Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Galerie Francoise Heitsch

Amalienstr. 19 • 80333 M
Tel. +49 89 48 12 00 • Fax +49 89 48 12 01
www.francoiseheitsch.defheitsch@francoiseheitsch.de
Mi–Fr 14–19 • Sa 12–16

Amalienstr. 19
80333 München

Laufende Ausstellungen

Nikos Alexiou

Nikos Alexiou

The End

09.09.2017 - 21.10.2017
Im Jahr 1995 kehrte Nikos Alexiou (*1960 Rethymnon / † 2011 Athen) erstmals in das Kolster Iviron auf dem Berg Athos ein. Er begab sich dorthin, um die Zeichnungen des Mönchs Vasily Grigorovich Barsky aus dem 18. Jahrhundert zu studieren. Als er dort ankam, war ihm noch nicht bewusst, dass er fünf Monate bleiben würde, und dass ihn das marmorne Bodenmosaik aus dem 11. Jahrhundert noch mehr als die Zeichnungen fesseln würde. Ab diesem Zeitpunkt setzte er sich akribisch mit dem byzantinischen Mosaik auseinander. Alexiou kehrte noch einmal im Jahr 2000 zurück auf den Berg Athos, um sich nun ausschließlich und intensiver mit dem Bodenmosaik auseinander zu setzen und um es in seinen Details zu studieren. Im Anschluss nutzte er alle ihm zur Verfügung stehenden künstlerischen Medien, um neue Arbeiten zu schaffen. In einer täglichen, teilweise meditativen Auseinandersetzung mit dem Muster des Mosaiks, das prinzipiell nur den Mönchen zugänglich war, schuf Alexiou eine Vielzahl an Arbeiten, bei denen er sich der unterschiedlichsten Medien bediente. So zählten Papier, Stoff, Bambus und Stahl zu den Werkstoffen des Künstlers, aus denen er so viel gewinnen konnte. Er übersetzte uns seine Erfahrungen, das was er dort oben erspürt hatte und rettete so ein Stück von dem was damals war in unsere heutige Zeit herüber. Zum Abschluss, ganz am Ende seiner Reise schuf er eine Videoprojektion, bestehend aus einer austauschbaren Matrix, die aus unterschiedlichen Farbkombinationen der Mosaikdetails zusammengesetzt wurde. Diese Fragmente befinden sich in einer beständigen Drehung und stellen variable Gruppierungen von Grundformen euklidischer Geometrie dar.
Auf der diesjährigen Documenta kann man die Videoprojektion gleich im Eingangsbereich des Fridericianum sehen. In der Galerie wird sie in Kombination mit den Digital Prints gezeigt. Das Zusammenspiel von Videoprojektion und Printmedium erzeugt eine großartige Verdopplung der farblichen Vollendung.
Eine Kunst, die an Byzanz knüpft und doch so ganz von heute ist.

Bereits vor 10 Jahren, im September 2007, war die Videoinstallation von Nikos Alexiou in der Galerie Françoise Heitsch zu sehen. Auch bei dieser Ausstellung konnte man einen anderen Teil des Iviron Zyklusses „The END“ im Griechischen Pavillion auf der Biennale in Venedig bewundern. Jetzt, 10 Jahre später, während „The END“ noch auf der Documenta in Kassel zu sehen ist, wo es als digitale Animation auf den Boden des Fridericianum projiziert wird, zeigt die Galerie wieder einen Teil des Iviron Zyklusses, bestehend aus Digital Prints, Bambusarbeiten und einer Videoprojektion.

Nikos Alexiou
The End, Animation Collection
2007
Filmstill

 
 

Kommende Ausstellungen

Susanne Mansen

Susanne Mansen

c'est la vie – Zeichnungen

27.10.2017 - 14.12.2017
Abbildung: copyright Katharina Kreye
 

Vergangene Ausstellungen

Shirin Damerji

Shirin Damerji

Böhmen, Ur und Abraham

29.06.2017 - 28.07.2017
Shirin Damerji
Feder, Tusche, Zeichnung, 2015-2017

 
 

Aliki Palaska

Aliki Palaska

Dwellings and Imprints

11.05.2017 - 24.06.2017
Die griechische Künstlerin zeigt ihre neuen Arbeiten in ihrer zweiten Einzelausstellung in der Galerie.
Die intimen und spärlichen Skulpturen Palaskas konzentrieren sich auf räumliche Relationen, die in ihrer eigenen Spezifität umfangreichere und universalere Themen von Erinnerung, Stille und Fluidität erwecken. Den Eindruck und die Dichte der Materialien charakterisieren nicht nur ihre Skulpturen – u.a. Model of a Hut, Model of plumbing (over my head) und Model of a tap with water flow – sondern auch ein innhaltlich miteinander verbundenes Video mit dem Titel Imprints / No sound (2015),  in dem ein Pianist auf einer Plastilinoberfläche, die den Dimensionen des Pianos ähneln, spielt.
 
