Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Barbara Gross Galerie

Theresienstr. 56, Hof 1 • 80333 M
Tel +49 89 29 62 72 • Fax +49 89 29 55 10
www.barbaragross.decontact@barbaragross.de
Di–Fr 11 – 18.30  • Sa 11– 16
barrierefrei

Theresienstr. 56, Hof 1
80333 M

Laufende Ausstellungen

Maria Lassnig

Maria Lassnig

Body Awareness. Druckgrafik aus New York

09.09.2017 - 14.10.2017
Die Galerie zeigt zur OPEN ART Siebdrucke von Maria Lassnig aus ihrer New Yorker Zeit. Die Ausstellung öffnet damit den Blick auf eine spielerische, experimentelle Facette von Lassnigs Werk, die bisher wenig Beachtung fand. Ergänzt wird die Ausstellung durch Animationsfilme aus der selben Zeit sowie Radierungen aus den 1980er Jahren.
1968, nach sieben Jahren in Paris, bezieht die Künstlerin ein Atelier in New York, der pulsierenden Hauptstadt der Kunst, "wo die Frauen stark sind". Da ihre Malerei in den USA als „strange“ und „morbide“ abgelehnt wird, erlernt sie, von der Pop Art inspiriert, den damals populären Seidensiebdruck am Pratt Institute. Es reizt sie, mit Farbe zu experimentieren und verschiedene Varianten eines Themas durchzuspielen. Entgegen der zu dieser Zeit beliebten Methode nach Fotografien zu arbeiten, interessiert es Lassnig dabei mehr, eigene Zeichnungen und Bilder in der neuen Technik zu variieren.
Die Motive ihrer um 1969 entstandenen großformatigen Siebdrucke unterscheiden sich von jenen der Pop Art. Statt Konsumgütern macht Lassnig darin ihren Körper zum Sujet, den sie mit Gegenständen, wie einer Staffelei, einem Rasiermesser oder einem Stadtplan verschmelzen lässt. Lassnigs Bilder beruhen auf Körperwahrnehmungen - der physischen Wahrnehmung ihrer selbst in der Welt. In New York prägt sie dafür den Begriff "body awareness". In den Grafiken überführt sie diese in abstrakte, komprimierte Formen wie etwa in Ladyplant, Gruppensex oder Mutter und Kind. Humorvoll, ernst und gnadenlos bannt sie aufs Papier, was sie spürt oder imaginiert.
Berühmte Körperbewusstseinszeichnungen aus den 50er Jahren erfahren ihre malerische Abwandlung in der neuen Technik, wie das Knödelselbstportrait im Siebdruck Man in the Garden oder Die Verankerung im Konservenmann. Sink und Chair beziehen sich ganz realistisch auf ihr New Yorker Atelier, den Luxus eines eigenen Waschbeckens und den Dreck der Stadt.
1970 belegt Maria Lassnig einen Trickfilm-Kurs an der School of Visual Arts. Sie kauft sich eine 16-mm-Filmkamera, wird Mitbegründerin der Women Artist Filmmakers Inc. und beginnt ihre geistreichen feministischen Animationsfilme zu produzieren. Darin verwandelt sie Objekte, wie etwa einen Sessel, in Körper (Chairs), beleuchtet ironisch-narrativ das Verhältnis zwischen den Geschlechtern (Couples) oder nimmt ihre Rolle als Künstlerin in den Blick (Selfportrait).
1980 nach Wien zurückgekehrt, widmet sich Lassnig erneut der Druckgrafik. 1986 entsteht eine Reihe von Schwarz-Weiß Radierungen, die grafisch sehr frei auf frühere surrealistische und erzählerische Arbeiten zurückgreifen. 1988 gibt die Barbara Gross Galerie die Radierungen mit einem Katalog heraus, der erstmals die Vielfalt des druckgrafischen Werks der Künstlerin seit 1949 aufzeigt.

Maria Lassnig,  geb. 1919 in Kappel am Krappfeld, Österreich, gest. 2014, Wien, Österreich
Einzelausstellungen (Auswahl): Kunstmuseum Basel (2018); National Gallery, Prag (2018); Albertina, Wien (2017); Museum Folkwang, Essen (2017); Zacheta - National Gallery, Warschau (2017); Tate Liverpool, Liverpool (2016); Kunsten Museum of Modern Art, Aalborg (2016); Fundació Antoni Tàpies, Barcelona (2015); MoMA PS1, New York (2014); Deichtorhallen/Halle für aktuelle Kunst, Hamburg (2013); Museum Dhondt-Daenens, Deurle (2013); Neue Galerie Graz/Universalmuseum Joanneum Graz (2012); Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München (2010); Museum Ludwig, Köln (2009); Serpentine Gallery London (2008).

Maria Lassnig
Ladyplant, 1969
Dreifarbiger Siebdruck auf Papier 56,7 x 44 cm (Bildgröße)
73,3 x 53,5 cm (Blattgröße)
Artist Proof

 
 

Kommende Ausstellungen

Yorgos Sapountzis

Yorgos Sapountzis

Nacktes Erbe….

20.10.2017 - 02.12.2017
Yorgos Sapountzis
Nacktes Erbe: Wir brauchen Euch Alle, 2017Installation view Made in Germany drei, Sprengel Museum, HannoverFoto: Benedikt Werner, Sprengel Museum Hannover

Sonderöffnungszeiten zu PLATEAU:Freitag, 27. Oktober 2017, 11-21 UhrSamstag, 28. Oktober 2017, 11-18 Uhr
 
 

Vergangene Ausstellungen

Ruth May und Alice Peragine

Ruth May und Alice Peragine

Application Operations

07.07.2017 - 19.08.2017
Kuratiert von Michaela Melián

Ruth May
Die Lügenkleider des Schakals (5), 2016
Zeichentusche auf Aquarellpapier
48 cm x 36 cm
Die Barbara Gross Galerie zeigt Werke der in Hamburg lebenden Künstlerinnen Ruth May und Alice Peragine, die hier zum ersten Mal zusammen ausgestellt werden. Die beiden Künstlerinnen sind unabhängig voneinander neben ihrer eigenen künstlerischen Praxis in diversen Künstlergruppen aktiv und suchen im Kollektiv die intensive Auseinandersetzung über die abgegrenzten künstlerischen Disziplinen hinaus. Beide verbindet auch ein Interesse an Kostümen, Uniformen, rituellen Inszenierungen und Moden. Sie rücken auf ganz unterschiedliche Weise den Körper als Projektionsfläche in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten.

Ruth May entnimmt ihre Bildelemente unterschiedlichen kulturellen Kontexten und fügt sie in einem mehrstufigen Arbeitsprozess zu neuartigen hybriden Objektbildern. Vielen ihrer Bilder legt sie Figurendarstellungen alter Meister zugrunde – Verkörperungen weltlicher oder religiöser Macht. Sie beschäftigt sich dabei insbesondere mit Gewändern oder Rüstungen und deren räumlicher Inszenierung im zweidimensionalen Bild. Der menschliche Körper tritt in Mays Zeichnungen allein in der Verhüllung auf, Oberflächen verweisen auf das nicht sichtbare Innere der Figuren. Um eine subtile Verschränkung von Form und Inhalt zu erreichen, werden Zeichnungen, die zuerst als Tusche- beziehungsweise Aquarellblätter vorliegen, immer wieder eingescannt, am Computer überarbeitet, auf unterschiedliche stoffliche Untergründe gedruckt, neu überarbeitet und kombiniert. Der bedruckte Stoff referiert sowohl auf die Haut als Körperhülle mit ihren Falten, Narben und Tattoos, als auch mit seinen Faltenwürfen auf den verhüllten, abwesenden Körper. Das Gewebe, das Räumlichkeit bereits in sich trägt, wird so selbst zum Medium der Darstellung.

Alice Peragine zeigt in ihren Videos, Performances und Installationen den menschlichen Körper in seinen alltäglichen Bewegungen im Raum. Der Körper fungiert gleichzeitig als Repräsentant des Selbstbildes sowie als Spiegel der Erwartungen und Anforderungen der Umwelt. Immer geht es um die feine Grenze zwischen trivialen mechanischen Routinen und den ihnen innewohnenden Potentialen für Störungen. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind Körperposen und Choreografien, die einerseits an militärische Paraden oder Sicherheitskontrollen erinnern, aber auch die Eleganz von Catwalks und Modestrecken wachrufen. Die Uniformen, Kleidungsstücke und Utensilien der Akteure von Peragines Performances finden sich in einer modularen Inszenierung im Ausstellungsraum wieder. Alice Peragine thematisiert institutionalisierte Machtverhältnisse, Einschreibungen struktureller Gewalt auf den Körper und die zu verhandelnde Definition und Grenze von öffentlichem und privatem Raum.
Text: Michaela Melián

Ruth May (∗ 1974) lebt und arbeitet in Hamburg. Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). Mitglied der "Akademie Isotrop" und der Künstlergruppe "School of Zuversicht". Ihre Arbeiten waren u.a. zu sehen 
im Freitagssalon Hamburg (2016), Kunsthaus Hamburg (2014), Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (2013), Kunstverein Hamburg (2012), KUB Arena Kunsthaus, Bregenz (2011), Kunsthalle Lingen, Lingen (2010), Westfälischer Kunstverein Münster (2009).

Alice Peragine (∗ 1986) lebt und arbeitet in Hamburg. Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK). Mitbegründerin von PLATEAU, einer web-basierten Plattform für Performing Arts in Hamburg und Mitglied des Künstlerkollektivs Corporation of people’s situations (COPS). Ihre Arbeiten waren u.a. zu sehen im Neuen Museum St. Petersburg (2017), Kunstverein Hildesheim (2017), Galerie Conradi (2016), Stadtkuratorin Hamburg (2016), SixtyEight Art Institute Copenhagen (2016), Kunsthaus Hamburg (2016), Kunstverein Hamburg (2015), Poolhaus Blankenese und in den Künstlerhäusern Worspswede (2014).
 
 

Simone Lanzenstiel

Simone Lanzenstiel

Diffuse Ereignisse

05.05.2017 - 29.06.2017
Simone Lanzenstiel
o.T. (170310), 2017
Acryl auf Baumwolle
120 x 135 cm

Simone Lanzenstiel erweitert mit der neuen Ausstellung bei Barbara Gross das Spektrum ihrer ohnehin stark raumhaltigen Malerei um komplexe zusätzliche Auffächerungen in die dritte Dimension. Ein vielschichtiges Bildgeflecht öffnet sich in der Galerie zu einer luftig gehaltenen Farblandschaft: Vor einer Wandmalerei ist eine besprühte bzw. bemalte Plastikfolie locker fixiert, die wie beiläufig mit einer kleinen Arbeit auf Holz verwoben ist. Korrespondierend dazu werden auf teils grau gestrichenen Wänden die neuesten Tableaus von Lanzenstiel präsentiert. Arbeiten auf Leinwand oder MDF schließen sich mit dreidimensionalen Versionen des Malerischen zu einer panomarahaften, situativ eingebetteten Rauminstallation zusammen. Lanzenstiel führt die Malerei in permanent oszillierenden Bewegungen zwischen Vorder- und Hintergrund, Be- und Entgrenzung letztlich wieder auf ihre Ursprünge an der Wand zurück.

In den größtenteils Weiß gehaltenen Bildräumen von Simone Lanzenstiel ereignen sich kleine koloristische Sensationen: Rosa Pfützen, schwarze Rinnsale, Sprühnebel von Farbe, gestische Fahrer, Leerstellen wie Brandlöcher, zufällig entstandene Kleckse, gleichsam vorbeischießende Farbpfeile, Akkumulationen von Türkis und blaue Schlieren. Die ephemer wirkende Malerei ruft das Prozesshafte der Entstehung immer wieder von Neuem vor Augen. Simone Lanzenstiel bearbeitet den wie auch immer gearteteten Grund mit einer Vielzahl von Techniken, sie schüttet, sprüht, pinselt, kritzelt, schabt, wischt ihre Farbe. Zufallseffekte und Kalkuliertes geraten in eine gleichsam schwebende Balance. Zudem bezieht sie auch Malutensilien wie Papierschablonen und Klebebänder in die partiell reliefartige Struktur der Malerei mit ein. Zart irisierende Farbtöne auf weißem Grund erzeugen eine atmosphärische Wirkung.

Beobachtete Leonardo da Vinci seinerzeit Zeichnungen im Sand, Wolkenformationen und Mauerritzen, um diese Strukturen dann auf seine Bilder zu übertragen, so transferiert Simone Lanzenstiel jetztzeitig lapidare Phänomene des urbanen Raums in Malerei. Die vermeintliche Abstraktion fusst bei ihr auf der Spurenlese minimaler realer Gegebenheiten im städtischen Außenraum mit  seinen verwitterten Wänden, Kritzeleien und Verfallserscheinungen. Nicht von ungefähr kommen gebrauchte oder gefundene Materialien wie etwa transparente Plastikfolien zum Einsatz. Und auch ihr Weiß ist durchaus von alltäglichen Verschmutzungen und Abnutzungserscheinungen "gezeichnet". Man darf Simone Lanzenstiels subjektive Aneignung des Mediums als souveräne Fortführung der sensitiven Malerei von Cy Twombly, aber auch der format- und gattungsübergreifenen Bilder von Blinky Palermo begreifen.  - Birgit Sonna

SIMONE LANZENSTIEL (* 1970 in Ulm; lebt in Berlin). 1993-2001 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München; 2003 DAAD-Stipendium; 2007 Kunst am Bau 1. Preis, Biozentrum Ludwig-Maximilians-Universität München.
Einzelausstellungen (Auswahl): On the far side, Berlin-Weekly, Berlin 2015; ungefähr hier - etwa so nah, Barbara Gross Galerie, München 2010; Abriss, Müllerstrasse 22, München 2007; kreis und kreisen, Aquamarin, München, 2007.  Gruppenausstellungen (Auswahl): Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2014; Georg Kolbe Museum, Berlin 2013; Artothek, München, 2013; Pinakothek der Moderne, München, 2012; Kunstverein Tiergarten I Galerie Nord, Berlin, 2012; Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin, 2011; Pinakothek der Moderne, München, 2010; Texas Firehouse, New York, 2010.

 
 

Silvia Bächli

Silvia Bächli

Mund zu Mund

17.03.2017 - 29.04.2017
Silvia Bächli und Florian Seidel
Zeichnungen I Collagen I Gedichte

Silvia Bächli zählt zu den wichtigsten Schweizer Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Zeichnungen und Gouachen offenbaren die unendliche Vielfalt der mit dem Pinsel auf weißem Papier gezogenen Linie. Feinste Farbnuancen und unterschiedliche Verdünnungsgrade der Gouache entfalten ein reiches Spektrum an Zwischentönen. Mit trockenem Pinsel gemalte Linien wirken rau, während Wasser sie sanft fließen lässt. Schichtungen und geschlossene Formen erzeugen den Eindruck von Schwere, filigrane Figurationen in transparenten Tönen scheinen auf dem Blatt zu schweben. Für Bächli sind gute Zeichnungen »wie Skulpturen, sie ragen unterschiedlich weit in den Raum hinein, in dem wir uns bewegen«.

Neben neuen Zeichnungen zeigt die Galerie erstmals Collagen der Künstlerin, die für das Künstlerbuch Mund zu Mund mit Gedichten von Florian Seidel entstanden sind.
»Mit den hier vorgestellten Arbeiten im Kontext von Florian Seidels Gedichten betritt Silvia Bächli innerhalb ihrer bisherigen Arbeit künstlerisches Neuland. In diesen überwiegend kleinformatigen Fotomontagen herrscht der Geist des Zusammenfügens disparater Fragmente aus bereits vorhandenem, in anderem Kontext visualisiertem Material. Dieses stammt aus Tages-oder Wochenzeitungen und deren beiliegenden Magazinen. [...] Bächlis Strategie des Verunklärens ist von höchstem Raffinement. Durch aneinandergeklebte, zusammenhanglose Bildausschnitte zwingt die Künstlerin Erkennbares und Fremdartiges zu neuen, nie gesehenen Bildern.«
(Zitat Michael Semff)
Seidels »Wortbilder«, seine subtilen lyrischen Aphorismen, fügen sich kongenial zur visuellen Poesie von Bächlis Collagen. Die durchaus enigmatische Qualität von Seidels Sprachbildern in ihrem schwebenden Reichtum des Assoziativen, »zwischen Blütenblatt und Leder, Haut und Kakao, schwer zu fassen wie ein heimliches Tier«, findet ihr Äquivalent in Bächlis Methode des Versetzens und Verfremdens heterogener Bildausschnitte. In ihrer Mischung von Unschärfe und Struktur, von Hermetik und Klarheit erweitern sie die Sprachebene des Dichters und befördern ihre »Lesbarkeit«.

SILVIA BÄCHLI 1956, * Baden, Schweiz, lebt in Basel
Einzelausstellungen (Auswahl): Frac Franche-Comté, Besançon, 2015; Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne, München, 2014; MK Gallery, Milton Keynes, 2013; Kunstmuseum Sankt Gallen, 2012; Kunsthalle Nürnberg, 2011; Schweizer Pavillon auf der 53. Venedig Biennale, 2009; Cabinet des arts graphiques, Centre Pompidou, Paris, 2007. Am 27. April 2017 eröffnet das Centre culturel suisse in Paris eine Ausstellung mit Werken von Silvia Bächli und Eric Hattan.

FLORIAN SEIDEL 1966 *, München, lebt in München
Er studierte Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaftslehre. Seine Gedichte wurden bereits in verschiedenen Einzelveröffentlichungen, Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht. 2004 erhielt er u. a. den Wiener Werkstattpreis/Lyrik.

