Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Alexander Tutsek-Stiftung

Karl-Theodor-Str. 27 • 80803 M
Tel. +49 89 552 730 60
www.atstiftung.de
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Di–Fr 14–18 • außer feiertags

Außerordentliche Schließung, 18. bis 22. September 2017
Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass in diesem Zeitraum die aktuelle Ausstellung aus betrieblichen Gründen für Besucherinnen und Besucher leider geschlossen bleiben muss. Wir bitten Sie um Ihr Verständnis und danken Ihnen für eine Planung Ihres nächsten Besuches außerhalb der 38. Kalenderwoche.

Die Alexander Tutsek-Stiftung fördert Kunst und Wissenschaft. Sie wurde im Dezember 2000 von Alexander Tutsek und
Dr. Eva-Maria Fahrner-Tutsek als gemeinnützige Stiftung in München gegründet. Die Stiftung engagiert sich unter ihrem übergreifenden Programm „Kunst und Wissenschaft“ ganz bewusst für das Spezielle, das Besondere oder auch das Vernachlässigte, Übersehene.

Karl-Theodor-Str. 27
80803 München

Laufende Ausstellungen


Kommende Ausstellungen


Vergangene Ausstellungen

lebenswelt | life-world

lebenswelt | life-world

Fotografie von Rinko Kawauchi und zeitgenössisches Glas aus Japan

20.01.2017 - 20.10.2017
Aufgrund der großen Resonanz wird die Ausstellung „lebenswelt | life-world“ in der Alexander Tutsek-Stiftung in München bis zum 20. Oktober 2017 verlängert. Gezeigt werden zeitgenössische Skulpturen japanischer Künstlerinnen und Künstler sowie Fotografien der japanischen Fotografin Rinko Kawauchi. Subjektive Alltagserfahrungen, zeitliche Abläufe in der Natur, die zwischenmenschliche Kommunikation stehen im Mittelpunkt der Kunstwerke aus Japan.

Rinko Kawauchi (geboren 1972 in Shiga, Japan) ist in ihrem Heimatland eine bedeutende Künstlerin. In Europa und den USA ist sie bisher nur Eingeweihten bekannt. In ihren Fotografien verwandelt sie Alltag oder Natur in etwas atemberaubend Neues. Aus der Serie „Ametsuchi“ zeigt die Ausstellung großformatige Fotografien. Reduzierte Landschaftsbilder von traditioneller Brandrodung thematisieren anhand der zerstörerischen, gleichzeitig verjüngenden Kraft des Feuers, das Verhältnis von Mensch, Natur, Zeit. Weiterhin werden aus der Serie „Illuminance“ kleine, intime Fotografien gezeigt. Hier widmet sich Rinko Kawauchi – basierend auf persönlichen Erfahrungen – sanft, teils auch verstörend, alltäglichen Dingen oder Tätigkeiten. Durch die Wahl der Ausschnitte und Perspektiven und den subtilen Einsatz von natürlichem Licht in Kombination mit oft durchscheinenden Farben hat Rinko Kawauchi in ihrer Fotografie eine ganz eigene Charakteristik und Sprache gefunden. Ihre Werkgruppen lassen den Betrachter die alltägliche Umwelt bewusster, weiter und mit veränderten Augen sehen.

Die zusammen mit den Fotografien gezeigten Skulpturen verstärken diese Empfindung. In einem in der Kunst eher ungewöhnlichen Medium – dem vielschichtig zu verarbeitenden Material Glas – gehen sie auf unmittelbare, subjektive Erfahrungen des Menschen ein. Die für die Ausstellung von der Stiftung angekauften Objekte der 21 Künstlerinnen und Künstler sind fast alle zum ersten Mal außerhalb Japans zu sehen.

Die Installation „Form of Water“ aus freigeformtem und formgeschmolzenem Glas von Naomi Shioya zeigt Spuren, die das Wasser auf der Erde hinterlässt, ähnlich den Spuren der Zeit im menschlichen Leben. Auseinandersetzungen mit Phänomenen in der Natur finden sich auch bei Kana Tanaka mit ihrer lichten Installation „Petal Stream“ (Blütenfluss).

