Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Marthe Wéry

16.03.2018 - 12.05.2018
Marthe Wéry
Wir laden Sie herzlich ein zu unserer zweiten Ausstellung mit Arbeiten von Marthe Wéry, deren Werk zur Zeit eine Wiederentdeckung erfährt. Bekannt wurde die belgische Künstlerin durch ihre monochrome Malerei, ihre ungebrochene Aktualität beruht jedoch auf dem radikal experimentellen Umgang mit Farbe und einem Weiterdenken der Malerei in den Raum. Von ihren minimalistischen Streifenbildern und gefalteten Papierarbeiten über monochrome Bildergruppen bis hin zu den farbigen Bodenarbeiten, die kurz vor ihrem Tod 2005 entstanden sind, gibt unsere Ausstellung einen Einblick in Wérys facettenreiches Schaffen seit den 1970er Jahren.
Nach einer frühen konstruktivistischen Periode beginnt Marthe Wéry Anfang der 1970er Jahre mit radikal minimalistischen schwarz/grauen Kompositionen. Mit Tusche und Acryl schraffiert sie Leinwände vertikal oder horizontal in dichter Textur. In der Folge verwendet sie hauptsächlich handgeschöpftes Papier, welches sie zuerst faltet, um dann Linien mit schwarzer Tusche und Lineal in seine Oberfläche einzuritzen. Die gefalteten und in Serien hergestellten Papierarbeiten, betrachtet Wéry fortan als Objekte. Sie besetzt damit den Raum: In horizontaler und vertikaler Anordnung oder in gestapelten Bündeln reiht sie die Papiere an der Wand oder breitet sie ungerahmt auf dem Boden aus.
Mit der Einladung zum Belgischen Pavillon in Venedig 1982 entwickelt Marthe Wéry diesen Gedanken weiter, kehrt jedoch zur Farbe zurück. In monochromen, häufig roten oder blauen Arbeiten, beginnt sie die unterschiedliche Qualität und Wirkung einzelner Farben zu erforschen. Mehrere farbverwandte Bilder gleichen Formats reiht Wéry in architekturbezogenen Installationen nebeneinander oder kombiniert sie mit unbehandelten Holzplatten, deren Maserung im lebendigen Kontrast zu den glatten Farbflächen stehen. In den neunziger Jahren experimentiert Marthe Wéry mit der Farbmaterie. Fortan überschüttet sie ihre in großen Farbwannen liegenden Bildträger, meist Holzplatten oder Aluminiumtafeln, mit Farbe, Pigmenten und Lösungsmitteln. Das Ergebnis überlässt sie bis zur Trocknung unkontrolliert sich selbst oder sie arbeitet mit breiten Schabern und Pinseln in den Trocknungsprozess hinein. Die Farbe bildet unterschiedliche Häute, manchmal durchscheinend wie ein Schleier, manchmal voluminös opak. Jegliche Vorstellung von Komposition wird hier verworfen, das Bild bleibt offen, endlos, ohne Grenze.
Neben großen Bildformaten zeigen wir in unserer Ausstellung ein Ensemble von späten kleinformatigen Werken, die als großes Wandtableau den Ausstellungsraum in ungewöhnlicher Weise einnehmen. Einen Höhepunkt stellt eine gekippte Aluminiumarbeit dar, die wir – auf fragilem Holzgestell ruhend – als Bodenskulptur zusammen mit einer Serie von Papierarbeiten präsentieren. Aufgegriffen wird damit die vielfältige offene Präsentation ihrer Werke, die Marthe Wéry zu Lebzeiten praktiziert hat und auf den radikal unabgeschlossenen Charakter ihrer Malerei verweist.
Marthe Wéry *geboren 1930 in Brüssel, studierte an der Académie de la Grande Chaumière in Paris. Sie unterrichtet am Institut Saint-Luc in Brüssel. Als Lehrerin war sie impulsgebend für eine jüngere Generation von Künstlerinnen wie Ann Veronica Janssens oder Joëlle Tuerlinckx. Zu ihren wichtigsten Ausstellungen zählen 1975 Fundamental Painting im Stedelijk Museum Amsterdam, ihre Teilnahme an der Biennale in Venedig 1982 sowie 2001 eine große Retrospektive im Palais des Beaux Arts in Brüssel. 2004 widmete ihr das Musée des Beaux Arts Tournai (in der Art Nouveau Architektur von Victor Horta) eine große Einzelausstellung. Marthe Wéry verstarb 2005 in Brüssel. Das Musée des Beaux Arts de Rouen organisierte 2006 eine erste umfassende Retrospektive der Künstlerin.  2011 zeigte das Gemeentemuseum Den Haag, eine Retrospektive und 2017 einen Überblick über ihre Arbeiten auf Papier. 2017 waren ihre Werke im BPS22- Musée d’Art de la Province de Hainaut in Charleroi zu sehen.
Marthe Wéry
Untitled, 1998
Acryl auf Holz
153 x 150 cm
 

Ausstellungsort

Barbara Gross Galerie

Theresienstr. 56, Hof 1 • 80333 M
Tel +49 89 29 62 72 • Fax +49 89 29 55 10
www.barbaragross.decontact@barbaragross.de
Di–Fr 11 – 18.30  • Sa 11– 16
barrierefrei