Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

David Lynch

Lithografien und Holzschnitte
21.06.2018 - 08.09.2018
David Lynch

David Lynch
Magic man outside my house, 2008
Lithografie
66 x 89 cm

Als David Lynch 2007 seine Ausstellung „The Air Is On Fire“ in der Fondation Cartier in Paris hatte, machte ihn der Direktor mit Patrice Forest bekannt: Dieser hatte ein paar Straßen weiter, in der Rue Montparnasse, die weltberühmte Druckerei für Lithografie „Mourlot“ übernommen. Dort haben zwischen den beiden Weltkriegen bedeutende Künstler wie Braque, Calder, Chagall, Dubuffet, Fautrier, Giacometti, Matisse, Miró und Picasso gearbeitet.
Die Lithografie wurde von Aloys Senefelder Ende des 18. Jahrhunderts erfunden. Zu den bis dahin bekannten Drucktechniken des Hochdrucks (Holzschnitt) und Tiefdrucks (Kupferstich, Radierung) trat nun ein drittes Verfahren, der Flachdruck hinzu. Der Künstler zeichnet dabei mit einer speziellen Kreide auf eine Solnhofener Steinplatte sein Motiv. Die anschließende Bearbeitung des Steines ermöglicht, dass dieser nur dort Druckfarbe annimmt, wo der Künstler gezeichnet hat. Der Vorteil bestand damals in der geringen Abnutzung der Druckplatten, was die Möglichkeiten hoher Auflagen zur Folge hatte. Zuerst fand die Lithografie in der Plakatwerbung Anwendung, erst später entdeckten die Künstler diese Technik für sich.
Was David Lynch an der Lithografie reizt, ist die Tatsache, dass er mit Tusche bzw. Kreidestift ähnlich arbeiten kann wie bei seinen Zeichnungen und Aquarellen, und dass nach jedem Druck der Auflage das Motiv vom Stein nur in einer Stärke von 1/10 mm abgeschliffen wird. So sammeln sich auf demselben Stein nicht nur Lynchs Motive, sondern auch jene der berühmten Vorfahren, die auch dort gearbeitet haben. Werner Spies schreibt in seinem Text über die Lithografien von Lynch: „Man kann den Stein noch so gut abschleifen, bearbeiten…, ihm bleibt die Erinnerung gewissermaßen in die Haut eingebrannt.“ Er fügt hinzu: „Mit einem Schlag schimmert auf der Oberfläche des Steins, inmitten der neuen Komposition, etwas vom Vorleben durch. Das was auftaucht, nennen die Lithographen „Phantome“. “ „Sie bleiben stumm, haben die Sprache verloren. Doch sie vermögen den Künstler zu beeinflussen. Denn ihm wird bewusst, dass er seine eigenen Bilder und Zeichen in ein fremdes, verdrängtes Gedächtnis hineinschreibt.“
Die in der Galerie ausgestellten Lithografien haben damit ein doppeltes Geheimnis: die oft humorvolle, aber auch sehr mysteriöse und verhängnisvolle Welt von David Lynch vermischt sich darin mit den Spuren vergangener Epochen.
Ein Teil der ausgestellten Lithografien waren 2017 in der großen Lynch-Retrospektive in Torun, Polen, zu sehen und werden 2018 im Bonnefantenmuseum Maastricht und in HOME Manchester England, 2019 im Kunstverein Rosenheim, sowie 2020 im Museum Buchheim gezeigt werden.
Karl Pfefferle

 

Ausstellungsort

Galerie Karl Pfefferle

Reichenbachstr. 47-49 (Rgb.) • 80469 M
Tel. +49 89 29 79 69 • Fax +49 89 291 35 71
www.galeriekarlpfefferle.degalerie@gkpf.de
Di–Fr 13–18 • Sa 12–16 und nach Vereinbarung