Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Galerie Florian Sundheimer

Odeonsplatz 16 • 80539 M
Tel. +49 89 242 105 04 • Fax +49 89 242 105 06
www.sundheimer.deinfo@sundheimer.de
Mi–Fr 14–18.30 • Sa 11–14 und nach Vereinbarung

Odeonsplatz 16
80539 M

Laufende Ausstellungen


Kommende Ausstellungen

Hanns Schimansky

Hanns Schimansky

Zeichnungen und Faltungen

29.09.2017 - 21.10.2017
Auf großen Papierbögen zeichnet und malt Hanns Schimansky, stellt aber diesem „normalen“ Arbeitsprozess gleichmäßige und rechtwinkelige Faltungen und Klappungen an die Seite. So verringern sich die Ausmaße des fertigen Bildes deutlich.
Raumgreifende Impulse gehen dabei von den kräftigen Tuschelinien aus, die klare Richtungen und Gewichtungen vorgeben. Diese werden jäh unterbrochen von Knicken. Doch handelt es sich dabei tatsächlich um eine Unterbrechung oder lassen sich diese Bildelemente nicht vielmehr gedanklich – gewissermaßen um die Ecke – fortsetzen? Dabei gilt allerdings zu beachten, dass die Linie dann spiegelbildlich weiterläuft. Ab wann also verliert sich ihre Spur? Sicherlich nicht an der Stelle der Faltung; und vielleicht handelt es sich bei einer Linie an einem anderen Ort im Bild auch um ein und denselben Strich? Das heißt, kann man überhaupt noch von ein und demselben Strich sprechen, wenn er durch viele Knicke unterbrochen ist und er seine Geschichte im Bild nur bruchstückhaft preisgibt? Seine „wahre“ Identität ließe sich ohnehin nur durch ein komplettes Entfalten des Papieres klären. Schimansky bannt diese Impulse in ein Zwischenreich des Nicht-mehr-Sichtbaren und dennoch teilweise Nachvollziehbaren.
Er vollführt ein ernstes Spiel aus Impuls, Verschleierung, Verwerfung und Wieder-Auftauchen aus dem gestalteten Weiß und gewährt Einblick in eine ganz eigene zeichnerische Welt, die sich vor unseren Augen entfaltet.

 
 
 

Vergangene Ausstellungen

Uli Zwerenz

Uli Zwerenz

09.09.2017 - 10.09.2017
Am Anfang ist das Sehen.
Das Gegenüber schwebt in grundlosem Raum.
Voll von Dingen und Leere.
Gleichzeitig.
Beobachtungen von Bewegung und Stillstand.
Der einsinkende Fleck von Stift und Pinsel geht auf den Grund.
Verschmieren von Raum und Zeit.
Der empfundene Raum wird zum sichtbaren.
Uli Zwerenz in: STOP MEMORY EMPTY ROOMS, München 2013

Nach seinem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin hielt sich Uli Zwerenz (geb. 1958) in Andalusien auf, es folgte ein Stipendium in Skowhegan, USA. Zwischen den Jahren 1985 und 1992 hatte er sein Atelier auf der griechischen Insel Hydra, in Madrid, in New York und am Schliersse, es folgte 1993 ein Aufenthalt in Indien. Zwerenz lebt und arbeitet in München.

Uli Zwerenz
Ohne Titel, 2016
Acryl und Öl auf Leinwand
70 x 90 cm

 
 

Pierre Tal Coat

Pierre Tal Coat

Papier als Landschaft

18.05.2017 - 29.07.2017
Verbundenheit – mit diesem Begriff lässt sich das Werk des hierzulande fast vergessenen Malers Pierre Tal Coat gut beschreiben.
Verbundenheit zunächst mit den Malmitteln: unmittelbarer, direkter, impulsiver lässt sich Farbe kaum auftragen. Die Art, wie Tal Coat die Pigmentmassen auf dem Papier verteilt, lassen so etwas wie einen Horizont aufscheinen. Aber hier wird keine Landschaft abgebildet, sondern die Essenz der Wahrnehmung und der ureigenen Erfahrung von Landschaft, Erde, Gestein, Horizont, Wolkenformation.
Mehr noch: Das Papier als Träger der Zeichnung wird zum eigentlichen Grund des Dargestellten. Wie beispielsweise auf der Einladungskarte beeinflusst die zufällige Einbuchtung am oberen Rand selbst die zeichnerische Form. So versöhnt das entstandene Bild aus dem Spätwerk den naturverbundenen Sohn eines bretonischen Fischers mit dem Pariser Intellektuellen und engen Freund von Künstlern wie Alberto Giacometti und Gertrude Stein, die er vielfach portraitiert hat (Beispiele davon sind in der Ausstellung zu sehen). Analyse und freie Gestaltung kommen ins Gleichgewicht.

Zur Person: Geboren 1905 in Clohars-Carnoët an der bretonischen Küste, gestorben 1985 in Dormont, Normandie; wichtigste Ausstellungen: documenta 1, 1955, und 2, 1959;
Französischer Pavillon, Biennale Venedig, 1956; Retrospektive Grand Palais, Paris, 1976; IVAM Centre Julio Gonzales, Valencia, 1997; Centre d´Arts Plastiques, Royan, ab Juni 2017.

Im Juli ist die Ausstellung nach Vereinbarung zu besichtigen.

 
 

Georg Bernsteiner

Georg Bernsteiner

Buntstiftzeichnungen

17.03.2017 - 08.04.2017
Geduldiges, stetiges Arbeiten, eine Differenzierung von Farbe bis an die äußerste Grenze des Sichtbaren haben die neuen Buntstiftzeichnungen von Georg Bernsteiner noch weiter reduziert und verlangsamt. Alleine, bei eingehender Betrachtung verwandelt sich das Blatt Papier in eine eigene künstlerische Sphäre, die Formen in ihrer klarsten Abgrenzung zum Grund erscheinen als notwendig, so wie sie sind, und die Farbwerte erreichen eine Intensität und Tönung, die sie einmalig werden lassen. Dort, wo die Buntstifte immer und immer wieder die Form konkretisieren und an Strahlkraft gewinnen, geben sie zugleich die Struktur des Papieres preis, Figur und Grund finden zu einer Synthese und einer notwendig so gearteten Komposition. Alles, was wir sehen, kann nur so sein, wie es sich zeigt.

Der 1969 im Pinzgau geborene Georg Bernsteiner studierte von 1989 bis 1994 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Arnulf Rainer.
Ausstellungen (Auswahl):
2010 „Right on the Rim“, Johannesburg; „working in joey trakl´s garage”, Galerie im Traklhaus Studio, Salzburg; „I Dream A Highway”, Kulturverein Schloss Goldegg
2011 „Too many birds in one tree”, Main Street Life 426, Johannesburg; „Akito Akagi – Nurimono, Georg Bernsteiner – Zeichnungen, Young-Jae Lee – Gefäße, Keramische Werkstatt Margaretenhöhe – Geschirr”, Forum am Schillerplatz, Wien
2013 „Vier Serien”, Nexus Kunsthalle Saalfelden

 
 

Liane Birnberg, Zeichnungen – Texte John Berger

Liane Birnberg, Zeichnungen – Texte John Berger

garden on my cheek

27.01.2017 - 18.02.2017
Gewidmet John Berger (5.11.1926–2.1.2017)

At Remaurian
II
A butterfly disturbs a grain
The grain another
Till there is such friction in the dust
The sky spills its blue milk
On the stones that have conceived
A day is born
Down the precipitous gaze of its opened eyes
The trees are led.
John Berger in: garden on my cheek, Berlin 2016, S. 10

Zur Ausstellung erscheint die Publikation „garden on my cheek“.

Liane Birnberg, geboren 1948 in Bukarest, studierte dort am Konservatorium für Musik. Sie war Begründerin der ersten Frauen-Pop-Band Osteuropas. „garden on my cheek“ ist die jüngste gemeinsame Publikation von Liane Birnberg und John Berger, 2011 erschien „because wings are made to fly“, 2006 „words from a foreign language“. Birnberg lebt und arbeitet in Berlin.

John Berger, geboren 1926 in Stoke Newington, verstorben 2017 in Antony, Dép. Hauts-de-Seine, studierte an der Chelsea School of Art und der Central School of Art in London Malerei. Seit den späten 1940er Jahren verfasst er Kunstkritiken, Künstler-biographien und Essays über Kunst. Mit seinem Entwicklungsroman G. gewann er 1972 den Booker Prize.
 

Verhandlungsbasis

Verhandlungsbasis

25.11.2016 - 14.01.2017
Verhandelt werden Bilder, Zeichnungen und Graphiken aus mittlerweile fast 30 Jahren Sammlertätigkeit und Galeriearbeit.
Jedes Stück hat seine eigene Geschichte und ich würde mich freuen, wenn diese Geschichte von nun an einem anderen Ort mit einem anderen Besitzer weitergeführt wird.
Das Wort Basis im Titel der Ausstellung ist zu verstehen als eine Art gemeinsamer Nenner, ein Mindestpreis der – aus meiner Sicht – sehr niedrig angesetzt sein wird.
 

