Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

lebenswelt | life-world

20.01.2017 - 30.06.2017
lebenswelt | life-world

Zeitgenössische Kunst aus Japan in der Alexander Tutsek-Stiftung in München/ Fotografien von Rinko Kawauchi und Skulpturen von 21 japanischen Künstlern / Installation von Tadao Ando
Unter dem Titel „lebenswelt | life-world“ zeigt die Alexander Tutsek-Stiftung in München vom 20. Januar bis zum 30. Juni 2017 zeitgenössische Skulpturen japanischer Künstlerinnen und Künstler sowie Fotografien der japanischen Fotografin Rinko Kawauchi. Subjektive Alltagserfahrungen, zeitliche Abläufe in der Natur, die zwischenmenschliche Kommunikation stehen im Mittelpunkt der Kunstwerke aus Japan.

Rinko Kawauchi (geboren 1972 in Shiga, Japan) ist in ihrem Heimatland eine bedeutende Künstlerin. In Europa und den USA ist sie bisher nur Eingeweihten bekannt. In ihren Fotografien verwandelt sie Alltag oder Natur in etwas atemberaubend Neues. Aus der Serie „Ametsuchi“ zeigt die Ausstellung großformatige Fotografien. Reduzierte Landschaftsbilder von traditioneller Brandrodung thematisieren anhand der zerstörerischen, gleichzeitig verjüngenden Kraft des Feuers, das Verhältnis von Mensch, Natur, Zeit. Weiterhin werden aus der Serie „Illuminance“ kleine, intime Fotografien gezeigt. Hier widmet sich Rinko Kawauchi – basierend auf persönlichen Erfahrungen – sanft, teils auch verstörend, alltäglichen Dingen oder Tätigkeiten. Durch die Wahl der Ausschnitte und Perspektiven und den subtilen Einsatz von natürlichem Licht in Kombination mit oft durchscheinenden Farben hat Rinko Kawauchi in ihrer Fotografie eine ganz eigene Charakteristik und Sprache gefunden. Ihre Werkgruppen lassen den Betrachter die alltägliche Umwelt bewusster, weiter und mit veränderten Augen sehen.
Die zusammen mit den Fotografien gezeigten Skulpturen verstärken diese Empfindung. In einem in der Kunst eher ungewöhnlichen Medium – dem vielschichtig zu verarbeitenden Material Glas – gehen sie auf unmittelbare, subjektive Erfahrungen des Menschen ein. Die für die Ausstellung von der Stiftung angekauften Objekte der 21 Künstlerinnen und Künstler sind fast alle zum ersten Mal außerhalb Japans zu sehen.

Die Installation „Form of Water“ aus freigeformtem und formgeschmolzenem Glas von Naomi Shioya zeigt Spuren, die das Wasser auf der Erde hinterlässt, ähnlich den Spuren der Zeit im menschlichen Leben. Auseinandersetzungen mit Phänomenen in der Natur finden sich bei weiteren Künstlerinnen wie Kana Tanaka mit ihrer lichten Installation „Petal Stream“ (Blütenfluss). Kanako Togawa vermittelt mit dem Werk „Gentou“ auf mehrteiligen Glas-Paneelen dagegen einen sich auflösenden, düsteren Eindruck der Natur.

Die Daseinswelt von menschlichen Behausungen wird in einer dreiteiligen Installation von dem Architekten Tadao Ando dargestellt. Die Stelen aus aquamarinblauem Glas wirken wie Hochhäuser.
Die Installation vereint gedrehte Variationen der einfachen Grundform des Dreiecks mit unterschiedlichen traditionellen Schleiftechniken. Das Werk ist einfach, zugleich aber komplex, entsprechend der minimalistischen Baukunst des Architekten. Tadao Ando (75) zählt zu den weltweit wichtigsten zeitgenössischen Architekten und wurde unter anderem mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Künstler wie Yuko Fujitsuka und Sayo Fujita betonen in ihren Häuser-Skulpturen den Rückzugsort und geben ihren Arbeiten Titel wie „One week for meditation“ oder „Hokora“ (Schrein). Um größere Zusammenhänge in der Welt geht es Shima Koike mit ihren Fabelwesen („The world in my hands“) sowie Kyoko Hirako mit ihrer Installation „Sink into my mind“ aus geblasenen Glaskugeln. Die schon vor einigen Jahren von der Stiftung entdeckte Künstlerin Masayo Odahashi stellt eindrucksvoll komplexe seelische Zustände zwischen wortlos kommunizierenden Figuren dar. Besondere Wege im Umgang mit der Materialbeschaffenheit des Glases gehen Yoshiaki Kojiro und Sachi Fujikake. Ihre experimentellen Techniken verschaffen ihren Objekten eigene Gesetzmäßigkeiten, als würden sie zu einer anderen Welt gehören. Kojiro nennt sein aufgeschäumtes Glasobjekt schlicht „Be“.

Der Titel der Ausstellung „lebenswelt | life-world“ ist eine Anspielung auf das gleichnamige Konzept in der Phänomenologie. Damit ist die Welt gemeint, wie sie unmittelbar und direkt in der Subjektivität des alltäglichen Lebens erlebt wird (Edmund Husserl). Diesen Ansatz, alltägliche Phänomene individuell aber auch in ihrem sozialen und kommunikativen Kontext (Jürgen Habermas) wahrzunehmen, visualisieren die für die Ausstellung ausgewählten Kunstwerke.

Führungen unter www.atstiftung.de

Rinko Kawauchi
Untitled, from the series „Aila“
2004
C-Print
30,5 x 25,4 cm
©Rinko Kawauchi, courtesy | PRISKA PASQUER, Köln

 

Ausstellungsort

Alexander Tutsek-Stiftung

Karl-Theodor-Str. 27 • 80803 M
Tel. +49 89 552 730 60
www.atstiftung.de
info@atstiftung.de

Di–Fr 14–18 • außer feiertags

Die Alexander Tutsek-Stiftung fördert Kunst und Wissenschaft. Sie wurde im Dezember 2000 von Alexander Tutsek und
Dr. Eva-Maria Fahrner-Tutsek als gemeinnützige Stiftung in München gegründet. Die Stiftung engagiert sich unter ihrem übergreifenden Programm "Kunst und Wissenschaft" ganz bewusst für das Spezielle, das Besondere oder auch das Vernachlässigte, Übersehene.