Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Madge Gill – Alfred Kremer

Ein Dialog
13.09.2013 - 05.10.2013
Madge Gill – Alfred Kremer

Abbildung:
Galerieseite:
Madge Gill (1882-1961)
Ohne Titel, um 1944
Tusche auf Postkartenkarton
13,8 x 8,7 cm

Startseite:
Alfred Kremer
Danseuse Espagnole, 1963
Tempera auf Papier
ca. 26 x 16 cm

Myrninerest, so nannte Madge Gill (1882–1961) den Geist, der ihr während des Zeichnens meist im Stehen und nachts erschien. Es entstehen Schriften und Stickereien und in der Fläche des Blattes erfüllt sich diese Dichte einer Fädelung durch ihre Stilistik der Zeichnung. Sie sind engstens gefügt und bestechen durch ihre unmittelbare Präsenz. Madge Gill ist zu keinem Zeitpunkt daran interessiert „Kunst“ zu schaffen. Von dem Phantom Myrninerest getrieben, bilden die Arbeiten eine Art Schutzwall gegen eine äußere Welt. 1932 sind erstmals Bilder von ihr in einer von der Whitechapel Gallery organisierten Ausstellung zu sehen. Die Bekanntheit ihres Werkes wächst stetig, wobei eine breite Anerkennung erst nach ihrem Tod durch eine Ausstellung in der Grosvenor Gallery 1968 einsetzt. Heute gehören ihre Arbeiten zum festen Kanon der „British Outsider Art“.
Was im Werk Alfred Kremers (1895–1965) in Weilheim, ganz im Verborgenen, binnen der Jahre 1962 bis 1965 entsteht, ist in ähnlicher Weise beeindruckend: Ohne Tabuisierung erfindet er – ein klassisch akademisch geschulter Maler – mit seinen Gestalt-Zeichen einen eigenen, oft irritierenden Bilderkosmos. Er ist geprägt von seinen katholischen Wurzeln, speist sich aber im Wesentlichen aus der Abwehr gegen deren Wertekanon. In mehrfacher Hinsicht lassen sich diese Schöpfungen als Votivbilder verstehen. Sie dienen der Abwehr und Heilung ebenso wie der Kanalisierung sexueller Phantasien. Aktuelles Tagesgeschehen wird genauso bildwürdig wie Motive von archaischer Strenge. Die Gestalt wird weitestgehend vereinfacht und wandelt sich zum Zeichen, das Welt gleichzeitig bannt und schöpft.
Seien Sie gespannt auf den Dialog dieser beiden Außenseiter!

 

Ausstellungsort

Galerie Florian Sundheimer

Odeonsplatz 16 • 80539 M
Tel. +49 89 242 105 04 • Fax +49 89 242 105 06
www.sundheimer.deinfo@sundheimer.de
Mi–Fr 14–18.30 • Sa 11–14 und nach Vereinbarung