Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Hadrien Dussoix

J´adore, sa ma fait pleurer
07.06.2018 - 08.09.2018
Hadrien Dussoix

Mit der Ausstellung “J´adore, sa ma fait pleurer” zeigt die Galerie Andreas Binder bereits zum dritten Mal Arbeiten des Schweizer Künstlers Hadrien Dussoix. In zwei Werkgruppen widmet sich Dussoix mit beeindruckender Leichtigkeit dem emotionalen Potential der Kunst im Spiegel der Kunstgeschichte und eines diskurtheoretisch übersättigten Kunstbegriffs.
So dominieren auch in seinen neuen Arbeiten Schriftzüge in strahlend grellen Farben die Leinwand. Die teils banal anmutenden Sätze sind Zitate aus Kinderbüchern, Popsongs und Filmen. Aber auch User-Kommentare unter you-Tube-Videos, wie etwa “J’adore, sa ma fait pleurer” (eigentlich: “J’adore, ça m’a fait pleurer”), zitiert Dussoix. Beeindruckt von der Kraft und Ehrlichkeit hinter solchen Aussagen, die in Ihrer ganzen formalen Abweichung doch ein bestimmtes Gefühl universal verkörpern, versucht er nun vergleichbare, unverfälschte Emotionen in seinen Gemälden einzufangen und auszudrücken.
Sätze und Umrisse brechen durch das Abkratzen der schwarz übermalten Oberfläche aus dem Leinwandhintergrund hervor und erinnern dabei an Kindermalerei mit Wachsmalkreide. Über ihre eigentliche Bedeutung hinweg aber verweisen die strahlenden Buchstaben und Formen nicht nur auf die Grenzen des Ausdrucks durch Sprache, sondern auch auf die der figurativen Darstellung. In einer Art “subjektivem Formalismus” gelingt es Dussoix so die poetische Funktion hinter dem Sinngehalt der Wörter aufzudecken, um – fern von einer informellen Ästhetik des Sinnlosen – Emotionen in Kunstwerk und Betrachter zu erwecken. Der nur vermeintlich naive Einsatz von Technik, Farbe und Form verleiht seinen Gemälden etwas Tragisches und Feierliches zugleich, in ihnen steckt Glück und Verzweiflung, aber insbesondere erzählen sie von der Liebe.
Diese bewusst eingesetzte Einfachheit und Direktheit, die stets die Schwere und Ernsthaftigkeit des kunsttheoretischen Diskurses hinterfragt und dabei neue ästhetische Zugänge zur Emotion durch die Kunst eröffnet, findet sich auch in Dussoix´s geometrischen Radical but Classical-Serie wider.
In dem er sich auf radikal offensichtliche Weise kunsthistorische Positionen des Konstruktivismus, des Suprematismus und Bauhaus mit einer ungezwungenen Leichtigkeit aneignet und in seine eigene Bildsprache übersetzt, spielt er mit den Extremen der geometrischen Abstraktion und dem subjektiven Ausdruck. Die zum Teil unvollendet wirkenden Gemälde thematisieren den künstlerischen Schaffensprozess bis zur potentiellen Fertigstellung eines Kunstwerks als essentielle Frage des Kunstdiskurses und schließen so den Künstler in die Entstehung formalistischer Werke wieder mit ein.
Sie verweisen nicht wie die Werke von Dussoix´s Vorgängern und Vorbildern lediglich auf Ihre eigentliche Gegenständlichkeit und verschließen sich so gegenüber jedweder verbalisierbaren Wahrnehmung. Vielmehr erschafft Dussoix zwischen konzeptueller und naiver Kunst einen neuen Raum, in dem historische Kunstdiskurse zwar gewürdigt, zugunsten der Wiederbelebung einer Leidenschaft für die Leichtigkeit des tiefen Empfindens in der Kunst aber dekonstruiert werden.

Hadrien Dussoix (*1975, Schweiz) lebt und arbeitet in Genf und hat auf der Ecole Supérieure des Beaux-Arts und Hau te Ecole Supérieure des Arts Appliqués Geneva studiert. In den Jahren 2006 bis 2008 gewann er dreimal in Folge den renommierten „Swiss Art Award“ für junge Kunst. Internationale Ausstellungen seit 2002, zuletzt: Swiss institute, Rome, Musée Rath, Geneva; MAMCO – Musée d’art moderne et contemporain, Genève, Galerie SAKS, Geneva; Galerie Lange & Pult, Zurich; Espacio Odéon; Bogota, Colombia, Palais de l’Aténée, Geneva; Vegas Gallery, London; Projektraum Viktor Bucher, Vienna; BAC – Espace “Le Commun”, Bâtiment d’Art Contemporain, Geneva, curated by Hadrien Dussoix and Peter Stoffel, Centre d’art contemporain, Geneva, Switzerland etc..

Hadrien Dussoix
All We Ever Wanted Was Everything, 2017
Acryl und Stickerei auf Stoff

 

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 11–18.30 • Sa 11–15