Aliki Palaska
Dwelling Model 2
Wood, polyester resin, bark
110 x 30 x 88 cm
 

 
 

Moritz Altmann

Moritz Altmann

Megacities and the old gods

30.03.2017 - 06.05.2017
Moritz Altmann engages in a highly fascinating endeavour set between artistic creation and artistic archaeology, filled with analogies and perhaps also with deliberate coincidences. It is of no surprise, if individual works are evocative of anatomical models, masks, and construction plans of futuristic machines at one and the same time.

 
 

Andrea Hanak

Andrea Hanak

Unter freiem Himmel

02.02.2017 - 25.03.2017
Andrea Hanak
scape 3, 2016
oil on canvas
80 x 69 cm

Unter freiem Himmel ist die erste Ausstellung von Andrea Hanak in der Galerie Françoise Heitsch. Andrea Hanak zeigt Ölbilder, Collagen und weitere Papierarbeiten. Hinzu kommen zwei Bänke, die den Betrachter scheinbar einladen, Platz zu nehmen. Diese Objekte verweigern sich aber einem Gebrauch, den man aus dem Museum kennt. Sie laden vielmehr zu einer Betrachtung ein, die den Titel Unter freiem Himmel anschaulich werden lässt. Die Sitzflächen sind mit Spiegeln belegt, die Seitenflächen bedeckt von der Farbe des Himmels bei Tag beziehungsweise bei Nacht. Bei jedem Blick in einen horizontalen Spiegel erscheinen Oben und Unten vertauscht. Hier stellen sich Oben und Unten, aber auch Licht und Dunkel erweitert dar als kosmische Dualität. Diese Erfahrung wird nicht am Himmel zugänglich, sondern an einem Möbel. Dual sind daher auch Nähe und Ferne. Eine Position, gerne als Sitzplatz belegt, wird entzogen und wieder in Aussicht gestellt.

Die Bank für den Tag steht oben, die Bank für die Nacht unten. Auch wenn der Schauplatz Unter freiem Himmel sein soll, kann Andrea Hanak auf die Form, die die Galerie Françoise Heitsch von sich aus hat, antworten. Ein oberer Raum, der durch das Fenster zur Amalienstraße ganz überblickt werden kann, ist mit einem gleich großen unteren durch eine elegante Treppe verbunden. Tageslicht fällt durch eine Öffnung im Boden am Fenster nach unten. Entsprechend zeigt Hanak oben Ölbilder, unten Collagen. Dazu kommen die Pinselzeichnung Elisabeth, die auf der Einladung abgebildet ist und zwei Blätter, monochrom gelb und rot mit Ölfarbe bemalt und gefaltet. Die Einladung erinnert an den poetischen Kosmos, den Hanak 2005 im Lenbachhaus in München gezeigt hat. Und obwohl die zwei Blätter scheinbar im Gegensatz dazu reduziert und konstruktiv formuliert sind, weist ihre dezentrale Platzierung aus dem Extrem heraus auf diesen Kosmos zurück.

Die verschiedenen Arbeiten sind nicht nur formal, sondern vor allem motivisch verbunden. Sogar die Bänke, die zuerst unpersönlich erscheinen, enthüllen ihre wahre Funktion, sobald sich der Betrachter selbst darin spiegelt. Denn die Motive bleiben Gesicht oder Pflanze auch dann, wenn sie formal als Rund oder Raute und Mandel erscheinen. Wie Worte behalten sie ihren Charakter auch, wenn sie nachhallen oder in Sätze treten, wenn sie dynamisch ausstrahlen von einem Zentrum oder sich in eine Richtung entfalten. Die Verbindung mit den Motiven bricht auch in der Galerie nicht ab. Und die Motive bleiben sogar dann präsent, wenn sie sich so einfach darstellen wie ein Prinzip und so vielfältig wie ein Wörterbuch. Das gelbe Blatt Sonntag, das oben unter der Decke hängt, entfaltet ein Zentrum durch einfache Knicke, die horizontal, vertikal und diagonal die Mitte durchqueren. Dagegen scheinen die Collagen unten das ganze Vokabular vorzustellen, das in den Ölbildern eingesetzt ist.