Räume auf Papier

Räume auf Papier

Bildhauerzeichnungen

21.10.2016 - 19.11.2016
Norbert Kricke
Gary Kuehn
Roman Signer
Keith Sonnier
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit Häusler Contemporary

Abbildung: Keith Sonnier

Diese erste Projekt-Kooperation mit Häusler Contemporary widmet sich der Frage, inwieweit sich trotz unterschiedlichster künstlerischer Inhalte Gemeinsamkeiten und Grundtendenzen von Bildhauerzeichnungen ablesen lassen.
Sicher liegt der besondere Reiz in ihrem Verweischarakter: Oft manifestiert sich in ihnen eine erste Idee. Vieles bleibt nebeneinander bestehen. Die eigentlichen Dimensionen und Maßstäbe der ausgeführten Arbeiten werden außer Kraft gesetzt. Dabei denkt und zeichnet der Künstler in der Fläche die Dreidimensionalität mit.
Er entwickelt Techniken den Raum vorzustellen. Es ist nicht so, dass die Ästhetik des Blattes eine untergeordnete Rolle spielt, dennoch steht der experimentell denkende Ansatz im Vordergrund. Es besteht jede Freiheit, Bruchstückhaftes gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen. Darüber hinaus kann der Stift den Raum des erst einmal Nicht- oder vielleicht Nie-Verwirklichbaren öffnen.
Indem sich die bildhauerische Idee als Zeichnung konkretisiert, wird das Blatt Papier gleichermaßen zum Ort für Utopien wie zur ersten wegweisenden Entäußerung hin zum Objekt.
 

Fritz Winter – Werke aus drei Jahrzehnten

Fritz Winter – Werke aus drei Jahrzehnten

1930er bis 1950er Jahre

23.09.2016 - 15.10.2016
 

Valio Tchenkov

Valio Tchenkov

Minga Moon

10.09.2016 - 11.09.2016
Annegret Erhard schreibt im Kritischen Lexikon der Gegenwartskunst jüngst:
„... Tchenkovs schweigsame und dabei so unermesslich beredte Dramen des Alltäglichen, das ahnt der Betrachter, sind das Ergebnis einer übereinander gestaffelten Narration. Das ist wörtlich gemeint. Wie bei Gesteinsüberlagerungen baut sich während des Malvorgangs eine Masse auf, tektonisch bewegt (dies im übertragenen Sinn) und folglich (dies wiederum definitiv) unter fortwährender Spannung. Man kann von einer prozessualen Doppelbödigkeit sprechen. Jedes einzelne Kapitel der Erzählung verschwindet unter dem nächsten, sobald die Geschichte eine Wendung nimmt. Die darf ruhig kompliziert sein. Das Ergebnis, das Bild, das sich dem Betrachter schließlich darbietet, nicht. Bis es soweit kommt, kanalisieren sich schwache und starke Momente, werden zu einer bildhaften Energie. Missverständnisse auf diesem Weg werden nicht als künstlerische Katastrophe begriffen, sondern als Ansatz für neue Lösungen, für einen Perspektivwechsel.“

Die Galeriearbeit konzentriert sich auf Kunst des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt bei Arbeiten auf Papier sowie Plastiken und Skulpturen. Nachbarschaften unterschiedlicher Kunstströmungen und Zeiten sind beabsichtigt und geben den Blick auf eine qualitative Beurteilung der einzelnen Exponate frei.
Anlässlich der Open Art ist die Galerie am Samstag, den 10.9. und Sonntag, den 11.9. von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Valio Tchenkov
Round-a-bout , 2015
Öl auf Autoblech
70 x 95 cm

 

 
 

Thomas Bechinger und Thomas Gosebruch

Thomas Bechinger und Thomas Gosebruch

Ein Dialog

24.06.2016 - 23.07.2016
Galerieseite und Home (Reihung):
Thomas Gosebruch (geb. 1951)
littoral (Ausschnitt), 2015
Öl auf Papier, 31 x 65 cm

Home, Slider (Ausschnitt)
Thomas Bechinger (geb. 1960)
Ohne Titel, 2015
Lithografie von zwei Steinen (Unikat), 70 x 50 cm

Dialogische Ausstellungen, wie in diesem Fall die Kombination der Blätter von Thomas Bechinger (geb. 1960) und Thomas Gosebruch (geb. 1951), lassen Gemeinsamkeiten im künstlerischen Ansatz durch ihr Nebeneinander stärker zum Ausdruck kommen.
Beide verweisen auf eine deutliche physische Präsenz des Papiers: Hier bei Bechinger sind es Arbeitsspuren des Druckprozesses oder genaue Datierungen. Dort bei Gosebruch erscheinen die deutlich sichtbar gemachte Riffelung der Papierstruktur sowie willentlich gesetzte Knicke. So wird den Arbeiten eine Art von Mittelbarkeit zuteil. Damit ist gemeint, dass die Künstler ein Bindeglied zwischen sich und das Bild schieben: Bechinger verwendet den Lithografiestein gewissermaßen als Übersetzung zum zeichnerischen Werk. Dieser dient folgerichtig nicht der Vervielfältigung, sondern bestimmt mit oft mehreren Druckvorgängen das Unikat.
Gosebruch instrumentalisiert beide Seiten des Papieres und der im oberen Teil des Ausschnittes erkennbare feine Pinselduktus diffundiert durch Hochklappen des unteren Bereiches „nur“ von der Rückseite durch. Das lässt die Papierstruktur umso deutlicher erkennen und besteht als bildnerisches Element ästhetisch gleichwertig neben den „direkt“ bearbeiteten Bildabschnitten.
Eine vergleichbare Balance erzielt Bechinger mit einer folienartigen Überlagerung der Bildelemente, die in subtilsten rhythmischen wie helldunklen Nuancen zur Entdeckung einladen. Beide forschen sie in diesem Zwischenreich und es lohnt sich sehr, ihnen auf dieser Reise zu folgen.

Thomas Bechinger: 1960 geboren in Konstanz, lebt in München und Stuttgart, studierte an der Akademie der Bildenden Künste München, dem Royal College of Art London und der Kunstakademie Düsseldorf. 2004 Gastprofessur an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg; 2004–2010 Professur für Malerei und Druckgrafik an der Universität Siegen; seit 2010 Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Thomas Gosebruch: 1951 geboren in München, lebt in London, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg, dem Royal College of Art London und der Hochschule für Bildende Kunst Braunschweig. 2013 Gastprofessur an der Zentralen Hochschule für Bildende Kunst in Peking und der Xi’an Academy of Fine Arts in Xi’an, China; lehrt zur Zeit an der National Gallery und City Lit London.
 

Herbert Peters

Herbert Peters

Zeichnung und Plastik

29.04.2016 - 04.06.2016
Herbert Peters’ Zeichnungen ab den 1980er-Jahren spüren der Grundbeschaffenheit des menschlichen Torsos nach. Sie durchleuchten dabei nicht nur Größenverhältnisse und ästhetische Gewichtungen, sondern sie spiegeln die Unausweichlichkeit eines existenziellen In-die-Welt-Geworfen-Seins wider. Peters findet zu einem Ausgleich zwischen formalen Fragestellungen und der Darstellung eines kauernden Nukleus, einer bruchstückhaften Körperlichkeit.
Es ist, als ob er sich die Figur im Werkstoff vorstellt, sie dabei von aller Schwere und Materialität, von jedwedem Effekt befreit. Und so bleibt nur eine feinste, gazeartige Stofflichkeit zurück, welche die Gestalt von räumlichem Nachahmen enthebt. Dabei bietet sie sich immer als Teil eines größeren Ganzen dar, ist immer auch Bruch-Stück, eine Grundkomponente menschlichen Seins, der der Verlust immer eingeschrieben ist, verletzlich, für alle Zeiten in labilem Gleichgewicht.
Diese Auffassung ist umso verständlicher, da Herbert Peters, 1925 in Ostpreußen geboren, den Krieg und seine Folgen hautnah und bewusst miterlebt hat.

Ausstellungen und Preise (unter anderen):
Villa-Romana-Preis, 1963
Günther Franke, München, 1965, 1971, 1975
Preis der Biennale Internazionale della Grafica in Florenz, 1970
Kunstpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München, 1975
Galerie Biedermann, München, 1987, 1993, 2004
Galerie Ohse, Bremen, 1979, 1987, 1995
Kunstpreis der Landeshauptstadt München, 1995
Lovis Corinth Preis, 1999
Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg, 2005
Lothar Fischer Museum, Neumarkt, 2009

Es befinden sich zahlreiche Werke von Herbert Peters im öffentlichen Raum, unter anderen der Gedenkstein für die 1938 zerstörte Hauptsynagoge an der Maxburgstraße in München.