Die Daseinswelt von menschlichen Behausungen wird in einer dreiteiligen Installation von dem Architekten Tadao Ando dargestellt. Die Stelen aus aquamarinblauem Glas wirken wie Hochhäuser. Die Installation vereint gedrehte Variationen der einfachen Grundform des Dreiecks mit unterschiedlichen traditionellen Schleiftechniken.
Das Werk ist einfach, zugleich aber komplex, entsprechend der minimalistischen Baukunst des Architekten. Tadao Ando (75) zählt zu den weltweit wichtigsten zeitgenössischen Architekten und wurde unter anderem mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet.

Künstler wie Yuko Fujitsuka und Sayo Fujita betonen in ihren Häuser-Skulpturen den Rückzugsort und geben ihren Arbeiten Titel wie „One week for meditation“ oder „Hokora“ (Schrein). Um größere Zusammenhänge in der Welt geht es Shima Koike mit ihren Fabelwesen („The world in my hands“) sowie Kyoko Hirako mit ihrer Installation „Sink into my mind“ aus geblasenen Glaskugeln. Die schon vor einigen Jahren von der Stiftung entdeckte Künstlerin Masayo Odahashi stellt eindrucksvoll komplexe seelische Zustände mit wortlos kommunizierenden Figuren dar. Besondere Wege im Umgang mit der Materialbeschaffenheit des Glases gehen Yoshiaki Kojiro und Sachi Fujikake. Ihre experimentellen Techniken verschaffen ihren Objekten eigene Gesetzmäßigkeiten, als würden sie zu einer anderen Welt gehören. Kojiro nennt sein aufgeschäumtes Glasobjekt schlicht „Be“.

Der Titel der Ausstellung „lebenswelt | life-world“ ist eine Anspielung auf das gleichnamige Konzept in der Phänomenologie. Damit ist die Welt gemeint, wie sie unmittelbar und direkt in der Subjektivität des alltäglichen Lebens erlebt wird (Edmund Husserl). Diesen Ansatz, alltägliche Phänomene individuell aber auch in ihrem sozialen und kommunikativen Kontext (Jürgen Habermas) wahrzunehmen, visualisieren die für die Ausstellung ausgewählten Kunstwerke.

Die Alexander Tutsek-Stiftung fördert Kunst und Wissenschaft. Sie wurde im Dezember 2000 von Alexander Tutsek und Dr. Eva-Maria Fahrner-Tutsek als gemeinnützige Stiftung in München gegründet. Die Stiftung engagiert sich unter ihrem übergreifenden Programm "Kunst und Wissenschaft" ganz bewusst für das Spezielle, das Besondere oder auch das Vernachlässigte, Übersehene.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft des Japanischen Generalkonsulats München.

Führungen unter www.atstiftung.de

Rinko Kawauchi
Untitled, from the series „Aila“
2004
C-Print
30,5 x 25,4 cm
©Rinko Kawauchi, courtesy | PRISKA PASQUER, Köln

 
 

Life Is Not A Beach

Life Is Not A Beach

Fotografie und zeitgenössische Skulpturen

22.01.2016 - 02.09.2016
Abbildungen
Galerieseite und Reihung: Matthieu Gafsou, Lausanne I
Slider: Janusz Walentynowicz, Hazardous Goods

In der Fortsetzung ihrer Themenausstellungen zeigt die Alexander Tutsek-Stiftung vom 22. Januar bis 24. Juni 2016 zeitgenössische Fotografien und Skulpturen. Unter dem Titel LIFE IS NOT A BEACH werden in der Ausstellung die Schattenseiten des Lebens thematisiert. Ein Beispiel dafür ist die beklemmende Welt von Drogenabhängigen. Der Fotograf Matthieu Gafsou dokumentiert diese in seinen 30 Fotografien auf eine authentische, gleichzeitig auch poetisch-achtsame Weise. Die 20 Skulpturen, der zweite Schwerpunkt der Ausstellung, sind aus dem alltäglichen und doch vielschichtigem Material Glas sowie Mixed Media gefertigt. International bekannte (Philip Baldwin & Monica Guggisberg, Silvia Levenson, Janusz Walentynowicz und weitere) sowie junge Kunstschaffende ergründen in ihren unterschiedlichen Arbeiten tiefsinnig die generellen Ängste sowie die inneren und äußeren Konflikte der Menschen.