Der Ort, den Unter freiem Himmel bezeichnet, ist in der Geschichte der Malerei besser bekannt als en plein air. Aber Andrea Hanak malt nicht en plein air. Kein Weg führt aus ihren Bildern zu dem Licht von München oder zu dem Licht von Florenz, wo sich Hanak 2006 in der Villa Romana aufgehalten hat. Es gibt gar kein Licht, das nicht das Licht der Farben selbst wäre. Mit einer Malerei en plein air haben die Bilder nur gemeinsam, dass diese Farben Ölfarben sind. Es gibt die Malerei en plein air nur in wenigen Jahrzehnten vor der Moderne. Aber es gibt immer noch die Vorstellung, dass der Maler beim Frühstück im Freien wirklich zugegen war. Andrea Hanak macht diese Ausnahme zu einer Regel, wenn sie Wirklichkeit und Lebendigkeit mit ihren eigenen Mitteln ins Bild setzt. Daher kann man schon sagen, dass ihre Ausstellung in der Galerie Françoise Heitsch stattfindet wie Unter freiem Himmel.
Berthold Reiß

 
 

CHORA

CHORA

19.01.2017 - 26.01.2017
kuratiert von Benjamin Tillig
mit Arbeiten von Dieter Blum
Jürgen Klauke
Alfons Knogl
Alfred Kurz
Julian Neville
Susanna Schönberg
Anna Virnich
Johannes Wohnseifer

Der Begriff Chora χώρα gelangte in die inhaltlich bereits fast fertige Ausstellung durch einen guten Freund, der sich zu dieser Zeit unterwegs auf der griechischen Insel Lesbos befand. Jene Insel, die in den Wirren der vergangenen zwei Jahre zu einer abendländischen Aussengrenze, einer politischen und humanitären Frontlinie wurde. Im Grunde waren es zwei Begriffe, die wir am Telefon diskutierten, zwischen München und dem randeuropäischen Sandstrand der griechischen Insel: Chora χώρα und Skala Σκάλα. Beide Bezeichnungen werden, vor allem auf den Inseln, alltags- und umgangssprachlich genutzt seit der Antike. Der griechische Begriff Chora χώρα beschreibt die Hauptsiedlung einer Insel. Der Chora χώρα gegenüber steht die Skala Σκάλα, die zur Siedlung gehörende Bucht, der Hafen, eine Öffnung der die Chora χώρα als geschlossener Ort gegenüber steht, der vor Einflüssen von Aussen zu schützen ist.
Die Ausstellung versammelt Werke, die sehr unterschiedlich einer Balance zwischen Öffnung und Abgrenzung, Stabilität und Freizügigkeit nachspüren. Dabei ist sie als sehr persönliche Collage angelegt, einem Gedanken folgend, der eher subjektive Witterung ist als objektive Betrachtung.

Ergänzt wird die Präsentation der Werke durch eine von Künstlern entworfene Aquavit-Bar im Untergeschoss der Galerie. Die Bar ist als Installation inhaltlicher Teil der Ausstellung. Auch der Aquavit, als wichtigstes Getränk der Bar, trägt, in der Tradition seiner Reifung während einer Schiffsreise im Holzfass von Norwegen nach Australien und zurück, die Thematik der gesamten Ausstellung in sich.

 

 
 