 

 
 

art brut

art brut

03.03.2016 - 09.04.2016
Madge Gill, Josef Hofer, Alfred Kremer, Louis Soutter

Auf der Theaterbühne, heißt es, fürchtet der Schauspieler nichts mehr als die Natürlichkeit eines Kindes an seiner Seite. Übertragen auf die Kunst gibt es Stimmen, die behaupten, es seien die Künstler der Art Brut, die einen viel unverstellteren Blick auf die Welt zeigen, während Andere die „Außenseiterkünstler“ als Phänomen am Rande des eigentlichen Geschehens verortet sehen möchten.
Für mich geht diese Art der Fragestellung, diese Art der Etikettierung am Eigentlichen der Kunst vorbei.
Josef Hofer, geboren 1945 in Wegscheid, dessen Werk im Mittelpunkt dieser Ausstellung steht, hat seit den späten 1990er-Jahren seinen kongenial eigenen Zeichenstil entwickelt. Hofer findet zu einer Kunst, die beeindruckt. Er erfindet Bilder – und das ist das Entscheidende –, die wirken und sich einprägen. Die Basis, aus der sich seine Kunst speist, ist verschieden, aber das Ergebnis hebt sich weit über das rein Persönliche hinaus. Ergreifender als auf der Einladungskarte lässt sich die Sozialisation eines Menschen, das Hineingeworfensein in eine Existenz, das In-eine-Rolle-schlüpfen kaum verdeutlichen.
Die Ausstellung wird ergänzt durch Arbeiten von Louis Soutter (1871–1942),
Madge Gill (1882–1961) und Alfred Kremer (1895–1965).
Josef Hofers Bilder waren in München zuletzt beim EUWARD Preis 2003 im Haus der Kunst zu sehen. Seine Kunst findet europaweit große Beachtung und ist in einer Vielzahl der führenden Sammlungen, wie in der Collection de l´Art Brut, Lausanne, vertreten.

Abbildung: Josef Hofer
 

Ronald Noorman

Ronald Noorman

Zeesneeuw

22.01.2016 - 27.02.2016
Nach 2012 widmet die Galerie hiermit dem 1951 in Hilversum geborenen Ronald Noorman die zweite Einzelausstellung.
Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, mit welcher Präzision Noorman auf kleinstem Blattraum seine virtuos gesetzten zeichnerischen Elemente in eine recht prekäre Balance setzt. Jeder Strich, jede Fläche formt eine zeichnerische Landschaft, die ohne die Niederlande und ihre Kunsttradition nicht zu denken ist. Tiefe Horizonte einer mit Licht durchfluteten Ebene scheinen ebenso auf wie der ordnende architekturale Eingriff des Menschen.
Vergleichbar einem Interieur oder einem Stillleben des 17. Jahrhunderts kommt jedem auch noch so kleinen Detail eine Bedeutung im Ganzen zu und macht eine künstlerische Bildwelt erfahrbar, die große Zusammenhänge sucht und findet.

Ronald Noorman studierte von 1974–1978 an der Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam. Er lebt und arbeitet in Amsterdam.
Zahlreiche Ausstellungen belegen den hohen Stellenwert des Künstlers: De Pont Museum, Tilburg; Galerie Bismarck, Bremen; Galerie Nouvelles Images, Den Haag; Wetering Galerie, Amsterdam; Galerie Inga Kondeyne, Berlin; Galerie William Wauters, Oosteeklo; Gallery Lasés, Paris.
Ronald Noorman ist mit seinen Arbeiten unter anderem im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Graphischen Kabinett des Rijksmuseums, Amsterdam, im Franz Hals Museum, Haarlem, im Museum Folkwang, Essen, und in vielen anderen öffentlichen Sammlungen vertreten.
 

Karl Schleinkofer

Karl Schleinkofer

Neue Arbeiten

13.11.2015 - 19.12.2015
Inquisitorisch nutzt Karl Schleinkofer seine Malmittel Bleistift, Kohle, Pastell.
Wieder und wieder überlagern, zerschneiden und durchfurchen seine Striche das Blatt. Reflexe erscheinen, die es in eine Art Epidermis verwandeln (den Pastellen haftet eine fast ledrig zu nennende Konsistenz an) und den Austausch mit einer Gegenwelt, einem inneren Bild ermöglichen.
Dieses Bild, das da entsteht, eine Art Traumbild, ist hoch komplex UND es verändert sich ständig, vereint eine Unzahl von Ereignissen. Mal flirrend, mal auf Auslöschung des Vorherigen ausgerichtet, spürt die Linie ihren eigenen und fremden Impulsen nach.
Im Laufe seiner Entstehung wandelt sich das Blatt zu einem veritablen Gegenüber.
Vor unseren Augen breitet sich eine reichhaltige, lichtvolle, abgründige, rhythmische, intensive Welt aus. In ihr erreicht man irgendwann den Ort, wo die Sprache versagt, wo sie versagen muss – und wo sich der Reichtum dieser
Bilder erfüllt.

Es erscheint eine umfangreiche Publikation.
 

Hermann Glöckner

Hermann Glöckner

Miniaturen

25.09.2015 - 31.10.2015
Es freut mich außerordentlich, dass mit dieser Ausstellung und der begleitenden Publikation mit 10 Vorzugsausgaben der lang gehegte Wunsch einer Präsentation der Arbeiten von Hermann Glöckner in Erfüllung geht. Über 120 Miniaturen einer Dresdner Privatsammlung aus nahezu allen Schaffensphasen sind hier zusammengetragen.

Das größtenteils jenseits des eisernen Vorhangs entstandene Werk Glöckners wird im Westen nach zahlreichen Ausstellungen und Würdigungen in der kunsthistorischen Literatur erst allmählich, dann aber – wie jüngst bei der neuen Präsentation der Sammlung des Städel in Frankfurt oder der Schau im Los Angeles County Museum – mit Erstaunen und Begeisterung aufgenommen.

Hier hat ein Künstler seine Art der Freiheit im Gegenstand selbst gefunden, indem er jedem dieser Gegenstände seines täglichen Umfelds Aufmerksamkeit entgegenbringt: Dabei kann es sich um einen kleinen Papierstreifen, einen Farbabstrich, eine Streichholzschachtel, die Streichhölzer an sich oder eine leere Pralinenverpackung handeln, die er in seinen Gestaltungswillen mit einbezieht. In der Tradition des Bauhauses aufgewachsen und verwurzelt, sucht und findet er eine Gleichgewichtung von künstlerischem Eingriff und reiner Zurschaustellung des Materials.
Glöckner geht es dabei nie um einen vordergründigen, plakativen Aspekt. Vielmehr vollzieht sich die Verwandlung gerade in der Einfachheit der Mittel, dem klar aufgesetzten geometrischen Lineament, den klaren Farbflächen. Zeitlebens bewahrt er sich ein Staunen vor dem Gebilde, das sich spielerisch zwanglos unter seinen Händen vom Zweck befreit und in Form und Farbe verwandelt. Mittels dieser Transformationen entfaltet sich hier ein eigener künstlerischer Kontinent, den es in seiner ganzen Tiefe und der Ausstrahlung auf die folgenden Künstlergenerationen weiter zu entdecken gilt.

 
 

German Stegmaier

German Stegmaier

Malerei und Zeichnungen

11.09.2015 - 19.09.2015
German Stegmaier
Ohne Titel, 2013
Öl auf Leinwand
210 x 150 cm

Hieß die letzte Schau mit Arbeiten von German Stegmaier (geb. 1959) im Jahr 2011 „Zeichnungen und Malerei“, so sind die Vorzeichen dieses Mal umgekehrt und es wird dem malerischen Schaffen ein breiterer Raum gegeben.
German Stegmaier in einem Gespräch mit Michael Zink: „Das Grau vereinigt sowohl die Idee der Mischung aller Farbwerte wie auch die Idee der Unfarbe, der Auslöschung von Farbe, des neutralen Referenztones innerhalb des Farbraumes. Auch wenn im Falle meiner Malerei das Grau schlicht aus Weiß und Schwarz gemischt ist und sich erst über unterliegende bzw. benachbarte Farbschichten farbig auflädt.“
Diese Gleichzeitigkeit von Schichten, von Ge–schichtetem, von impulsivem Auftrag und ausgleichender Reaktion, die Beachtung jedes Details halten die Bilder in einem Gleichgewicht, das die Zeit aufhebt und zugleich erfahrbar macht.

Anlässlich der Open Art ist die Galerie am 
Samstag, den 12.9. und Sonntag, den 13.9. von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

 
 

German Stegmaier

German Stegmaier

Malerei und Zeichnungen

19.06.2015 - 25.07.2015
Hieß die letzte Ausstellung mit Arbeiten von German Stegmaier (geb. 1959) im Jahr 2011 „Zeichnungen und Malerei“, so sind die Vorzeichen dieses Mal umgekehrt und
es wird dem malerischen Schaffen ein breiterer Raum gegeben.

