Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Philipp Lachenmann

Delphi_Essentials
27.04.2017 - 17.06.2017
Philipp Lachenmann

In DELPHI_Essentials stellt Philipp Lachenmann grundlegende Fragen an die künstlerischen Mittel und untersucht das kunsthistorische Ausdrucksrepertoire, das einem Künstler heute zu Verfügung steht. In Form einer virtuellen Rückkehr an den Anfang der Kunst befasst Lachenmann sich mit den Voraussetzungen und dem Wesen des bildnerischen Materials. Erstarrten Konventionen und vorschnellen Erwartungen an eine Kunstform begegnet er mit Umcodierungen und Neuformulierungen. Dabei werden die Grenzen zwischen Skulptur, Malerei, Photographie und Film strapaziert, die Medienkategorien auf ihre wesentlichen Bestandteile reduziert und in ihren Basisfunktionen reflektiert. Einzelne Arbeiten lassen sich kontextuell so miteinander verweben, dass sie sich gegenseitig als Katalysatoren dienen, um ihre Eigenheiten, Bestandteile und Konturen schärfer hervortreten zu lassen.
Schliesslich ist DELPHI_Essentials in Philipp Lachenmanns spezifischer, die künstlerischen Grundlagen trennenden und wieder neu verschmelzenden Praxis auch das Projekt einer Selbstsezierung des Künstlers, der hier sein eigenes Instrumentarium offenlegt.
Ausgangspunkt von DELPHI_Essentials ist im Prinzip der einzelne Pinselstrich, der sich in den Mirror Paintings als impulsiver Gestus ebenso formuliert findet, wie er in konzeptueller Form die Handschrift eliminiert. Dieser vermeintliche Widerspruch führt ästhetisch mittels eines produktiven Verfremdungsprozesses zu sinnstiftender Irritation und Erfahrung von Sinnlichkeit.
Die Ausstellung umfasst vier Werkgruppen: Die Gemälde der MIRROR PAINTINGS, die von Moholy Nagys Telefonbildern inspirierten SPLASH Fotografien, MIRROR SANDBOX, die skulpturale Installation eines Sandkastens mit ikonischen dreidimenstionalen Bildwerken, und die Video-Installation DELPHI RATIONALE, die den Betrachter in einen weiterführenden Gedankenraum des derzeit ambitioniertesten Forschungsprojekts auf der Suche nach den Ursprüngen der physikalischen Materie führt.
Der Titel „DELPHI_Essentials“ bezieht sich auf Delphi als Ort & Orakel, ist Referenz an den Ursprung der vermittelten (Selbst-)Erkenntnis und die „Mitte der Welt“ und impliziert so die zwei zentralen Themen der Ausstellung Beginn & Übersetzung, hier auch verstanden in den erweiterten Bedeutungsfeldern von Veränderungsprozess, Transformation, Übergang, Echo.

Philipp Lachenmann, 1963 geboren, studierte nach einer Ausbildung als Architekturmodellbauer Kunstgeschichte, Philosophie und Film in München und absolvierte ein Postgraduiertenstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln.
Seit 2010 lebt und arbeitet Philipp Lachenmann in Berlin.

Im Zentrum seines Interesses stehen die Mechanismen und Wirkungsweisen des Imaginären, insbesondere die Verschiebungen, Parallaxen des sogenannten Kollektiven Gedächtnis, des Collective Imagery. Seine Filme, Fotografien, Skulpturen, Gemälde und Installationen sind durchweg geprägt durch die Auseinandersetzung mit den Grundlagen der Bildgenese, mit Repräsentationsstrukturen und Bedeutungsmonopolen. Er decodiert ihre Prägungen und macht sie durch einfache Eingriffe auf neuer Ebene lesbar. Dabei analysiert seine Kunst präzise jene visuellen Verführungen, die zu inneren Bildern und Fetischen geronnen, auch politisch wirkungsmächtig unseren Alltag formen. Lachenmanns Arbeiten agieren und argumentieren auf verschiedenen semiotischen Ebenen, sodass sie sich variabel lesen lassen, ihre Offenheit bewahren und zur Dekonstruktion hegemonialer Deutungshierarchien führen.

Philipp Lachenmann | Studio View

 

 

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 12–18 • Sa 11–15