Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Julio Rondo

report_images
29.09.2017 - 25.11.2017
Julio Rondo

Julio Rondo
Atelieransicht

Unter dem Titel „Report_Images.“ zeigt die Galerie Andreas Binder die bereits siebte Einzelausstellung des Künstlers Julio Rondo.
Weiterhin bewegen sich Julio Rondos Arbeiten zwischen abstrakter Malerei und Objekthaftigkeit. Durch die Verwendung der für sein Werk charakteristischen Technik der Hinterglasmalerei erzeugt er einen Bildraum, der – ähnlich einem Vakuum – nicht die Erinnerung selbst, sondern die erlebte Vergangenheit in ihrer ganzen Subjektivität einfängt und gleichsam am Leben erhält.Die signifikanten Verweise auf subjektiv Erlebtes und kollektive Grundstimmungen, die durch den künstlerischen Abstraktionsprozess entstehen und mit den filternden Funktionen des Gedächtnisses einhergehen, lassen Rondos Gemälde als einen mystischen Raum erfahrbar werden, der zur Projektionsfläche jeglicher subjektiver Assoziationen wird. Die Abstraktion dient dabei weder dem Ausdruck des Kontextverlusts des postmodernen Individuums, noch erhebt es die Werke in eine Sphäre der Autonomie. Vielmehr lässt sich hier von einer Art „Romantischen Abstraktion“ sprechen, bei der in der Grauzone zwischen Intellekt und Gefühl die privaten Mythen des Lebens als fester und gleichberechtigter Bestandteil der Wirklichkeit Einzug in die Gegenwart erhalten. Die Referenzlosigkeit ist trotz bewusst aleatorischer Benennung der Werke also nicht derart absolut, dass ein Zugang nur diskursiv kunstimmanent möglich wäre. Vielmehr stellt Rondo seine Kunst in einen Zusammenhang mit dem alltäglichen Leben, indem er persönliche Erfahrungen in Bildobjekte verwandelt, die logozentrisch nicht erkennbare Stimmungen der Vergangenheit abbilden. Von jeglichem narrativen Beiwerk befreit, wird das was sich zwischen der realen Erinnerung und Ihrer wirklichen Bedeutung abspielt, im kontrollierten und ruhenden Bildraum sichtbar und ästhetisch erfahrbar.
Dem künstlerischen Rahmen der Hinterglasmalerei stets treugeblieben, werden nun in Julio Rondos neuen Arbeiten starre geometrische Formen ebenso wie durch Airbrush-Techniken erzeugte Linien und Farbschüttungen, in einer Art Rückbesinnung auf seine Studienjahre bei K.R.H. Sonderborg, durch den Pinselstrich, als elementarstes künstlerisches Ausdrucksmittel des Malers, ersetzt. Die vermeintliche Fokussierung auf den gestischen Auftrag drückt sich hier jedoch nicht in einem expressiven, spontanen Akt der Malerei aus, sondern ist weiterhin das Ergebnis einer dem bildschaffenden Prozess vorangegangenen Planung von Technik, Mitteln und Komposition. Sich aus seinem individuellen, visuellen Archiv bedienend, schafft Rondo auch hier auf Rückwand und Glas mit schnell trocknender Acrylfarbe, eindrückliche Dokumente eines Lebens, das ohne seine Umwelt mimetisch abzubilden, Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen als Malerei zu aktivieren vermag. Breite Pinselstriche in ungewohnt lebendigen Farben machen deutlich, wie Vergangenes Einfluss nimmt auf die Gegenwart und wie auch das Erinnern selbst sich im immerwährenden Fluss befindet. Rondos Anlehnung an die Leinwandmalerei in der gleichzeitigen Abgrenzung zu Ihr, spiegelt sich in den neuen Arbeiten ebenso wider wie die von der grellen Popkultur geprägten vergangenen Jahrzehnte. Ohne jeglichen Wahrheitsanspruch, macht Rondo die Vergangenheit in ihrer Essenz erfahrbar. Denn trotz und gerade aufgrund der autobiographischen Färbung seiner Werke, wird in ihnen und durch sie deutlich, dass jedes Erleben, alles Erinnern und jedes Kunstwerk individuell und spezifisch und eben nicht beliebig ist, und das Leben und Kunst nicht vom Gefühl der Kontingenz geprägt sein müssen, sondern ebenso durch Freiheit und Leichtigkeit bestimmt sein können.
Text: Leni Senger
Parallel zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

 

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 11–18.30 • Sa 11–15