German Stegmaier in einem Gespräch mit Michael Zink: „Das Grau vereinigt
sowohl die Idee der Mischung aller Farbwerte wie auch die Idee der Unfarbe, der Auslöschung von Farbe, des neutralen Referenztones innerhalb des Farbraumes. Auch wenn im Falle meiner Malerei das Grau schlicht aus Weiß und Schwarz gemischt ist und sich erst über unterliegende bzw. benachbarte Farbschichten
farbig auflädt.“

Diese Gleichzeitigkeit von Schichten, von Ge–schichtetem, von impulsivem Auftrag und ausgleichender Reaktion, die Beachtung jedes Details – wie etwa kleinen Unregelmäßigkeiten der aufgespannten Leinwand – halten die Bilder in einem Gleichgewicht, das die Zeit aufhebt und zugleich erfahrbar macht.
 

Joannis Avramidis

Joannis Avramidis

Zeichnungen

08.05.2015 - 13.06.2015
Bandfigur, 1972
Graphitstift auf Papier
24 x 13,7 cm

Joannis Avramidis’ immer wiederkehrendes Thema ist der Mensch. Dabei spürt der 1922 in Batumi/Georgien geborene Künstler den Gesetzmäßigkeiten, die in der menschlichen Figur angelegt sind, nach und destilliert ein Menschenbild, welches ganz einem künstlerischen Ideal verpflichtet ist.

Mit dem Modell vor Augen wird zunächst frei gezeichnet. Jedes Blatt stellt eine Möglichkeit dar, eine Erfindung. Die Linienführung macht sich auf die Suche nach rhythmischen Grundzügen des Gegenübers. Manchmal wirkt der Strich fast zögerlich, hält inne und bildet dabei eine Art Knotenpunkt, eine Schaltstelle,
die sowohl als visuelles, wie als anatomisches Scharnier funktioniert.
Das Rhythmische, Tänzerische kommt darin zum Ausdruck. Genauer ausgeführte Details wechseln sich mit weniger deutlich artikulierten Bereichen ab. Die freie Fläche tritt in ein Spannungsverhältnis mit jedem einzelnen Strich.

Die zeichnerische Form ist dabei so angelegt, dass sie jederzeit aus einer kleinen Abmessung in eine große Dimension übertragbar ist. Es folgen im Werkprozess Blätter, die das Erfundene auf seine plastische Umsetzbarkeit hin überprüfen.
Der Kontur ist entschiedener. Avramidis fixiert die Schwingungsknoten, die der Bewegung ihre Charakteristik geben. An diesen Zeichnungen wird deutlich,
dass der Künstler seine Plastiken aus Konturen entwickelt und nicht, wie bei Bildhauerzeichnungen üblich, Raum mittels Schraffur simuliert.
Die Ausstellung wird diese Vorgehensweise auch anhand von Werkmodellen
und Schablonen veranschaulichen.

Wie Perlen an einer Schnur reihen sich die einzelnen Werkstufen aneinander.
Jede für sich trägt ihr Ziel, eine eigene künstlerische Erfindung zu sein, in sich, verweist aber gleichzeitig nach vorne und zurück: die freie Zeichnung etwa auf die Konstruktionszeichnung, beziehungsweise auf ihr Modell. Die Gestalten und Gesichte wirken uns vertraut. Sie erzählen nicht nur von sich als Individuum, sondern formieren ein Menschsein, das wir alle in uns tragen.
 

Katharina Daxenberger

Katharina Daxenberger

Unbeirrt

27.03.2015 - 02.05.2015
Wie dünn ist eigentlich die Haut der Bilder? Betrachtet man die Übermalungen von Zeitschriftenblättern in den neuesten Arbeiten Katharina Daxenbergers, kommt einem diese Frage in den Sinn.

In welch krassem Gegensatz stehen das gegenständlich bescheidene Ausmaß eines Magazins wie GEO, die Dünne seines Papiers, zu seiner inhaltlich überbordenden Fülle an Bildern und deren Gehalt an Information? Wie viel Welt holt man sich damit nach Hause? Einmal Umblättern und schon ersteht ein nächster Kosmos!
Erst im Augenblick der Aneignung durch uns erfüllt sich das Bild.

Wie körperlos ist in unserer heutigen medialen Welt doch die Art und Weise, wie wir Informationen erhalten über das was uns umgibt, was uns mit bestimmt, was unseren Glauben wie Nicht-Glauben manifestiert! Immer wieder nutzen die Macher solcher Magazine den formalen Aufbau ihrer Illustrationen gewissermaßen als Köder, der uns hinsehen lässt, der mit unseren bildlichen Erinnerungen im Hier und Jetzt spielt. Kommt dann ein Eindruck hinzu, der uns fasziniert, bleibt das Bild haften, bis, ja, bis es durch neue Fotostrecken überlagert, vollständig überdeckt oder aber ausgelöscht wird.

Auf äußerst subtile Weise rettet Katharina Daxenberger durch ihren künstlerischen Akt der Aneignung Bilder und Geschichten vor dem Verschwinden. Matt und schier undurchdringlich werden die glänzenden Oberflächen unter der Farbe bewahrt.
Die Schleier, die Schichten, die sie über die „Dinge“ legt, sind es, welche die dünne Haut der Bilder offensichtlich macht, sie lebendig werden lässt. Die Montierung auf feste, schwarze Kartons unterstützt diesen Prozess. Dass die Vorlagen aufgrund der Übermalung einen Grossteil ihres Inhaltes einbüßen, ist nicht nur zu verschmerzen, sondern verleiht ihnen erst Dauer und physische Präsenz.

Anlässlich der Ausstellung ist die Publikation „Katharina Daxenberger. Unbeirrt“ erschienen, sie ist sowohl in gedruckter Form als auch als PDF-Version erhältlich.
 

Eduardo Paolozzi

Eduardo Paolozzi

Inspiration

05.02.2015 - 07.03.2015
Als technikbegeisterten Konstrukteur eines Maschinenmenschen könnte man Eduardo Paolozzi bezeichnen, aber ebenso als Kartografen des Chaos’, der jeder noch so kleinen optischen Verästelung folgt, nur um wieder weitere Fraktale zu finden. Das ist auch der Ansatz der Ausstellung »inspirations«, die Bronzen, Gipse, Zeichnungen, Druckgrafik und Fotokopien des 1924 in Edinburgh geborenen und 2005 in London verstorbenen Künstlers vereint.

Paolozzi findet ungewöhnliche bildliche Metaphern einer Mechanik der Natur des Menschen. Aber auch die politische und soziale Komponente kommt, wie bei dem Manifest dieser Einladung, deutlich zum Tragen.

Den Grundstock der Schau bildet ein großes Konvolut an Anschauungsmaterial, welches Paolozzi als Professor der Akademie der Bildenden Künste in München zwischen 1981 und 1989 seinem Assistenten Andreas von Weizsäcker (1956–2008)
– später ebenfalls Professor an der Münchner Akademie – Stück für Stück überlassen hat: Eine nicht zu durchdringende Flut von Bauplänen für Kinderspielzeug, schematischen Zeichnungen für den Biologieunterricht, vor allem nach dem Vorbild des Schriftstellers und Arztes Fritz Kahn (1888–1968), Muster, Transparentfolien mit Aufdrucken, durchgepauste Details von Strukturen, glänzende, matte Oberflächen, Fotos, kopierte Collagen und, und, und: Ein Überblick ist nicht nur nicht möglich, sondern gar nicht erwünscht.

Dennoch bin ich mir sicher, dass die Ausstellung ihre ganz eigene und nur durch die künstlerische Vision von Paolozzi getragene Anmutung haben wird. Neben herausragenden und auch (leider) teuren Exponaten sollen eine Vielzahl von »Materialien« – im wahrsten Sinne des Wortes – für kleine und kleinste Beträge wieder ihren Weg hinaus in die Welt antreten und in ihrer Multivalenz andernorts für Inspiration(-en) sorgen.

Sir Eduardo Paolozzi, seit 1979 Mitglied der Royal Academy of Arts, war viermal auf der documenta vertreten (1959, 1964, 1968 und 1977) und gestaltete den Biennale-Pavillion 1960. Die Dean Gallery Scotland beherbergt seit 1999 einen Großteil seines Werkes inklusive eine Nachbildung seines Ateliers. Zahlreiche Aufträge in ganz Europa unterstreichen seine internationale Bedeutung.
 