Silvia Bächli
Untitled, 2016
Collage
8,1 x 12,2 cm
 

Bethan Huws

Bethan Huws

Il fait beau aujourd'hui

19.01.2017 - 11.03.2017
Bethan Huws
Untitled (Life is more important than...), 2016
Aluminium, Glas, Gummi, Plastik
75 x 50 x 4,5 cm

Wir freuen uns die erste Einzelpräsentation von Bethan Huws in der Galerie anzukündigen. Es ist die 
erste monografische Ausstellung der Künstlerin seit 15 Jahren in einem kommerziellen Kontext in Deutschland. Die Präsentation umfasst Werke aus ihrem gesamten künstlerischen Schaffen: frühe Fotografien, objekthafte Skulpturen und Wortvitrinen sowie eine neue Edition ihrer Notizen zum Werk 
von Marcel Duchamp.
Prägende Pole der konzeptuellen und zugleich sinnlichen Werke von Bethan Huws sind die Sprache 
und die Natur. Dies wird in ihren sorgfältig durchdachten und handwerklich perfektionierten Booten 
(seit 1983) aus Binsen offenkundig, von denen es mittlerweile zahlreiche Exemplare in unterschiedlichen Formationen gibt. Aus einer vertikal aufragenden Pflanze entsteht ein horizontal angelegtes, 
sinnbildlich für die menschliche Kultur stehendendes Objekt. Eng mit der Biografie der Künstlerin verbunden, lassen die Boote ihren ursprünglichen Kontext – die Kindheit Huws im ländlichen Wales 
und ihre Ausbildungszeit am Royal College of Art in London – aufleben.
Das Transponieren von Kontexten hat Bethan Huws bei Marcel Duchamp studiert, dessen Person und Werk sie seit mehr als 10 Jahren en detail recherchiert. Zeugnis dafür sind die erstmals in München gezeigten editierten Versionen ihrer Research Notes, 2007-2014, in denen sich Huws vor allem den frühen Readymades Duchamps widmet. Huws hat erkannt, dass der Schlüssel zum Verständnis des Denkens Marcel Duchamps in linguistischen Verknüpfungen liegt. In analytischen Recherchen und assoziativen Wortverbindungen zu Werktiteln und Notizen in englischer und französicher Sprache erschließt sie uns die vielfältigen Bedeutungsebenen in Duchamps Werk.
Auch Bethan Huws hat die Sprache zu ihrem Referenzmedium auserkoren. Für ihre ‚Sprachspiele’ nutzt sie seit 1999 sogenannte Wortvitrinen, handelsübliche Metallkästen mit variablen, weißen Plastikbuchstaben, die man aus alten Amtsstuben oder Restaurants kennt. Die Lust an hintersinnigen Bedeutungsverschiebungen wird in der poetischen Mehrdeutigkeit von Il fait beau aujourd’hui, 2008 oder in Life is more important than art, 2016 evident.
Huws sprachliche Gewandtheit, ihr trockener Humor und die Gabe für pointierte – verbale wie visuelle – Formulierungen offenbaren sich auch in ihren Objekten: In Onion on a swing, 2008 oder in Apolinère, 2008 fallen formale und inhaltliche Referenzen zusammen, subjektive Behauptungen gehen einher mit kunstgeschichtlichen Verweisen. Dank der Technik des Zitats, des Sich-Aneignens von Bestehendem 
und dessen feiner Revision zeigen uns die Werke von Bethan Huws die Fragilität von scheinbar 
faktischen Gegebenheiten.

Die Werke von Bethan Huws (*1961 in Bangor, Wales, UK; lebt in Berlin) sind in zahlreichen Museumssammlungen vertreten und wurden in den letzten Jahren in umfangreichen Einzelausstellungen gezeigt, u.a. in der Kolumba (2016), dem Kunstmuseum des Erzbistums in Köln, und in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe (2015). Aktuell hat Bethan Huws selbst eine Ausstellung im Daimler Contemporary Berlin kuratiert. Weitere Einzelausstellungen (Auswahl) fanden statt im Kunstmuseum Bern, 2014; Kunsthaus Zug, 2013; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2012; Whitechapel Art Gallery, London, 2011; Museum Ludwig, Köln, 2010, Kestnergesellschaft, Hannover, 2010; Tate Britain, London, 2010; Serralves Museum, Porto, 2009; Kunstmuseum St. Gallen, 2007; Bonnefantenmuseum Maastricht, 2006; Kunsthalle Düsseldorf, 2003; Henry Moore Institute, Leeds, 2001; und in der Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 2000.
 

Katharina Gaenssler HD (Turm)

Katharina Gaenssler HD (Turm)

Entr'acte

01.12.2016 - 03.12.2016
Sonderpräsentation Décollagen
Katharina Gaensslers Décollagen entstehen beim Abbau ihrer groß angelegten Installationen, durch Abreißen der auf Wand montierten Fotografien. Für die Arbeit HD (Turm) hat Katharina Gaenssler einen der Wohn- und Atelierräume Hanne Darbovens fotografiert und in rund 4500 Aufnahmen im Kunstmuseum Stuttgart auf einer 145 qm großen Wandfläche installiert. Mit Ende der Ausstellung Rasterfahndung. Das Raster in der Kunst nach 1945 entstanden 248 Décollagen, von denen wir nun eine spezielle Auswahl der Künstlerin in einer Sonderpräsentation zeigen.

Donnerstag, 1. Dezember 2016, 18–20 Uhr
Freitag, 2. Dezember 2016, 11–18 Uhr
Samstag, 3. Dezember 2016, 11–16 Uhr

Katharina Gaenssler
HD (Turm) D 089/248, 2012
Décollage
Laserdruck schwarzweiß, Kleister

 
 

Ayşe Erkmen

Ayşe Erkmen

Unlikely

29.10.2016 - 14.01.2017
Ayşe Erkmens
all available, 2016

Ayşe Erkmens Werk zeichnet sich durch formale Klarheit und konzeptuelle Vielschichtigkeit aus. Ihren oft minimalistisch anmutenden Arbeiten liegt die genaue Beobachtung gesellschaftlicher Realitäten zugrunde. Wir freuen uns mit Unlikely die erste Einzelausstellung der Künstlerin in der Barbara Gross Galerie zu zeigen. Für die Ausstellung sind neue Werke entstanden, in die unterschiedliche Diskurse über die Wirkung und Bedeutung von Farbe und Material einfließen.
Die Skulpturengruppe 4for8see, 2016 aus gerollten Metallresten spielt mit der Psychologie der Farben wie sie im Grafik- und Produktdesign eingesetzt wird. Die reduzierten, elegant wirkenden Objekte sind in einem grünlich-braunen Ton lackiert, der an Natur, vielleicht an landschaftliche Hintergründe der klassischen europäischen Malerei erinnert. Tatsächlich handelt es sich um den Pantone-Ton 448C Opaque Couché, der angeblich ‘hässlichsten Farbe der Welt‘, wie ein Marktforschungsinstitut herausgefunden hat. Auf Zigarettenpackungen gedruckt soll sie deren Konsum vermindern. Die Künstlerin setzt Farbe hier quasi als Readymade ein, indem sie den Blick auf ihre versteckten Inhalte lenkt. Die Metallplatten der Objekte stammen aus dem Abfall von Kunstwerken, die in einer Berliner Metallwerkstatt gefertigt wurden. In Erkmens Skulpturen verbinden sich das ausgemusterte Material und die negativ konnotierte Farbe zu etwas Eigenem, das Raum für völlig neue Assoziationen eröffnet.
Die Arbeit all available, 2016 besteht aus einer Vielzahl monochromer Farbtafeln, die dicht an dicht im Oberlichtraum der Galerie hängen. Würde man die Bilder jenseits des Kontexts von Ayşe Erkmens Werk sehen, könnte man sie für Farbfeldmalerei halten, die frei von jeglichen gesellschaftlichen Bezügen rein auf die emotionale Wirkung von Farbe und Material setzt. Für die Künstlerin sind jedoch nicht die jeweiligen ästhetischen Eigenschaften einer Farbe entscheidend – im Gegenteil: Erkmen versucht schlicht alle von verschiedenen Herstellern verfügbaren Töne zu verwenden. Allen Farben kommt dabei die gleiche Bedeutung zu. Der Titel all available verweist auf die leichte Verfügbarkeit und Allgegenwart von Farben. Er kann jedoch auch als spielerische Attacke auf den Warencharakter von Kunst, insbesondere der Malerei, gelesen werden.
Ayşe Erkmens Werk entzieht sich in gewisser Weise dem Kunstmarkt: Ihre Arbeiten verbindet keine typische signaturhafte Ästhetik mit Wiedererkennunsgwert. Die jeweilige Form ergibt sich aus den Inhalten und der ortsbezogenen Situation heraus. Sie selbst tritt als Künstlerin hinter ihrem Werk zurück. Mit Turuncu/orange, 2006, einem Selbstportrait aus orangefarbenen, nach Art der Fischer Istanbuls zu einem Netz geknüpften Kleideretiketten, in die der Name der Künstlerin wie ein Markenname eingewoben ist, kommentiert sie ihre Haltung auf humorvolle Weise.

Ayşe Erkmen, geboren in Istanbul/Türkei, lebt in Istanbul und Berlin. 2011 vertrat sie die Türkei auf der  54. Biennale Venedig. 2017 stellt sie zusammen mit Mona Hatoum im Museum der Bildenden Künste Leipzig aus und ist zu Skulptur Projekte Münster eingeladen.
Einzelausstellungen (Auswahl): S.M.A.K., Gent, 2015; The Barbican, London, 2013; Bregenzer Kunstverein, 2011; Witte de With, Rotterdam, 2010; Kunstverein Freiburg, 2009; Hamburger Bahnhof, Berlin, 2008; K 21, Düsseldorf, 2008; Museum Abteiberg, Mönchengladbach, 2004; Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, 2004; Palais des Beaux-Arts, Brüssel, 2004; Wiener Secession, 2002

 
 

Michaela Melián

Michaela Melián

09.09.2016 - 22.10.2016
Zur Open Art zeigt die Barbara Gross Galerie neue Arbeiten der Münchner Künstlerin Michaela Melián, kombiniert mit einer Rückschau auf frühe Arbeiten aus der Zeit ihrer ersten Ausstellung 1989 in der Galerie. Seit den späten 80er Jahren lassen sich sowohl formale als auch thematische Aspekte erkennen, die bis heute typisch für Michaela Meliáns Werk sind. In Arbeiten auf Stoff, übernähten Papierarbeiten und Zeichnungen, ebenso wie in Skulpturen und Sound-Arbeiten findet die Beschäftigung der Künstlerin mit sozial- und kulturgeschichtlichen Themen spielerisch ihren Ausdruck. Melián stellt Fragen nach der Rolle des Individuums, speziell die der Frau für den Verlauf der Geschichte, nach der Konstruktion von Identität und dem Verhältnis von Mensch und Technik.
Neben den aktuellen Arbeiten, die im Kontext ihrer diesjährigen Ausstellung im Kunstbau des Lenbachhauses entstanden sind, zeigen wir unter anderem Stoffbilder, monochrome Übermalungen von bestickter Tischwäsche und Skulpturen aus Papiermaché. In den Zeichnungsserien Kracauer und Subjekt (1991) werden weibliche Körperteile durch Wiederholung stilisiert und verwandeln sich zu skurrilen Formenwucherungen. Der menschliche Körper wird zum Ornament und verliert sich in Mustern und amorphen Formen.
Auch in ihrem Projekt Electric Ladyland (2016) thematisiert sie – ausgehend von der Figur der mechanischen Puppe Olympia aus Jaques Offenbachs Oper Hoffmanns Erzählungen – das Konstrukt des männlichen Idealbilds einer Frau sowie das Verhältnis von Analogem und Digitalem, von Körper und Technik und deren Schnittstellen. Motive, die bereits im Kunstbau des Lenbachhauses zu sehen waren, wurden weiter entwickelt und in neue Formate gesetzt: Roboterteile fügen sich mit Ganzkörperprothesen aus dem 17. Jahrhundert und Science-Fiction-Motiven zu neuen, komplexen Figuren. So fallen bei Arbeiten, die mit einer zeitlichen Distanz von über 20 Jahren entstanden sind, inhaltliche und formale Gemeinsamkeiten ins Auge und setzen sich zueinander in Beziehung.
Auf die Musik als konstituierendes Element in Michaela Meliáns vielschichtigem Werk verweisen mehrere Arbeiten der Ausstellung; so beschallt beispielsweise ein Objekt aus zwei Druckkammer-Lautsprechern die Galerieräume. In der Serie Frequency Hopping (2013) überarbeitet die Künstlerin, wie in früheren Arbeiten auf Papier, Motive von technischen Schaltpulten mit der Nähmaschine, sodass die Linien des Fadenlaufs mit ihren rhythmischen Stichen die Blätter wie Frequenzwellen gänzlich durchziehen. Die Hör-Skulptur Mannheim Chair (2015), ein hängender, grau bezogener Sessel mit eingebauten Lautsprechern, lässt die Besucher gänzlich in die Kompositionen der Künstlerin eintauchen.

*1956, München, lebt u. arbeitet in Hamburg u. München.
Professorin für Zeitbezogene Medien, HfbK Hamburg. Mitglied der Gruppe F.S.K. (Freiwillige Selbstkontrolle).
Ausstellungen (Auswahl): 2016, Städtische Galerie im Lenbachhaus München, Kunsthalle Mannheim; 2015, Muzeum Wrocław; 2014, Badischer Kunstverein Karlsruhe, Kunsthalle Hamburg; 2013; 2011/2012, Städtische Galerie Nordhorn, Shedhalle Zürich; 2010; 2009, Lentos Kunstmuseum, Linz, LUDLOW 38, New York; 2008, Cubitt Gallery London, Ulmer Museum, ZKM Karlsruhe

Michaela Melián
Krakauer, 1991
Tusche auf Papier
30,4 x 22,9 cm
 

Leonor Antunes, Sarah Browne, Haris Epaminoda

Leonor Antunes, Sarah Browne, Haris Epaminoda

24.06.2016 - 03.09.2016
Kunstwochenende München 2016
Eröffnung  Freitag, 24. Juni 2016, 18–21 Uhr
25.–26. Juni 2016, 11–18 Uhr

Haris Epaminonda
Untitled #05 m /g, 2009
Installation, alte Longquan-Seladon Vase, Holzsockel (Detail)

The astonishing reality of things
Is my discovery every day.
Each thing is what it is,
And it's hard to explain to someone how happy this makes me,
And how much this suffices me.

Diese Zeilen aus einem Gedicht von Fernando Pessoa (verfasst unter seinem Heteronym Alberto Caeiro, 1915) sind Ausgangspunkt der Ausstellung in der Barbara Gross Galerie. Die drei Bildhauerinnen Leonor Antunes, Haris Epaminonda und Bethan Huws zeigen uns ihren Blick auf vermeintlich alltägliche Dinge aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Dabei verschieben sie ganz behutsam das, was im Laufe der Zeit selbstverständlich geworden ist. Ihre Werke verbindet ein lyrisch-konzeptueller Ansatz, sie sind reduziert, sinnlich und fragil, voller Anspielungen, Verknüpfungen und Zitate.
Leonor Antunes findet ihre Inspiration in geometrischen Mustern der Moderne, vornehmlich in den Werken weiblicher Protagonistinnen, wie Eileen Gray, Clara Porset, Lina Bo Bardi, Greta Grossmann oder Anni Albers. Antunes Skulpturen basieren auf architektonischen Strukturen oder Details von Designobjekten. Die Arbeit Chão, die sie in der Ausstellung in einer ortsspezifischen Version neu realisiert, bezieht sich auf ein Bodenmuster der Villa Serralves in Porto, random intersection #4 bezieht sich auf Details eines modernistischen Hauses von Flavio de Carvalho in São Paulo und einem Pariser Appartement von Robert Mallet-Stevens. Antunes spielt mit den Dimensionen ihrer „Messungen“, sie verschiebt sie in neue Räume, überlagert sie, ohne die ursprünglichen Proportionen zu verändern. Der Raum ist somit nicht nur Ausgangspunkt, sondern zugleich originärer Teil ihrer Werke. Die Materialität ihrer Skulpturen folgt stets dem Inhalt. Neben organischen Materialien, wie Kork, Bambus, Leder oder Tauen, setzt Antunes konsequent auf Handarbeit und die Wiederbelebung traditioneller Handwerkstechniken.
Haris Epaminonda beschäftigt sich mit dem Topos des Erinnerns, ihre Werke scheinen unserer Gegenwart räumlich und zeitlich entrückt. „Ich versuche, einen gedanklichen und physischen Raum zu schaffen, in dem die einzelnen Elemente in Beziehung stehen und eine Art nicht-lineare Narration ergeben.“ (H.E.) Epaminonda beschränkt sich nicht auf einzelne Medien, sie arrangiert existierende Bilder, Artefakte aus nichteuropäischen Kulturen, Vasen und Bücherseiten mit eigenen Filmen und selbstentworfenen Skulpturen zu ungewöhnlichen Konstellationen. „Ganz gleichgültig, ob diese Objekte aus Asien oder Afrika stammen, irgendwie sind sie alle miteinander verknüpft und verbinden so die Menschen, die sie vor tausenden Jahren geschaffen haben mit denen, die sie heute in den Händen halten.“ (H.E.) Es entstehen begehbare, raumgreifende Installationen, in denen sich die archaischen Überreste gelebter Alltagskultur zu poetischen Erinnerungsbildern verdichten.
Die Arbeiten der Waliserin Bethan Huws oszillieren zwischen Emotion und Ratio, Humor und Ernsthaftigkeit, zwischen existenziellen Fragestellungen und kunstimmanentem Diskurs. Seit mehr als 10 Jahren hat sie ihr Schaffen eng mit Marcel Duchamp (1887–1968) verknüpft, dessen Denken sie intensiv studiert hat. Dabei ist nicht nur das ‚Readymade’, sondern vor allem die Sprache zum zentralen Referenzmedium der Künstlerin geworden. Bei ihren sprachlichen Untersuchungen der Dinge – zwischen Walisisch, Englisch und Französisch – findet Huws feine, aber gewichtige Differenzen. Ihre Wortspiele, Mehrdeutigkeiten und Widersprüche lassen uns nicht nur die Gedankengänge der Künstlerin nachvollziehen, diese Metakognition begründet auch die Bedeutung und damit das Kunstwerk an sich. Unsere Ausstellung zeigt neben einer „Wort-Vitrine“ und einem neuen Set ihrer Riet-Boote, eine Venuskammschnecke, die Huws in Anlehnung an Duchamp als Le porte-bouteilles betitelt hat. In dieser Auswahl zeigt sich das ganze Spektrum von Huws komplexem Schaffen, das nicht nur ‚l’art pour l’art’, sondern immer auch sinnlich-gedankliche Anregungen ist.
Kuratiert von Christian Ganzenberg (*1980, lebt in München/Berlin)

