Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

No Secrets! Reiz und Gefahr digitaler Selbstüberwachung

25.03.2017 - 16.07.2017
No Secrets! Reiz und Gefahr digitaler Selbstüberwachung

Künstler
Hasan Elahi, Ed Fornieles, Rafael Lozano-Hemmer, Manu Luksch/Martin Reinhart/Thomas Tode, Susan Morris, Matthias Oostrik, Trevor Paglen, Tactical Technology Collective u.a.

Überall online und digital vernetzt, beklagen wir den Verlust unserer Privatsphäre. Schuld daran sind paradoxerweise wir selbst, die mit unseren täglichen, oft leichtfertigen Gewohnheiten diesen Verlust befördern. Wir erzeugen eine Flut digitaler Informationen und speisen damit gegenwärtige und künftige Überwachungssysteme. Längst nutzen Sicherheitsbehörden, Versicherungen, IT-, Handels- oder Pharmakonzerne die Ergebnisse von Big Data-Analysen.
Mit Apps, Trackern und Sensoren kontrollieren wir bereitwillig uns selbst. Indem wir vom Hormonhaushalt zur Herzfrequenz, vom Schlafverhalten bis zum Gemütszustand Daten protokollieren, versuchen wir, uns selbst zu optimieren. Wir wollen schlanker, gesünder und leistungsstärker werden und unseren Alltag so effizient und bequem wie möglich gestalten. Die praktischen digitalen Helfer kommen diesen Wünschen spielend entgegen. Verhaltensmuster des Lebens, Eigenheiten und Ticks werden aufgezeichnet und analysiert. All das nehmen wir willentlich in Kauf oder blenden es aus. Treffend formuliert das der Slogan eines Fitness-Trackers: „We know you better than you know yourself“.
Die Daten, die wir heute bewusst oder unbewusst preisgeben, bestimmen auch unser zukünftiges Selbstbild – unser „future self(ie)“. Denn die Mittel der Datenüberwachung zeigen uns und anderen nicht nur, wo wir uns aktuell befinden. Zunehmend steuern sie auch, wohin wir uns bewegen und wie wir uns in Zukunft verhalten. In dem Projekt „No secrets!“, das die ERES-Stiftung gemeinsam mit dem Münchner Stadtmuseum realisiert, beleuchten Wissenschaftler und Künstler das aktuelle Phänomen: Wie lässt sich die Bereitschaft zur Selbstüberwachung erklären? Kann man sich dieser Entwicklung entziehen, ohne auf die Teilnahme an einem „zeitgemäßen“ Leben verzichten zu müssen? Welche Gefahren birgt der Hang – oder Zwang – zur Transparenz? Gibt es in der digitalen Welt ein Recht auf Vergessen?
Gezeigt werden zehn zeitgenössische Positionen, die sich mit Videos, Fotografie, Installationen und Textilarbeiten mit dem Thema Selbstüberwachung auseinandersetzen.

Vorträge
Dienstag, 28. März 2017, 19 Uhr
Prof. Dr. Klaus Mainzer, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie, em. Direktor der Carl von Linde-Akademie an der Technischen Universität München
„Die Berechnung der Welt. Von der Macht und den Grenzen der Algorithmen und Big Data”

Montag, 3. Juli 2017, 19 Uhr
Prof. Dr. Diana Tamir, Assistenzprofessorin für Psychologie, Princeton University, USA, Leiterin des Princeton Social Neuroscience Lab
Der Reiz der digitalen Selbstdarstellung – eine neurowissenschaftliche Perspektive (in englischer Sprache)

Eintritt frei, Anmeldung zu den Vorträgen empfohlen: info@eres-stiftung.de

Das Projekt ist eine Kooperation mit dem Münchner Stadtmuseum. Hier eröffnet am 23. März die Ausstellung NO SECRETS! – Bilder der Überwachung.
Das Filmmuseum München zeigt dazu eine umfangreiche Filmreihe.

Trevor Paglen
DMSB 5B/F4 from Pyramid Lake Indian Reservation (Military Meteorological Satellite: 1973-054A), 2009
© the artist, Courtesy H2 – Zentrum für Gegenwartskunst, Augsburg

 

 

Ausstellungsort

Eres-Stiftung

Römerstr. 15 • 80801 M
Tel. +49 89 388 79 079 • Fax +49 89 388 79 080
www.eres-stiftung.deinfo@eres-stiftung.de
Di, Mi, Sa, 11–17