 

Alfons Lachauer

Alfons Lachauer

Gorgonzolaclub

21.11.2014 - 17.01.2015
Alfons Lachauer
Kreuzberg 5 II, 2013
Ölfarbe und Lack auf Papier
14,8 x 10,4 cm

Liest man den Titel der Ausstellung und führt sich gleichzeitig die Stringenz der Lachauer’schen Malerei mit ihren klar umrissenen Flächen, ihren – nur auf den ersten Blick – minimalistischen Bild- und Farberfindungen vor Augen, könnte der Gegensatz zum Namen eines Lokals in Berlin-Kreuzberg, denn darum handelt es sich bei „Gorgonzola Club“, scheinbar nicht krasser ausfallen.
Aber auch die Malerei Lachauers speist sich aus Gegensätzen, Sprüngen, Zwischenräumen, meint doch der Titel nicht nur ein Lokal in der von Lachauer selbst gewählten Fremde, sondern auch einen Ort der eigenen Identität, ein Zwischenreich, das gestaltet und selbst gestaltet werden will.
Lachauer ist ein Meister der Konfrontation von Farben und Formen. Die Bilder werden bis ins letzte Detail kontrolliert, dann aber so lange bearbeitet, bis alle seine Kompositionen und Farbabstufungen ungekannte Eindrücke ergeben. Form und Farbwirkung greifen aktiv in den Raum, in dem sie hängen. Dabei sind es erst die optischen Brüche und farblichen Dissonanzen, welche die Bilder zum Leben erwecken und neue Orte schaffen.

Noch bis 1. Februar 2015 ist im Neuen Museum Nürnberg Alfons Lachauers Ausstellung „Kottbusser Tor“ zu sehen. Im Mies van der Rohe Haus Berlin ist für 2015 ebenfalls eine Ausstellung mit Werken von Alfons Lachauer geplant.

Zur Person: Geboren 1944 in Rosenheim, von 1966–69 Student bei Günter Fruhtrunk, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Alfons Lachauer lebt und arbeitet in Rosenheim und Berlin.
 

Olaf Metzel

Olaf Metzel

Zeichnungen

24.10.2014 - 15.11.2014
1985, Berlin–West. Olaf Metzel erhält eine graue Klappkarte der Nationalgalerie.
Es ist die Einladung zur Eröffnung der Ausstellung „Deutsche Kunst 1945–1985“, in der auch Arbeiten von ihm gezeigt werden. Über das in befremdlich gediegener Schreibschrift gehaltene Wort „Einladung“ zeichnet er eine Kneifzange. Eine Pinzette erscheint ihm als Bildhauer nicht ausreichend wirksam.
Die Karte lässt mit ihrem wohl erwünschten Eindruck von Noblesse ein Vernissage-Publikum vor dem Auge des Betrachters entstehen. Dann erfolgt die künstlerische Aneignung, in diesem Falle mittels des Bleistiftes. Mit schnellem Strich skizziert er das Werkzeug, was die Genauigkeit und Kühle seines Blickes unterstreicht. Nur dient die Kneifzange dem Künstler nicht der Herstellung eines bildnerischen Objektes. Viel eher möchte man sich den Bildhauer am Eröffnungsabend inmitten dieser illustren Gesellschaft vorstellen: die ambivalente Situation einer Ausstellungseröffnung zwischen Neugier und Skepsis auf Seiten des Künstlers ebenso wie beim Publikum.
Und dann ist da noch die Verdoppelung der Zeichnung: Entgegen dem René Magritte’schen Satz, der in das von ihm gemalte Bild einer Pfeife den Satz schrieb: „Das ist keine Pfeife“, ließe sich unter diese Zeichnung schreiben: „Es ist wirklich eine Kneifzange – nicht mehr und nicht weniger!“
 

Thomas Müller

Thomas Müller

Zeichnungen

26.09.2014 - 18.10.2014
Vier Jahre ist es her, dass hier in der Galerie die erste Präsentation der eindrücklichen Zeichnungen Thomas Müllers statt gefunden hat. Seine Arbeiten sind seither integraler Bestandteil des Galerieprogramms, zumal auf den Ständen anlässlich der Kölner Kunstmesse „Art Cologne“.
Ein Hauptgewicht legt die Ausstellung dieses Mal auf die inzwischen entwickelten, großformatigen Kugelschreiberzeichnungen, die an Wucht und Komplexität nicht zu überbieten sind. Dabei bildet jede einzelne Arbeit eigene Strukturen und komplexe Muster aus. Die Obsession mit der hier gezeichnet wird, mit welcher hier Linie um Linie gezogen wird, bis das Papier an Knotenpunkten sich unter der Unzahl von Linien wölbt,  findet ihren Ausgleich in der Klarheit der Strukturen und dem Weiß der freien Fläche des Papieres.
Ganz generell eröffnet Thomas Müller in seinem vielschichtigen Werk eine ungesehene Vielfalt an zeichnerischen Facetten, die das Weiß der Fläche mit der Setzung des Striches versöhnt, indem ein gemeinsamer bildnerischer Raum entsteht.
 

Liane Birnberg (geb. 1948)

Liane Birnberg (geb. 1948)

Weder Gedanken noch keine – Zeichnungen

30.05.2014 - 14.09.2014
Abbildung (Startseite Ausschnitt):

Liane Birnberg
Ohne Titel, 2012
Füllstoff und Abreibung auf Ovara-Papier
52,5 x 52,5 cm

Besichtigung im August nur nach Vereinbarung

Was kann entstehen, wenn Vernichtung zu einem Grundprinzip der eigenen Arbeit wird? Liane Birnberg zermalmt ganze Zeitungen, Bücher, wichtige Bücher, Lieblingsbücher. Mit diesem Rohmaterial, zu dem neben Textpassagen ebenso der Bucheinband gehört, pulverisiert, reibt und zeichnet sie auf meist hauchdünnen Papieren. Sie betreibt eine Mechanik der Zerstörung. Zu diesem Ritus gehört von jeher der Rhythmus des Arbeitsprozesses, seine gebetsmühlenartige Wiederholung.
Aus dieser durchgreifenden Auflösung entsteht im zeichnerischen Prozess eine Partitur der Zertrümmerung und des Wiederaufbaus, ein Wieder-Erfinden, das sich in der Zeit mit traumwandlerischer Sicherheit auf dem schmalen Grat zwischen Vergehen und Werden bewegt.

Liane Birnberg, geboren 1948 in Bukarest, studierte dort zunächst am Konservatorium für Musik. Sie war Begründerin der ersten Frauen-Pop-Band Osteuropas. Zahlreiche Veröffentlichungen sind zusammen mit dem englischen Dichter und Kulturphilosophen John Berger entstanden. Liane Birnberg lebt und arbeitet in Berlin.
 

Thomas Virnich (geb. 1957)

Thomas Virnich (geb. 1957)

04.04.2014 - 17.05.2014
Abbildung:
Thomas Virnich

In dem Buch „Alice im Wunderland“ gibt es eine bekannte Textstelle, wo eine Katze nach längerem Gespräch mit Alice ganz langsam verschwindet – „wobei sie mit der Schwanzspitze anfing und mit dem Grinsen aufhörte, das noch einige Zeit sichtbar blieb, nachdem das Übrige verschwunden war“. Und Alice denkt bei sich, dass sie zwar schon oft eine Katze ohne Grinsen gesehen habe, niemals „aber ein Grinsen ohne Katze“!
Dieser scheinbare Widerspruch, der tief in das Reich von Wort- und Bildbedeutung führt, lässt sich auf eine ganze Reihe von Arbeiten Thomas Virnichs übertragen: Eine merkwürdige plastische Verkehrung findet hier statt, wenn sich die dargestellte Figur als reine Hohlform erweist. Im Fall der Einladungskarte eine weibliche und eine männliche Flohmarkt-Porzellanfigur, die sich von gegenüberliegenden Seiten in den rohen Ton eingeprägt haben. Der Ton materialisiert Teile des Raumes zwischen den Gestalten. Gleichzeitig wird der Werkstoff durch die schillernden Glasuren entstofflicht.
Virnich erschafft Plastiken aus alltäglichen, banalen, manchmal kitschigen Fundstücken und weist ihnen einen neuen Raum in seiner Welt zu. Noch viel wichtiger, er bringt damit Befindlichkeiten zum Ausdruck und zur Form, die – um wieder mit Alice zu sprechen – noch nie im Leben vorher zu sehen waren.

Seit 1992 lehrt Thomas Virnich an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.
Er lebt und arbeitet in Mönchengladbach.
 

Andreas Bindl (1928–2010)

Andreas Bindl (1928–2010)

Plastiken und Zeichnungen

21.02.2014 - 22.03.2014
Abbildungen (Startseite:Ausschnitt):
Andreas Bindl

Ein Schwerpunkt im Schaffen von Andreas Bindl liegt in der suchenden Linie, die dem Tier- oder Menschenkörper nicht nur nachspürt, sondern vielmehr einem ureigenen Kreatürlichen verbunden ist. Fabelhafte Szenen spielen sich auf den Blättern ab. Der Stift erfasst immer eher eine existenzielle Befindlichkeit als eine korrekte anatomische Wiedergabe und das, obwohl Bindl als einer der herausragendsten Aktzeichner gelten darf, was die Ausstellung mit einigen Arbeiten belegt. Die sensiblen Striche werden zu Gleichnissen einer Welt, die von alten Sagen und Mythen zeugen. Sie verwandeln sich in geträumte Wesen, die hier und heute ihre ureigene Lebendigkeit Gestalt werden lassen.
 