Leonor Antunes (*1972 in Lissabon, Portugal; lebt in Berlin) Ihre Werke sind in musealen Sammlungen, u.a. im Museo Reina Sofía, Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris und im Museum Serralves, Porto, und werden regelmäßig international präsentiert, zuletzt im neu eröffneten SFMOMA, 2016, und im CAPC musée d'art contemporain de Bordeaux, 2015. Weitere Einzelausstellungen (Auswahl):; New Museum, New York, 2015; PAMM Pérez Art Museum, Miami, 2014; Kunsthalle Basel, Basel, 2013; Kunsthalle Lissabon, 2013; Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris, 2013; Kunstverein Harburger Bahnhof, Hamburg, 2012; Kunstverein Düsseldorf, Düsseldorf, 2011, Museo Reina Sofía, Madrid, 2011; Serralves Museum, Porto, 2011.
Haris Epaminonda (*1980 in Nikosia, Zypern; lebt in Berlin) 2007 präsentierte sie (mit Musafa Hulusi) Zypern auf der 52. Venedig Biennale und nahm 2013 (zusammen mit Daniel Gustav Cramer) an der dOCUMENTA 13 teil. Zudem wurde sie im gleichen Jahr für den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst nominiert. Einzelausstellungen (Auswahl): Le Plateau, Frac-ile-de-France, Paris, 2015; Fondazione Querini Stampalia, Venedig, 2014; Modern Art Oxford, Oxford, 2013; Kunsthaus Zürich, 2013, Badischer Kunstverein, Karlsruhe, 2012; Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 2011; Museum of Modern Art, New York, 2011; Tate Modern, London, 2010; Malmö Konsthall, Malmö, 2009; Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 2007.
Bethan Huws (*1961 in Bangor, Wales, UK; lebt in Berlin) Die Werke von Bethan Huws sind in zahlreichen Museumsammlungen vertreten. Aktuell sind ihre Werke in der Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums in Köln zusehen, und im letzten Jahr widmete ihr die Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe eine umfangreiche Einzelausstellung. Weitere Einzelausstellungen (Auswahl): Kunstmuseum Bern, 2014; Kunsthaus Zug, 2013; Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 2012; Whitechapel Art Gallery, London, 2011; Museum Ludwig, Köln, 2010, Kestnergesellschaft, Hannover, 2010; Tate Britain, London, 2010; Serralves Museum, Porto, 2009; Kunstmuseum St. Gallen, 2007; Bonnefantenmuseum Maastricht, 2006; Kunsthalle Düsseldorf, 2003; Henry Moore Institute, Leeds, 2001; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, 2000.
 

Ayse Erkmen, Tamara Grcic, Janice Kerbel, Karin Sander

Ayse Erkmen, Tamara Grcic, Janice Kerbel, Karin Sander

13.05.2016 - 18.06.2016
Mit Ayşe Erkmen, Tamara Grcic, Janice Kerbel und Karin Sander führt die Ausstellung in der Barbara Gross Galerie vier Künstlerinnen zusammen, die in ihren Arbeiten mit dem Unkalkulierbaren kalkulieren: Sie setzen Prozesse in Gang, die den Wirkungen von Zeit und Zufall Raum geben, oder greifen in Abläufe ein, die nicht restlos steuerbar sind. Im Freigeben und Offenhalten von Möglichkeiten entfaltet sich eine überraschende Ordnung, die dennoch nicht beliebig ist, sondern zwischen präzise formulierte Fixpunkte gespannt bleibt.

Karin Sander bestimmt in der Serie der Gebrauchsbilder nur die Spielregeln der Produktion; das Ergebnis überlässt sie den Unwägbarkeiten äußerer Umstände. Sie benutzt weiße, grundierte Standardleinwände, die sie an unterschiedlichen Orten aussetzt und für gewisse Zeit ungeschützt dort belässt. Die Patina, die jedes Bild dabei gewinnt, erzählt seine je eigene Geschichte: Wie in einer Langzeitbelichtung notieren Staub, Schmutz, Kratzer, Verfärbungen und Ablagerungen den Verlauf des Experiments und speichern das Geschehen als visuelles Protokoll.

Die kleinen Skulpturen, die sich bei Ayşe Erkmen zu einer bunten Landschaft fügen, verdanken ihre individuelle Gestalt ebenfalls der Unmittelbarkeit ihrer Herstellung. Die Künstlerin arbeitet das Negativ der Form direkt in eine Sandmasse und gießt die Höhlung mit Bronze aus. Ihre farbigen Oberflächen, die von metallisch schimmernden Faltungen und Graten durchzogen sind, erhalten die Objekte durch die Behandlung mit Säure und das Einbrennen von Pigment. Titelgebend ist der jeweils verwendete Farbton aus dem Pantone-System. Das Ergebnis der Patinierung ist, abhängig von Dauer und Intensität des Brennvorgangs, jedoch nie ganz vorhersehbar: not the colour it is. Nicht endgültig festgelegt – not quite – ist auch die Farbstimmung der Galerie. Die luftig gewölbte Stoffbahn, mit der Ayşe Erkmen das Oberlicht wie mit einem Baldachin überspannt, taucht den Raum in ein leuchtendes Sonnengelb, das im Tagesverlauf unterschiedliche Schattierungen annimmt.

Tamara Grcic nutzt solche instabilen, transitorischen Zustände, um genau den Punkt abzupassen, an dem ein Vorher und ein Nachher zugleich aufblitzen. In den Schwarzweiß-Fotografien der Brandungs-Serie ist das der Moment zwischen dem An- und Abrollen der Wellen, in dem das glänzende Meer sich schäumend um die schroffen Felsen legt. Bei der Herstellung ihrer vielfarbig spiegelnden Köpfe wartet Grcic auf den Augenblick, in dem ein glühender Glasballon unter der Bearbeitung des Bläsers die Form und Größe eines menschlichen Kopfes annimmt. Hier stoppt die Künstlerin den Prozess, um dem Glaskörper mit selbstgefertigten Werkzeugen zwei Augen aufzuprägen. Von weichen, bunten Kleidungsstücken umschlungen, ruhen die zerbrechlichen, kaum angedeuteten Gesichter geschützt wie in einem Nest.

Janice Kerbel entwirft mit ihren Home Climate Gardens utopische Gärten für die Innenräume moderner Metropolen: perfekt ausgeklügelte, von äußeren Umwelteinflüssen abgeschirmte Ökosysteme für Waschsalons, Fitnesscenter oder Drehrestaurants. Doch die Versöhnung zwischen Natursehnsucht und totalem Design gelingt allein auf dem Papier. Denn Kerbels Gärten existieren nur als Zeichnungen von abstrakter Schönheit. Als ideale Modelle halten ihre präzisen geometrischen Formen fest, was tatsächlich in ständiger Veränderung ist: eine Realität, die sich der absoluten Kontrolle entzieht.

Ayşe Erkmen, *1949 in Istanbul, Türkei, lebt in Istanbul und Berlin. 2011 vertrat sie die Türkei auf der 54. Biennale Venedig.  Tamara Grcic, *1964 in München, lebt in Frankfurt a. M.. Seit 2014 lehrt sie als Professorin für Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz.  Janice Kerbel, *1969 in Toronto, Kanada, lebt in London, wo sie am Goldsmiths College lehrt. 2015 war sie für den Turner-Preis nominiert. Karin Sander, *1957 in Bensberg, lebt in Berlin und Zürich, wo sie als Professorin für Architektur und Kunst an der Eidgenössischen Technischen Hochschule lehrt. 2015 war sie Stipendiatin der Villa Massimo in Rom.
 

Jana Sterbak

Jana Sterbak

Identity

18.03.2016 - 07.05.2016
Jana Sterbak
Generic Man, 1987
Schwarz-Weiß-Fotografie
56 x 45 cm, Auflage von 15

Jana Sterbak ist seit den 1980er Jahren für ihre konzeptuellen Objekte, Performances, Fotografien und Installationen bekannt, in denen sie komplexe Ideen in pointierte Bilder überführt. Der Mensch in der Vielfalt seiner Emotionen, seinem spannungsreichen Verhältnis zur Gesellschaft und zu seinem eigenen Dasein steht im Mittelpunkt ihres Werkes. Jana Sterbak verhandelt existenzielle Themen mit hintersinnigem Humor, subversiv und mit bisweilen verstörender Wirkung. Der Materialität kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: frisches Fleisch, Brot, Schweiß oder menschliches Haar irritieren und sprechen die Sinne des Betrachters unmittelbar an.
Die Ausstellung Identity versammelt Werke aus drei Jahrzehnten, welche die schwer zu fassende Kategorie der „Identität“ umkreisen. Die ausgestellten Kleider-Arbeiten, Objekte und Fotografien werfen Fragen über die Wandelbarkeit der Dinge und die menschliche Individualität auf. Durch Verschiebung in Material und Dimension verfremdet Sterbak alltägliche Gebrauchsgegenstände. So ersetzt sie die hölzerne Sitzfläche eines Hockers mit einem Kuchen (Cake Stool) oder schafft überdimensionierte Krücken, die nur ein Riese benutzen könnte (Monumental). Indem sie die Dinge ihrer gewohnten Funktionalität beraubt und um sinnliche Aspekte erweitert, lässt sie sie uns neu wahrnehmen.
Für die Künstlerin, die sich intensiv mit dem Bild und der Funktion des Körpers in der Gesellschaft befasst, sind Kleidungstücke eine ideales Medium. Das hauchzarte Chemise de Nuit, von dem ein süßlich-femininer Duft ausströmt, spielt mit Geschlechteridentitäten. Erst aus der Nähe werden die männlichen Brusthaare sichtbar, die Sterbak auf den dünnen Stoff appliziert hat und brechen das Bild weiblicher Verführung. Die Arbeit Mask, 2014, erinnert an eine Burka – ein in jüngster Zeit heftig debattiertes Kleidungsstück. Im Gegensatz zur Burka, die Gesicht und Körper seiner Trägerin vollkommen verbirgt, setzen die groben Maschen von Sterbaks Maske den Körper in seiner Nacktheit dem öffentlichen Blick aus.
Die Normierung des Menschen und die Einschränkung seiner individuellen Entfaltung sind ein wiederkehrendes Thema in Sterbaks Werk. Die Fotografie Generic Man zeigt einen Mann mit einem im Nacken tätowierten Barcode und verweist auf seinen kommerzialisierten Körper. Auch die Arbeiten Measuring Tape Cones, 1979 zu spitzen Kegeln geformte Maßbänder, die als krallenartige Verlängerungen menschlicher Hände dienen, und Sisyphus Sport, 1997 ein mit ledernen Trageriemen ausgestatteten Felsbrocken, der wie ein Rucksack getragen werden kann, können im Kontext des zunehmenden Zwangs zu Selbstoptimierung der heutigen Zeit gelesen werden.
Jana Sterbaks Werke, so einfach und klar lesbar sie auf den ersten Blick erscheinen, entziehen sich dem Betrachter in ihrer Bedeutungsvielfalt, lassen keine eindeutigen Interpretationen zu. Vermeintliche Gewissheiten über Menschen und Dinge lösen sich beim Betrachten auf.

Jana Sterbak, *1955 in Prag, lebt und arbeitet in Montréal, Kanada. 2003 bespielte sie den kanadischen Pavillion auf der 50. Biennale in Venedig. 2016 / 2017 richten ihr das Lehmbruck Museum Duisburg und die Galerie im Taxispalais Innsbruck eine Retrospektive aus. Einzelausstellungen: Museu de Monsterrat, Monsterrat, 2014; Musee Reattu, Arles, 2011; Fondazione Bevilacqua La Masa, Teatro La Fenice, Venedig, 2010; Palais de Beaux-Arts, Brüssel, 2006; Musée des Beaux-Arts, Nantes, 2004; Malmö Konsthall, 2002; Haus der Kunst München, 2002. Gruppenausstellungen: Museum Villa Rot, Ulm, 2015; Museum Tinguely, Montreal, 2015; Villa Arson, Nizza, 2014; MuCEM, Marseille, 2013; Palais des papes et La Collection Lambert, Avignon, 2013; National Gallery of Canada, Musée des beaux-arts du Canada, Ottawa, 2012; Moscow Museum of Modern Art, MMOMA, Moskau, 2012; MUSEION - Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen, 2011.
 

Katharina Grosse

Katharina Grosse

Skulptur

15.01.2016 - 12.03.2016
Katharina Grosse
o.T, 2015
Acryl auf Aluminiumguss
55 x 122 x 124 cm
© Katharina Grosse und VG Bild-Kunst Bonn, 2015
Foto: Hans Grosse

In unserer Ausstellung von Katharina Grosse treffen Skulpturen und Leinwände, die in der Abgeschlossenheit des Ateliers entstanden sind, auf Arbeiten, die aus ortsspezifischen Installationen herausgelöst als solitäre Werke präsentiert werden. Dabei wird deutlich, wie sich die beiden grundsätzlich unterschiedlichen Arbeitsweisen der Künstlerin gegenseitig bedingen und befruchten.
Im Zentrum der Ausstellung steht eine Skulptur aus Katharina Grosses Installation Untitled Trumpet auf der 56. Biennale in Venedig, wo sie in der Erdlandschaft eines All-over Farbraumes vergraben war.
Aus der Raumarbeit Pigmentos Para Plantas y Globos, die 2008 im Museum Artium de Álava, Vitoria-Gasteiz zu sehen war, stammt das gezeigte Tondo. Zusammen mit anderen Leinwänden ragte es dort halb bedeckt aus der aufgeschütteten Erde.
Das Einbeziehen von räumlichen Gegebenheiten und die Erweiterung des Malgrunds durch Alltagsgegenstände, Erde, Draperien, Leinwände und zuletzt Skulpturen spielen bei den Raumarbeiten der Künstlerin eine wichtige Rolle. Die Bearbeitung mit Farbe hebt die Ordnung und Grenzen zwischen den Dingen auf. Unter der gesprayten Acrylfarbe verbinden sich die verschiedenen Strukturen visuell zu einem multidimensionalen, malerischen Ganzen.
Nach der Zerstörung der temporären Raumarbeiten bleiben Skulpturen und Leinwände übrig, die sie in neue Kontexte versetzt. Im Ausstellungsraum der Galerie erlangen sie den Status von eigenständigen Arbeiten. Die von Leerstellen und Veränderungen gezeichneten Werke verweisen auf ihren ursprünglichen Kontext und erinnern an den überbordenden Farbrausch der Installationen.
Die Erde, eine Referenz auf die Pigmentgewinnung, sowie auf die Land Art der 1960er Jahre, verwendet Grosse erstmals in ihrer Installation Raumfürraum in der Kunsthalle Düsseldorf, 2004, als `in seiner Struktur unendliches, formbares Material und zudem Urbild, zu dem jeder ein elementares Verhältnis hat`wie sie es beschreibt.
Im Atelier entwickelte Grosse den Umgang mit dem Erdmaterial weiter und setzt dieses wie eine Schablone ein. Auf dem Boden liegende, bemalte Leinwände bedeckt die Künstlerin partiell mit Erde, überabeitet sie in großen Gesten mit der Sprühpistole und entfernt sie anschließend wieder.
Es entstehen Bilder, die unterschiedliche Malweisen verbinden: neben flächiger Pinselmalerei leuchten illusionistische Farbräume auf, die im Kontrast zu Resten von Erde stehen, die auf der Oberfläche der Leinwand haften bleiben. Der offene, prozesshafte Charakter von Grosses Malerei wird in den verschiedenen Arbeiten der Ausstellung sinnlich erfahrbar.

Katharina Grosse, 1961 in Freiburg im Breisgau geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2010 ist sie Professorin für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Neben weiteren Auszeichnungen erhielt sie 2015 den Otto Ritschl-Preis, Wiesbaden, 2014 den Oskar-Schlemmer-Preis des Landes Baden-Württemberg. 2015 nahm sie an der 56. Biennale in Venedig teil.
Einzelausstellungen (Auswahl): Garage Museum of Contemporary Art, Moskau, Russland, 2015; Museum Wiesbaden, Deutschland, 2015; Museum Kunstpalast, Düsseldorf, Deutschland, 2014; Neuer Berliner Kunstverein, Berlin, Deutschland, 2014; Universalmuseum Joanneum, Graz, Österreich, 2014; Staatsgalerie Stuttgart, Deutschland, 2014; Public Art Fund, New York, USA, 2013; Nasher Sculpture Centre, Dallas, USA, 2013; De Pont Museum of Contemporary Art, Tilburg, Niederlande, 2013.
 

Boris Mikhailov

Boris Mikhailov

Profile und ...

