Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Kiki Smith

Reflection
18.05.2018 - 07.07.2018
Kiki Smith

Kiki Smith
The Wait
, 2007 (Ausschnitt)
Tinte, Graphit, Buntstift und Collage auf Nepalpapier
180 x 285 cm
© Kiki Smith, Pace Gallery New York & Barbara Gross Galerie München

Unter dem Titel Reflection zeigt die Barbara Gross Galerie einen Zyklus großformatiger Papierarbeiten von Kiki Smith, der um die menschliche Existenz sowie um Themen weiblichen Künstlertums und häuslichen Lebens kreist. Mit ihrem Schwerpunkt auf Zeichnung stellt die Ausstellung eine Ergänzung zur parallel laufenden Retrospektive Kiki Smith. Procession im Haus der Kunst dar.
Die Reflexion über Leben, Tod und Verlust bildet von Beginn an den Schwerpunkt in Kiki Smiths Werk. Während in ihren früheren Arbeiten der Mensch in seiner Körperlichkeit sowie in seinem Bezug zu Natur und Kosmos im Fokus steht, verortet sie das Thema ab 2005 im konkreten Alltag der Frau, der sich jahrhundertelang vor allem im häuslichen Bereich abspielte. Inspiriert von Prudence Pundersons First, Second and Last Scene of Mortality von 1783, einer Seidenstickerei, die das Leben einer Frau der amerikanischen Kolonialzeit „von der Wiege bis zur Bahre“ zeigt, entwickelt sie in den folgenden Jahren einen vielschichtigen Werkkomplex, in dem das Haus zu einem Ort spezifi sch weiblicher Kreativität wird.
Die hier gezeigten Arbeiten auf Nepalpapier bedecken die Wände des Galerieraums fast vollständig und fügen sich zu einer offenen Erzählung über das Leben mehrerer Generationen von Frauen. Wie in einem Kammerspiel scheinen sich alle Szenen im selben Raum abzuspielen, wobei die Besetzung wechselt, das Alter der fast lebensgroß dargestellten weiblichen Figuren voranschreitet. Bildelemente wie ein Paket, leere, besetzte und umgeworfene Stühle oder Glühbirnen sind im Kosmos von Smiths Bilderwelten symbolisch aufgeladen und versinnbildlichen Ankunft und Aufbruch, Anwesenheit und Abwesenheit sowie Inspiration und künstlerisches Schaffen.
Smith stellt die Frauen in Momenten der Kontemplation dar und lenkt die Aufmerksamkeit auf ihre Würde und Strahlkraft. Während ihre Kleidung auf die Gegenwart verweist, klingen in ihren Posen und Gesten kunsthistorische Vorbilder nach, die von christlicher Ikonographie über Prudence Punderson und Frauendarstellungen des venezianischen Rokoko bis hin zu Frida Kahlo reichen.
So wie bestimmte Gesten, Wissen und Fähigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben werden und sich dabei stets verändern, erlaubt die Technik der collagierten Papierarbeiten, die auf feinem Nepalpapier teils lithografi sch gedruckt, teils gezeichnet sind, der Künstlerin, einzelne Motive, Gesichter und Körperteile mehrfach zu verwenden, immer wieder neu zu formen und zu variieren. Das Prinzip der Wiederholung ist für Smith dabei zentral: „Es geht um Wiederholung im Gegensatz zur Einzigartigkeit. Mein Interesse an der Druckgrafik besteht darin, dass sie nachahmt was wir als Menschen sind: wir sind alle gleich und doch ist jeder anders.“
Kiki Smith übersetzt ihre Zeichnungen auch in eine Vielzahl anderer Medien, wobei sie eng mit verschiedenen Werkstätten und spezialisierten Manufakturen zusammenarbeitet. So sind auch die im Oberlichtraum der Galerie gezeigten Silber- und Bronzeskulpturen von Vögeln Ergebnisse eines langen Prozesses von Kopie, Übertragung und Variation.
Kiki Smith, *1954 in Nürnberg, lebt und arbeitet in New York. Aktuell zeigt das Haus der Kunst, München ihre bislang größte Retrospektive in Europa. 2017 war sie zum fünften Mal auf der Biennale von Venedig vertreten. Dies ist die sechste Einzelausstellung der Künstlerin in der Barbara Gross Galerie, mit der sie seit 1994 zusammenarbeitet. Einzelausstellungen (Auswahl): Haus der Kunst München, 2018; Dallas Contemporary, 2017; Neuberger Museum of Art, NY, 2012; Brooklyn Museum, New York, 2010; Fundació Joan Miró, Barcelona, 2009; Kunsthalle Nürnberg / Museum Haus Esters, Krefeld, 2008; Whitney Museum, NY, 2006-2007 / Contemporary Arts Museum, Houston, 2006 / Walker Art Center, Minneapolis, 2006 / San Francisco Museum of Modern Art, 2005-2006; Fondazione Querini Stampalia, Venedig, 2005; The Museum of Modern Art, NY, 2003.
 

Ausstellungsort

Barbara Gross Galerie

Theresienstr. 56, Hof 1 • 80333 M
Tel +49 89 29 62 72 • Fax +49 89 29 55 10
www.barbaragross.decontact@barbaragross.de
Di–Fr 11 – 18.30  • Sa 11– 16
barrierefrei
Sommerpause ab Ende August