Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Richard Allen Morris, Michael Venezia, Peter Young

Trip
27.10.2012 - 21.12.2012
Richard Allen Morris, Michael Venezia, Peter Young

Richard Allen Morris, For All of Those People, 1964, Öl auf Leinwand, 60,96 x 45 cm

Häusler Contemporary lädt mit der Ausstellung »Trip« zur Begegnung mit drei wichtigen Positionen der amerikanischen Malerei der 1960er und 1970er Jahre bis heute ein. Neben Richard Allen Morris und Peter Young stellen wir mit Michael Venezia erstmals einen weiteren bedeutenden Vertreter des Postminimal Painting vor.

Den Auftakt zu »Trip«, einer ideellen Reise durch die jüngere Geschichte internationaler Malerei macht Peter Young (*1940, Pittsburgh, PA, USA), der im New York der 1960er Jahre die strengen Formprinzipien der wesentlich von Donald Judd geprägten Minimal Art mit den Mitteln der Malerei durchbrach und ironisierend in Frage stellte. Youngs künstlerisches Konzept fand in der New Yorker Kunstszene große Beachtung, nach erfolgreichen Ausstellungen, unter anderem in der Galerie von Leo Castelli, verließ der Künstler dennoch New York in Richtung Arizona, wo er seitdem lebt und arbeitet.
Im großformatigen Werk »#10-1965«, einem raren Beispiel aus der frühen Werkphase des Künstlers, durchbricht eine strenge Linearkomposition alle Regeln der Geometrie: ein Viereck ist aus der Balance gesetzt und öffnet den Bildraum wie ein fragmentiertes Tor, gleichsam als eine symbolische Einladung zur Begegnung mit den unterschiedlichen künstlerischen Konzepten der Ausstellung. In den 1970er Jahren wandte sich Young einer von ethnischen und psychedelischen Impulsen geprägten Malerei zu. In der Ausstellung sind Beispiele seiner intensiv farbigen, ornamenthaften Kompositionen aus den 1970er und 1980er Jahren zu sehen, die von den Formrapporten indianischer Ornamentik geprägt sind. Eine subjektive Annäherung an abstraktes Formgefüge, ganz ohne ideologische Schwere. Peter Young löste sich in den 1990er Jahren aus diesen strengen Formund Farbrhythmen und erweiterte seine Malerei in eine schwungvolle, raumgreifende Geste, ohne die konkrete Abstraktion dabei gänzlich zu verlassen. Mit der umfassenden Retrospektive Peter Youngs 2007 im P.S.1 New York begann eine konsequente Wiederentdeckung dieses spannenden Oeuvres in der Gegenwart.

Der kompromisslose Formwille und sein besonderes Interesse an den Entwicklungen der abendländischen Malerei machen Richard Allen Morris (* 1933, Long Beach, CA, USA ) zu einem einflussreichen »Künstler«, den sein Freund und Kollege John Baldessari mit Henri Rousseau verglich. (»He is like what Rousseeau was to other painters in Paris…«). In einer intensiven Auseinandersetzung mit Werken von Giotto, Toulouse Lautrec, Daumier oder Kirchner führt Morris in den 1960er Jahren einen malerischen Dialog mit dem klassischen Motiv in einer radikalen Reduktion formaler Mittel, indem er Teile der Komposition nicht farbig ausführt, sondern die intendierte Farbgebung lediglich handschriftlich vermerkt. Die großformatigen Werke »From the Imperial Court (from Toulouse Lautrec)« und »Revival (from Giotto)«, beide aus 1962, stehen damit als wegweisende Beispiele konzeptueller Malerei. Aus dem Jahr 1965 stammt die der Ausstellung den Titel gebende Arbeit »Trip«, in der Morris Malerei und Collage zu einer Bildeinheit verbindet. Auf eine in rigoroser Geste bemalte Leinwand setzt der Künstler eine Postkarte des Fujiyama und entführt den Betrachter, nicht ohne Augenzwinkern, in geheimnisvolle exotische Welten. Mit »Gilroy« präsentieren wir einen der »Heads«, die ebenso prägend sind für das Werk und die späte Bekanntheit von Richard Allen Morris wesentlich mit begründet haben.