Dora Economou

Dora Economou

Mountains and Valleys

10.11.2016 - 22.12.2016
 

Philipp Gufler

Philipp Gufler

Een Gebeuren – etwas, das sich ereignet

09.09.2016 - 22.10.2016
Im Zentrum von Philipp Guflers Ausstellung steht das Schaffen des niederländischen Performance-Künstlers Ben d’Armagnac (1940-1978), das ihn bereits längere Zeit begleitet. Dessen Arbeiten lieferten Gufler den Ausgangspunkt für seinen Beitrag zur Ausstellung „You Must Make Your Death Public“ (2016) am Amsterdamer De Appel Arts Centre, einer Institution, mit der d’Armagnac in den 1970er-Jahren selbst eng verbunden war. Der Titel „een gebeuren“ – „etwas, das sich ereignet“ – verdankt sich einem Ausdruck, den d’Armagnac vor Aufkommen des Begriffs „Performance“ dafür verwendete.
Auf der Eingangsebene der Galerie hat Philipp Gufler mehrere körperhohe Spiegel versammelt, auf die im Siebdruckverfahren drei sich überlagernde, durchscheinende Pigmentschichten aufgebracht sind. Was wir üblicherweise beim Blick in den Spiegel als plane Ebene wahrnehmen, wird durch diesen Eingriff in seiner räumlichen Tiefe erfahrbar. Zwischen der Pigmentschicht auf der Glasoberfläche und der dahinter liegenden Spiegelschicht eröffnet sich ein performativer Raum; die Wahrnehmung bewegt sich unweigerlich zwischen der Konzentration auf das eigene Spiegelbild und der Betrachtung von Farbkompositionen und -auftrag. Das Wechselspiel von Objektivierung – man wird sich im Spiegel seiner selbst als Bild gewahr – und Subjektivierung – die Spiegel werden von je unterschiedlichen Körpern und Individuen bevölkert – zeichnet zahlreiche Arbeiten Guflers aus. Zur Aktivierung dieses Potenzials dient ihm entweder der eigene Körper, oder, wie im Fall der Spiegel, derjenige der Betrachterinnen, deren Präsenz sie erst vervollständigt.
Auch der titelgebenden Videoinstallation „een gebeuren“, die im Untergeschoß der Galerie gezeigt wird, liegen derartige Perspektivwechsel zugrunde. Sie basiert auf Ben d’Armagnacs gleichnamiger Performance im De Appel Arts Centre in Amsterdam am 14. Juni 1975. Für diese hatte sich d’Armagnac in einem von innen weiß gestrichenen Glaskubus von etwa 2x1x1 Meter Größe verschanzt, gemeinsam mit rund 2.000 frisch geschlüpften Fliegen; Zentimeter für Zentimeter begann er, die Farbe abzuschaben und damit das Innere – zumindest teilweise – für die Zuschauerinnen freizulegen.
„All my work has to do with my experience, not with things that happen outside myself.“ Mit diesem Ausspruch formulierte d’Armagnac sein Verständnis von Performance als erfahrungsbasierte, hochgradig subjektive Ausdrucksform, die sich bei „een gebeuren“ als langsame Öffnung eines innerlichen Raums hin auf seine Umwelt vollzog. Gleichzeitig erklärt er seine Ablehnung gegen die Aufzeichnung seiner Performances – weder Fotografie noch Film als von „außen“ dokumentierende Medien schienen ihm geeignet, diese Qualität von Performance zu erfassen.
Ausgehend von rudimentärem Dokumentationsmaterial und Gesprächen mit d’Armagnacs Lebensgefährtin Louwrien Wijers hat Gufler d’Armagnacs Performance rekonstruiert. In seiner eigenen Version von „een gebeuren“, die sich lose an dem oben genannten Ablauf orientiert, erfasst Gufler das Geschehen jedoch mit einer GoPro-Kamera. Statt das langsame Erscheinen einer Person hinter der weißen Oberfläche zu dokumentieren, wie es die Fotografien von 1975 tun, zeigt sein Video den arbeitsamen Prozess des Freilegens und Öffnens aus der Innenperspektive – ein Akt, den Gufler mit der Freilassung der Fliegen am Ende der Performance vollendet, und mit dem er d’Armagnacs Performance fortschreibt. Zugleich macht sein Video deutlich, dass der Glaube an einen Zustand jenseits medialer Erfassung 40 Jahre nach d’Armagnac zur Illusion geworden ist.
Wie schon in anderen Videos, zuletzt in „Becoming-Rabe“ (2016), einer Arbeit über die Münchener Performancekünstlerin Rabe Perplexum, leiht Philipp Gufler Ben d’Armagnac für „een gebeeuren“ seinen eigenen Körper. Er nutzt ihn als Medium, um d’Armagnacs Performancebegriff und die inhaltliche Dimension seiner Aktion für die Betrachterinnen wieder ans Licht zu holen – nicht im Sinn einer detailgetreuen Rekonstruktion, sondern als freie Aneignung, in der sich d’Armagnacs und Guflers Positionen gegenübertreten können.
Diese Form des Bauchrednertums oder der „indirekten Sprache“, wie Gufler es in dem Video nennt, führt zur Dislokation der eigenen Subjektposition. Seine künstlerische Praxis konfiguriert sich spektral, mit und durch andere Personen und Haltungen. Dafür stehen exemplarisch die verschiedenen Quilts, mehrlagige Stoffe, die für ihn relevanten Persönlichkeiten und Orten gewidmet sind. Mit diesem Spiegelkabinett an Bezugspunkten widerspricht er dem heteronormativen Anspruch einer künstlerischen „Identität“. Im Sinne Hubert Fichtes (dem er 2013 seinen ersten Quilt widmete) beschreibt Gufler die indirekte Sprache als „queere Praxis“. Statt die eigene Position in den Vordergrund zu stellen, wählt er seine Ausdrucksweise in Resonanz mit dem Gegenüber. Und so wird Subjektivität bei Gufler zu „etwas, das sich ereignet“.
Patrizia Dander

Philipp Gufler
Een gebeuren
Performance am 2. Juni 2016 im de Appel art center, Amsterdam
Foto: Evelyn Taocheng Wang

 
 

Antje Zeiher

Ahoi

09.06.2016 - 16.07.2016
 

Yasemin Nur Erkalir

Yasemin Nur Erkalir

Was fehlt dir?

