher Freude über das, was geschehen ist. Als der NSU nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen aufflog, waren sich alle gewiss: So eine Terrorserie könne sich in Deutschland nicht wiederholen. Wer den NSU-Prozess verfolgt, der weiß: Dafür gibt es keine Garantie.
Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver Şimşek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet, das letzte, die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Es mussten in diesem Zeitraum zehn Menschen sterben, viele wurden an Seele und Körper verletzt. Der Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht in München begann 2013, am 11. Juli 2018 wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Die restlose Aufklärung der Taten steht jedoch nach wie vor aus.
Nachdem die Ausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden, kuratiert von Dr. Gorch Pieken, im Herbst und Winter 2016 zuerst zu sehen war, zeigte auch der Martin-Gropius-Bau in Berlin in 2017 die Fotoinstallation von Regina Schmeken. München ist nun die erste Station in einer deutschen Stadt in der der NSU Menschen ermordete: Im Jahre 2001 in der Bad-Schachener-Straße Habil Kiliç und Theodoros Boulgaridis 2005 in der Trappentreustraße.

NSU-Tatort: Das Geschäft des Obst- und
Gemüsehändlers Habil Kılıç in Ramersdorf
© Regina Schmeken

 

 

Ausstellungsort

Rathausgalerie – Kunsthalle

Marienplatz 8 • 80331 M
Tel +49 89 233 24 511 • Fax +49 89 233 21 261
www.muenchen.de/rathausgalerie
Di–So 11–19
eingeschränkt barrierefrei