Michael Venezia (*1935, Brooklyn, N.Y., USA) ist erstmals in einer Ausstellung bei Häusler Contemporary vertreten. Auch er gilt als Erneuerer der Malerei der 1960er Jahre, besonders der stilprägenden Tendenzen des abstrakten Expressionismus, den er mit seinen eigenen Mitteln fortsetzen und interpretieren wollte, um ihm damit auch neue Aspekte von Qualität zu verleihen. Mit Freunden wie Dan Flavin, Sol Lewitt oder Robert Ryman entstanden die Grundlagen für den konzeptuellen Diskurs. Nach einer Periode, in der Venezia mit geometrisierenden Farbstreifen experimentierte, fokussierte er die malerischen Qualitäten des homogenen Bildgrundes und begann, das Bild von seinen äußeren Begrenzungen her zu bearbeiten. Das großformatige »Untitled_69_1« aus 1969 ist beispielgebend für die malerische Technik dieser Zeit, als Venezia Farbe mit einer Spraypistole auf die Leinwand aufbrachte. Die malerische Intervention konzentrierte sich auf die Bildränder, von wo aus die Farbe auf die Fläche gesprüht wurde und zur Bildmitte hin immer feiner und transparenter erschien. Es entstanden Bilder von kraftvoll sinnlicher Ausstrahlung, auch auf Papier, das durch teilweise Faltung die Farbfelder in scharfen Stegen durchtrennte. Zufall und Konzept blieben die wesentlichen Gestaltungsprinzipien Venezias bis heute.
Im Gegensatz zu den sich ungehindert ausbreitenden Farben auf der Fläche zwingt Venezia in seinen »Bars«, stabförmigen Bildobjekten, die Farbe auf eine kleinstmögliche Oberfläche. Die direkt bemalten Holzlatten werden zu Trägern unterschiedlichster Materialien: mit Spachtel oder Pinsel bringt er neben Öl und Acrylfarben auch Aluminiumpigmente, Blattgold oder Kupferfolie auf, um jegliche homogene Geschlossenheit der Oberfläche zu brechen. In der Arbeit »VS« aus dem Jahr 2007 greift Venezia diesen seit seinem Frühwerk bearbeiteten Werktypus wieder auf und segmentiert die laminierte Oberfläche des schmalen Stabes durch kraftvolle Farbigkeit.

 

Ausstellungsort

max goelitz

Maximilianstr. 35 / Eingang Herzog-Rudolf-Str. • 80539 M
Tel. +49 89 890 63 944
maxgoelitz.comgallery@maxgoelitz.com
Di–Fr 11–19 • Sa 11–16
barrierefrei

max goelitz präsentiert ein zeitgenössisches, internationales und generationenübergreifendes Programm mit Fokus auf abstrakten, konzeptbasierten Positionen, die sich im Spektrum von Malerei und Skulptur bis hin zu Architektur und Lichtkunst bewegen. Das Leistungsportfolio der in München ansässigen Galerie reicht von individueller Beratung bis hin zu der Umsetzung von Großprojekten und Kommissionen. Dabei arbeitet max goelitz vernetzt mit Partnergalerien – etwa OMR, Mexico City, oder Häusler Contemporary Zürich – um höchste internationale Relevanz am Markt zu gewährleisten und künstlerischen Austausch zu fördern. Im März 2020 trat Max Goelitz als vormaliger Direktor die Nachfolge von Wolfgang und Christa Häusler an, die fast dreißig Jahre die Galerie als Häusler Contemporary München führten und diese zu einer der ersten Adressen für die Vermittlung zeitgenössischer Kunst und mehrjährig angelegte Kommissionen entwickelten – zuletzt der Skyspace Lech von James Turrell in Österreich.