Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Ergül Cengiz

borderlines
20.02.2013 - 20.03.2013
Ergül Cengiz

Ergül Cengiz
cicek, 2011
Scherenschnitt Öl auf Papier
100 x 100 cm

Bei ihrer dritten Einzelausstellung in der Galerie Francoise Heitsch zeigt Ergül Cengiz eine Auswahl von Arbeiten, deren Oberfläche durch das Ausschneiden der Konturen der jeweils abgebildeten Gegenstände vielfach durchbrochen ist. Was im gegenwärtigen Kunstjargon auch gerne anglisierend als „cutout“ bezeichnet wird nimmt in den Arbeiten von Ergül Cengiz Formen an, die manchmal an Scherenschitte, aber auch an Spitzenstoffe oder Metallgitter erinnern. Der Schnitt als Grenzlinie des Abgebildeten ist folglich auch namensgebend für die gegenwärtige Ausstellung.
Der Schnitt in die Oberfläche ist der wohl radikalste Schritt zur Herbeiführung einer räumlichen Tiefe im Bild, gleichzeitig bedeutet er aber auch die endgültige Abkehr von der Vorstellung des Bildes als Projektionsfläche für illusionistische Räumlichkeit. Das Bild erscheint nicht mehr als ein durch sein Format begrenztes Fenster, weil die durchbrochene Oberfläche den dahinter befindlichen Raum erfahrbar macht und es in die Objekthaftigkeit überführt.
Das Anliegen, das in den Arbeiten von Ergül Cengiz formuliert wird, ist jedoch nicht einfach nur formalistischer Natur, sondern hat seinen Ursprung in einer autobiografisch begründeten Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Bildauffassungen der zwei Kulturen, in denen sich Ergül Cengiz als Deutschtürkin heimisch fühlt.
Im Zuge dieser Auseinandersetzung kristallisierten sich eine Reihe emblematischer Motive heraus, die entweder stellvertretend für die abstrakt-flächige Bildauffassung des islamischen Kulturkreises, oder aber für die illusionistische Tradition in der europäischen Malerei stehen und in den Bildern der Künstlerin immer wieder neu kombiniert werden.
So wird die abstrakte Flächigkeit ihrer Ornamentbilder immer wieder gestört, etwa indem räumliche Tiefe durch perspektivische Verzerrung des Ornaments angedeutet oder das Ornament durch Zitate aus Stilllebenmalereien, deren illusionistische Plastizität rudimentär erhalten bleibt, durchbrochen wird.
In diesem Sinne sind die neuen Objektbilder von Ergül Cengiz mit ihren durchbrochenen Oberflächen der nächste logische Schritt, der sich aus dem Spiel mit Bildraum und Bildfläche ergibt, indem dieses auf die Präsenz des Bildes als Objekt im Raum erweitert wird.
Moritz Altmann

 

Ausstellungsort

Galerie Francoise Heitsch

Amalienstr. 19 • 80333 M
Tel. +49 89 48 12 00 • Fax +49 89 48 12 01
www.francoiseheitsch.defheitsch@francoiseheitsch.de
Mi–Fr 14–19 • Sa 12–16