Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Zu Gast: Dina4 Projekte

Katherine Newbegin / Felix Burger
27.10.2012 - 03.11.2012
Zu Gast: Dina4 Projekte

Katherine Newbegin
Untitled, Agra India, 2011

Dina4 Projekte, zu Gast in der Galerie Jordanow, präsentiert Fotografien aus der Serie „Cinemas in India“ der New Yorker Künstlerin Katherine Newbegin und im Kabinett der Galerie das Video: „The Mill on Black Water“ des Münchner Künstlers Felix Burger, Meisterschüler von Stefan Huber.

Katherine Newbegin Fading
Der Titel „Fading“ der soviel wie verblasst, abgenützt und vergänglich bedeutet, verweist auf die Themen, mit denen sich Katherine Newbegin künstlerisch auseinandersetzt.
Katherine Newbegin beschäftigt sich in Ihren Arbeiten mit vorgefundenen Orten, die Spuren einstiger Benutzung aufzeigen. Sie stellt in ihren Fotografien den gegenwärtigen Zustand und die Folgen der vom menschlichen Dasein geprägten Vergangenheit dar. Eine Welt, deren Architektur und Interieurs von einstiger Blüte zeugen, die nun, leblos und isoliert, heruntergekommen und auf sich selbst gestellt, zurückgelassen wurde.
Es bleibt der melancholische Blick auf – und die Erinnerung an – eine von Menschen vernachlässigte Welt ohne ihn selbst jedoch zu zeigen – Zeugnis elementarer Vergänglichkeit.
Auf der Suche nach entlegenen Plätzen der Welt bereiste die Künstlerin ehemalige kommunistische Länder wie Moldawien, Rumänien, Polen sowie Cuba und Kambodscha und fotografierte sowjetische Architektur der 60iger Jahre, Innenräume verlassener Hotel- und Ferienanlagen um deren einstige Bedeutung in unserer schnelllebigen Welt festzuhalten.
2010/2011 reiste Newbegin nach Indien. Dort entdeckte sie in den Kleinstädten einzelne Filmtheater, die meist als „family run“ Cinemas betrieben wurden. Noch sind sie Zeitzeugen der Geschichte des indischen Kinos, die Katherine Newbegin in ihren Fotografien bewahren möchte, bevor auch diese aus unserem Bewusstsein verschwinden. In den Metropolen des Landes sind diese kleinen Kinos auf Grund des wirtschaftlichen Aufschwungs bereits durch große Multiplex-Kinos ersetzt worden.
Indien gehört zu den ersten Ländern, die bewegliche Bilder, Filme, zeigten. Bereits 1896 fand die erste Cinematograph-Aufführung mit Filmen der Lumière Brüder in Bombay statt, den ersten Kinobau gab es bereits 1907 in Kalkutta. Die Kultur des Kinos dringt auch heute noch in alle Aspekte des alltäglichen indischen Lebens.
Newbegins Fotografien, der vom Abriss bedrohten Filmtheater sind Belege der Kinokultur Indiens. Sie bezeugen die menschlichen Spuren und Aktivitäten, die zuvor in Ihnen stattgefunden haben. Ihre Architektur wirkt heute bereits kalt, leblos und museal wie Relikte vergangener Zeiten. Mit Ihrer Ästhetik des Verfalls vermitteln sie einen morbiden Charme, dem man sich nicht entziehen kann.

Katherine Newbegin * 1976 in Portland, lebt und arbeitet in New York/Brooklyn, studierte Fotografie und englische Literatur am Hunter College in New York sowie an der Yale University. Sie war 2011-2012 Stipendiat der Marie Walsh Sharpe Foundation, erhielt 2009 den Louis Comfort Tiffany Foundation Award, 2008 ein DAAD Stipendium für Berlin und assistierte für Uta Barth, Reiner Leist und Candida Höfer.

Felix Burger The Mill on Black Water
Felix Burger ist bekannt für seine semi-fiktionalen Videofilme – oftmals in romantisierender Astethik wiedergegeben – die Anspielungen auf biographische Eckdaten des Künstlers mit Verweisen auf historische Ereignisse zu narrativen, fingierten, dokumentarischen Schilderungen vereinen. Der Betrachter wird hierbei an das Genre des Stummfilms erinnert.
Im Kabinett der Galerie zeigen wir den fast 4-minütigen Dokumentarfilm: The Mill on Black Water, der den Abriss der Münchner Innenstadt – mittels eines Markierungskreises begrenzt – nach den Vorbildern der Stadt Veränderungspläne eines Baron Haussmanns oder eines Albert Speers, beschreibt. Dieser Eingriff dient hierbei nicht zur Herstellung urbaner Isolation und Zerstörung für propagandistische oder militärische Zwecke, sondern der Künstler gestaltet nach seinen Vorstellungen und persönlichen Wünschen das Elternhaus zu einer abgeschiedenen mittelalterlichen Mühle um.

Felix Burger * 1982 in München, studierte an den Kunstakademien in München und Wien. 2010 erhielt er als Meisterschüler von Stephan Huber sein Diplom und nahm noch im gleichen Jahr am International Studio Program, (ISCP) in New York teil. Er ist derzeit Stipendiat des Ringenberg Stipendiums der Kunststiftung NRW und ist Träger des Projektstipendiums Los Angelos DAAD 2012. 2013 nimmt er sein Masters an der Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam auf.

 

Ausstellungsort

Galerie Jordanow

Zieblandstr. 19 • 80799 M
Tel. +49 89 160 55 35 795
www.galerie-jordanow.dejordanow@galerie-jordanow.de
www.artsy.net/galerie-jordanow

Öffnungszeiten während der Ausstellungen:
Mi–Fr 14–19 • Sa 11–15 und nach Vereinbarung