30.10.2015 - 08.01.2016
Foto © Boris Mikhailov, 2015

Boris Mikhailov erhält den Goslarer Kaiserring des Jahres 2015, einen der renommiertesten Kunstpreise der Gegenwart.
Der 76-jährige ukrainische Künstler, der in Berlin und Charkow/Ukraine lebt, gilt heute als international angesehener Vertreter zeitgenössischer Fotografie. Boris Mikhailov wird den Kaiserring am 10. Oktober 2015 in Goslar entgegen nehmen.
In ihrer Begründung beschreibt die Jury Boris Mikhailov als einen der zweifellos „wichtigsten Chronisten der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft". International bekannt geworden ist der 1938 in der Ukraine geborene Fotograf durch seine aufwühlenden Bilder von Obdachlosen in seinem Geburtsort Charkow und seine Text-Bild-Collagen, die den Alltag in der Sowjetunion humorvoll kommentieren.

Ausgebildet als Ingenieur beginnt Mikhailov in den 1960er Jahren sich in seiner Freizeit mit Fotografie zu beschäftigen, erprobt ihre technischen Möglichkeiten und experimentiert auf vielfältige Weise mit dem Bildmaterial, das er zu ungewöhnlichen und neuen Darstellungsformen führt: Bildüberlagerungen, Kolorierungen, Verfremdungen, humorvoll kritische Text- und Bild- Kombinationen aus eigenem und gefundenen Material dienen ihm dazu, den Alltag und die repressive Situation in der damaligen Sowjetunion zu dokumentieren und zu kommentieren. Vordergründig bedient er eine regimegetreue Ästhetik, gleichzeitig wird sie subversiv unterlaufen und ironisch gebrochen.

Boris Mikhailov wird von der Barbara Gross Galerie seit 1995 vertreten. Der Künstler wurde mit zahlreichen internationalen Fotografiepreisen ausgezeichnet und hatte Einzelausstellungen in den wichtigsten Kunstinstitutionen Europas und der USA. Seine Arbeiten sind in großen Privatsammlungen und den Sammlungen des Metropolitan Museums und des Museum of Modern Art in New York, der Tate Modern und des Victoria and Albert Museum in London, des Stedeljik Museum in Amsterdam, sowie im Centre Georges Pompidou in Paris, im Fotomuseum Winterthur, im Kunstmuseum Basel, im Sprengel Museum in Hannover, in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München, im Museum Ludwig in Köln und in der Albertina in Wien zu finden.
 

Ji Dachun

Ji Dachun

11.09.2015 - 24.10.2015
Ji Dachun
Untitled, 2014
Acryl auf Leinwand
25 x 20 cm

Wir freuen uns zur OPEN ART 2015 neue Arbeiten des chinesischen Künstlers Ji Dachun (*1968 in Nantong, Provinz Jiangsu, lebt und arbeitet in Peking) zu zeigen. 2011 stellte die Barbara Gross Galerie seine Arbeiten erstmals in Deutschland aus. In diesem Jahr ist er in der von Okwui Enwezor kuratierten Ausstellung All The World's Futures auf der Venedig Biennale vertreten, sowie in zwei Gruppenausstellungen zur chinesischen Gegenwartskunst im Museum Marta Herford und im Ludwig Museum Koblenz.

Ji Dachuns Ästhetik entwickelt sich in Auseinandersetzung mit der chinesischen Landschaftsmalerei, der im 5. Jahrhundert entstandenen Shan-Shui Malerei, sowie aus der intensiven Beschäftigung mit der westlichen Moderne und der zeitgenössischen Malerei Europas und der USA.
In seiner zweiten Ausstellung in der Barbara Gross Galerie wird der Variationsreichtum seiner Malerei deutlich. Er zeigt abstrakte, in pastosem Weiß und Grau gemalte Bilder neben dichten, detailreichen Landschaften, in denen sich vereinzelt Gegenständliches ausmachen lässt, anderes sich in abstraktem "All-Over" auflöst. Gegenständlich lesbare Bilder, die wie Ausschnitte aus Fotografien anmuten, zeigen eine weitere Facette seines Schaffens.
 

Silvia Bächli / Carol Bove

Silvia Bächli / Carol Bove

26.06.2015 - 05.09.2015
Silvia Bächli, O.T., 2014, Gouache auf Papier, 149,5 x 98,5 cm
Carol Bove, Relationship, 2007, Treibholz, Stahl, 2-teilig, 171,5 x 83 x 15 cm, 188 x 28 x 15 cm

Wir freuen uns zum KUNSTWOCHENENDE MÜNCHEN 2015 eine Ausstellung mit Skulpturen von Carol Bove und Arbeiten auf Papier von Silvia Bächli zu eröffnen.
In ihrem jeweiligen Medium haben beide Künstlerinnen eigene Formensprachen entwickelt. Diese treten in der Ausstellung in einen spannungsvollen Dialog: während Bächlis zeichnerisches Werk skulpturale und installative Dimensionen beinhaltet, haben Boves Skulpturen etwas Grafisches an sich, wirken zuweilen wie Zeichnungen im Raum.
Carol Bove entwickelt ihre Bildsprache in Auseinandersetzung mit der Kunst und Kultur der Sechziger Jahre in Kalifornien. Die Ästhetik jener Epoche klingt auch in den hier gezeigten Skulpturen nach: in den aus glänzendem Metall und Beton gefertigten Gestellen, die die Minimal Art reflektieren, oder in dem verwendeten Treibholz und den Muscheln, die wie Relikte aus der Gegenkultur und dem populären Geschmack der Hippiezeit wirken.
Die fein austarierten Kompositionen funktionieren jedoch auch unabhängig von diesen spezifischen Bezügen als freie Setzungen in Raum. Wie in Bächlis zeichnerischen Installationen wiederholen sich auch bei Bove bestimmte Motive, variieren und fügen sich zu spannungsreichen Arrangements, in denen Disparates nebeneinander besteht. Das Aufeinandertreffen verschiedenartiger Materialien und Oberflächen ist für Boves Werk charakteristisch: Organisches trifft auf industriell Gefertigtes, gefundene Objekte gehen eine Beziehung mit Geformtem ein, fragile Konstruktionen werden durch gewichtige Materialien, wie Beton oder Stahl, geerdet.
Silvia Bächlis Arbeiten offenbaren hingegen die unendliche Vielfalt der mit dem Pinsel auf weißem Papier gezogenen Linie. Feinste Farbnuancen und unterschiedliche Verdünnungsgrade der Gouache entfalten ein reiches Spektrum an Zwischentönen. Mit trockenem Pinsel gemalte Linien wirken rau, während Wasser sie sanft fließen lässt. Schichtungen und geschlossene Formen erzeugen den Eindruck von Schwere, filigrane Figurationen in transparenten Tönen scheinen auf dem Blatt zu schweben. Für Bächli sind gute Zeichnungen "wie Skulpturen, sie ragen unterschiedlich weit in den Raum hinein, in dem wir uns bewegen".
Gemein ist beiden Künstlerinnen die Konzentration. Nichts ist überflüssig. Bei Bove verdichtet sich Geschichtliches in den gefunden Objekten. "Eine Form zu erfinden", erlaubt sie sich nur, wenn sie das Gefühl hat „dass sie schon vorab existierte“. Darin ist ihr Vorgehen dem Bächlis nicht unähnlich, deren Gouachen ihren Ausgangspunkt in Beobachtungen im Alltag, in Bewegungen, Gesehenem und Gefühltem haben. Ihre Zeichnungen lassen im Betrachter vage Bilder von Bekanntem aufsteigen. Das Gezeigte bleibt jedoch stets offen, unübersetzbar in Worte.

Silvia Bächli, *1956 in Baden, lebt und arbeitet in Basel und Paris. Einzelausstellungen (Auswahl):  Staatliche Graphische Sammlung in der Pinakothek der Moderne, München (2014); MK Gallery, Milton Keynes (2013); Kunstmuseum Sankt Gallen (2012); Kunsthalle Nürnberg (2011);  Schweizer Pavillion auf der 53. Venedig Biennale(2009); Cabinet des arts graphiques, Centre Pompidou, Paris (2007). Gruppenausstellungen (Auswahl): Albertina, Wien (2015), Centre Georges Pompidou, Paris (2013); Centro Dos de Mayo (CA2M), Madrid (2013); Museum für Moderne Kunst (MMK), Frankfurt a. Main (2011).

Carol Bove, *1971 in Genf, lebt und arbeitet in Brooklyn, New York.  Einzelausstellungen (Auswahl): Museion - Museo d'Arte Moderna e Contemporanea, Bozen (2014); The Museum of Modern Art, New York (2013);  The Common Guild, Glasgow (2013); Palais de Tokyo, Paris (2010); Horticultural Society of New York (2009); Blanton Museum of Art, Austin, Texas (2006); Kunsthalle Zürich (2004); Institute of Contemporary Art, Boston (2004). Gruppenausstellungen (Auswahl): Documenta 13, Kassel (2012); 54. Venedig Biennale (2011); Whitney Biennial, Whitney Museum of American Art, New York (2008).

26./27./28 Juni KUNSTWOCHENENDE
27. und 28. Juni 2015 11 - 18 Uhr
 

Karin Sander

Karin Sander

22.05.2015 - 20.06.2015
Karin Sander
Apfel, 2012 (Kitchen Pieces)
Apfel, Stahlnagel

Einen wichtigen Teil der Faszination von Karin Sanders Arbeiten bilden ihre Entdeckungen im Umgang mit alltäglichen Gegenständen. Immer wieder gelingt es ihr durch oft nur minimal verschobene Blickwinkel auf die Dinge, diese so überraschend anders zu interpretieren, dass wir uns der Tiefe unserer üblichen Handlungsgewohnheiten ganz neu bewusst werden. So ist es alles andere als zufällig, dass ihr bei der Mitgestaltung des Experimentierfelds ihres Studios der Einbau einer Küche ein zentrales Anliegen war.

Sanders Kitchen Pieces, die im Zentrum ihrer dritten Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie stehen, sind Glanzbeispiele für die hinreißende Einfachheit ihrer Kunstgriffe: Hier werden reales Obst und reales Gemüse dadurch in das Definitionsfeld der Kunst transportiert, dass die Künstlerin sie auf Nägeln an der Wand befestigt. Es ist frappierend, wie sich daraufhin Äpfel oder Kartoffeln in unserer Wahrnehmung unversehens in abstrakte Objekte – oder gar in ”realistische“ Skulpturen zu verwandeln scheinen. Geradezu greifbar wird die Verwirrung, die gerade im Kunstkontext dann eintritt, wenn anstelle einer gekonnt illusionistischen Repräsentation „die Sache selbst“ in den Mittelpunkt tritt - aber auch die unheimliche Wirkungsmacht kultureller Konventionen wie der des Aufhängens von Objekten an Wänden, die Rahmenbedingungen unseres Wirklichkeitsverständnisses bilden.

Die Reisebilder, eine hier erstmals präsentierte neue Serie von Arbeiten Karin Sanders, bieten uns eine vergleichbare „vue trouvée“, einen zufällig gefundenen Blickwinkel. In diesem Fall ist es der Blick der reisenden Künstlerin auf die vorbeifahrende Landschaft – durch ein Punktraster. Auf einer ihrer Reisen sah sie sich plötzlich durch eine auf die vormals Aussicht bietenden Fenster eines Eisenbahnwaggons geklebte, gigantische, halbdurchsichtig gerasterte Werbefolie irritiert.

Der Moment der Empörung über diese Zumutung kippte um in Neugier - und führte zu der aufregenden Entdeckung einer neuen, technisch beeinflussten Art, die Außenwelt zu verstehen. Die Welt, die hier in farbige Einzelpunkte zerfällt, ist gewissermaßen das Gegenteil, aber auch die logische Konsequenz des malerischen Pointilismus, der an der Schwelle zur Moderne die Welt der künstlerischen Abstraktion auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen half. Hier nun begegnen wir mit Karin Sander einer Wahrneh-mung, die bis ins letzte von der zeitgenössischen Logik der Aufmerksamkeitsökonomie geformt ist.

Am 18. Mai 2015 eröffnet die Städtische Galerie im Lenbachhaus München ihre Neupräsentation der Sammlung Kunst nach 1945. Dafür wurde ein Raum eigens für Karin Sanders Mailed Paintings und Gebrauchsbilder eingerichtet. Eine weitere Einzelausstellung von Karin Sander wird am 23. Mai 2015 im Tongewölbe T25 in Ingolstadt eröffnet.

Karin Sander, geboren 1957 in Bensberg, lebt und arbeitet in Berlin. Sie lehrt an der ETH in Zürich.
Ausstellungen (Auswahl): 2014 Solides Fragiles, MUDAM - Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg; Paper Work, Ceal Floyer/Karin Sander, Esther Schipper, Berlin; Karin Sander, Galerie Nächst St. Stephan, Wien 2013 Zeigen. An Audiotour through Copenhagen, Nikolaj Kunsthal, Kopenhagen; Pre-Show: Identities on Display Karin Sander mit Holzer/Kobler, Humboldt Lab Dahlem, Berlin; Karin Sander. Visitors on Display, LehmbruckMuseum, Duisburg 2012 h=400cm, Galerie Esther Schipper, Berlin; 1980–Now, Contemporary Galleries, The Museum of Modern Art, New York; Kunstmuseum Stuttgart: 360°: Die Rückkehr der Sammlung 2011 Kernbohrungen, n.b.k Neuer Berliner Kunstverein; Guestbook/Gestabók, i8 Gallery, Reykjavik 2010 Gebrauchsbilder und Andere, Kunstmuseum St. Gallen 2009 Zeigen. Eine Audiotour durch Berlin von Karin Sander, Temporäre Kunsthalle, Berlin 2004 Singular Forms (Sometimes Repeated), Solomon R. Guggenheim Museum, New York 2003 Karin Sander -1:9, CGAC - Centro Galego de Arte Contemporánea, Santiago de Compostela 2002 Karin Sander, Staatsgalerie Stuttgart, Stuttgart; Wordsearch, temporary project in New York City, in Zusammenarbeit mit der NewYork Times und der Deutschen Bank, USA 1997 Skulptur. Projekte in Münster, Münster 1990 White Passageways, Konstrukcja w Procesie, Łódź, Polen.
 

Female Views on Russia

Female Views on Russia

Videokunst in Russland

22.04.2015 - 15.05.2015
Glukya, Anna Jermolaewa, Taisiya Krugovykh

Gluklya, Wings of Migrants, 2012, Video, 17 Min., Videostill

Die Ausstellung Female Views on Russia versammelt dokumentarische, narrative und perfomancebasierte Videoarbeiten der aus Russland stammenden Künstlerinnen Taisiya Krugovykh, Anna Jermolaewa und Gluklya. Alle drei Künstlerinnen verstehen sich als Feministinnen und setzen sich in ihren Arbeiten mit Geschlechterrollen, Repression und Widerstand, Migration und zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander. Die hier ausgestellten Werke verhandeln politische und gesellschaftliche Aspekte der russischen Vergangenheit und Gegenwart. Einer Kultur, die in den letzten Jahren zunehmend von Macht, Stärke und Männlichkeit geprägt wurde, setzen sie Humor, Respektlosigkeit und Mitgefühl entgegen.
Anna Jermolaewas Filme sind genaue Beobachtungen, die sich durch ein Gespür für das Absurde im Realen und das Allgemeingültige im Einzelfall auszeichnen. Ihr Video Kremlin Doppelganger, 2007 greift das wohl emblematischste Symbol der russischen Staatsmacht auf: den Roten Platz in Moskau, auf dem in diesem Februar die „Heimholung“ der Krim gefeiert und nationale Mythen beschworen wurden. Jermolaewa verschränkt in ihrem Film Aufnahmen des originalen Roten Platzes in Moskau mit Szenen aus dem Alltag des Ferienressorts „Kremlin Palace Hotel“, seiner detaillierten Kopie in Antalya, Türkei mit Cocktailbar, Pool und Strand. Die 2003 erbaute Anlage erfreut sich heute besonders bei Gästen aus der ehemaligen Sowjetunion großer Beliebtheit. Im Film kommt neben den Urlaubern auch ein vom Hotel engagiertes Gorbatschow-Double zu Wort und berichtet von seinen Erlebnissen und Begegnungen. So verschmelzen nicht nur Orte, sondern auch Geschichte und Gegenwart miteinander.
Die Videokünstlerin und Aktivistin Taisiya Krugovykh gehört zu einer jungen, politisch und sozial engagierten Künstlergeneration, welche die Freiheiten des Internets für ihre Aktionen und deren Verbreitung nutzt und sich so international vernetzt. Sie lebt in Moskau und arbeitet im Umkreis der Künstlergruppen Voina und Pussy Riot. Ihre Arbeit The Anthem, 2014 vermittelt körperlich spürbar das Gefühl der Ohnmacht angesichts der Entwicklungen in ihrem Land: Während ein Chor die russische Nationalhymne singt, umwickelt die Künstlerin auf der Bühne ihr Haupt mit Plastikfolie und Klebeband, schnürt sich damit die Luft ab und sackt am Ende leblos zusammen. In ihrem Film Moscow, I Love You, 2010, folgt der Zuschauer einer Puppe auf ihrem Weg durch Moskau mit U-Bahn, Auto und Schiff. Untermalt von melancholischen Klängen von Philipp Glass, erzählt die Puppe über Untertitel von ihrer zunehmenden Depression und Lethargie angesichts der sozialen Kälte und des Mangels an menschlicher Kommunikation in der Großstadt.
Eben jene Kälte mit den Mitteln der Kunst zu überwinden, ist das Anliegen von Gluklya, die das Kollektiv Factory of Found Clothes 1995 mit Olga Egorova (Tsaplya) gründete und seither in wechselnden Kollaborationen betreibt. Mit ihren performativen Arbeiten schafft sie Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlichster Gruppen der Gesellschaft. In ihrem Videoprojekt Wings of Migrants, 2012, kommen junge russische TänzerInnen und illegale Gastarbeiter aus Zentralasien zusammen und nähern sich über das Medium des Tanzes vorsichtig an. Durch das Nachahmen von Bewegungen entsteht ein Dialog, der die soziale und sprachliche Kluft überbrückt zwischen den Ballerinen, die sich in den Sphären der Hochkultur bewegen, und den an den Rand der Gesellschaft gedrängten Migranten. In der 2002 entstandenen Arbeit The Triumph of Fragility marschieren junge Marinesoldaten durch Sankt Petersburg. Die Künstlerinnen von Factory of Found Clothes lassen sie dabei zarte weiße Kleider vor sich her tragen, als wären diese etwas sehr Zerbrechliches, etwas, "das die Essenz des Lebens selbst konstituiert". Eine Aufgabe, welche die jungen Männer mit großem Ernst erfüllen und damit ein kraftvolles Gegenbild zum Militär als Ort, an dem Männlichkeit geübt und unter Beweis gestellt wird, schaffen.

