Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Japan zu Gast

18.01.2013 - 23.02.2013
Japan zu Gast

Links: Ken Mihara
Startseite: Yasuko Sakurai

Japan – Land mit einer über 1000-jährigen, bis heute lebendigen und vielfältigsten Keramik-Tradition sehr eigener Ästhetik – ist für die europäische Studiokeramik stets Vorbild gewesen und gilt bis heute als das „Gelobte Land“ der Töpferei. In mannigfacher Weise bezog die Keramik Europas Anregungen technischer und ideeller Art aus dem Fernen Osten. Umso erstaunlicher ist es, dass Schauen mit Arbeiten zeitgenössischer Keramiker und Keramikerinnen aus Japan hierzulande zu zwar vielbeachteten gleichwohl raren Ereignissen im Ausstellungsbetrieb zählen. Der Bayerische Kunstgewerbe-Verein e. V. freut sich daher außerordentlich, sein Programm 2013 mit der Ausstellung „Japan zu Gast“ eröffnen zu können, die Werke von 9 japanischen Künstlern und Künstlerinnen präsentiert. Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Galeristin Marianne Heller statt, die sich in ihrer „Galerie für zeitgenössische keramische Kunst“ in Heidelberg programmatisch der Vorstellung japanischer Keramik der Gegenwart widmet.

Mit Arbeiten des in Bizen lebenden Isezaki Jun (*1936) sind Werke eines »Lebenden Nationalschatzes« zu sehen. Aus einer Töpferfamilie stammend, brennt er seine Steinzeug-Gefäße, gedreht und formal in der Tradition der Tee-Zeremonie stehend oder in größeren Formaten geschnitten, in einem Holzbrandofen. Farbe und Zeichnung erhalten sie, einer Ästhetik des gleichsam naturgewordenen Unvollkommenen verpflichtet, lediglich durch Einwirkung des Feuers und aus dem Ascheanflug.

Immer wieder setzen in Japan Keramiker Familientraditionen fort, so auch Yamada Jôzan IV (*1954) aus Tokoname, Sohn eines »Lebenden Nationalschatzes «. Auch er ein »Holzbrändler«: Seine bis zu vier Mal gefeuerten, archaisch-kräftigen Schultertöpfe sind unregelmäßig und grob gezeichnet von Aschenkruste und Anflugglasur.

Ken Mihara (*1958), für sein Werk schon vielfach ausgezeichnet und weltweit in Museen vertreten, zeigt Gefäßobjekte aus Steinzeug: Gestrenge, oft asymmetrisch gebaute Keramiken, die durch ihre in langwierigen Arbeits- und Brennprozessen erzielten, wie natürlich erscheinenden, steinmatten Oberflächen eine zeitlose Schönheit entfalten.

Yasukage Katô XIV (*1964) aus Mino entstammt in der 14. Generation einer Töpfer-Dynastie. Seine an den Formenschatz der Tee-Zeremonie gebundenen steilwandigen Schalen, zumeist mit dem Holzspatel grob geschnitten, tragen edle Glasuren wie das weiß-bräunliche Shino oder das
matt-schwarz glänzende Setoguro.

Katsumi Kako (*1965), wiederum Spross einer Familie von Töpfern aus Kyoto, greift auf älteste Keramiktraditionen zurück. Die dünnwandig, oft asymmetrisch gebauten Vasen-, Schalen- oder Kastenformen tragen auf ockerirdenem Grund Partien von geritztem und mit roten Pigmenten abgesetztem Dekor – wie Jahrtausende alt scheinend reflektieren sie Frühestes als gegenwärtig.

Auch Shunichi Yabe (*1968) aus Bizen ist ein Erbe, Sohn eines Töpfers, Enkel eines »Lebenden
Nationalschatzes«. Er pflegt die Technik des Holzofenbrandes, doch als Bildhauer ausgebildet,
verbindet er mit seinen elegant geschnittenen, großflächigen Steinzeugobjekten Tradition und
Moderne.

Die großformatigen kelch- oder kugelförmigen reinweißen Porzellane der Keramikerin Yasuko
Sakurai (*1969) haben international Aufsehen erregt. Die Formen sind »durch und durch« von
gerichteten Öffnungen durchzogen, so dass ein verwirrender Effekt entsteht, scheinen sie doch nur aus Löchern, Licht und Schatten zu bestehen.

Yoko Imada (*1971), in Japan und England ausgebildet, dreht großformatige, sich von einem engem Stand weit öffnende Schalen- und Kelchformen aus Porzellan auf der Scheibe und glasiert sie mit leicht bläulich eingefärbter, klarer Glasur, die in Tropfen und Laufspuren am Fuß erstarrt – aktuelle Reminiszenz an die große Tradition ostasiatischen Porzellans.

Masaru Nakada (*1977) erweist mit seinen farbigen Zylinder-Objekten der raffinierten Simplizität seine Reverenz. Hier entpuppt sich die scheinbare Schlichtheit der vertikal geritzten Oberflächen als Ergebnis aufwendigsten Handwerks: Ihre feine Lebendigkeit erhalten die Gefäße durch das geradezu meditativ-geduldige, vielfache Kerben und die in Schichten aufgelegte Glasur-Farbigkeit.
Dr. Walter Lokau, Kunsthistoriker

 

Ausstellungsort

Galerie für angewandte Kunst

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