Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Klaus vom Bruch

Tapete
12.04.2013 - 17.05.2013
Klaus vom Bruch

Klaus vom Bruch
RAF-Tapete, 2013

Tapeten werden schon seit einigen Jahrhunderten in Räumen auf Wände geklebt. Sie waren Ersatz für einen Mangel an Reisemöglichkeit. Sie sollten vor allem die Interieurs der Bourgeoisie repräsentativ und reizvoll gestalten. Flauberts Madame Bovary umgab sich mit teuren Tapeten und Stoffen, um der Enge ihrer Umgebung zu entfliehen. Überhaupt je reicher der Hausherr, desto üppiger und ausgefallener wurden die Wände. Teure Stoffe mit Goldverzierung wurden ausgelegt, der Ton wurde natürlich von Königen und Prinzen angegeben. Die zwei Weltkriege fegten diesen Wand- und Tapetenkult hinweg. Ab sofort mussten die Wände so weiß, so makellos wie unser Gewissen sein. Unsere Gedanken, unsere Blicke sollten wenn, dann nur auf der Kunst haften bleiben, nichts sollte uns vom Ernst und Verantwortung des Lebens ablenken. Ab und an wagten sich Künstler an das Medium Tapete. So geschah es auch, dass Klaus vom Bruch dem Reiz, den uns umhüllende Intensität einer Tapete unterlag, die er ursprünglich nur für sich, für die Ironisierung seiner eigenen vier Wände entworfen hatte. In dieser Arbeit verbindet er politische und private Gedanken durch rhythmisierte Kontrastierung disparater Topoi und Bilder.
Ähnlich wie in seinen frühen Videocollagen geht er von verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Motiven aus. Die RAF-Tapete, die Sade-Tapete und andere erfüllen alle Aspekte einer fröhlichen Ausschmückung und erscheinen im sarkastischen Spiel der Bildwechsel von RAF-Steckbriefen und einer japanischen Übersetzung von de Sades Justine, die zu Klebebildern mit Rosen und Schlafmohn dekonstruiert werden.
So unterhält er uns abwechselnd ,indem er Obsession und Beruhigung gegeneinander ausspielt. Er lässt uns teilnehmen an einer Sehnsucht, die so wieder neu populär wird. Der diskrete Charme der Bourgeoisie wird stachelig und scharf vorgeführt.

 

Ausstellungsort

Galerie Francoise Heitsch

Amalienstr. 19 • 80333 M
Tel. +49 89 48 12 00 • Fax +49 89 48 12 01
www.francoiseheitsch.defheitsch@francoiseheitsch.de
Mi–Fr 14–19 • Sa 12–16
Pfingstferien geschlossen