Gluklya (Natalia Pershina Yakimanskaya), geb. 1969 in Leningrad, lebt und arbeitet in St. Petersburg, 1995 gründet sie mit Olga Egorova (Tsaplya) das Kollektiv Factory of Found Clothes, 2003 sind beide Künstlerinnen an der Gründung der Gruppe Chto Delat? beteiligt. Seit 2011 betreibt sie Factory of Found Clothes alleine bzw. in unterschiedlichen Kollaborationen. Sie wird in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig vertreten sein.
Ausstellungen und Screenings (Auswahl): Museum Arnhem, 2014; Tate Modern, London (screening Wings of Migrants), 2013; Utopian Unions /Installation, ММОМА, Moskau, 2013; Hermitage Museum, Amsterdam, 2013; 10th Krasnoyarsk Museum Biennale, 2013; MUMOK, Vienna, 2012; Staatliche Kunsthalle Baden Baden, 2011; Shedhalle, Zürich, 2011; SMART Project Space, Amsterdam, 2011; Museo Reina Sofia, Madrid, 2011; Kunsthalle, Vienna, 2011; ICA, London, 2010; National Center for Contemporary Art, Moscow, 2006.

Taisiya Krugovykh, geb. 1982 in Moskau, lebt und arbeitet in Moskau, Videokünstlerin, Performerin, Mitglied der Künstlergruppe Gogol’s Wives.
Ausstellungen und Screenings (Auswahl): Manifesta, St Petersburg, Screening Cinema for migrants, 2014; Theater Rampe, Stuttgart, Performance “Exercises in vagrancy", Moskau Museum, Moskau, 2014; Oslo Screen Festival, Oslo, 2014; Eremitage, Sankt Petersburg, 2013; International Film Festival of Asian Pacific Countries Pacific Meridian Vladivostok, 2013; Galerie START, Moskau, 2012; Astrup Fearnley Museet for Moderne Kunst, Norwegen, 2012;  Moderna Museet. Stockholm, 2011.

Anna Jermolaewa, geb. 1970 in St. Petersburg, lebt und arbeitet seit 1989 in Wien. Ihre Heimatstadt Leningrad musste sie als Mitglied der ersten Oppositionspartei aus politischen Gründen verlassen. Von 2005 bis 2011 hatte sie eine Professur für Medienkunst an der Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe/ZKM, Deutschland inne.
Einzelausstellungen (Auswahl): Zacheta National Gallery of Art, Warsaw, Poland, 2015; Victoria Gallery, Samara, 2013; CAC Vilnius, 2013; Salzburger Kunstverein, 2012; Institute of Contemporary Art, Sofia, 2011; Kunstverein Friedrichshafen, 2009; XL Gallery Moscow, 2008; Museum moderner Kunst, Passau, 2004; Magazin 4, Bregenz, 2002; Blickle Stiftung, 2002; Institute of Visual Arts, Milwaukee, 2000
Gruppenausstellungen (Auswahl): ZKM/ Museum für neue Kunst, Karlsruhe, 2011; National Centre for Contemporary Arts, Moskau, 2009; Herzliya Museum of Contemporary Art, Tel-Aviv, 2008; Mumok, Wien, 2005; Kiasma’s Collection, Helsinki, 2005; Sprengel Museum, Hannover, 2003;  Frankfurter Kunstverein, 2002; Stedelijk Museum, 2001; und Venedig Biennale, 1999.

Wir möchten uns besonders bei Tobias Yves Zintel bedanken, der den Kontakt zu Taisiya Krugovykh herstellte und so die Initialzündung für die Ausstellung lieferte, sowie bei Silvia Eiblmayr, der Galerie AKINCI, Amsterdam und der Kerstin Engholm Galerie, Wien für die Zusammenarbeit.

 

Opening to KINO DER KUNST
Thursday, April 23, 2015, 6–9 p.m.

Artist Talk
Thursday, April 23, 2015, 5 p.m.
Anna Jermolaewa and Silvia Eiblmayr,
art historian and curator, Vienna

Screenings
Friday, April 24 and Saturday, April 25, 5 p.m.
Gogol's Wives, Pussy vs Putin, 2013, 63 min.
Anna Jermolaewa, GULAG, 2012, 35 min.

Opening hours during Kino der Kunst
April 22 – 28, 2015
Tue-Sun, 11–6 p.m.

Opening hours after Kino der Kunst
Tue-Fr, 1–6.30 p.m., Sat 11–4 p.m.
 

Louise Bourgeois/ Maria Lassnig/ Nancy Spero

Louise Bourgeois/ Maria Lassnig/ Nancy Spero

Another Normal Love

13.02.2015 - 08.04.2015
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit einem Text von Kerstin Stakemeier. 
Auf einer Postkarte aus den 1980er Jahren, die ich in der Barbara Gross Galerie sah, stand zu lesen: „I’m not searching for an identity, I have too much identity.“ Es war Louise Bourgeois, die da zitiert wurde. Ihre Umkehrung der berüchtigten Identitätssuchen der 80er von einem Zu-Wenig in ein Zu-Viel erschien mir ganz unmittelbar programmatisch. Dies gilt nicht nur für Bourgeois, sondern für eine ganze Reihe von Künstlerinnen, mit denen Barbara Gross über die Jahre arbeitete. Eine lose Gruppe, angeordnet um unterschiedliche Formen derjenigen „'weiblichen’ Ästhetik“, nach deren Existenz Silvia Bovenschen Mitte der 70er Jahre fragte. Eine Ästhetik, die sich aus dem gesellschaftlichen Umkreis entwickelt, der als weiblich bestimmt wurde und ihn in die Öffentlichkeit rückte: in Körperteilen, in Familienaufstellungen, in Mythologien. Ein gezieltes Zu-Viel weiblicher Identität. Eine Ästhetik des Offenlegens statt des Zurücknehmens, in der die eigenen Attribute, die angedichteten, die aufgefundenen und die ausgedachten sich gleichermaßen dicht zusammenziehen: zu Speros gegenwärtigen Mythologien, Lassnigs Eigenansichten oder Bourgeois psychologischen Innenräumen. Es wird Künstlerisches nach Außen formuliert, was gesellschaftlich ins Innere privatisiert war.
Barbara Gross Verbindungen zu Louise Bourgeois, ebenso wie zu Maria Lassnig und Nancy Spero reichen zurück bis in die frühen 80er Jahre. Die ersten Einzelausstellungen in ihrer Galerie folgten 1988 und 1989. Obwohl das Werk der Künstlerinnen bereits damals über mehrere Jahrzehnte reichte, blieben allgemeine Anerkennung und institutionelle Würdigung lange aus. Sie wurden nur regional rezipiert, Ihnen fehlte die Allgemeinheit. Erst mit der größeren gesellschaftlichen Allgemeinheit der feministischen Entprivatisierung des weiblichen Lebens wurden ihre Arbeiten mehr wahrgenommen. So stehen ihre Werke auch jenseits der Frage nach den Überzeugungen der Künstlerinnen im feministischen Kontext – weil der sie erst sichtbar machte.

Heute, aus der Perspektive ihrer Etablierung ebenso wie aus der Perspektive ihres Nachlasses, scheint ihre damalige Unlesbarkeit kaum mehr nachvollziehbar. Von heute aus blickt man nach dem Tod der Künstlerinnen zurück auf Oeuvres, die sich über Jahrzehnte entwickelten, verzahnten und spezifizierten.Die Ausstellung Another Normal Love versucht, indem sie ihre Werke noch einmal zusammen zeigt, auch das Befremdliche im Blick zu suchen. In allen drei Fällen hängt es nicht zuletzt an der Offenheit, mit der hier sexualisierte Körper den malerischen und skulpturalen Raum bestimmen. Weder Maria Lassnigs sperrige Außenansichten der eigenen Fassade, noch ihre fast möbelstückartigen Abstraktionen, die hier in vier Zeichnungen und Malereien ausgelegt werden, ästhetisieren den weiblichen Körper. Er tritt nicht als geschlossenes Ganzes, als kunstvolle Einheit ins Bild, sondern als Sonderbarkeit, als ungelenkes Leben seiner Bestandteile.

Bei Nancy Spero ist es umgekehrt nicht die Einheit der körperlichen Darstellung, die aufgebrochen wird, es ist die Freistellung des weiblichen Körpers als dekoratives Element der Kulturgeschichte, die hier zu einem Ende kommt. In den handbedruckten Collagen treten zu den nackten Frauenkörpern mythologische Figuren und Schrift, Ausrufe und Narrationen. Sie enthalten eine eigene Welt, einen Zusammenhang, der seine Betrachter_innen konfrontiert. Es ist diese Konfrontation, die allen drei Künstlerinnen auf unterschiedliche Art gemein ist.

Auch bei Louise Bourgeois, von der drei Zeichnungen und zwei Skulpturen zu sehen sind, ist es vor allem die Rekontextualisierung, die ihre Arbeiten bestimmt. Bourgeois künstlerische Zuspitzung psychologischer Konstellationen, hier als baumelnde, aufgezogene und hypersexualisierte Körper, die im Raum hängen, durchkreuzen die Trennung des Privaten und des Öffentlichen am deutlichsten. Another Normal Love präsentiert drei Künstlerinnen, die eine gesellschaftlich privatisierte Identität veröffentlichten bevor die Gesellschaft es ihnen gleichtat.
Kerstin Stakemeier

Louise Bourgeois, geb. 1911 in Paris, gest. 2010 in New York. 1999 bekam sie den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk im Rahmen der 48. Venedig Biennale. 2009 wurde Louise Bourgeois von der National Woman‘s Hall of Fame geehrt. Ihre erste Ausstellung in Deutschland fand 1989 im Frankfurter Kunstverein statt. 1992 nahm Louise Bourgeois an der documenta IX teil.
Letzte große Einzelausstellungen mit Katalog (Auswahl): Haus der Kunst, München, Moderna Museet,  Stockholm, 2015; Scottish National Gallery of Modern Art, Edinburgh; Faurschou Foundation, Kopenhagen, 2013; Hamburger Kunsthalle, Fondation Beyeler, Riehen, 2012; The National Gallery of Canada, Ottawa, 2011; Fondazione Vedova, Venedig, 2010; Tate Modern, London, Centre Pompidou, Paris, MOCA, Los Angeles, Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Akademie der Künste, Berlin, 2007; The Whitney Museum of Contemporary Art, New York, Irish Museum of Modern Art, Dublin, 2003; The State Hermitage Museum, St. Petersburg, 2001.

Maria Lassnig, geb. 1919 in Kappel am Krappfeld (Kärnten), gest. 2014 in Wien. Internationale Aufmerksamkeit erlangte Maria Lassnig durch ihre Teilnahme an der Venedig Biennale 1980, den documenten von 1982 und 1997. 2013 bekam sie den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk im Rahmen der 55. Venedig Biennale. 1998 fand ihre erste Ausstellung in der Barbara Gross Galerie München statt.
Letzte große Einzelausstellungen mit Katalog (Auswahl): Fundació Antoni Tàpies, Barcelona, 2015; MoMA PS1, New York, 2014; Deichtorhallen, Hamburg; 2013, Museum Ludwig, Köln, Lenbachhaus, München, 2010; MUMOK, Wien, 2009; Serpentine Gallery, London, 2008; Kunsthaus, Graz, Museum Moderner Kunst Kärnten, Klagenfurt, 2006; Städel Museum, Frankfurt, 2004; Bayerische Akademie der Schönen Künste, München, 2002; Centre Georges Pompidou, Paris, 1995.

Nancy Spero, geb. 1926 in Cleveland, Ohio, gest. 2009 in New York. Durch die Vermittlung der Galerie wurde Nancy Spero in Europa erstmals 1986 im Museum Villa Stuck in München ausgestellt. Sie war seit 2006 Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Zu ihren Auszeichnungen zählen der Lifetime Achievement Award (2005) und der Hiroshima Art Prize (gemeinsam mit Leon Golub, 1996).
Letzte große Einzelausstellungen mit Katalog (Auswahl): Worcester Art Museum, Worcester MA, 2013; European Center for the Arts, Dresden, 2012; Centre Georges Pompidou, Paris, Serpentine Gallery, London, 2010; MACBA, Barcelona, Reina Sofia, Madrid, De Appel Art Center, Amsterdam, 2008; 52. Biennale Venedig 2007; Kunsthalle Kiel, Kiel, 2000; Ulmer Museum, Ulm; 2000, Glyptothek, München, 1991.
 

Simone Lanzenstiel

Simone Lanzenstiel

vorübergehend dorthin

19.12.2014 - 07.02.2015
Simone Lanzenstiel
O.T. (1495), 2014
Acryl auf Nesse
220 x 200 cm

In ihrer neuen Ausstellung in der Barbara Gross zeigt Simone Lanzenstiel Leinwandarbeiten und Wandmalerei, die sie in den Raum hin erweitert. Von den Bildern ausgehend entwirft die Künstlerin einen 'Mal-Raum' und löst dabei die Malerei aus der Zweidimensionalität heraus. Neben Acryl- und Sprühfarben verwendet sie unterschiedliche Materialien wie Holzlatten, Plastikfolie, Vliesstoff, Klebeband und Papiersäulen. Diese werden dadurch zu alternativen Bildträgern und agieren selbst als Linien und Formen im Raum. Die großformatigen Leinwände funktionieren dabei als Weichenstellungen und lenken die Linien in einen vielschichtigen, dreidimensionalen Raum.
Die aus dem Alltag entlehnten einfachen Materialien sind Relikte aus dem urbanen Raum, die Lanzenstiel malerisch verarbeitet und zu scheinbar zufällig arrangierten, raumgreifenden Ensembles kombiniert.  Lanzenstiel lässt sich von der 'Patina der Stadt', von Baustellen, herabgerissenen Plakaten und Spuren an Hauswänden inspirieren, die sie dann in die Sprache der Malerei übersetzt. Die Leichtigkeit der Zusammenstellungen ermöglicht ein fast beiläufiges Ineinanderfließen der verschiedenen Bildträger.
Die Linie ist dabei Ausgangspunkt ihres prozesshaften Arbeitens, sei sie linear, kreisförmig, verblassend oder Kontur gebend. Die weiße Farbe ist ihr Gegenspieler – mal grundierend, mal abdeckend, mal selbst Linie. In den neuen Arbeiten erscheint das Weiß sehr lebendig und aktiv und lässt feine Farbnuancen von vorausgegangenen Setzungen hindurch schimmern. Die Leinwand gewinnt an Tiefe. Die unterschiedlichen Weißtöne, insbesondere die grau- und gelbstichigen erinnern wieder an Schmutzspuren in den Straßen der Stadt.
Daneben taucht häufig das roh belassene Nesselmaterial der Leinwand auf. Aussparungen erscheinen als  Negativformen von Linien oder Farbflächen. Linien in knalligen Farben wie magenta, blau, grün und schwarz bewegen sich auf und in der Fläche. Wie ein feiner Nebel - als Kontrast zu den dezidierten Pinselstrichen - weichen Spuren aus Sprühfarbe die Konturen auf. Dieses Spiel von Gegensätzen verleiht den Arbeiten einen pulsierenden Rhythmus. Freiraum und Verdichtung, Rauheit und Schönheit, Schärfe und Unschärfe erscheinen im dauernden Wechsel.
Die Arbeiten zeigen vor allem das Ausbrechen aus den konventionellen Mitteln der Malerei und der Leinwand an sich, andererseits akzentuiert Lanzenstiel in diesen Arbeiten wieder den Rahmen. Feine Linien verlaufen an den Bildrändern und geben den raumgreifenden, in alle Richtungen, teils aus dem Bild heraus strömenden Bewegungen einen Widerpart.

Simone Lanzenstiel (* 1970 in Ulm) lebt und arbeitet in Berlin. 1993-2001 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Thomas Zacharias, Res Ingold und Jerry Zeniuk; 2003 DAAD-Stipendium; 2007 Kunst am Bau 1. Preis, Biozentrum Ludwig-Maximilians-Universität München.
Einzelausstellungen (Auswahl): New Positions, Art Cologne, 2011; ungefähr hier - etwa so nah, Barbara Gross Galerie, München 2010; Abriss, Müllerstrasse 22, München 2007; kreis und kreisen, Aquamarin, München 2007;Fern ab, Projektraum Marienhof, München, 2005.
Gruppenausstellungen (Auswahl): Künstlerhaus Bethanien, Berlin 2014; Kunstverein Pfaffenhofen, 2014; Georg Kolbe Museum, Berlin 2013; Artothek, München, 2013; Pinakothek der Moderne, München, 2012; Kunstverein Tiergarten I Galerie Nord, Berlin, 2012; Kunsthalle am Hamburger Platz, Berlin, 2011; Pinakothek der Moderne, München, 2010; Textas Firehouse, New York, 2010; Sudhaus, Berlin, 2010.