07.04.2016 - 14.05.2016
Yasemin Nur, Untitled, 2016

Was kommt zuerst?
In Zeiten, in denen Alles zu kurz kommt, in denen die zwei Enden sich nie treffen wollen. Wie kann man sie zusammenfügen? Damit sie sich treffen!
Wenn sich Treffen sogar Trennung bedeutet.
Wie können wir damit umgehen? Was ist auf meiner Habenseite?
Kann man mehr als eine Bedeutungsebene erlangen?
Es war einfacher den Mythen neue Elemente hinzuzufügen, als die Anzahl der Elemente zu dezimieren.
Für die Tradition reichte die Zeit nicht aus um für die nächsten Generationen die Essenz aus dem Inhalt heraus zu kristallisieren. Sie hätten mehr Raum gebraucht um über mehr Material zu verfügen.
Man braucht für die Evolution das Akkumulieren, das Ansammeln.
Ich stelle ganz traditionsbewusst Kati (Osmanische Scherenschnitt Handwerke) her. Und gleichzeitig folge ich dieser Resonanz in meiner täglichen Produktion.
Das Ergebnis ist das Spannungsfeld zwischen der Osmanischen Papierschneidekunst und den Fragmenten des täglichen Lebens, welche ich in meine Kunst transformiere. Beide veredeln einander.
Das sind die zwei Enden die zueinander wollen, die Tradition und die Kunst.
 

Klaus vom Bruch

Klaus vom Bruch

Aus dem Leben einer Luftschlange

04.02.2016 - 19.03.2016
Fotografie, Video und Buchpräsentation

Das Buch  "aus dem Leben einer Luftschlange" ist eine Akkumulation fröhlicher Geistesblitze. In der neuen Ausstellung von Klaus vom Bruch bei Françoise Heitsch sind Fotoarbeiten zu sehen, die aus der Arbeit am gleichnamigen Buch heraus entstanden sind. "Kinder des Olymp" ein Zyklus, der die sogenannte Künstlerboheme der 70er Jahre als ethnographisches Feld untersucht und feiert.

Klaus vom Bruchs neue Fotoserie „Invisibles“ spielt mit dem Bezug fotografischer Zeichen zur Wirklichkeit und den Textideen des französischen Schriftstellers und Komikers Alphonse Allais.

Fotografische Bilder, als indexikalische Zeichen par exellence rufen im Gegensatz zu ikonischen Zeichen keine visuellen Assoziationen hervor, sondern stimulieren unmittelbare Vorstellungen, in diesem Fall durch einen Satz, der mit einem anderen Zeichen, hier dem fast unsichtbaren Bild, graphisch verknüpft wird, in Analogie zu dem entsprechenden Bedeutungsaspekt dieses Zeichens, gedanklicher bzw. gegenstandsbezogener Aussagen. Der Interpretant, der erst im jeweils aktuellen Zeichenprozess konstituiert wird, entscheidet, welcher Bezug aktualisiert wird.

Für den an semiotischen Dreiecken weniger Interessierten hängt dagegen nur eine weiße, quadratische Fotografie mit einer separaten Textzeile an der Wand. Das Format erinnert an ein übergroßes Polaroid. Mit dem gelesenen Text im Kopf erkennt der Betrachter durch eigene Bewegung das allein durch den Aufdruck einer Glanzverstärkung erscheinende Bildmotiv. Assoziationen und Erwartungshaltungen konfigurieren das Gesehene und den Bildwitz.

2015 wurde bei der Untersuchung des schwarzen Quadrats von Kasimir Malewitsch eine Aufschrift auf der untersten Malschicht entziffert, die sinngemäß bedeutet „Schlacht von Schwarzen in einer dunklen Höhle“. Ein entsprechender Text soll dem weißen Quadrat zugrunde liegen: „Erstkommunion anämischer, junger Mädchen im Schnee“.