Theodoros Stamos

Theodoros Stamos

Infinity Field

17.01.2014 - 15.02.2014
Abbildung (Startseite und Slider: Ausschnitt)
Theodoros Stamos
Infinity Field Lekada, 1977

Das Werk dieses abstrakten Expressionisten der ersten Stunde verdient es, breitere Beachtung hier in Europa zu erfahren.
Immer wieder kreisen seine Bilder um die Farben Griechenlands: Blau und Weiß. Dabei erzielt Stamos eine physische Präsenz der Pigmente, die dem Betrachter den Bildraum oft nur sehr zögernd öffnen. Das transzendente Blau des Himmels wird materiell greifbar. Erst mit den Eindrücken, die wir aus unserer Erfahrung einbringen, löst sich das Feste zum „endlosen Feld“(Infinity Field), wie ein später Zyklus des Malers heißt.
Der Sohn griechischer Emigranten hatte 1943 die erste Einzelausstellung in der Wakefield Gallery, geleitet von Betty Parsons, der Protagonistin der abstrakten Expressionisten in New York.
 

Norbert Kricke

Linie: Form der Bewegung

21.11.2013 - 11.01.2014
Der Titel zur Ausstellung stammt von Dr. Ernst-Gerhard Güse, dem langjährigen Leiter des Saarlandmuseums in Saarbrücken. Kürzer und prägnanter lässt sich die künstlerische Leistung von Norbert Kricke (1922–1984) wohl nicht formulieren.

Kricke war zeitlebens auf der Suche nach äußerster Verknappung der künstlerischen Mittel, ohne dabei den eigenen Körper, die Bewegungen oder spontane Impulse außer Acht zu lassen.

So entsteht ein Reichtum, eine Vielfalt an Plastiken und Bildern, die bei aller Präzision Raum für Erfindung lassen. Jede Linie wird in der Zeichnung skulptural behandelt, d. h. der Verlauf der Linie erzeugt eine maximale Spannung. Der Vorgang ist vergleichbar mit den Eigenschaften eines biegsamen, schmalen Stahlblechs, welches – an beiden Enden gehalten – gedreht und gebogen wird. Doch nur mit großen Hebeln und Übersetzungen, die offenbar außerhalb des Bildes ansetzen, beziehen die Linien ihre Spannkraft.

Bereits Anfang 1950 verlässt Kricke die üblichen Pfade der Auffassung von Plastik – er selbst nennt sie „Raumplastik“ – als einem Gebilde mit Körper und Volumen. Der Künstler setzt dieser Vorstellung die Ausdehnung der Linie im Raum entgegen. Kricke bringt es zu einer unglaublichen Meisterschaft, die Linien seiner Plastiken wie im Raum kristallisieren zu lassen. Sie besitzen natürlich Anfang und Ende, aber dennoch weisen sie aufgrund der Spannkraft jeder Linie weit über sich hinaus und schaffen somit eine Aura, die dieser Art von minimalem Konzept eigentlich nicht zuzutrauen ist.
 

Max Weiler

Ausgewählte Werke

08.11.2013 - 13.11.2013
 

Uli Zwerenz (geb. 1958)

Uli Zwerenz (geb. 1958)

STOP MEMORY – EMPTY ROOMS

11.10.2013 - 02.11.2013
Bei dem vorliegenden, vom Künstler gewählten Ausstellungstitel handelt es sich um ein sogenanntes Anagramm: Jeder Buchstabe der ersten Zeile „STOP MEMORY“ kommt auch in der zweiten Zeile „EMPTY ROOMS“ vor. Nur die andere Reihenfolge der identischen Menge an Buchstaben ergibt unterschiedliche Worte und einen anderen Sinn. Für einen Künstler wie Uli Zwerenz muss dieses Spiel um die Bedeutung von Zeichen eine große Faszination ausüben.

Aber ist die Aussage beider Zeilen im vorliegenden Fall so verschieden? „STOP MEMORY“ – kein Gedächtnis: Wenn das ein Künstler sagt, geht es ihm darum, den eigenen, in der Vergangenheit entwickelten Stil auszublenden. Es geht darum, sich frei zu machen von bereits Gesehenem, bereits Gemaltem. Auch die zweite Zeile führt in eine ähnliche Richtung: Immer wieder betritt er „EMPTY ROOMS“ – Neuland –, wenn er vor der leeren Leinwand, dem leeren Blatt Papier steht oder sitzt. Diese Fläche gilt es zu gestalten, ihr eine weitere Koordinate hinzuzufügen.

Doch der Befehlsform „STOP“ hört man einen Hauch von Verzweiflung an, dass es nur schwer gelingt, sich vom eigenen überlebensnotwendigen Gedächtnis zu lösen, das eigene Vor-Wissen nicht in die Arbeit mit einfließen zu lassen. Und auch auf die Leere „EMPTY“ folgt unmittelbar ihre Begrenzung, die Wände der Räume „ROOMS“.

Es ist der freie Akt des Mischens der Elemente, der andere Bedeutungen überhaupt erst ermöglicht. Auf die Wachheit und Bereitschaft, neue Kombinationen zu finden und Gestalt werden zu lassen, darauf kommt es an.

Zur Ausstellung erscheint mit Unterstützung der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung
ein 80-seitiger Katalog.
 

Madge Gill – Alfred Kremer

Madge Gill – Alfred Kremer

Ein Dialog

13.09.2013 - 05.10.2013
Abbildung:
Galerieseite:
Madge Gill (1882-1961)
Ohne Titel, um 1944
Tusche auf Postkartenkarton
13,8 x 8,7 cm

Startseite:
Alfred Kremer
Danseuse Espagnole, 1963
Tempera auf Papier
ca. 26 x 16 cm

Myrninerest, so nannte Madge Gill (1882–1961) den Geist, der ihr während des Zeichnens meist im Stehen und nachts erschien. Es entstehen Schriften und Stickereien und in der Fläche des Blattes erfüllt sich diese Dichte einer Fädelung durch ihre Stilistik der Zeichnung. Sie sind engstens gefügt und bestechen durch ihre unmittelbare Präsenz. Madge Gill ist zu keinem Zeitpunkt daran interessiert „Kunst“ zu schaffen. Von dem Phantom Myrninerest getrieben, bilden die Arbeiten eine Art Schutzwall gegen eine äußere Welt. 1932 sind erstmals Bilder von ihr in einer von der Whitechapel Gallery organisierten Ausstellung zu sehen. Die Bekanntheit ihres Werkes wächst stetig, wobei eine breite Anerkennung erst nach ihrem Tod durch eine Ausstellung in der Grosvenor Gallery 1968 einsetzt. Heute gehören ihre Arbeiten zum festen Kanon der „British Outsider Art“.
Was im Werk Alfred Kremers (1895–1965) in Weilheim, ganz im Verborgenen, binnen der Jahre 1962 bis 1965 entsteht, ist in ähnlicher Weise beeindruckend: Ohne Tabuisierung erfindet er – ein klassisch akademisch geschulter Maler – mit seinen Gestalt-Zeichen einen eigenen, oft irritierenden Bilderkosmos. Er ist geprägt von seinen katholischen Wurzeln, speist sich aber im Wesentlichen aus der Abwehr gegen deren Wertekanon. In mehrfacher Hinsicht lassen sich diese Schöpfungen als Votivbilder verstehen. Sie dienen der Abwehr und Heilung ebenso wie der Kanalisierung sexueller Phantasien. Aktuelles Tagesgeschehen wird genauso bildwürdig wie Motive von archaischer Strenge. Die Gestalt wird weitestgehend vereinfacht und wandelt sich zum Zeichen, das Welt gleichzeitig bannt und schöpft.
Seien Sie gespannt auf den Dialog dieser beiden Außenseiter!
 

Jean-Charles Blais (geb. 1956)

Jean-Charles Blais (geb. 1956)

découpé, assemblé et épinglé

28.06.2013 - 27.07.2013
Bitte beachten Sie, dass die Galerie im August nur nach Vereinbarung geöffnet ist.

Ausgeschnitten, zusammengefügt und mit Nadeln verbunden, so ließe sich der Titel der Ausstellung übersetzen. Entnommen ist er der Werkbeschreibung im neusten Katalog anlässlich einer Blais-Schau im Picasso-Museum in Antibes, die Anfang Juni diesen Jahres zu Ende gegangen ist. Zwei bedeutende neue Großformate daraus werden in München zu sehen sein.

Die Einladungskarte zeigt Vorder- und Rückseite ein und derselben Arbeit. Sie führt exemplarisch Blais’ Arbeitsweise vor. Scherenschnitthafte Silhouetten schneidet er aus dem Papier. Er faltet und knickt die Motive, die sich wie im vorliegenden Fall auf der Rückseite weiterspinnen lassen. Mehrfach dienen Nadeln dazu, die vielen Schichten zusammenzuhalten. Das soll nicht heißen, dass Blais den Rückseiten künstlerische Bedeutung beimisst. Es lässt sich jedoch besser nachvollziehen, wie sich die Anmutung einer Bildfläche ändert, wenn sie um die Kanten des Blattes herumgeführt wird. Die schwarz gefüllten Formen der Figuren bilden eine Art belebte Folie vor dem Weiß des Blattes.