 

 

 
 

Yorgos Sapountzis

Yorgos Sapountzis

Die Landschaften Griechenlands

07.11.2014 - 13.12.2014
Die Serie monochromer Landschaften in den Arkaden auf der Nordseite des Hofgartens in München hat einen zumeist verdrängten historischen Hintergrund: Nach der Befreiung Griechenlands aus der osmanischen Herrschaft hatten sich 1832 ausländische Mächte zusammengeschlossen, um in Griechenland eine Monarchie zu errichten. Auf der Londoner Konferenz setzte ein Zusammenschluss aus Russland, Frankreich und England – die sogenannten Großmächte – Otto, den zweiten Sohn von König Ludwig I. von Bayern, als neuen König von Griechenland ein. Bald danach beauftragte König Ludwig I. Carl Rottmann, einen seiner bevorzugten Landschaftsmaler, mit einem Zyklus griechischer Landschaften, die die beiden Länder symbolisieren sollten, die nun dem bayerischen Königshaus unterstanden. Während einer einjährigen Studienreise durch Griechenland besuchte Rottmann daraufhin 23 Orte auf dem Festland und an der Küste, darunter die ehemalige Hauptstadt Nauplia, um die griechischen Landschaften kennenzulernen. Nach seiner Rückkehr nach München entwickelte er aus seinen Studien Kompositionsskizzen in einer Art Enkaustik-Technik, weil die Werke – wie der bereits existente Zyklus mit Fresken italienischer Landschaften – in den Arkaden des Hofgartens angebracht werden sollten. Nach Beschädigungen der Italien-Fresken wurde dieser Plan jedoch aufgegeben. Stattdessen ließ Ludwig I. den Griechenlandzyklus nach Rottmanns Tod in einem eigens errichteten Rottmann-Saal in der 1853 eröffneten Neuen Pinakothek installieren.
Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurden die Arkaden wiederaufgebaut und erhielten 1961 eine Serie stilisierter Fresken, die einige Motive der originalen Griechenlandbilder Rottmanns aufgriffen und das Format der Italien-Fresken übernahmen. Ergänzt wurden sie mit Zitaten griechischer und deutscher Dichter. Auf meinem Weg zum Kunstverein gehe ich fast jeden Tag an ihnen vorbei, sodass die Bilder nach einiger Zeit immer vertrauter wurden. Trotzdem gehen sie im Trubel des Alltags schnell wieder unter.
Als Yorgos Sapountzis in diesem Jahr einige Zeit in München verbrachte, erregten diese Landschaften Griechenlands sofort sein Interesse. Sie bilden nun die Grundlage seiner gleichnamigen Ausstellung. Dabei geht es nicht um eine Neuinterpretation des Rottmann-Zyklus und seiner Geschichte. Sapountzis interessiert sich vielmehr dafür, wie die Szenerie eines Ortes seine Bewohner beeinflusst und – etwas vereinfacht gesagt – wie die Vergangenheit in der Gegenwart verankert ist. Beispielsweise wird bei den Arkaden immer auf Rottmann verwiesen, kaum jemand aber erwähnt Richard Seewald, der die Fresken, die jetzt dort zu sehen sind, geschaffen hat. Sapountzis setzt – so ließe sich vor dem Hintergrund seiner Methodik sagen – die Reihe künstlerischer Neuinterpretationen dieser Landschaften in die Gegenwart fort. Indem er mit großer Beharrlichkeit auch die gegenwärtige Version dieser Landschaftsdarstellungen berücksichtigt, stellt er der einseitigen akademischen Fixierung auf die Rottmann-Originale eine neue, frische Sichtweise gegenüber. Gerade weil er Seewalds Fassung in seinen eigenen Werken fortführt, distanziert er sich von der bisher gängigen Rezeption, wodurch ihm eine interessante Neubewertung gelingt: Die Geschichtslastigkeit verschiebt sich zugunsten einer beiläufigen Ästhetik.
Die Neuinterpretation dieser Landschaften bildet den Ausgangspunkt für neue Werke, die Sapountzis als „Abschlussarbeiten“ bezeichnet. Durch diesen Prozess und die von ihm verwendeten Materialien – aufgespannte bunte Stoffe, schlauchförmige Metallstäbe und Videodokumentationen – findet zugleich eine ironische und indirekte Auseinandersetzung mit seiner ursprünglichen Heimat, seinem Geburtsort Griechenland, statt, die auf dem fremden, nicht dem eigenen Blick basiert.
Saim Demircan

Yorgos Sapountzis (geboren 1976 in Athen, Griechenland), lebt und arbeitet in Berlin. 1998-2002 Bühnenbildner und Regieassistent am Diplous Eros Theater, Athen; 2012 Villa Romana-Preis, Florenz; 2013/2014 kunstzeitraum Stipendium, München.
 

Sonia Leimer

Sonia Leimer

Lack of a proper word

12.09.2014 - 01.11.2014
Abbildung (Startseite Ausschnitt):

Sonia Leimer
Installationsansicht, 2014

In Sonia Leimers Werk erfahren Räume und Objekte, die in konkreten historischen Zusammenhängen entstanden sind, eine Transformation, die Geschichte und gesellschaftlichen Wandel transparent macht.
In ihrer ersten Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie befasst sich die Künstlerin mit den utopischen Vorstellungen der Weltraumforschung seit den späten 1950er Jahren und ihren Ausformungen in Technik und Gestaltung. Großformatige Fotos bilden den Innenraum eines „Space Simulators“ ab, der 1966 in Holland gebaut wurde, um erste Satelliten zu testen. Die Aufnahmen, die Leimer mittels Langzeitbelichtung in dem schwarzen Raum gemacht hat, skizzieren einen schwarzen Innenraum, der sich im White Cube der Galerie aufspannt und uns einen Eindruck von der unendlichen Schwärze im Weltall vermittelt.
Dem gegenüber stehen technoid-futuristische Space Age-Vasen der 1950er Jahre, die, zu skulpturalen Objekten entfremdet, den Schwebezustand im Orbit konstruieren und gleichzeitig den Raum besetzen, sich mit diesem verhaften und ihn wieder endlich machen.
 

Norbert Prangenberg Werke 1984–2012

Norbert Prangenberg Werke 1984–2012

Kiki Smith Neue Skulpturen

17.07.2014 - 14.08.2014
Öffnungszeiten:
Di–Fr 14–18.30, Sa 11–16

Abbildung:
Norbert Prangenberg
Figur, 1998
Ton, gebrannt, glasiert
37 x 32 x 16 cm
(Startseite: Ausschnitt)

Im Sommer zeigen wir in der Galerie ausgewählte Skulpturen, Bilder und Zeichnungen von Norbert Prangenberg.
Parallel findet eine Präsentation von Werken des Künstlers in der Pinakothek der Moderne statt. Nach seinem frühen Tod 2012 gelang den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Erwerbung einer umfangreichen Werkgruppe, die jetzt erstmalig in einem Raum der Pinakothek zu sehen ist.

Im Oberlichtraum der Galerie stellen wir neue Skulpturen von Kiki Smith aus.
 

Silvia Bächli

Silvia Bächli

23.05.2014 - 12.07.2014
Abbildunge (Startseite: Ausschnitt)
Silvia Bächli, O.T., 2013
Gouache auf Papier, 55x75cm

Eine Beobachtung, eine Erinnerung, eine vage Idee ist der Beginn.
Die Form findet sich auf dem Weg.
Die Linie ist das Subjekt. Sie atmet, ist zuerst dunkel und haucht sich, heller werdend, aus dem Weiß des Papiers. Sie streckt sich über das ganze Blatt, sie berührt andere, lehnt sich an, überkreuzt, baumelt vom Rand, umrundet, umrandet, schweift über das Papier hinaus.

Mit diesen Sätzen beschreibt Silvia Bächli 2014 prägnant die Entstehung und Gestaltung ihrer Zeichnungen. Seit ihrer ersten Ausstellung in der Barbara Gross Galerie 1988 hat sich ihr Werk kontinuierlich weiter entwickelt. "Immer wieder etwas Anderes machen als vorher ohne das Vorrausgehende aufzugeben, alles mitnehmen und langsam weiterführen" – diese Vorstellung der Künstlerin treibt den ständigen Wandel ihrer Formbildungen an.

Bächlis Zeichnungen sind Reaktionen auf Wahrgenommenes aus ihrer nächsten Umgebung: Dinge und Landschaften ebenso wie Beobachtungen von Bewegungen und Geräuschen. Motive wie der Schattenriss eines weiblichen Torsos, die Silhouette eines Paares und die Darstellung eines Astes sind schon aus frühen Arbeiten vertraut. Sie hängen zwischen Zeichnungen, die weniger eindeutig gegenständlich lesbar sind. Frei gezogene Linien, weich und fießend, dynamisch geschwungen oder akkurat geometrisch, wecken beim Betrachter Erinnerungen an Landschaften, Organisches oder Architektonisches.

Neu ist die Dominanz von Farbe. Wo bisher Schwarz in seinen vielfältigen Verdünnungszuständen den Reichtum der Zeichnung ausmachte, wählt Bächli jetzt Farben – mal milchig, matt, transparent, mal kräftig. Lineamente, rhythmisch geschichtet, verdichten sich zur Fläche. Ein viermonatiger Aufenthalt in Island 2008 wurde als Bächlis 'Initialerlebnis der Farbe' bezeichnet. Die weite, verschneite Landschaft, in der sich farbige Details, etwa eine hellblau gestrichene Türe oder ein grün gedecktes Dach, leuchtend vom Weiß der Schneedecke abheben, klingt in den daraufhin entstehenden Arbeiten nach. Erste farbige Zeichnungen fügen sich in das überwiegende Schwarz-Weiß ihrer Installation auf der Biennale in Venedig 2009. In unserer Ausstellung stellen sie nun den Hauptanteil.

"Bächlis Meisterschaft beruht in ihrem Vermögen, das an sich Konventionelle der jeweiligen Sujets durch Farbgebung und Schattierung derart zu verfremden, dass etwas eigentümlich Neues entsteht, vertraut und fremdartig zugleich," schreibt Michael Semff im Ausstellungskatalog der Graphischen Sammlung München, 2014.
 

Leon Golub

Leon Golub

Danse Macabre

14.03.2014 - 15.05.2014
Abbildung (Slider: Ausschnitt):
Leon Golub, Danse Macabre, 2004
Ölkreide und Tinte auf Pergament, 25 x 20 cm

Leon Golub (1922 – 2004) war einer der großen politischen Maler Amerikas. Als scharfer Beobachter registrierte er die Brüche und Verwerfungen einer offen oder latent aggressiven Gesellschaft: Rassismus, Straßenkriminalität, die Abgründe des Krieges, physische und psychische Versehrtheit, aufgestaute, unterdrückte Wut. Berühmt wurde Golub durch seine monumentalen, geradezu kinematographischen Gemäldezyklen von Kampfeinsätzen (Vietnam), Söldnertruppen (Mercenaries) oder Folterpraktiken (Interrogations). Es sind Historienbilder ohne Helden, in denen der menschliche Körper als der eigentliche Ort der Gewalt in den Vordergrund rückt. Unter dem Eindruck des 11. September 2001 und des US-amerikanischen „war on terror“ erhielten diese Arbeiten eine neue Aktualität, auf die Golub mit einer letzten Gruppe großformatiger Tableaus reagierte, die 2002 auf der Documenta11 zu sehen war. Die Ausstellung in der Barbara Gross Galerie spannt von dort den Bogen bis zu den intimeren, aber nicht weniger brisanten Arbeiten auf Papier aus Golubs letzten Schaffensjahren.
 

Katharina Gaenssler

Katharina Gaenssler

Bücher

24.01.2014 - 08.03.2014
Abbildungen (Startseite: Ausschnitt)
Katharina Gaenssler
HD (Turm) D LC, 2013
 

Carlos Garaicoa

Carlos Garaicoa

Wer im Glashaus sitzt...

09.11.2013 - 17.01.2014
Carlos Garaicoa
Bundesbank, 2013
Gold 21 k, 10 x 16,5 x 6,5 cm

Carlos Garaicoa zählt zu den einflussreichen politisch engagierten Künstlern seiner Generation. Für die Ausstellung Wer im Glashaus sitzt... in der Barbara Gross Galerie wirft er einen kritischen Blick auf den Zusammenhang von Architektur, Ideologie und Machtstrukturen.

Garaicoas multimediales Werk kreist um urbane Räume, die der Künstler als Spiegel und Prägestempel gesellschaftlicher Realitäten untersucht. War in den 1990er-Jahren zunächst seine Heimatstadt Havanna Ausgangspunkt für ästhetische Spurensuche, entwickelt er sein Werk seit seiner Teilnahme an der Documenta11 zunehmend in einem internationalen Kontext. Auf die Tendenz jedes Systems, herrschende Machtverhältnisse dauerhaft in Stein und Beton zu fassen, antwortet Garaicoa mit fragilen, provisorischen Architekturen: aus dünnen Fäden aufgespannte Gebäudeumrisse, Hausmodelle aus Reispapier und Glas oder sich langsam auflösende Miniaturstädte aus Zucker oder Wachs sind humane Gegenentwürfe zum Ewigkeitsanspruch politischer Dogmen.

Als eine Klammer der Arbeiten, die Garaicoa für die Münchner Ausstellung geschaffen hat, fungiert die Frage nach Schuld und Unschuld architektonischer Formen. Ins Zentrum stellt der Künstler zwei ikonische Gebäude, deren Symbolsprache er mit gezielten Größen- und Materialverschiebungen offenlegt: die Frankfurter Bundesbankzentrale und das Münchner Haus der Kunst.
Die Goldminiatur Bundesbank, gleich einem Juwel im massiven Stahltresor verwahrt und in Szene gesetzt, wirkt wie ein ironischer Kommentar zur Fetischisierung des Finanzsektors. Den Ort der ökonomischen Macht konfrontiert Garaicoa in den hauchdünnen, spiegelnden Goldblättern seines Portfolio mit der Wut der Straße über die Auswüchse der Wirtschaftskrise: mit Chorizos (Diebe), Puppets (Marionetten) oder Basta (Schluss damit) sind sie beschriftet – Textfragmente von Protestplakaten aus Spanien, Irland, Italien, Portugal und Griechenland, die sich, aus dem kritischen Zusammenhang gelöst und durch ihre Hochglanzoberfläche veredelt, ihrerseits in Widersprüche verwickeln.

Auch mit dem Glasmodell Haus der Kunst erinnert Garaicoa an ein nach wie vor aktuelles Thema: den Missbrauch von Kunst als Machtinstrument. Die fragilen Glasplatten, aus denen Garaicoa den neoklassizistischen Monumentalbau zusammensetzt, konterkarieren dabei nicht nur das hohle Pathos der nationalsozialistischen Überwältigungsarchitektur; sie rufen auch die Bilder eingeworfener Schaufenster in der Reichsprogromnacht ins Gedächtnis, mit der 1938 vor den Augen der Öffentlichkeit die systematische Verfolgung der Juden in Deutschland begann. Den Kreis dieses Werkkomplexes schließt The serial killer book shelf: eine Sammlung politischer Schriften von Mao, Stalin oder Hitler, dazwischen Bücher, die als Lektüre bei Serienkillern gefunden wurden; als Bücherstützen fungieren bronzene Statuetten athletischer Sportler, die nach Vorlagen aus Leni Riefenstahls Olympia-Filmen von 1938 gegossen wurden.
 

Andrea Büttner

Andrea Büttner

13.09.2013 - 31.10.2013
Abbildung:
Andrea Büttner
Breadpebble, 2010
Holzschnitt
120 x 180 cm

Zur OpenArt präsentiert die Barbara Gross Galerie erstmals eine Einzelausstellung der Documenta 13-Teilnehmerin Andrea Büttner.
Die in Frankfurt und London lebende Künstlerin setzt sich mit der Wirkung von religiösen Werten und Normen in der zeitgenössischen Kunst und Kultur auseinander. Sie thematisiert in ihrem Werk verschiedene Aspekte des christlichen Kulturraumes und setzt sie künstlerisch originell in verschiedenen Medien, wie Malerei, Holzschnitt, Video, Textiltechniken und Hinterglasmalerei, um.
Ihre Holzschnitte zum Leben des heiligen Franziskus - darunter Bilder des Steines, den er der Legende nach anstelle von Brot erbettelte und der Tränen, die ihn erblinden ließen - stellen einen wichtigen Werkkomplex dar. In der Ausstellung werden sie zusammen mit Hinterglasbildern und farbigen Stoffbildern auf einer braunen Wandmalerei präsentiert. In der Abwendung vom neutralen White Cube schafft sie so einen mit vielfältigen theologischen und psychoanalytischen Sinnbezügen aufgeladenen Raum.
 

25 Jahre Barbara Gross Galerie

25 Jahre Barbara Gross Galerie

Etwas Eigenes

29.06.2013 - 04.09.2013
Die Ausstellung ETWAS EIGENES zum 25-jährigen Bestehen der Galerie wurde zusammen mit Kerstin Stakemeier (cx /Akademie der bildenden Künste in München) entwickelt. Sie stellt die feministische Linie heraus, die die Arbeit der Galerie seit ihrer Gründung 1988 maßgeblich geprägt hat und zeigt ein Spektrum von Arbeiten von Künstlerinnen, die in den vergangenen Jahren in der Galerie ausgestellt haben.

1988/89, in ihrem ersten Jahr, zeigte die Barbara Gross Galerie ausschließlich die Arbeiten von Künstlerinnen. Damals erschien es als eine Notwendigkeit, Frauen auszustellen, da ihre Werke in Galerien, in Museen und auf dem Kunstmarkt weitgehend fehlten. Sie tauchten seit den 70er Jahren nur vereinzelt, nur als Ausnahme in Ausstellungen auf, eine Selbstverständlichkeit weiblicher Künstlerinnen existierte weiterhin nicht. Gerade Künstlerinnen wie Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Nancy Spero, VALIE EXPORT sowie Kiki Smith, die geschlechtsspezifisch, mit dem Einsatz des eigenen Körpers arbeiteten, waren in diesem Zusammenhang schwer zu vermitteln. Es waren zunächst die Museen, die die Arbeiten der Künstlerinnen kauften, erst langsam folgten die Sammler.

