Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Ecken und Kanten – Edges and Ridges

12.01.2018 - 03.03.2018
Ecken und Kanten – Edges and Ridges

Till Augustin
Horst Linn
Gert Riel
Heiner Thiel
Jeremy Thomas
Peter Weber
Martin Willing

Die Galerie zeigt zum Jahresbeginn die thematische Ausstellung „Ecken und Kanten“ mit sechs deutschen und einem amerikanischen Künstler. Der Werkstoff Metall wird von den teilnehmenden Künstlern auf unterschiedliche Weise verarbeitet. Die profunde Kenntnis ihres Materials ermöglicht dabei ein vielfältiges Herausarbeiten von bestimmten Eigenschaften und Möglichkeiten. So entstehen Skulpturen und Wandobjekte von großer Präsenz und vielfältiger Ausdruckskraft.

Till Augustin wurde 1951 nahe Starnberg in Bayern geboren. Er lebt und arbeitet in Nürnberg.
Der Nürnberger Bildhauer schafft neben seinen Arbeiten aus Verbundglasblöcken auch Skulpturen aus oft armdicken Stahlseilen. Im aufwendigen Prozess der Feuerverzinkung werden diese starr und absolut unbeweglich. Vorher gibt der Künstler ihnen jedoch eine bestimmte Form.
Er schichtet sie übereinander, verflicht sie oder rollt sie auf. Ihre letztendliche Gestaltung erfahren sie dann durch den letzten Bearbeitungsschritt mit der Säge. In der Werkreihe „Der Gordische Knoten“ werden die Stahlseile ineinander verschlungen und nach ihrer Erstarrung dann zu einem exakten Kubus geschnitten: eine Knotenlösung ganz nach alexandrinischem Vorbild.

Horst Linn wurde 1936 in Friedrichsthal/Saar geboren. Er lebt und arbeitet in Dortmund.
Die zumeist gekanteten Faltungen des Bildhauers Horst Linn unterliegen strengen konkret-konstruktiven Gesetzmäßigkeiten. Ob nun die frühen Wellblech-Faltungen oder die jüngeren Wandreliefs aus gefaltetem Aluminium oder Stahlblech, zumeist lackiert – alle Arbeiten sind dem Vorsatz „weniger ist mehr” verpflichtet und erfüllen so die große Forderung eines Mies van der Rohe.
Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten fordern zusätzlich den Betrachter auf, durch den Wechsel der Blickrichtung verschiedene Ansichten des gleichen Objekts zu erfahren. Das Spiel mit der Kantung oder Faltung eröffnet imaginäre Wahrnehmungen der Perspektive.

Gert Riel wurde 1941 in Prien am Chiemsee geboren. Er lebt und arbeitet in Remshalden.
Gert Riels Faszination zum Metall rührt von dessen Festigkeit bei gleich- zeitiger Elastizität. Metall kann immer wieder neu verformt und verändert werden. Auf diese Eigenschaft und auf eine elementare Formensprache, die von der Konkreten Kunst und der Minimal Art geprägt ist, konzentrieren sich Gert Riels Werke. Unter dem Begriff „Veränderung”, welcher ihn seit Jahrzehnten begleitet, sowohl bei seinen Stahl- als auch bei seinen Aluminiumarbeiten, lässt sich sein ganzes künstlerisches Schaffen subsummieren. Seit 2008 lackiert er seine Aluminiumarbeiten, von denen viele wandgebunden sind. Es entstehen in den gewölbten und zumeist hochglanzlackierten Oberflächen des Materials Spiegelungen, die ihre Umgebung einfangen.

Heiner Thiel wurde 1957 in Bernkastel-Kues geboren. Er lebt und arbeitet in Wiesbaden.
Die Wahrnehmung von Form und Farbe steht im Zentrum der konkav geschwungenen Metallbleche von Heiner Thiel. Form und Materialität des Metallkörpers schaffen in der Synthese mit der in intensiven Farben eloxierten Farbfläche einen Bildraum, der durch eine veränderte Betrachterperspektive beweglich wird, sich aus seinen geometrischen Grenzen zu lösen und sich in seiner optischen Erscheinung zu verändern scheint. Lichtsituation, Farbigkeit und Geometrie der metallenen Skulptur verbinden sich zu einem sich transformierenden Wechselspiel der Wahrnehmungen.

Jeremy Thomas wurde 1973 in Ohio, USA geboren. Er lebt und arbeitet in Española, NM, USA.
Der amerikanische Künstler schweißt Stahlplatten aneinander, die dann in der Esse geschmiedet und mit hohem Druck mit Pressluft expandiert werden. Es entstehen so amorphe Gebilde, die mit typischen Bau- und Landmaschinen-Farben pulverbeschichtet werden. Seit einiger Zeit verwendet er auch irisierende Lacke, welche unter anderem in der Kosmetikindustrie Verwendung finden, und Acryl- oder Urethanverbindungen. Kontrastiert werden die glänzenden industriellen Lacke durch die an jeweils einer der Seiten seiner Skulpturen aufgetragene Rostpatina. Immer komplexer werden seine Formen durch farbig kontrastierende Einkerbungen ins Innere seiner jüngsten Skulpturen.

Peter Weber wurde 1944 in Kollmar/Elbe geboren. Er lebt und arbeitet bei München.
Schon die frühen, aus starkem Karton oder Kunststoff (PE) gestalteten Objekte waren für Peter Weber Vorstudien für Metallskulpturen, von denen die ersten bereits in den späten 1990er Jahren realisiert wurden. Nach einer Reihe von Skulpturen aus V4A-Stahl entstanden ab 2014 auch Arbeiten aus Corten-Stahl, welche abhängig vom Betrachterstandpunkt starken Veränderungscharakter aufweisen. Mit einer speziellen Lasertechnik gefertigte Arbeiten aus jüngster Zeit lassen neue Möglichkeiten der Gestaltung zu. Das aktuelle Wandrelief „3 x IN AND OUT” ist somit Beginn einer neuen Werkreihe.

Martin Willing wurde 1958 in Bocholt geboren. Er lebt und arbeitet in Köln.
Martin Willing verleiht seinen Metallskulpturen durch das ihnen innewohnende Schwingungsvermögen eine unvermutete Leichtigkeit. Die Beweglichkeit seiner Skulpturen entsteht nicht durch Scharniere und Gelenke, sondern durch Schwingung in der Tiefe des Materials. Mit Hilfe der von ihm erstmals in der Metallbildhauerei angewandten Technik des Vorspannens kann Willing Skulpturen scheinbar schwerelos in den Raum „spannen“. Der Betrachter selbst initiiert durch achtsames Anstoßen die Bewegung seiner Kunstwerke. Eine Dramaturgie der Bewegung lässt ihn die Werke vom Ruhezustand bis hin zu kalkuliertem Chaos und beim Zurückschwingen in die geometrische Form erleben.

 

 

Ausstellungsort

Galerie Renate Bender

Türkenstr. 11 • 80333 M
Tel. +49 89 30 72 81 07 • Fax +49 89 30 72 81 09
www.galerie-bender.degaleriebender@gmx.de
Di–Fr 13–18.00 • Sa 11–15 und nach Vereinbarung
barrierefrei