Blais findet hier zu seiner ganz eigenen Interpretation der zeichnerischen Problemstellung von Figur und Grund. Gleichzeitig stellt er seine Arbeiten von den Motiven her in den Kontext prägender Gestalten der 1970er-Jahre wie Diane Arbus, William Burroughs oder John Lennon, indem er mehr oder weniger bekannte Fotos in seine eigene Bildwelt übernimmt. Somit lotet Blais komplexe Fragen eines kulturellen Bildgedächtnisses aus und verknüpft diese mit den Ursprüngen des eigenen Selbstverständnisses und seiner Identität als Künstler.
 

Georg Bernsteiner (geb. 1969)

Georg Bernsteiner (geb. 1969)

Scatter The Ashes

03.05.2013 - 15.06.2013
Bevor der Knabe im alten Griechenland in die Fremde zieht, nimmt der Vater eine Tonscherbe, bricht sie entzwei und gibt eine dem Sohn. Kehrt dieser nach Jahren der Wanderschaft als ein Anderer zurück, ist es das Zusammenfügen „symballein“ der beiden unverwechselbaren Hälften, das die Einheit wieder herstellt.
Eingedenk des Woher, offen für ein Außen, das in ihm fort wirkt – so zeichnet Georg Bernsteiner.
Er sucht, findet und erfindet Zeichen und Symbole, die Platz in seinen Bildern erhalten.
Er destilliert sie aus den alltäglichen Dingen des Lebens, die ihn umgeben.
Eindrücke der Ferne lassen das Unerwartete hinzutreten und werden auf dem Papier mit schwarzer Kohle gebannt.
Der Wind weht die Asche in alle Richtungen. Sie überzieht die Welt mit einem hauchdünnen grauen Film, bis sie ihr schließlich wieder einverleibt wird.

Der 1969 im Pinzgau geborene Georg Bernsteiner studierte von 1989 bis 1994 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Arnulf Rainer.

Jüngste Ausstellungen:
2010 Right on the Rim, Johannesburg; „working in joey trakl´s garage”, Galerie im Traklhaus Studio, Salzburg; „I Dream A Highway”, Kulturverein Schloss Goldegg
2011 „Too many birds in one tree”, Main Street Life 426, Johannesburg; „Akito Akagi - Nurimono, Georg Bernsteiner – Zeichnungen, Young-Jae Lee – Gefäße, Keramische Werkstatt Margaretenhöhe - Geschirr”, Forum am Schillerplatz, Wien
2013 „Vier Serien”, Nexus Kunsthalle Saalfelden
 

Thomas Lehnerer (1955-1995)

Thomas Lehnerer (1955-1995)

Bronzen und Zeichnungen

22.03.2013 - 27.04.2013
Thomas Lehnerer
Ohne Titel, 1990
Kugelschreiber und Lavierung auf Papier
29,7 x 20,8 cm

Zu den für mich persönlich beeindruckendsten Ausstellungen im München der 1980er-und frühen 1990er-Jahre gehören sicher die Präsentationen der Arbeiten von Thomas Lehnerer in der Galerie Dany Keller. Die Unmittelbarkeit seiner Arbeiten zog mich von jeher in ihren Bann. Sie rühren an.

Aus ungeschlachten Stücken Ton oder Wachs wurden Figuren erschaffen, die in ihrer Rohheit und Nacktheit auf nicht weniger als die eigene Existenz verweisen. Unter der formenden Hand werden sie zu eigenständigen Geschöpfen. Das gilt auch für die Zeichnung, bei welcher der Strich oft erst im Tun sich selbst entdeckt und seine Figurinen andeutet.

Die Bronzen heißt es im wahrsten Sinne des Wortes zu be-greifen. Der bloße Blick führt bei Lehnerers Plastiken oft in die Irre, und es sind erst die eigenen Hände, die beim Abtasten die vollkommene „Richtigkeit“ der Form fühlbar machen.
Damit soll nicht behauptet werden, dass Lehnerer seine Arbeit aus einem rein momentanen Gefühl heraus entwickelt hätte: Das Gegenteil ist der Fall. Er war ein herausragender Bildtheoretiker, der ab 1992 als Professor für Theorie und Praxis der visuellen Kommunikation an der Gesamthochschule Kassel lehrte. Nicht Beliebigkeit, bloßes Meinen sind hier am Werk, sondern ein Höchstmaß an Reflexion.

Einzelausstellungen (Auswahl): Museum für Gegenwartskunst Basel (1993); Diözesanmuseum Freising (2005); Kunstmuseum Liechtenstein (2008)
Sammlungen (Auswahl): Kunsthalle Bremen;
 Kunsthalle Düsseldorf
; Museum für Gegenwartskunst Basel;
 Neues Museum Weserburg Bremen; 
Zollverein Essen
; Staatliche Graphische Sammlung München; Sammlung Ströher Darmstadt
; Sammlung Würth

Während der Art Cologne vom 19. – 22. April wird eine Auswahl der Arbeiten von Thomas Lehnerer auf dem Messestand (Halle 11.2, E 38) zu sehen sein.
 

Stefan Eberstadt

Stefan Eberstadt

Grids and Clouds

01.02.2013 - 02.03.2013
In welchem Maße durchdringt die tägliche, scheinbar banale Alltagswelt unser Handeln und Denken? Wirken rein dem Zweck verpflichtete Produkte oder auch städtebauliche Situationen in uns hinein, biegen uns in gewisse Strukturen? Inwieweit beeinflussen sie ein künstlerisches Werk?

Mit dieser ungewohnten Form der Einladungskarte gewährt Stefan Eberstadt einen Einblick in die Verfahrensweise seiner Fragestellung und in sein bildnerisches Denken. Die ausgewählten Bilder sind Teil eines stetig wachsenden, subjektiv ausgerichteten Fotoarchivs, das Eberstadt im Laufe vieler Jahre zusammengetragen hat und auf das er immer wieder bei Überlegungen, etwa zu neuen Arbeiten, zurückgreift. Die Zusammenstellung umfasst visuelle Verweise unterschiedlicher Bereiche wie Urbanität, Kunst, Architektur und Design, die mit fotografischen Ausschnitten eigener Arbeiten in Beziehung gesetzt werden. Ein unabhängiger geistiger Raum entsteht.

Jede mögliche Systematik ist immer auch unterwanderbar – etwa, wenn auf einem Foto ein zufällig neben einer wildfremden Skulptur geparkter Motorroller steht – und es auf dem Bild zu einer Art Gleichberechtigung beider Elemente kommt. Ausgleich, Gewichtung – das sind klassische Begriffe der Bildhauerei, die ganz offensichtlich bei der Auswahl der Bilder eine Rolle gespielt haben. Auch Elemente der Collage und das Austarieren massiver Körper bleiben dem klassischen Kanon der Bildhauerzeichnung verpflichtet.

Hier lassen sich Geschichten erfinden, die alleine durch ihre Reihenfolge und Kombination immer wieder Neues erzählen. Indem sie tiefer in visuelle und körperliche Verflechtungen dringen, machen sie diese ein Stück weit besser durchschaubar und, was noch wichtiger ist, lebendig.
 

Hanns Schimansky (geb. 1949)

Hanns Schimansky (geb. 1949)

Zeichnungen

16.11.2012 - 22.12.2012
Hanns Schimansky
o.T., 2012, Tusche auf Papier
20,5 x 29,5 cm

Bei seinen neueren Zeichnungen bedeckt Hanns Schimansky die Rückseiten der Blätter mit einer dichten Schicht schwarzer Tusche und es mag merkwürdig erscheinen, dass die Beschreibung einer künstlerischen Arbeit mit dem beginnt, was für uns eigentlich im Verborgenen bleibt. Dem ist jedoch nicht gänzlich so: An den Rändern leuchtet das tiefe Schwarz hervor und ist über die gesamte Fläche als eine Art Generalbass, als eine gewisse Materialität präsent. Die Notationen, die Schimansky der Zeichnung einschreibt, lassen sich als Bildpoesie mit rein zeichnerischen Mitteln lesen. Jedem künstlerischen Impuls spürt er nach, die freien weißen Stellen des Papiers werden ernst genommen und die angesprochene Behandlung der Rückseite verwandelt auch diese Partien zu gestalteten Räumen. Papier und Tusche heben sich gegenseitig in ein sensibles Gleichgewicht. In aller Freiheit wird jede Zeichnung zu einer vom Künstler durchdrungenen Ganzheit.

Hanns Schimansky, geboren 1949 in Bitterfeld, ist seit 1998 Professor an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Ausstellungen u. a.: Neue Nationalgalerie, Berlin, 1990; Sprengel Museum, Hannover, 1998; Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe, 2003; Gemeentemuseum, Den Haag, 2008; Meisterhäuser Klee/Kandinsky, Dessau, 2010.
 