K.v.B., Januar 2016
 

Ergül Cengiz feat. Moritz Altmann

Ergül Cengiz feat. Moritz Altmann

Flat Line

22.10.2015 - 19.12.2015
Ergül Cengiz, o.T., 2015

Wie lässt sich Malerei im Bewusstsein ihrer Geschichte für die Gegenwart formulieren? Diese Frage begleitet das Werk der Künstlerin Ergül Cengiz kontinuierlich: Obgleich sie sich mit ihren Stillleben und Landschaften innerhalb klassischer Genres der Malerei bewegt, lässt sich für ihre Arbeit kaum der Terminus der Tradition bemühen. Der freien Geste des Farbauftrags setzt sie die strenge Form des Ornaments entgegen; Abstraktion und Figuration stehen in einem produktiven Dialog. In ihrer neuen Serie FLAT LINE (2015) formalisiert Cengiz Landschaft: Ein heller Himmel erstreckt sich über sattem Grün. Die feine Horizontlinie durchzieht jede der unterschiedlich großen Leinwände, deren Anordnung an eben jener Geraden orientiert ist. Wie bei einem medizinischen Elektrokardiogramm schlagen die grünen Flächen nach unten oder oben aus, so als spiegelten sich einige der Landschaften im Wasser. Die Formen von Bäumen und Büschen sind nur angedeutet und suggerieren eine Wiedererkennbarkeit, die eigentlich nicht vorhanden ist. Der Horizont ist ein klassisches Ordnungsprinzip der Landschaftsmalerei und der Seestücke. Cengiz‘ Landschaften verweisen auf Ausblicke und das Sehen über Land bis zur fernen unbebauten Linie, an der Erde und Himmel aufeinander stoßen. Der Horizont ist damit nicht nur eine Begrenzung des sichtbaren Raums über der Erde. Er ist auch nicht allein kompositorisches Mittel, das den Bildraum organisiert. Die Horizontlinie ist ganz maßgeblich auf das blickende Individuum bezogen. Dabei simuliert Cengiz in ihren Landschaften nicht die Illusion von Weite, sucht kein mimetisches Aneignen von Natur, sondern verfremdet, indem sie die Formen reduziert. Der Farbauftrag ist pastos und entfaltet als Malerei wiederum eine körperliche Anmutung. Über die Bildfläche legen sich überdies ornamentale Strukturen. Cengiz bringt damit eine klassische Bildgattung der westlichen Malerei zusammen mit dem Muster (islamischer) Ornamente.
Der Horizont als Pulsschlag verweist dabei auf das Motiv der Endlichkeit in einer unendlichen Landschaft. Denn die Nulllinie steht als Asystolie für das Ende der Herzaktion. Wie in vielen ihrer Arbeiten spielt Cengiz hier allerdings mit einer Mehrdeutigkeit von Titeln: das englische „flatline“ heißt sterben, aber auch stagnieren, kann also für das Ende des Lebens ebenso stehen wie für die Pause oder das Innehalten.

In FLAT LINE lösen sich die Grenzen zwischen Ornament und Landschaft auf, ebenso die zwischen Muster und Malgrund. Damit geht es in Cengiz‘ Arbeiten weniger um ein Entweder-Oder, auch nicht um ein Dazwischen, sondern um das kreative Potenzial scheinbar kontrastierender Elemente im Bild. Die Arbeiten von Ergül Cengiz lassen sich dabei in eine umfassendere Wiederentdeckung des Ornaments in der zeitgenössischen Kunst einordnen; dies lässt sich beinahe als späte Antwort auf die Ornamentfeindlichkeit der modernen Architektur und Architekturtheorie lesen – verwiesen sei hier auf Adolf Loos‘ weithin rezipierten Text „Ornament und Verbrechen“ (1908). Ergül Cengiz bedient sich in ihren Bildern unter anderem dem kristallinen Girih-Muster, das aus einer vielfältigen Kombination von fünf geometrischen Mustern wie Zehneck, Sechseck, Fünfeck, Rhombus und Fliege besteht, die nach mathematischen Prinzipien kombiniert und unendlich erweiterbar sind. Girih findet sich in der Geschichte islamischer Buchmalerei ebenso wie im Kunsthandwerk und in der islamischen Architektur. Dabei wird das Muster mit Schablonen auf die Leinwand aufgetragen, oder aber es wird aus Papier oder Folie selbst zum Teil einer raumgreifenden Installation. Doch auch die Romantik bildet einen Bezugspunkt für die aus Papier gearbeiteten Scherenschnitte der Künstlerin. Ihre Arbeiten berühren dabei konsequent Fragen nach Herkunft von Ikonografien, Motiven und Techniken.
Burcu Dogramaci
 

Gözde Ilkin

Gözde Ilkin

Kara Mülk/Stained Estate

11.09.2015 - 17.10.2015
Gözde Ilkin
Hush Money (Detail), 2015
bestickter, gefundener Stoff mit Rostflecken
124 x 183 cm

Im November 2014 zog ich in eine Wohnung in Downtown Istanbul mit Blick auf das Taksim Notfallkrankenhaus, ein Bauwerk mit einem Gedächtnis älter als die türkische Republik. Der Abriss begann im Zuge der „Renovierung“ zwei Wochen nachdem ich eingezogen war. Gebäude und Abriss wurden für mich ein Ereignis, das in meiner Wohnung stattfand. Ein Schauspiel dem ich permanent ausgesetzt war. Vier Monate lang habe ich dieses Abrisspanorama auf Film festgehalten.