Fotografien von Matthieu Gafsou
Die Fotografien stammen aus dem Projekt „Only God Can Judge Me“ des Schweizer Fotografen Matthieu Gafsou. Er fotografierte über ein Jahr in der Drogenszene von Lausanne. Durch den Einsatz verschiedener formaler Herangehensweisen, dokumentiert er das Leben von Abhängigen nüchtern und zugleich einfühlsam. Seine würdevollen Portraits langjähriger Drogenabhängiger mit ihren gezeichneten Gesichtern personalisieren eindrucksvoll ein gesellschaftliches Problem. Mit Stillleben fängt er ihren widersprüchlichen Lebensraum ein. Dokumentarisch-harte Nahaufnahmen von Drogenpäckchen, Gebrauchsutensilien, aseptischen Spritzräumen, Überwachungskameras und ähnliches geben einen unmittelbaren Eindruck vom täglichen Daseinskampf Abhängiger. Die poetisch anmutenden Fotografien nächtlicher Schauplätze von Szene-Treffpunkten lassen den Betrachter dagegen die begehrenswerte Seite des Rauschs erahnen. Matthieu Gafsou (geboren 1981) studierte Fotografie an der School of Applied Arts in Vevey und machte seinen Master an der University of Lausanne. Seine Fotografien werden in verschiedenen Einzel- und Gruppenausstellungen in den USA und Europa gezeigt und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten. 2009 wurde er mit dem „Prix de la fondation HSBC pour la photographie“ ausgezeichnet. Er lebt in Lausanne und lehrt dort an der University of Art and Design.

Skulpturen aus dem Medium Glas und Mixed Media
Die Skulpturen internationaler Künstlerinnen und Künstler interpretieren das Thema der Ausstellung in einem weiteren Material: Sie sind aus Glas sowie mit Mixed Media hergestellt. Der aus dem Alltag vertraute Werkstoff Glas verwandelt sich in der Hand von Kunstschaffenden in ein vielschichtiges, teils unerwartetes Medium. Seine Komplexität und die Möglichkeit Einblicke in verschiedene Ebenen zu geben, prädestiniert insbesondere das Material Glas dazu, die dunklen Seiten des Lebens eindringlich darzustellen. Das tiefe Tal der Depression wird durch einen ein Meter großen dunkelblauen Glas-See abstrahiert (Maria Lugossy) und durch eine erstarrt sitzende Figur (Janusz Walentynowicz) angesprochen. Die gläsernen bis ins Innerste sichtbaren Viren von HIV und Ebola thematisieren die Angst vor unheilbaren Krankheiten (Luke Jerram). Zwei unterschiedliche Objekte einer Studentin der Münchner Kunstakademie, ein auseinanderfließendes Selbstportrait und ein Gitter (Kris Buckley)  machen deutlich, dass auch die junge Künstlergeneration das Leben nicht nur als „Beach“ erlebt. Mögliche Einsamkeit trotz Familie zeigt eine eindringliche Installation aus China (Mei K. Lee) und das Werk eines Japaners (Shigenobu Fujishiro) macht mit einer kunstvoll aus Glasperlen karikierten Chanel-Einkaufstüte auf die Probleme von Obdachlosen aufmerksam.

 
 