Max Weiler

Max Weiler

Malen auf Papier

14.09.2012 - 27.10.2012
Abbildung: Max Weiler, Malve, Tusche auf Papier,
1955, 27,9 x 16,7 cm

Wie fügt sich jeder einzelne Strich einer Zeichnung, jeder Farbtupfer eines Aquarells in die Gesamtheit einer Bilderfindung ein, ohne dabei seine eigene, jeweils unverwechselbare Identität im Hier und Jetzt der Schöpfung aufzugeben?
Dies scheint eine der zentralen Fragen im Schaffen von Max Weiler zu sein. So wirkt es äußerst konsequent, wenn sich die einzelnen Elemente nicht einer konkreten Raumflucht unterwerfen, sondern vielmehr an die vorperspektivischen Landschaften der Sung-Dynastie (China, 10. – 12. Jahrhundert) denken lassen. Hier wird additiv nebeneinander gesetzt, der Zufall wird inszeniert, ohne seine Unmittelbarkeit zu verlieren.

Weiler folgt unbeirrt der eigenen Vision eines Bildaufbaus, in dem parallel zu Künstlern wie Twombly neue Räume eröffnet werden. Wir, die Betrachter, sind aufgefordert die Details der Darstellung zu synthetisieren und sie zu einem Gesamtbild in uns zusammenzufügen.

Ein ganzer, eigener Kosmos eröffnet sich in einem Werk, das zuletzt mit einer großartigen Übersicht in der Albertina in Wien zu sehen war. Weiler ist nach Schiele, Kokoschka und Klimt der vierte Künstler, dem die Ehre der Erstellung des Werkverzeichnisses durch die Albertina zuteil wird. Erstmals nun widmet sich am Odeonsplatz eine Verkaufsausstellung ausschließlich den Zeichnungen des Künstlers.
Nachdrücklich sei an dieser Stelle auf die zeitgleich in der Staatlichen Graphischen Sammlung München stattfindende Schau zu Max Weiler hingewiesen.

Max Weiler war von 1964 bis 1981 Professor für Malerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

Auswahl der wichtigsten Ausstellungen:

1960 Pavillon Österreich, XXX. Biennale, Venedig; 1988 Wiener Secession; 1989 Museum des 20. Jahrhunderts, Wien; 1991 Nationalgalerie Prag; 1993 Museion Bozen; 1998 Chinesisches Nationalmuseum in Peking (NAMOC); 1999 Künstlerhaus, Akademie der Bildenden Künste, Wien; 2004 Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (MUMOK); 2010 Essl Museum Klosterneuburg, Wien; 2011 Albertina, Wien
 

Bildhauerzeichnungen

Bildhauerzeichnungen

15.06.2012 - 14.07.2012
Eduardo Paolozzi, Berlin, Tusche, Aquarell und Bleistift auf Papier, 1974, 35,5 x 26,5 cm

Maillol, Laurens, Despiau, Cimiotti, Peters, Croissant, Rickey, Paolozzi, Eberstadt u.a.

Wie kaum ein anderes künstlerisches Medium bewegt sich die Bildhauerzeichnung im falschen System: Auf der glatten Fläche des Papiers versucht sich der Künstler
in der Lösung dreidimensionaler Probleme.

So ist es einer der Grundimpulse der Bildhauerzeichnung, die raum-zeitliche Limitierung zu simulieren oder gar aufzulösen. Klärendes, Erklärendes, spontane Korrekturen, Änderung von Blickwinkel und Volumen – alles ist erlaubt. Schrift und Maßangaben sind durchaus üblich. Auch kann es passieren, dass die Oberfläche des Blattes selbst im Werkprozess allerlei Spuren davon getragen hat, eben weil es für die Produktion der „eigentlichen“ bildhauerischen Arbeit als Vorlage fungierte. Möglichst viele Facetten dieses weiten Feldes zu beleuchten, ist Ziel der Ausstellung.

Als Motiv für die Einladungskarte dient eine Arbeit von Eduardo Paolozzi. Das „Berlin“ betitelte Blatt liest sich wie die Partitur einer Stadtrundfahrt: Der städtische Raum löst sich auf in einer persönlichen, skripturalen Abfolge sinnlicher Eindrücke all dessen, was dem Künstler auf seinem Weg begegnet ist.

Im August ist die Galerie geschlossen.
 

Ronald Noormann

Ronald Noormann

Zeichnungen

23.03.2012 - 05.05.2012
Ronald Noormann, o.T., 2011, Kohle auf Papier, 24 x 32 cm

Von jeher sind es der tiefe Horizont einer lichtdurchfluteten Landschaft und der ordnende Eingriff des Menschen mittels des rechten Winkels, welche die Kunst Hollands geprägt haben. Vor diesem Hintergrund erschließt sich das Werk des
1951 in Hilversum geborenen Ronald Noorman. Dabei widerspricht dem klaren, kalkulierten Strich die Rohheit, mit welcher er gesetzt ist. Ein Ausgleich, eine Balance entsteht also nicht nur aufgrund der ungewöhnlichen Verteilung der zeichnerischen Elemente im Blatt, sondern auch rein durch die Art und Weise, wie Noorman den Strich aufträgt. Der Ausdruck ist nicht gezähmt, aber in geometrische Formbezüge eingebunden. So baut sich ein zeichnerisches Konstrukt auf, das einerseits aus freier künstlerischer Erfindung gespeist wird und andererseits ein tiefes Wissen um die eigene kulturelle Bedingtheit in sich trägt.

Ronald Noorman studierte von 1974–1978 an der Gerrit Rietveld Academie, Amsterdam. Er lebt und arbeitet in Amsterdam.

Zahlreiche Ausstellungen belegen den hohen Stellenwert des Künstlers:
De Pont Museum, Tilburg; Galerie Werner Klein, Köln; Galerie Bismarck, Bremen; Galerie Nouvelles Images, Den Haag; Wetering Galerie, Amsterdam; Galerie Inga Kondeyne, Berlin; Galerie William Wauters, Oosteeklo; Gallery Lasés, Art Paris.

Ronald Noorman ist mit seinen Arbeiten unter anderem im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Graphischen Kabinett des Rijksmuseums, Amsterdam, im Franz Hals Museum, Haarlem, im Museum Folkwang, Essen, und in vielen anderen öffentlichen Sammlungen vertreten.

Eröffnung am Donnerstag, den 22. März 2012 ab 18.00 Uhr am Odeonsplatz 16
Dauer der Ausstellung: 23. März – 5. Mai 2012
Geschlossen wegen der ART COLOGNE von 14. bis 21. April 2012

Bitte beachten Sie, dass einige Werke Ronald Noormans auch an unserem Stand auf der ART COLOGNE zu sehen sein werden (18.–22. April, E 38, Halle 11.2, Standtelefon 0151-11614874).
 

Karl Schleinkofer

Karl Schleinkofer

Zeichnungen – ein Überblick

17.02.2012 - 17.03.2012
Karl Schleinkofer, Ohne Titel, Pastellkreide und Bleistift auf Papier, 2010, 68 x 52 cm

Versucht man sich den Arbeiten von Karl Schleinkofer beschreibend zu nähern, entsteht geradezu eine Kluft zwischen der Einfachheit der zeichnerischen Mittel und den komplexen, immer wieder überraschenden, höchst differenzierten bildlichen Ergebnissen. Unzählige, meist parallel geführte Striche setzt er unnachgiebig neben- und übereinander, wobei die Impulsivität der Hand immer wieder zu Abweichungen führt. Linien verdichten sich, rhythmisieren den Bildraum. Sie bilden schließlich eine Art Epidermis, die je nach Malmittel eine schillernde (Graphitstift) oder fettige (Pastellkreide), in jedem Fall aber stark belebte Oberfläche erzeugen. Schleinkofer gelingt in seiner Arbeit das Paradoxon, das Schwarz zum Leuchten zu bringen. Er kehrt die traditionelle Funktion dieser Farbe um. Wenn er weiße Pastellkreiden benutzt, bedient er sich im Prinzip desselben Verfahrens nur mit entgegengesetztem Vorzeichen. Weiß als das Aufhebende, Lichte konkretisiert sich als Linie.
Angefüllt und erfüllt sind die Arbeiten mit dem Thema der Verflechtung, der Überblendung, der Komplexität einer inneren Schau. Sie eröffnen den Blick auf eine Welt, in der andere Gesetzte herrschen. Einfache, ästhetische Kausalitäten greifen nicht. Schleinkofer hebt diese andere Welt in unser Hier und Jetzt. Sie wirkt vertraut.
 

Formes

Formes

Jean Fautrier

25.11.2011 - 14.01.2012
Jean Fautrier, Nue alongée,
Tinte und Chinatusche auf Japanpapier, 1944, ca. 26 x 32 cm