Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Lucas Reiner

Fifteen Stations
22.03.2012 - 28.04.2012
Lucas Reiner

Lucas Reiner, Second Fall, 2010, Drypoint etching with spite bite aquatint, 14 x 11,4 cm

Radierungen

Lucas Reiner widmet sich seit 2001 dem Thema Baum. Er “portraitiert” die Bäume am Straßenrand der Stadt, in der er lebt: schief gewachsen, geschunden, merkwürdig getrimmt, zurechtgestutzt vom Verkehr, von Lastwagen gestreift, beschnitten, um Sicht zu schaffen, entfremdet durch Schilder, fragil und doch zäh, um Raum ringend.
Los Angeles Trees sind Bilder in Öl und Wachs auf Leinwand, den alten Meistern verwandt in Sujet, Pinselstrich, Farbe und Licht und haben doch nichts zu tun mit traditioneller Landschaftsmalerei. Es sind Bäume, einzeln, ohne den Erdboden und ohne den Horizont. In diesen „Portraits“ wird die Kollision sichtbar zwischen organischem Wachsen und den rigiden Strukturen urbanen Lebens. Der Zyklus erzählt vom Verhältnis des Menschen zur Schöpfung, der Domestizierung der Natur durch die Zivilisation und vom Überleben.

Lange hat Reiner nachgedacht über einen Kreuzweg im Bild des Baumes. Er entfaltet nun in seinen Portraits der Los Angeles Trees die universelle Symbolkraft des Baumes als dem Heiligen, dem Baum des Lebens, gepflanzt im Paradies, Vertikale zum Himmel, Symbol des Wachstums, der beständigen Erneuerung, des Sieges über den Tod. Seinen Baum verwandelt er in das Kreuz Christi, das Holz des Todes, das
zum Auferstehungssymbol, zum Heilszeichen wird.

Entstanden ist eine Serie von Radierungen, die er Fifteen Stations nennt. Die einzelnen Blätter tragen Titel in Anlehnung an die fünfzehn Stationen des Kreuzweges Christi. Sie sind Teil einer Auftragsarbeit der St. Augustine’s Episcopal Church in Washington, D.C. und liegen jetzt in einer limitierten Auflage vor, gedruckt von Clemens Buntig Editionen.

Die Galerie Biedermann zeigt die Fifteen Stations nach einer Einzelausstellung von
Lucas Reiner 2008 und seinen Beteiligungen in Gruppenausstellungen 2004 und 2005.

Lucas Reiner, geboren 1960 in Los Angeles, lebt und arbeitet in Los Angeles.
Petra Giloy-Hirtz

 

Ausstellungsort

Galerie Biedermann

Barerstr. 44 (Rgb.) • 80799 M
Tel. +49 89 29 72 57 • +49 171 209 46 43
galerie-biedermann@web.de
Di–Fr 14–18 und nach Vereinbarung
Im August ist die Galerie nur nach Vereinbarung geöffnet

Die Galerie wurde 1971 von der Kunsthistorikerin Dr. Margret Biedermann gegründet. Die Galerie beschäftigt sich in erster Linie mit Gemälden und Skulpturen des 20. Jahrhunderts. Die Künstler der Galerie sind einerseits repräsentativ für die internationale zeitgenössische Kunstszene, darunter Chillida, Tobey, Goldberg, Dorazio, Tapies, Pierre Alechinsky. Außerdem sind Künstler der jungen Generation aus Süddeutschland von eher lokaler Bedeutung vertreten.

Da Margret Biedermann ihr Studium mit einer Arbeit über Kunst im 18. und 19. Jahrhundert abgeschlossen hat, befasst sie sich in ihrer Galerie auch mit Kunstwerken aus jener Zeit.