Ann Wolff

Ann Wolff

Persona

17.10.2014 - 14.08.2015
Ann Wolff zählt zu den wichtigsten und spannendsten Vertreterinnen der europäischen Studioglas-Bewegung. Ihr widmet die Alexander Tutsek-Stiftung eine Einzelausstellung mit dem Titel Ann Wolff PERSONA.
Die Ausstellung zeigt vom 17.10.2014 bis 12.06.2015 in München in den ehemaligen Atelierräumen eines Bildhauers, dem Sitz der Stiftung, eine bemerkenswerte Übersicht ihrer großformatigen Skulpturen. Die im Bereich zeitgenössisches Glas international bekannte Stiftung führt damit die 2013 begonnene neue Ausstellungsreihe MASTER | MEISTER fort. Hier werden herausragende Künstlerpersönlichkeiten vorgestellt, die in ihrer Arbeit Glas als Medium des künstlerischen Ausdrucks einsetzen.
 „Das Material Glas ist eigentlich unsichtbar. Daher hat man als Künstler die Möglichkeit Räume zu schaffen, in die man hineinschaut. In diesen Räumen kann etwas entstehen, das eigentlich gar nicht da ist. Diese Besonderheit hat nur das Material Glas und das fasziniert mich“, erklärt die Künstlerin. Das Medium Glas spielt bei den meisten ihrer großformatigen Skulpturen eine zentrale Rolle, aber die Künstlerin Ann Wolff beschränkt sich nicht darauf. Sie setzt auch andere Materialien wie Bronze, Beton, Stein, Aluminium ein. So ist die gerade fertiggestellte große Aluminiumskulptur Mold ein besonderes Highlight der Ausstellung.
 Die für die Ausstellung der Alexander Tutsek-Stiftung ausgewählten 30 Objekte geben einen umfassenden Überblick über die letzten zehn Schaffensjahre. Erweitert wird die Ausstellung um eine Auswahl von Kohle- und Pastellzeichnungen aus ihrem zeichnerischen Werk. Gemeinsam ist ihnen das titelgebende Motiv der „Persona“, der Charaktermaske. Das Thema ist Ausdruck der philosophischen und existentiellen Fragen, mit denen sich die Künstlerin kontinuierlich auseinandersetzt. Sie sind Grundlage und Triebfeder für ihre Arbeiten. Dabei tritt im Gestaltungsprozess der Objekte die rationale Auseinandersetzung in einen Dialog mit der physischen Erfahrung. Diesen lebenslang vorangetriebenen Prozess kann der Betrachter in ihrem Werk erspüren und lässt ihn die Skulpturen intensiv erleben.
Ann Wolff,1937 in Lübeck geboren, hat eine Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung in Ulm absolviert und danach zunächst als Designerin in Schweden gearbeitet. Ende der 1970er Jahre macht sie sich als Künstlerin mit einem eigenen Studio selbstständig. Von 1993 bis 1998 lehrt Ann Wolff als Professorin an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Sie arbeitet heute als freie Künstlerin in Schweden.
 Mit geätzten und gravierten Glascollagen gewinnt Ann Wolff 1977 den damals neu eingeführten heute sehr renommierten Coburger Glaspreis. Unter ihren weiteren zahlreichen internationalen Auszeichnungen finden sich bedeutende Preise wie der Bayerische Staatspreis (1988), der Jurypreis des Toledo Museum of Art (2005), der Europäische Kulturpreis (2011). Ann Wolff ist in zahlreichen öffentlichen Sammlungen und Museen vertreten, darunter das Metropolitan Museum of Art, New York, das Victoria and Albert Museum, London, das Hokkaido Museum of Modern Art, Sapporo, das Musée des Arts Décoratifs, Paris.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Eva-Maria Fahrner-Tutsek
Ann Wolff PERSONA
Mit Textbeiträgen von Mark Gisbourne und Klaus Weschenfelder.
Arnoldsche Art Publishers, Stuttgart 2014.
120 Seiten, 100 Abbildungen in Farbe.
Hardcover. Englisch und Deutsch. € 29,80. ISBN 978-3-89790-416-3
 

Erwin Eisch

Erwin Eisch

Wo bist Du? Skulpturen

15.10.2013 - 23.05.2014
Abbildung links:
Erwin Eisch, Buddha, 1982
bemalt: formgeblasenes Glas, 50x24x22 cm
Foto: H.-J. Becker
© Alexander Tutsek-Stiftung

Abbildung Startseite (Slider: Ausschnitt):
Erwin Eisch
Die Einsicht, 1989
Formgeblasenes Glas, Graviert, Vergoldet, 47x20x30 cm
© Alexander Tutsek-Stiftung

„Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch“
Der Bildhauer und Maler Erwin Eisch, Pionier und Antriebsmotor der internationalen Studioglasbewegung, hat in seinem 60-jährigen Schaffen mit vielfältigen Themen und Techniken gearbeitet. Die aktuelle Ausstellung der Alexander Tutsek-Stiftung zeigt vom 15. Oktober 2013 bis zum 10. April 2014 das facettenreiche Werk von Erwin Eisch. Es ist geprägt von der kritischen Auseinandersetzung mit seiner Umwelt und seinem ganz eigenen die alltäglichen Dinge verfremdenden Humor. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den eindrucksvollen Serien von großen Porträtköpfen von Weggefährten, berühmten Persönlichkeiten und Selbstporträts. Sie vermitteln einen Eindruck von Eischs innovativer skulpturaler und malerischer Sprache. Ihre Machart ist beeindruckend: Sie sind aus Glas geblasen und malerisch so bearbeitet, dass das ursprüngliche Material nur zu erahnen ist.

