Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Willi Baumeister

17.05.2019 - 26.06.2019
Willi Baumeister

Baaderstr. 56 B

Willi Baumeister
Flämmchen, 1931
Öl auf Leinwand
57 x 43,5 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

Willi Baumeister gehört der innovativen Generation von Künstlern an, deren Geburtsjahr in die Achtzigerjahre des 19. Jahrhunderts fällt. Hierzu zählen beispielsweise Georges Braque, Fernand Léger, Pablo Picasso, Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein und Oskar Schlemmer. Mit der Avantgarde seiner Zeit stand Baumeister in regem Austausch, und mit einigen verband ihn eine enge Freundschaft. Während der Zeit des Nationalsozialismus, die für Baumeister mit einem Ausstellungs- und Arbeitsverbot einherging, lebte der Künstler zurückgezogen und arbeitete vor allem an Zeichnungen. Um 1943 verfasste er die programmatische und avantgardistische Schrift Über das Unbekannte in der Kunst, die erst 1947 veröfentlicht werden sollte. Es ist das zentrale Thema, mit dem sich Baumeister sein Leben lang beschäftigte.

In direkter Zusammenarbeit mit der Willi Baumeister Stiftung in Stuttgart, die das gesamte Archiv des Künstlers betreut, fnden seit 2001 regelmäßig Ausstellungen in den Räumen unserer Galerie statt. Die aktuelle Auswahl für die Präsentation umfasst die Jahre 1928 bis 1955 und setzt darüber hinausgehend einzelne Schwerpunkte. Eine frühe Werkgruppe der 1920er- und 1930er-Jahre spiegelt in ihrer Motivik Baumeisters Freundschaft und seine geistige Nähe zu Oskar Schlemmer und Otto Meyer-Amden wider. Während ihrer gemeinsamen Studienzeit vertieften die drei jeweils auf höchst individuelle Art und Weise das Thema der vereinfachten, aus Einzelteilen montierten, menschlichen Figur.
Eine weitere Werkgruppe sind die Zeichnungen der Sportler und – in ihrer direkten Metamorphose – die freien Kompositionen mit Linienformen. Sie entstanden Ende der 1930er-Jahre und zeigen Baumeisters Entwicklung von der zentrierten Figurendarstellung zum ofenen Bewegungsspielraum. Erfolgte Bewegung bisher aus gebündelten Dreh- und Angelpunkten heraus, so breitet sich die Dynamik zunehmend über den gesamten Bildträger aus: Zerstreuung durch kleinteilige Formen. Im Ansatz lässt sich erahnen, worauf Baumeister aufbaut – auf der menschlichen Figur, der Mechanik und Kinetik – und wohin er sich wendet: hin zur abstrakten Malerei. In diesem Zusammenhang fnden außereuropäische, archaische und prähistorische Kulturen Eingang in seine Kunst: nicht als Zitat, nicht als narrative Darstellung vergangener oder fremder Welten, alter Mythen und Sagen, sondern als Bild des „derzeitigen Zivilisationszustandes“ [1], als Symbiose „hinter deren Fassade die Umrisse der Vergangenheit, unter- gegangener Kulturen sichtbar werden“ [2]. Die Fläche, die taktile Oberfäche des Materials gewinnt an Bedeutung. In ihr fnden sich a priori kulturelle Konnotationen: „Der Künstler sucht […] nicht in seinem Innern, sondern er lässt das Unbekannte durch Berührung auf dem Blattgrund erscheinen.“ [3]
Die Gruppe von Werken der 1940er-Jahre ist breit angelegt und entstammt dem Themenkreis der archaischen, afrikanischen und chinesischen Kulturen oder setzt Bezüge zur griechischen Mythologie, wie beispielsweise in Hadeswächter und Giganten. Das Spätwerk der 1950er-Jahre ist hingegen durch Zeichnungen mit den phantastischen Titeln Phantom und Montaru vertreten. Der Künstler entwickelte eine ganz eigene, visualisierte Sprache: eine Sprache die das Erinnernde – an die kollektive Welt – und sein persönliches Empfnden, zeitgenössisch und modern, vereint. [4]

Willi Baumeister (1889 – 1955 Stuttgart) gilt als bedeutender Vertreter der abstrakten Malerei und als wichtige Inspirationsquelle für unterschiedliche Strömungen der Kunst nach 1945. Er lehre von 1927 bis 1933 an der Frankfurter Kunstgewerbeschule, der späteren Städelschule, und war mehrfach an der documenta (1955, 1959, 1964) und der Biennale von Venedig (1948 und 1952) beteiligt. Seine Werke wurden international ausgestellt undbefnden sich in bedeutenden privaten und öfentlichen Kunstsammlungen. Seit 2005 ist das Archiv Baumeister im Kunstmuseum Stuttgart angesiedelt. Als Forschungsstätte betreut es den gesamten Nachlass des Künstlers. [5]

[1] Baumeister, Willi: Das Unbekannte in der Kunst, Köln 1960, 150.
[2] Boehm, Gottfried: Willi Baumeister, Stuttgart 1995, 23.
[3] Kat. Ausst. Willi Baumeister, Galerie Fred Jahn, München 2001, 11.
[4] Vgl. Boehm 1995, 23-24 f.
[5] Willi Baumeister Stiftung, https://www.willi-baumeister.org

 

 

 

 

Ausstellungsort

Galerie Jahn und Jahn

Baaderstr. 56 B und C • 80469 M
Tel +49 89 41 41 82 80
www.jahnundjahn.com info@jahnundjahn.com
Di–Fr 10–18 • Sa 11–14 und nach Vereinbarung