Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Varda Caivano, Marieta Chirulescu, Gerda Scheepers

3 Positionen zu Malerei
04.05.2012 - 06.06.2012
Varda Caivano, Marieta Chirulescu, Gerda Scheepers

Gerda Scheepers, In the night I am yours, 2011, Wandfarbe auf Stoff, 85 x 100 cm

Mit der Ausstellung 3 Positionen zu Malerei präsentieren wir junge Künstlerinnen, die in ihren Arbeiten zeitgenössische Strategien von Malerei offen legen. Die Ausstellung schließt an das Galerieprogramm an, das auch etablierte Malereipositionen umfasst, wie beispielsweise Katharina Grosse, Karin Sander, Marthe Wéry und Eva Hesse.

Der klassische Begriff Malerei stellt nur die vordergründige Verbindung zwischen den drei Positionen her. Die Künstlerinnen lassen sich von Raumvorstellungen, Musik oder digitalen Verfahren leiten. So entwerfen sie ihre eigenen Kategorien der Bildfindung. Indem sich die Genregrenzen zwischen Fotografie, Malerei und Installation innerhalb der drei Positionen auflösen, wird das gewohnte Sehverhalten des Betrachters verändert.

Mit Hilfe moderner Reproduktionstechniken bearbeitet Marieta Chirulescu bestehendes Material. Fotografien, Fotokopien, gefundene Bilder aus dem Internet, Screen Shots (Bildschirmkopien), gescannte Glasplatten oder auch nur das leere Bild der Reproduktionsmaschine dienen ihr dabei als Ausgangsmaterial. Im Arbeitsprozess unterzieht die Künstlerin jedes Bild einer eigenen Vorgehensweise: Fotokopien werden auf Leinwand appliziert und mit Ölfarbe übermalt, Laserchrome-Prints auf Diasec aufgezogen oder schwarzweiße Archivfotografien gescannt und ausgedruckt. So eignet sich Chirulescu „fremde“ Bilder an und lässt diese ein neues Eigenleben entwickeln. Sie erzählen von den Bedingungen der Bildproduktion. Ihre digital (Scanner) oder analog (Kopiergerät) produzierten Bilder mischt sie auf verschiedenen Ebenen mit der analogen Malerei und schafft so neue Bildformen.

Gerda Scheepers eignet sich in ihrer Malerei Raum an. Er ist Sujét und Austragungsort ihrer Arbeiten. Oft sind es Interieurs, Grundrisse oder nur schemenhafte Andeutungen von realen Räumen, die einen neuen imaginären Raum öffnen. Die einzelnen Szenen, die sich in Scheepers Bildern ereignen, sind collagehaft auf der Leinwand und dann im Raum einander zugeordnet. So entwickelt sich eine offene Narration: die Figuren auf der Malerei und die Objekte im Raum treten in einen Dialog. Darüber hinaus erweitert sie die klassische Vorstellung von Malerei als Tafelbild: Scheepers verhängt Leinwände mit Stoff und arrangiert die so entstehenden Objekte installativ im Raum.

Varda Caivano bezeichnet sich selbst als Malerin der alten Schule. Ihre Malereien – alle Öl auf kleinformatigen Leinwänden – bewegen sich an der Grenze zur Gegenständlichkeit, bleiben aber abstrakt. Die Farbe ist pastos in sich überlagernden Schichten auf die Leinwand aufgetragen und betont damit die physische Präsenz der Bilder. Die Künstlerin beschreibt ihr Vorgehen als ständiges Zwiegespräch mit historischen Positionen der Moderne. Dabei spielen Künstler eine Rolle, die für ihre Experimente mit abstrakter Malerei Parallelen in der Musik fanden, wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und František Kupka. Für Caivano verkörpert Musik Multidimensionalität, die sie auch in ihrer Malerei sucht. Die Farbe übernimmt dabei die Funktion eines Instruments, das in der Lage ist, verschiedene Tonlagen anzustimmen.

Marieta Chirulescu, geb. 1974 in Sibiu, Rumänien, lebt und arbeitet in Berlin. Einzelausstellungen: White Cube Bermondsey, London (2011); Kunstverein Nürnberg (2011); Werke aus der Sammlung Martin, Neues Museum, Nürnberg (2011); Kunsthalle Basel (2010); Galerie Micky Schubert, Berlin (2010); Projektraum Temporäre Kunsthalle, Berlin (2009); Kunsthalle Mainz (2009)

Gerda Scheepers, geb. 1979 in Tzaneen, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin. Einzelausstellungen: Center, Berlin (2011); Mary Mary, Glasgow (2010); Sprüth Magers, Berlin (2009); Micky Schubert, Berlin (2008); Art Cologne Preis für junge Kunst 2006 in der Artothek, Köln (2007); Art Cologne 2006 (New Talents Program), Sprüth Magers, Köln / München / London (2006); Bonner Kunstverein, Peter Mertes Stipendium (2006)

Varda Caivano, geb. 1971 in Argentinien, lebt und arbeitet in London. Einzelausstellungen: Victoria Miro Gallery, London (2011); Tomio Koyama Gallery, Kyoto (2009); Galerie Sies + Höke, Düsseldorf (2007); Chisenhale Gallery, London (2007); Kunstverein Freiburg (2006); Victoria Miro Gallery, London (2005)

 

Ausstellungsort

Barbara Gross Galerie

Theresienstr. 56, Hof 1 • 80333 M
Tel +49 89 29 62 72 • Fax +49 89 29 55 10
www.barbaragross.decontact@barbaragross.de
Di–Fr 11 – 18.30  • Sa 11– 16
barrierefrei