In einem weiteren Themenbereich der Ausstellung werden die ganz frühen Arbeiten von Erwin Eisch vorgestellt. Diese Objekte mit frei gestaltetem Glas sind nur selten zu sehen. Als Sohn einer Glasmacherfamilie und Absolvent der Münchner Kunstakademie stand er der Glasmachertradition kritisch gegenüber und experimentiert in den 1950er und 1960er mit dem Material Glas am heimischen Glasofen. Im Gegensatz zu seiner Glas produzierenden Umgebung im Bayerischen Wald entwickelt, Erwin Eisch zweckentfremdete, gerade nicht gebrauchsfähige Objekte. Sie werden in verschiedenen Galerien im Bayerischen Wald ausgestellt, wo sie Harvey K. Littleton, ein amerikanischer Keramikprofessor entdeckt, der in Europa auf der Suche nach neuen Möglichkeiten im künstlerischen Umgang mit Glas ist. Damit beginnt 1962 in Frauenau die lebenslange Freundschaft und ein künstlerischer Austausch zwischen Eisch und Littleton. Diese Begegnung war einer der wichtigen Zündfunken für die internationale Sudioglasbewegung, die 2012 weltweit ihr 50-jähriges Jubiläum feierte. Mit der Studioglasbewegung hat das Material Glas eine dramatische Veränderung erfahren: weg von dekorativen, gebundenen Formen wie Vasen oder Schalen, hin zu Objekten und Skulpturen mit vieldeutigen Aussagen.

Die aktuelle Ausstellung beschäftigt sich in einem dritten Themenbereich mit der bewegten Studienzeit von Erwin Eisch an der Kunstakademie München. Noch als Student war Eisch 1957 Gründungsmitglied der Gruppe SPUR und gründete einige Jahre später selbst die skandalumwitterte Gruppe „Radama“. Die Schwabinger
Jugendstilvilla der Alexander Tutsek-Stiftung bietet für diesen Blick in die Geschichte des Künstlers eine ideale Kulisse. In einer Galerie in Schwabing wurde 1961 von der Gruppe Radama ein nicht vergessenes Event inszeniert: Die Ausstellung über den nicht existierenden Maler Bolus Krim. Die Kritiker, an der Nase herumgeführt, schrien „Skandal“ und die etablierte Kunstszene zeigte sich zu tiefst geschockt. Anhand von Zeitungsartikeln und anderen Dokumenten, sowie Skulpturen und Malereien aus der Zeit wird das damalige Projekt wieder lebendig gemacht.

Mit der aktuellen Ausstellung „Wo bist du? Skulpturen von Erwin Eisch“ beginnt die Alexander Tutsek-Stiftung eine neue Ausstellungsreihe:
Nach ihren Länder- und Themenausstellungen folgt nun eine weitere Reihe zu herausragenden Künstlerpersönlichkeiten, die in ihrer Arbeit Glas als Medium des künstlerischen Ausdrucks einsetzen.
 

In the Name of Love

In the Name of Love

Skulpturen zu dem großen Thema Liebe

07.02.2012 - 30.04.2013
Li Zhenning
People #21, 2010
Gegossenes Glas
Foto: H.-J. Becker
© Alexander Tutsek-Stiftung

Die Alexander Tutsek-Stiftung beteiltigt sich mit ihrer aktuellen Ausstellung „In the Name of Love“ am Münchner Stiftungsfrühling. Zum ersten Mal präsentieren sich Stiftungen der bayerischen Landeshauptstadt beim Münchner Stiftungsfrühling. Vom 15. bis 22. März zeigt München, wie reich die Stadt an bürgerschaftlichem Engagement ist. Acht Tage lang präsentieren sich rund 200 Stiftungen in zahlreichen Veranstaltungen mit ihren thematischen Schwerpunkten und zeigen dabei, dass sie einen erheblichen Teil zum Bestehen unserer Gesellschaft beitragen.

Die Ausstellung In the Name of Love der Alexander Tutsek-Stiftung ist am 19. und 20. März von 10 bis 14 Uhr sowie am 21. März von 14 bis 17.30 Uhr geöffnet. Zu entdecken sind Objekte, in denen sich die vielen Facetten der Liebe spiegeln. Nicht nur die helle, erwünschte Seite der Liebe wird beleuchtet, sondern auch ihre verborgene, geheimnisvolle, dunkle. Und dies mit einem Material, das in der Kunst eher selten zu sehen ist: Glas und Mixed Media. In der schönen Schwabinger Jugendstilvilla der Stiftung werden 30 Objekte von 26 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt ausgestellt.