In den letzten 25 Jahren ist es selbstverständlicher geworden auch Künstlerinnen auszustellen. Mit einer jüngeren Generation weiblicher Künstlerinnen und der gleichzeitigen Wiederentdeckung älterer Künstlerinnen hat sich langsam auch ein historischer Kontext hergestellt, der Frauen als Künstlerinnen allmählich auf dem Kunstmarkt gefragter und in Ausstellungen präsenter macht. Der Kampf um Gleichberechtigung bezieht zunehmend die Forderung nach ökonomischer Gleichstellung und gleichberechtigter künstlerischer Anerkennung mit ein.

Die Ausstellung ETWAS EIGENES zeigt wie Künstlerinnen der Galerie auf die Welt blickten und blicken. Künstlerische Positionen, die nicht versuchen sich jenseits ihres Geschlechts zu stellen, sondern Differenzen zu den Arbeiten ihrer männlichen Kollegen herausarbeiten und demonstrieren, dass in dieser Differenz eine Bereicherung liegt. Die ausgestellten Künstlerinnen bringen ein breites Spektrum von kulturgeschichtlichen, gesellschaftspolitischen, sozialen Themen und Fragen zur Geschlechterrolle von Künstlerinnen in der Gegenwartskunst ein. Gegenpositionen zur männlichen Dominanz in der Malerei ebenso wie skulpturale, zeichnerische und installative Arbeiten aus den letzten 25 Jahren werden in der Ausstellung ETWAS EIGENES auf ihre Gegenwärtigkeit hin zueinander geordnet.
Barbara Gross

Bitte beachten Sie, dass die Galerie vom 6. bis 11. August geschlossen ist.
 

Tejal Shah

Tejal Shah

Between the Waves

26.04.2013 - 22.06.2013
Tejal Shah
Between the Waves, 2012
5-Kanal-Videoinstallation,
Farbe, sw, Ton, 85 min, Filmstill

Die multimedial arbeitende, indische Künstlerin Tejal Shah wurde mit politisch motivierten Arbeiten bekannt, in denen sie feministische Themen und Fragen der sexuellen Zugehörigkeit verhandelt. In unserer zweiten Ausstellung mit der Künstlerin zeigen wir die fünf-Kanal Video Installation Between The Waves, die zur dOCUMENTA (13) ihre Premiere hatte. Tejal Shah beschäftigt sich hier mit Phänomenen kultureller und biologischer Vielfalt. Das sexuell Abweichende betrachtet sie als integralen Bestandteil der Natur. Extravaganz und bisexuelle Vielfalt sind für sie "Quelle und Essenz allen Lebens, denen alle anderen Muster folgen".

In Between The Waves entwickelt Tejal Shah ihre eigene Vision einer Evolutionsgeschichte, die mit der Vorherrschaft der Heterosexualität gebrochen hat. Grenzen zwischen den Geschlechtern, auch zwischen Mensch und Tier werden aufgehoben. Frauen mit phallusartigen Hörnern verkörpern mehrgeschlechtliche Mischwesen, führen uns als menschliche Einhörner ein lustbetontes Zusammenleben in stimmungsvoll inszenierten Landschaften vor.
Gefilmt in Indien, meist in Zonen des Übergangs von Großstadt und Natur, beginnt der Film in einer frühgeschichtlichen Ausgrabungsstätte im Industal, einem Ort an dem die ersten prähistorischen Darstellungen von Einhörnern gefunden wurden. Tejal Shahs Einhörner bewegen sich körperlich sinnlich in einer farbenprächtigen Welt, geben sich spirituellen und erotischen Ritualen hin bis eine Flutwelle ihr friedliches Dasein erschüttert. Gestrandet an einer schlammigen, von Zivilisationsmüll bedeckten Küste suchen sie nach neuer Orientierung und finden in Mangrovenwäldern Schutz und Regeneration. Nach einer weiteren hedonistischen Phase endet die fiktive Geschichte in der Realität einer indischen Großstadt. Tejal Shah setzt hier dem dem Einfallsreichtum der Vorstellung ein abruptes aggressives Ende.

Der Film ist in fünf Kapitel gegliedert, durch die Vorführung als Loop gibt es jedoch keinen Anfang und kein Ende; die Erzählung ist wellenförmig angelegt. Weitere vier Projektionen von Between The Waves nutzen jeweils andere nicht-narrative Formate. Landfill Dance, Animation, Moon Burning und Morse Code laufen parallel zum Loop des Hauptfilms und markieren die beiden Extreme vom mythischen zum kybernetischen Zeitalter, das Tejal Shah thematisch überspannt.
Durch die multimediale, raumgreifende Installation, in der sich bewegte Bilder, verschiedene Sound-Kompositionen, Animation, Tanz, Zeichnung und Collage überlagern, wird die Begegnung mit Between The Waves zu einer körperlich-sinnlich Erfahrung, welche unsere Normvorstellungen provokant in Frage stellt.
Die Ausstellung wird um farbige Collagen und Zeichnungen ergänzt, in denen Tejal Shah die Themen und Motive der Filme aufgreift und nach ihrer intuitiven Vorstellung einer ganzheitlichen Welt weiterentwickelt und neu formuliert.

Tejal Shah, geboren 1979 in Bhilai, Indien, lebt und arbeitet in Goa, Indien. Dem deutschen Publikum wurde ihre Arbeit erstmals 2011 mit einer Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie und einem Künstlergespräch mit Hans-Ulrich Obrist vorgestellt. 2012 nahm sie mit ihrer vielbeachteten Video-Installation Between The Waves (2012) an der dOCUMENTA (13) teil. International wurde ihre Arbeit in Einzelausstellungen in China, Indien und Kanada präsentiert, darüber hinaus war sie in zahlreichen Gruppenausstellungen in wichtigen Museen, wie dem Centre Pompidou, Paris, der Serpentine Gallery, Paris, dem Herning Museum of Contemporary Art, Dänemark, dem Astrup Fearnley Museum of Modern Art, Oslo, Norwegen, vertreten.
Zusätzlich geöffnet zum
Kino der Kunst: So, 28.4., 11–16 Uhr
 

Charlotte Schleiffert

Charlotte Schleiffert

Spring

08.03.2013 - 20.04.2013
Charlotte Schleiffert
Shout to be heard, 2011
Mischtechnik, 238 x 151 cm

Charlotte Schleiffert wagt sich an schwierige Themen, die sie mit Humor und Eleganz in expressiven Zeichnungen auf unkonventionelle Weise umsetzt. Sie behandelt Intoleranz, Macht und Gewalt, Armut und soziale Ungerechtigkeit ebenso wie die Fixierung auf Geschlechterrollen oder das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen und Ethnien.

Schleifferts zahlreiche Reisen und Auslandaufenthalte sind ihre wichtigste Inspirationsquelle. Die Rezeption der Medienlandschaft an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort - vom Hochglanzmagazin für Mode bis hin zum seriösen Nachrichtensender fließen in ihre Arbeiten ein.

Während des Studienaufenthaltes in Paris im letzten Jahr faszinierten sie im Musée du quai Branly, dem ethnologischen Museum für außereuropäische Kunst, die dort präsentierten Masken und traditionellen Gewänder der verschiedenen Kulturen. Auch die Pariser Mode beeinflusst ihre entstandenen Arbeiten. In der bei uns erstmals gezeigten Zeichnungsserie afrikanischer und europäischer Portraitdarstellungen wirken die Europäer in ihren Prunkgewändern im Stil des französischen Barock unscheinbar neben den Afrikanern mit farbenfroher Stammesbemalung. Orient trifft auf Okzident - allerdings nicht aus dem kolonial geprägten Blickwinkel heraus, sondern in Form einer ethnografischen Würdigung, welche die Schönheit, den Stolz und die Stärke der Bevölkerung fremder Kulturen zeigt.

Die großformatigen neuen Zeichnungen zeigen hybride Wesen, in denen sich soziale, religiöse und sexuelle Diskurse kreuzen. Schleiffert bringt ihre Erfahrungen in den verschiedenen Kulturlandschaften mit Erlebnissen in populären Jugendkulturen wie der Rocker- oder HipHop Szene inVerbindung. Traditionelle, archaische Ritenmasken treffen auf Motorräder und Jeans. Die Figuren posieren überlebensgroß als Fabelwesen oder moderne Krieger vor weißem Grund. Ungerahmt gehängt, in kräftigen Farben und groben Pinselstrichen gemalt, assoziieren sie Flugblatt- oder Plakatcharakter.

Die Zeichnungsserie Töten war so leicht wie Wasser trinken ist von Bildern und Reportagen inspiriert, die Charlotte Schleiffert in deutschen Zeitungen während ihres Stipendiums im Künstlerhaus Bethanien 2008 fand. Sie verarbeitet unterschiedliche Schlagzeilen: von der Schließung des Nokia Werkes in Bochum, der Forderung nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn bis hin zur Meldung der Einführung einer Frauenfußballmannschaft in Afghanistan und der humanitären Katastrophe im Krisengebiet des Tschad. Indem sie diese Nachrichten in ihren Zeichnungen festhält, bewahrt sie die Themen vor dem Vergessen im Zeitalter der medialen Bilderflut.

Charlotte Schleiffert, geboren 1967 in Tilburg, Niederlande, lebt und arbeitet in Rotterdam, Niederlande und Xiamen, China. Monographische Ausstellungen (Auswahl): Museum Het Domein, Sittard, Niederlande, 2011, Kunstverein Glückstadt, 2006, Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam, 2004, Chinese European Art Centre, Xiamen, 2003. Gruppenausstellungen: Rebelle Museum voor Moderne Kunst, Arnhem, 2009, Cultural Center Montehermoso, 2008; Stedelijk Museum, Amsterdam. Studienaufenthalte: Atelier Holsboer (Cite des Arts), Paris, 2012, Künstlerhaus Bethanien, Berlin, 2007/2008, CEAX, Xiamen (China, 2003)
 

Norbert Prangenberg

Norbert Prangenberg

Figuren und Bilder

18.01.2013 - 02.03.2013
Norbert Prangenberg
Figur, 2003, Ton gebrannt
34,3 x 22 x 27,2 cm

Wir freuen uns, mit der Ausstellung Figuren+Bilder Norbert Prangenberg zu ehren, dessen über dreißigjährige Karriere als Maler, Bildhauer und Zeichner mit seinem Tod im vergangenen Jahr ein zu frühes Ende fand.
Im Zentrum stehen die in den letzten Jahren seines Lebens entstandenen, kleinen Keramiken und kleinformatigen Ölbilder, ergänzt durch frühe Zeichnungen und Bilder sowie eine große Tonskulptur.

In der Zusammenschau der unterschiedlichen Werkgruppen zeigt sich Prangenbergs charakteristische Handschrift. Mit großer Offenheit reagiert er auf das Material und lässt sich von den Möglichkeiten des Tons, der Aquarell- und Ölfarbe oder des Zeichenstifts leiten. Der Körpereinsatz des Künstlers ist dabei stets spürbar; sichtbar wird er an den Spuren der Finger des Künstlers in der Ölfarbe, an seinen Hand- und Knöchelabdrücken im Ton.

Die kleinen Keramiken sind den Ölbildern, mit denen sie in der Ausstellung in Dialog treten, eng verwandt. Während das ausgeprägte Oberflächenrelief die Bilder zu skulpturalen Objekten macht, werden die organisch geformten Tonfiguren zu Bildträgern: kleine, in leuchtenden Farben glasierte Flächen stehen in spannungsvollem Kontrast zu den gedeckten
Erdtönen des offenporigen Tons. Der Titel "Figur", den Prangenberg für seine Keramiken wählt, verstärkt den Eindruck des Lebendigen, Körperlichen und weist über die reine Abstraktion hinaus.

Typisch ist Prangenbergs prozesshafte, intuitive Arbeitsweise. In seinen eigenen Worten, endet die Arbeit "immer dann, wenn ich das Gefühl habe, auch im geistigen Sinne, dass sie eine gewisse Masse hat, eine Ausstrahlung, die über das bloße Ding hinausgeht.“

Norbert Prangenberg, geboren 1949, Rommerskirchen-Nettesheim, gestorben 2012, Krefeld. Professur an der Kunstakademie München, 1993 - 2012.
Auswahl Einzelausstellungen: Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen, 2012, Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Magdeburg, 2008, Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe, 2005, Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld, 2004, Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, Westfälischer Kunstverein, Münster 1996/97, Museum Haus Lange, Krefeld, 1984. Teilnahme an der Biennale von Sydney 1986 und der 7. Documenta in Kassel, 1982.
Seine Arbeiten befinden sich in renommierten Sammlungen, u.a. Bayerische Staatsgemäldesammlung, Pinakothek der Moderne, München, Graphische Sammlung Museum Ludwig, Köln und der Sammlung Lauffs.
 

Kiki Smith

Kiki Smith

Moments of Clarity

27.10.2012 - 12.01.2013
Kiki Smith
Everywhere (Sitting Fawn)
2010, Tusche auf Nepalpapier
50,2 x 74,9 cm

Für die Ausstellung Moments of Clarity, die in der Barbara Gross Galerie zum KUNSTWOCHENENDE MÜNCHEN gezeigt wird, hat Kiki Smith ein Konvolut neuer Arbeiten geschaffen, die die Frage nach den Quellen und der Kommunizierbarkeit künstlerischer Inspiration ins Zentrum rücken. Das Thema umkreist die amerikanische Künstlerin, die seit Ende der 1980er-Jahre zu den Größen der zeitgenössischen Kunst zählt, in der für sie charakteristischen medialen Vielfalt; die Spannbreite reicht von Glas- und Pappmachéobjekten über collagierte Zeichnungen, Polaroids und Druckgrafik bis hin zu filigranen Porzellanskulpturen und mehrteiligen, bleigefassten Glasmalereien, die in Zusammenarbeit mit der Porzellanmanufaktur Nymphenburg und der Mayerʼschen Hofkunstanstalt in München entstanden sind.

Mit dem Erlebnis von Augenblicken der Klarheit hatte Kiki Smith sich schon in früheren Werken im Sinne einer dezidiert weiblichen Kreativität auseinandergesetzt. In ihrer Münchener Ausstellung kehrt dieses Bild in universellerer Form zurück. Licht dient hier als Metapher für Erleuchtung, Aufklärung, Beseelung schlechthin. Ein immer wiederkehrendes Motiv der Ausstellung, das den Gedanken des glücklichen Einfalls prägnant verdichtet, ist die Glühbirne, von deren archaisch-einfacher, energiegeladener Form Kiki Smith fasziniert ist.

Kiki Smith, *1954 in Nürnberg, lebt und arbeitet in New York. Mitglied der American Academy of Arts and Letters, u. a. Teilnehmerin der Biennale Venedig und der Whitney Biennial.

Einzelausstellungen (Auswahl): Visionary Sugar, Neuberger Museum of Art, Purchase, NY, 2012; I Myself Have Seen It: Photograpy & Kiki Smith, Henry Art Gallery, Seattle; Mary and Leigh Block Museum of Art, Evanston, Illinois; The Frances Young Tang Teaching Museum, Skidmore College, New York und Scottsdale Museum of Cemporary Art, Arizona, 2010; Her Memory, Fundació Joan Miró, Barcelona, 2009; Her Home, Kunsthalle Nürnberg / Museum Haus Esters, Krefeld, 2008; Kiki Smith: A Gathering, 1980-2005, Whitney Museum, NY, 2006-2007 / Contemporary Arts Museum, Houston, 2006 / Walker Art Center, Minneapolis, 2006 / San Francisco Museum of Modern Art, 2005-2006; Homespun Tales, Fondazione Querini Stampalia, Venedig, 2005; Kiki Smith: Prints, Books and Things, The Museum of Modern Art, NY, 2003.
 

Julian Rosefeldt

Julian Rosefeldt

Lonely Planet

14.09.2012 - 20.10.2012
Julian Rosefeldt, American Night, 2009,
Lightjetprint, 106 x 159 cm  

Julian Rosefeldt (geb. 1965 in München) gilt als einer der international bildmächtigsten Künstler im Bereich des narrativen, barock inszenierten Kunstfilms im Breitwandformat. Als ausgebildeter Architekt konzipiert Rosefeldt seit Ende der 1990er Jahre Filme, die sich durch eine eigentümliche, surreale Bildsprache auszeichnen und meist als Mehrkanalfilminstallation präsentiert werden. 
Seit 2002 beschäftigt sich der Künstler mit der Frage, wie Kinomythen und Klischees unsere Lebenswirklichkeit prägen. Diesem Werkkomplex werden in München zwei Ausstellungen gewidmet. Zeitgleich zu den Filminstallationen in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste präsentiert die Barbara Gross Galerie den Film Lonely Planet (2006) sowie Fotoarbeiten, die parallel zum filmischen Oeuvre als eigenständige Werke entstehen.
Lonely Planet zeigt die Reise eines westeuropäischen Rucksacktouristen - gespielt von Rosefeldt selbst - durch Indien, der sämtliche touristische Klischeevorstellungen wie rituelles Bad im Ganges, Callcenter oder Bollywoodfilmset abläuft und dabei selbst zu einer Art Trophäe wird. Indem der Künstler die scheinbare, medienvermittelte Wirklichkeit und ihre Rituale ad absurdum führt, verweist er auf die Ausweglosigkeit des Individuums inmitten einer Welt, die im Grunde eine Inszenierung der Inszenierung ist.
 

Tobias Yves Zintel

Tobias Yves Zintel

Mental Radio

20.07.2012 - 08.09.2012
Abbildung:
Tobias Yves Zintel, Mental Radio, 2012, Filmstills

Das filmische Werk von Tobias Yves Zintel integriert verschiedene Genres wie Performance, Installation, Musik und Theater. In einer eigenwilligen Bildsprache kreiert er Filme, die uns groteske Szenarien, rätselhafte Aktionen und entrückte Universen vorstellen.