Das Krankenhaus, der Ort für Geburt und Tod wurde zum „Ground Zero“. Ich dachte an Phantomschmerzen, den Schmerz eines Schnittes, der ein Körperteil entfernt und ich beobachtete mich dabei, wie ich über die Intensität der Schmerzen nachdachte, die unserer Erinnerung zugefügt werden, wenn uns bekannte Orte durch Renovierungen abgerissen oder verändert werden. Omut Yildirim schrieb die Geschichte „Rost“. Mich inspirierte, wie Rost Metallgegenstände befällt und zerstört. Rost wurde meine Malfarbe die zugleich Symbol für Abriss/Krankenhaus/Verlust war.

Ich fing an mit dieser Idee zu experimentieren und auf einem mit Rostflecken beschmutzten Stoff zu malen und zu nähen. Videoaufnahmen vom Abriss werden diese Arbeiten begleiten.
 

Susanne Pittroff & Lila Polenaki

Susanne Pittroff & Lila Polenaki

a two-way thing

16.07.2015 - 01.08.2015
Li.: Lila Polenaki, Metaxi, 2011
Re.: Susanne Pittroff, Einräumen, 2014

In der neuen Ausstellung der Galerie werden die Künstlerinnen Lila Polenaki und Susanne Pittroff gezeigt. So unterschiedlich die Arbeiten der Künstlerinnen auf den ersten Blick auch sein mögen, eint sie doch ihre Affinität zur Objekthaftigkeit und zur Form.
Die Athenerin Lila Polenaki ist mit mehreren kleinen Arbeiten vertreten. Trotz der geringen Größe ziehen die Arbeiten den Betrachter in ihren Bann. Die Arbeiten entsprangen direkt aus dem Kosmos der Künstlerin und dieser Vorgang hat ihnen eine sagenhafte Vitalität verliehen. Der Betrachter baut eine Beziehung zu ihren Arbeiten auf, denn sie erinnern an das Vergangene.
Die Formen, die bei Polenaki im Bild festgehalten sind, werden bei Susanne Pittroff zu dreidimensionalen Objekten, die in eine Relation mit der sie umgebenden Architektur treten.
Die kreisrunden Objekte von Susanne Pittroff wirken wie farbige Rauminseln und verweisen in ihrer Gestalt auf ephemere Räume, die sich mit Themen wie Verfügbarkeit, Einfriedung und Ausgrenzung auseinandersetzten. Pittroff setzt minimalistische Mittel ein, um alltägliche Ordnungs- und Ortungsanweisungen zu reflektieren.
Stoffe und Muster setzen sich bei Polenaki durch. Bei Susanne Pittroff ist die Form und die Farbe das Wesentliche und wie sie den Raum verändert und unsere Wahrnehmung des Raumes. Es sind zwei verschiedene Welten, die sich gegenseitig stärken.
 

Christina Calbari

Christina Calbari

Suspended

07.05.2015 - 26.06.2015
Christina Calbari
Nest/Falle, 2014
Aquarell auf Papier
42 x 30 cm

Françoise Heitsch zeigt in der Ausstellung „Suspended“ von Christina Calbari (* 1975) Zeichnungen, die um das Thema unserer dunklen und nicht verarbeiteten Kindheit kreisen. Die Bilder behandeln existentielle Themen, in denen Calbari mit einer scheinbaren Naivität versucht, das Trauma, die Angst, den Druck und den Zwang aufzulösen.

Die enigmatischen Bilder Calbaris vermitteln uns eine vertraute Vergangenheit, die aber gleichzeitig seltsam anmutet. Hier wird der Betrachter mit dem privaten Geflecht seiner Erinnerungen konfrontiert. Die zärtlichen und oberflächlich lustigen Darstellungen verstecken die verzweifelte Spannung der Gefühle der Kinderpsyche. Wir werden bei den Arbeiten von Calbari mit einem Geschöpf konfrontiert, das aussieht wie ein Kind, aber in Wirklichkeit ist es ein uns fremd gewordener Teil unseres eigenen Ichs, das wir unterdrückt haben. Ein einsames Ich, zerdrückt vom Gewicht der kindlichen Apathie, die es immer noch mit sich trägt. Calbaris Bilder stellen immer diese doppelt Erfahrung der Wirklichkeit dar: hinter der Freude wartet die Angst, die scheinbare Freiheit wird durch Regeln vereitelt, in den Windungen der Unschuld wartet die Gefahr. Und die Anpassung an die Gesellschaft scheint unvermeidbar.

Im oberen Stockwerk der Galerie entfaltet sich ein buntes Weltgeschehen, das Aquarellzeichnungen von Mädchen auf Papier zeigt. Diese kleinen Wesen verhalten sich seltsam, als würden sie unerwarteten, psychisch belastenden Situationen ausgesetzt sein: Sie schweben, treten in Gruppen auf, geraten in Fallen und oft zerstören sie sich selbst.
Diese bunten Arbeiten sehen beim ersten Blick sehr leicht aus, aber betrachtet man sie genauer, entpuppt sich ein existentieller Trugschluss. Diese kleinen Mädchen sind der Spielball einer andauernden Spannung. Sie sind gekennzeichnet durch ihre Ängste und die ausweglose Situation ihrer Existenz. Sie verstecken mit ihren Zöpfen ihre Gesichter, da sie Scham empfinden, weil sie im Kollektiv Zeugen ihrer verletzten und missbrauchten Kindheit geworden sind.