Liebe war und ist in der Kunst ein wichtiges Thema. Der Mensch sehnt sich danach, Liebe und Liebesleid erfassbar zu machen. Von diesem ewigen Versuch zeugen über die Jahrhunderte Literatur, Musik, Malerei und Skulptur. Die neue Ausstellung der Alexander Tutsek-Stiftung in München „In the Name of Love“ zeigt die vielen Facetten der Liebe. Nicht nur die helle, erwünschte Seite der Liebe wird beleuchtet, sondern auch ihre verborgene, geheimnisvolle, dunkle. Und dies mit einem Material, das in der Kunst eher selten zu sehen ist: Glas und Mixed Media. In der schönen Schwabinger Jugendstilvilla der Stiftung werden 30 Objekte von 26 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt ausgestellt. Zur Ausstellung ist ein aufwendig fotografierter Katalog erschienen. Er gibt auch denjenigen die Chance die Ausstellung hautnah zu erleben, die nicht nach München kommen können.

Das Material Glas in der Kunst
Glas ist eines der Interessengebiete der jungen und dynamischen gerade zehn Jahre alt gewordenen Stiftung, die gerne Ungewöhnliches aufgreift. Glas in der Kunst gibt es schon lange. Ein Beispiel sind die zweckbefreiten Vasen von Emile Gallé oder Daum. Mit der Studioglasbewegung, die im Jahr 2012 ihr 50-jähriges Jubiläum feiert, hat das Material Glas eine dramatische Veränderung erfahren: weg von dekorativen, gebundenen Formen wie Vasen oder Schalen, hin zu vieldeutigen Aussagen. Das Medium Glas hat sich – unbemerkt von Vielen – zu einem eigenständigen Bereich in der Kunst entwickelt.

Die Facetten der Liebe in der Ausstellung
Die Ausstellung zeigt Objekte von international bekannten Künstlerinnen und Künstlern, aber es lassen sich auch junge und in Europa noch unbekannte Talente entdecken. Gerade sie verwenden das Material Glas unbekümmert in Kombination mit anderen Materialen wie Äste, Stoffe, Fotografien oder Drahtgeflecht, um die hellen und dunklen Seiten der Liebe zu erspüren. Wie zum Beispiel die aus vielen Teilen zusammen genähten Flügel der jungen Kanadier Tanya Lyons & Mathieu Grodet. Sie vermitteln die Hochstimmung die Liebe auslösen kann, lassen aber auch die Gefahr denken, sich zu verbrennen.
Im „Land der Dichter und Denker“ scheinen komplizierte Themen für die Künstlerinnen und Künstler nach wie vor ein Anliegen zu sein. Sie sind vom Norden Deutschlands bis in den Süden zahlreich mit emotional eindringlichen Arbeiten vertreten. Diese demonstrieren drastisch die grausame Macht der Liebe, Herzen zu zerstören (Ariane Forkel) oder gar herauszureißen (Simone Fezer). Das neben-einander stehende glatt geschliffene rote Paar von Franz X. Höller lässt deutlich werden, dass partnerschaftliche Liebe Anforderungen stellt und Kompromisse die gute Partnerschaft formen. Berührende Aspekte der ganz eigenen Zuneigung von Geschwistern offenbaren die Objekte von Christiane Budig und Sibylle Peretti.

Die spezifische Liebesbeziehung zwischen Mutter und Kind ist eines der vorherrschenden Themen der großen verstörenden Skulpturen von Christina Bothwell (USA). Gleichzeitig deuten sie die Gefahr der zu großen Liebe an, die – als Oktopus dargestellt – alles umschlingt und erdrückt. Der gläserne HI-Virus thematisiert eine der dunklen Seiten der sexuellen und partnerschaftlichen Liebe und erinnert in diesem Zusammenhang auch an die Nächstenliebe im Umgang mit Kranken (Luke Jerram). Aus Israel und Neuseeland kommen Objekte, ebenso wie aus China und Japan. Lino Tagliapietra, der große und verehrte Lehrmeister vieler Künstler, beschäftigt sich mit der Liebe zur Heimat in Form von tiefgründig farbigen Reflektionen im Wasser Venedigs.

Katalog
Eva-Maria Fahrner-Tutsek, IN THE NAME OF LOVEt
Vorwort von F. Hufnagel, Beiträge von E.-M. Fahrner-Tutsek, C. Schack von Wittenaut
Hardcover, englisch / deutsch, 112 farbige Abbildungent
Kerber Verlag, 2012, ISBN 978-3-86678-589-2