In seiner zweiten Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie zeigen wir den neuesten Film Mental Radio sowie Earthly Powers aus dem Jahr 2011. Beide porträtieren einen real existierenden Ort und dessen Bewohner. Architektur und Natur bilden den Speicher erlebter Zeit, der sich durch die Erzählung und Handlung der Protagonisten offenbart. Anhand von Interviews vermittelt uns Zintel Zugang zu außergewöhnlichen Lebensentwürfen. Indem er das Format des Dokumentarfilms mit inszenierten Interventionen vermischt, bleibt der Betrachter im Unklaren darüber, was Realität und was Fiktion ist.

Mental Radio ist ein filmisches Portrait über die Familie des Künstlers: seine Eltern, seinen Bruder und das Haus, in dem sie leben. Das Haus bildet den Rahmen für das soziale Konstrukt der Familie. Der Bruder ist Autist, zudem gehörlos und stumm. Tagein tagaus zeichnet er seine Lieblingstiere: Schweine. Die Kommunikation zwischen Eltern und Sohn scheint von übersinnlichen Kräften geleitet, die Zintel in Szenen von surrealer Wirkkraft visualisiert. Es sind Objekte wie ein vom Vater gebautes Baumhaus und von der Mutter gebackene Ektoplasmaskulpturen aus Baiser, die den verbalen Austausch im Haus ersetzen. Geräusche der Natur und eigens für den Film komponierte Musikstücke der Band Pollyester und Daniel Murena bilden zusammen mit dem fortwährenden Klang des Radios die Geräuschkulisse.
Titelgebend ist Mental Radio, der Buchtitel einer Versuchsbeschreibung von Upton Sinclair (1930), dessen Ehefrau telepathische Kräfte besaß. Neben dem Versuch, dem Unerklärbaren in einer Familienkonstellation auf die Spur zu kommen, verhandelt Zintel hier die Frage nach dem Umgang mit psychisch Kranken in unserer Gesellschaft.

Über den Film Earthly Powers (2011) schreibt David François Misteli: „Der Film dokumentiert die Reise der deutschen Band Pollyester in die USA. Die Reise führt in die Catskill Mountains, einer ruhigen Gegend, einst eine noble Erholungsgegend für reiche New Yorker mit einer lebendigen Musikszene, stellt sie sich einem heute nur noch als Ruinen dar. Es beginnt das Porträt einer kleinen, schrulligen Community von Künstlern, Musikern und Anderen an einem Ort, an dem eigentlich keiner mehr sein will. Zwischen Denkmal und Mahnmal oszillierend werden diese und andere aufgegebene Orte der Gegend von der Musik der Band neu bespielt.“


Tobias Yves Zintel, geb. 1975 in Passau, lebt und arbeitet in Berlin; Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Joseph Kosuth. Einzelausstellungen: Mo David North Gallery, Glen Wild, New York, 2011; Honor Fraser Gallery, Los Angeles, 2010; Barbara Gross Galerie, München, 2007; Münchner Kammerspiele, 2006 & 2008; Gruppenausstellungen (Auswahl): Doris Mccarthy Gallery, Toronto, 2012; Hebbel am Ufer, Berlin 2010 & 2012; Biennale, Glasgow, 2012; Espacio Vacio, Guayaquil, 2011; Aando Fine Art, Berlin, 2011; Luxus Loft, Berlin, 2011; The Office, Berlin, 2009; Lenbachhaus, München, 2008; ZKMax, München, 2008; Städtische Kunsthalle Lothringer 13, München, 2006; Festival Paradiso, Amsterdam, 2005; Kunstbau Lenbachhaus, München, 2005; Club-transmediale, Maria am Ostbahnhof, Berlin, 2005

Videoarbeiten für Bühnenstücke seit 2005: Schauspiel Frankfurt; Thalia Theater, Hamburg; Volkstheater, Wien; Münchner Kammerspiele; Maxim Gorki Theater, Berlin; Neumarkt Theater, Zürich; Theater Basel; 2013 Bühneninstallation und Film für Der Ring, Next Generation, Deutsche Oper BerlinFilmscreenings seit 2006: Haus der Kunst, München; Städtische Galerie im Lenbachhaus, München; Centre Pompidou, Paris; Reina Sofia National Museum, Madrid; Makan, Amman; Haus der Kulturen der Welt, Berlin; Jeu de Paume, Paris
 

Michaela Melián

Michaela Melián

Lunapark

12.06.2012 - 14.07.2012
Michaela Melián, Lunapark, 2012, Faden, Papier, C-Print

Michaela Melián arbeitet in ihren raumgreifenden Installationen multidisziplinär mit Zeichnung, Objekten, Film, Fotografie und Musik. Sie zählt zu einer neuen Generation von KonzeptkünstlerInnen, die aus einem popkulturellen Selbstverständnis heraus Genderthemen, Bildkultur, Alltagsobjekte und Musik zu einem analytisch durchdachten Werk verbinden.

Für ihre neue Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie entwickelt Melián die raumgreifende Arbeit Lunapark (2012) aus Glas, Licht und Musik.Glasobjekte sind auf einer Tischplatte angeordnet, die im abgedunkelten Raum von einem Diaprojektor beleuchtet werden. Banale, dem Alltag entstammende Gefäße wie Flaschen, Glühbirnen, Trinkgläser, Vasen oder CD-Hüllen finden sich darunter ebenso wie kostbare, mundgeblasene Gläser oder eigens für die Installation gefertigte, zu geometrischen Körpern geschliffene Prismen. Die unterschiedlichen Objekte auf dem Tisch werden durch die gebrochenen Lichtstrahlen zu immer neuen konstruktivistischen Konstellationen verbunden. Ein vor dem Objektiv installiertes Prisma, das durch einen Motor gedreht wird, erzeugt eine an den Wänden entlangwandernde, filmisch wirkende Projektion.
Die ursprünglichen Konturen lösen sich in eine abstrakte Stadtsilhouette in permanenter Fließbewegung auf.

Die assoziationsreiche Ästhetik der zwischen Licht und Dunkelheit oszillierenden fragilen Projektion erlangt in Lunapark durch das zeitgleiche Abspielen einer von der Künstlerin mit Gläsern erzeugten Musik eine akustische Komponente. Sowohl im Falle des Plattenspielers wie auch des Diaprojektors benutzt die Künstlerin bewusst analoge technische Apparate, die als Objekte Teil der Installation werden. Die ausgestellten Fotoarbeiten sind 2012 im Zusammenhang mit der Installation entstanden. Mit einem Gitter aus farbigen Fäden vernäht erhalten die Blätter einen dreidimensionalen, mehransichtigen Charakter, ihre haptische Oberfläche wird zu einer stofflichen Textur.

Die Verwendung von Glas spielt auf Ideen zur utopischen gläsernen Architektur an, wie sie in den Architekturvisionen von Paul Scheerbart, Bruno Taut und der „Gläsernen Kette“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts dargelegt wurden. Scheerbart forderte die Öffnung der Architektur mit Hilfe von Glas, wodurch er sich Synergieeffekte für die Entwicklung der Kultur versprach. Auch in Meliáns Lunapark klingt die utopische Idee des veränderlichen Sozialraumes an.

Michaela Melián, geb. 1956 in München, lebt und arbeitet in München und Hamburg. Einzelausstellungen (Auswahl): Städtische Galerie Nordhorn, 2011/2012; Memory Loops, Kunst im öffentlichen Raum, München, 2010; Lentos Kunstmuseum, Linz, 2009; LUDLOW 38, New York, 2009; CUBITT Gallery and Studios, London, 2008/2009

Aktuell sind Arbeiten von Michaela Melián zu sehen in der Shedhalle Zürich, Kunsthalle Nürnberg, Stadtgalerie Schwaz, Kunsthalle Bregenz und im Lentos Kunstmuseum, Linz.
 

Varda Caivano, Marieta Chirulescu, Gerda Scheepers

Varda Caivano, Marieta Chirulescu, Gerda Scheepers

3 Positionen zu Malerei

04.05.2012 - 06.06.2012
Gerda Scheepers, In the night I am yours, 2011, Wandfarbe auf Stoff, 85 x 100 cm

Mit der Ausstellung 3 Positionen zu Malerei präsentieren wir junge Künstlerinnen, die in ihren Arbeiten zeitgenössische Strategien von Malerei offen legen. Die Ausstellung schließt an das Galerieprogramm an, das auch etablierte Malereipositionen umfasst, wie beispielsweise Katharina Grosse, Karin Sander, Marthe Wéry und Eva Hesse.

Der klassische Begriff Malerei stellt nur die vordergründige Verbindung zwischen den drei Positionen her. Die Künstlerinnen lassen sich von Raumvorstellungen, Musik oder digitalen Verfahren leiten. So entwerfen sie ihre eigenen Kategorien der Bildfindung. Indem sich die Genregrenzen zwischen Fotografie, Malerei und Installation innerhalb der drei Positionen auflösen, wird das gewohnte Sehverhalten des Betrachters verändert.

Mit Hilfe moderner Reproduktionstechniken bearbeitet Marieta Chirulescu bestehendes Material. Fotografien, Fotokopien, gefundene Bilder aus dem Internet, Screen Shots (Bildschirmkopien), gescannte Glasplatten oder auch nur das leere Bild der Reproduktionsmaschine dienen ihr dabei als Ausgangsmaterial. Im Arbeitsprozess unterzieht die Künstlerin jedes Bild einer eigenen Vorgehensweise: Fotokopien werden auf Leinwand appliziert und mit Ölfarbe übermalt, Laserchrome-Prints auf Diasec aufgezogen oder schwarzweiße Archivfotografien gescannt und ausgedruckt. So eignet sich Chirulescu "fremde" Bilder an und lässt diese ein neues Eigenleben entwickeln. Sie erzählen von den Bedingungen der Bildproduktion. Ihre digital (Scanner) oder analog (Kopiergerät) produzierten Bilder mischt sie auf verschiedenen Ebenen mit der analogen Malerei und schafft so neue Bildformen.

Gerda Scheepers eignet sich in ihrer Malerei Raum an. Er ist Sujét und Austragungsort ihrer Arbeiten. Oft sind es Interieurs, Grundrisse oder nur schemenhafte Andeutungen von realen Räumen, die einen neuen imaginären Raum öffnen. Die einzelnen Szenen, die sich in Scheepers Bildern ereignen, sind collagehaft auf der Leinwand und dann im Raum einander zugeordnet. So entwickelt sich eine offene Narration: die Figuren auf der Malerei und die Objekte im Raum treten in einen Dialog. Darüber hinaus erweitert sie die klassische Vorstellung von Malerei als Tafelbild: Scheepers verhängt Leinwände mit Stoff und arrangiert die so entstehenden Objekte installativ im Raum.

Varda Caivano bezeichnet sich selbst als Malerin der alten Schule. Ihre Malereien – alle Öl auf kleinformatigen Leinwänden – bewegen sich an der Grenze zur Gegenständlichkeit, bleiben aber abstrakt. Die Farbe ist pastos in sich überlagernden Schichten auf die Leinwand aufgetragen und betont damit die physische Präsenz der Bilder. Die Künstlerin beschreibt ihr Vorgehen als ständiges Zwiegespräch mit historischen Positionen der Moderne. Dabei spielen Künstler eine Rolle, die für ihre Experimente mit abstrakter Malerei Parallelen in der Musik fanden, wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und František Kupka. Für Caivano verkörpert Musik Multidimensionalität, die sie auch in ihrer Malerei sucht. Die Farbe übernimmt dabei die Funktion eines Instruments, das in der Lage ist, verschiedene Tonlagen anzustimmen.

Marieta Chirulescu, geb. 1974 in Sibiu, Rumänien, lebt und arbeitet in Berlin. Einzelausstellungen: White Cube Bermondsey, London (2011); Kunstverein Nürnberg (2011); Werke aus der Sammlung Martin, Neues Museum, Nürnberg (2011); Kunsthalle Basel (2010); Galerie Micky Schubert, Berlin (2010); Projektraum Temporäre Kunsthalle, Berlin (2009); Kunsthalle Mainz (2009)

Gerda Scheepers, geb. 1979 in Tzaneen, Südafrika, lebt und arbeitet in Berlin. Einzelausstellungen: Center, Berlin (2011); Mary Mary, Glasgow (2010); Sprüth Magers, Berlin (2009); Micky Schubert, Berlin (2008); Art Cologne Preis für junge Kunst 2006 in der Artothek, Köln (2007); Art Cologne 2006 (New Talents Program), Sprüth Magers, Köln / München / London (2006); Bonner Kunstverein, Peter Mertes Stipendium (2006)

Varda Caivano, geb. 1971 in Argentinien, lebt und arbeitet in London. Einzelausstellungen: Victoria Miro Gallery, London (2011); Tomio Koyama Gallery, Kyoto (2009); Galerie Sies + Höke, Düsseldorf (2007); Chisenhale Gallery, London (2007); Kunstverein Freiburg (2006); Victoria Miro Gallery, London (2005)
 

Alicia Framis

Alicia Framis

09.03.2012 - 21.04.2012
Alicia Framis, Where did the future go?, 2012 (Filmstill)

Die spanische Künstlerin Alicia Framis folgt in ihren Arbeiten einer sozialen Agenda. Vereinzelung, mangelnde Kommunikation und die Ambivalenz technischen Fortschritts sind Themen ihrer multidisziplinären Arbeiten. Mittels zeitgenössischer Medien macht sie gesellschaftliche Missstände deutlich und lenkt die Aufmerksamkeit auf sensible Alltagsthemen. Framis übernimmt häufig die Position der Kuratorin: sie lädt Musiker, Autoren, Designer und Architekten ein, sich an ihren Projekten zu beteiligen.

Wir freuen uns, als zweite Einzelpräsentation in der Barbara Gross Galerie den neuen Film Where did the future go? von Alicia Framis zu zeigen. Dieser steht in Zusammenhang mit dem umfangreichen MoonLife project, an dem die Künstlerin seit 2009 arbeitet.
40 Jahre nach der ersten Mondlandung machte Alicia Framis mit ihrem Beitrag für die Performa 09 im New Museum und PS1 in New York auf die bislang marginale Rolle der Frau in der Raumfahrt aufmerksam. In ihrer Performance Lost Astronaut führte sie damals, bekleidet mit einem originalen Astronautenanzug, Anweisungen anderer Künstler im öffentlichen Raum New Yorks aus. Im Jahr 2010 organisierte Framis in der Folge die MoonAcademy – einen Workshop für Architekten, Produkt- und Modedesigner, um Alltagsgegenstände für das Leben auf dem Mond zu entwerfen. Während der 8. Shanghai Art Biennale (2010) eröffnete sie den MoonLife Concept Store und präsentierte die dafür entstandenen Produkte.

Für ihren Film Where did the future go? reiste Alicia Framis 2011 in den Süden des US-Bundesstaates Utah. In der bizarren “Mondlandschaft” dieser menschenleeren Region unterhält die Mars 
Society – eine gemeinnützige internationale Organisation – eine Forschungsstation. Dort wird 
untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Menschen eines Tages den erdähnlichen Planeten besiedeln könnten. Gemeinsam mit fünf Forschern beteiligte sich die Künstlerin an einer mehrwöchigen Mars-Simulation und stellte die Produkte des MoonLife Concept Stores bei professionellen Tests auf die Probe. Der dabei entstandene Film zeigt collagehaft die Ereignisse dieser Wochen, aufgenommen bei Sonnenauf- und -untergang. Die Kamera verfolgt zwei Figuren auf ihrem Weg durch die karge Landschaft: eine Frau und einen Astronauten im russischen Raumanzug – beide tragen ein Schild mit der Aufschrift: „Where did the future go?“ Die Frage steht bildhaft für das nicht eingelöste Versprechen eines zukünftigen Lebensraums im All. Diese utopische Sehnsucht des Menschen kann nach wissenschaftlichem Erkenntnisstand in absehbarer Zeit nicht realisiert werden. Wie die beiden Charaktere im Film unbeirrt weiterlaufen, so bleibt auch die Suche nach der Zukunft menschlichen Lebens weiterhin ungewiss.

Alicia Framis, geboren 1967 in Barcelona, lebt und arbeitet derzeit in Amsterdam. Bis 2011 war sie Concept Director für das MOCA (Museum of Contemporary Art), Shanghai. Sie wurde international bekannt mit 
Performances und Aktionen wie Loneliness in the City (1999-2000), der Installation Minibar auf der 2. Berlin Biennale (2001), der Modenschau Anti_dog (2002-2003) für den niederländischen Pavillon auf der 
50. Biennale di Venezia (2003), den Secret Strike-Filmen (2003-2006), der Performance Lost Astronaut für die Performa 09, New York (2009) und dem MoonLife Concept Store für die 8. Shanghai Art Biennale (2010).
Einzelausstellungen (Auswahl): CGAC (Centro Galego de Arte Contemporáneo), Santiago de Compostela, 
Spanien (2006); CAPC (Musée d´Art Contemporain), Bordeaux, Frankreich (2006); Shanghai Duolun Museum of Modern Art, Shanghai, China (2006); Centre d’Art Santa Mónica, Barcelona, Spanien (2008); GMG Gallery, Moskau, Russia (2009); Instituto Cervantes, Beijing, China (2009); Huesca, Spanien (2011); Rabobank, Utrecht, Niederlande (2012); Lille, Frankreich (2012)
 

Stillleben am Fenster

Stillleben am Fenster

Sabine Hornig

02.12.2011 - 15.02.2012
Sabine Hornig, Hütte III, 2009, Stahl, Plexiglas, Duraclear, Magnete, 31 x 50 x 36 cm