Im unteren Geschoss der Galerie werden ältere Arbeiten (Still life 2006) und übermalte Fotografien (Unfolding absence 2010) gezeigt. Beide Serien basieren auf einem früheren Werbeprospekt eines Mädcheninternats des letzten Jahrhunderts.
Die Serie „Still life“ zeigt Kohlezeichnungen auf Papier. Gesichtslose Mädchen agieren innerhalb einer Gruppendynamik in der Natur. Sie befinden sich an einem farblosen, nebligen Ort, ein Ort an dem die Zeit stehen geblieben ist. In dieser Serie ist die zum Stillstand gekommene Natur gleichzusetzen mit den gespenstischen Kindern, die aus der Dunkelheit entgleiten, gezeichnet von einer existentiellen Angst.
Die Zeichnungen bestehen aus aufeinanderliegenden Lagen. Sie hinterlassen
Spuren der Verwüstung, die das Fließen der Zeit unterstreichen.
In der fotografischen Reihe „Unfolding absence“ werden die Mädchen auch als schmückende Elemente genutzt, ähnlich wie die schönen Rahmen der gezeigten Fotografien. Die Künstlerin hat diese Internatsfotografien mit schwarzer Tinte übermalt. Hierbei handelt es sich um einen Versuch, das hervorzuholen, was hinter der verschönernden Fassade versteckt ist: weinende Gesichter und Körper die leiden. Die Schatten der Kinder entgleiten den Fotografien um diese Räume durch ein Verflechten von Realität und Fantasie erneut zu bewohnen.
 

Christopher Cozier

Christopher Cozier

Gas Men

19.03.2015 - 01.05.2015
Christopher Cozier
Gas Men, 2014
Videostill

Françoise Heitsch freut sich Gas Men, Christopher Coziers erste Einzelausstellung in ihrer Galerie, präsentieren zu dürfen. Die Ausstellung wird am Donnerstag den 19. März um 19 Uhr eröffnet und zeigt eine neue Video Installation die von Zeichnungen begleitet wird.

Christopher Cozier, der in Port of Spain, Trinidad, lebt, ist ein renommierter Künstler, Autor, Kurator und Kulturförderer. Seit über 25 Jahren verschreibt sich Christopher Cozier den Parametern der zeitgenössischen karibischen Kunst und versucht ihre angrenzenden Diskurse zu erweitern. Er hat wesentlich zu dem karibischen Journal Small Axe beigetragen, das auch als Plattform zur Förderung kritischer Diskussionen und der Kreativität dient. Auch als redaktioneller Beistand für die Ausgaben von Americas (2003, 2004 und 2005) des Bomb Magazins, und als Beistand für das kuratorische Team des SITE Santa Fe (2014), war er tätig. 2006 hat er Alice Yard mitbegründet – ein Raum in dem sich Musik, Kunst, Performance und Dichtung zu einem dynamischen Mix an kreativer Improvisation und kreativem Austausch vermischen. Zusätzlich umfasst es ein internationales Künstlerresidenz-Programm, eine blühende Musikszene und regelmäßig stattfindende zeitgenössische und experimentelle Ausstellungen. 2013 wurde er für seine fortlaufenden Bemühungen, karibische Kunst, innerhalb sozialer Kontexte fest zu konstituieren, mit dem Prince Claus Award ausgezeichnet.
Christopher Coziers Arbeit befasst sich mit unterschiedlichen Medien, u.a. mit Zeichnungen, der Drucktechnik, Ton, Video und Installation. Seine Arbeiten wurden in der Karibik und weltweit umfassend gezeigt. In folgenden Ausstellungen waren seine Arbeiten zu sehen: The Havana Biennial (1994 und 2000); Equatorial Rhythms im The Stenersen Museum (2007); Triennial Poli/Grafica de San Juan: America Latina y el Caribe (2009); Afro Modern: Journeys through the Black Atlantic im TATE Liverpool (2010), The Global Africa Project im The Museum of Art and Design, New York (2010-2011), Being an Island im DAAD Berlin (2013), In Development, eine Einzelausstellung in den David Krut Projects, New York (2013) und The Arrest: Hands Up, Hand Out in Verbindung mit Art Basel Miami Beach (2013). Zeichnungen der Austellung The Arrest wurden zur ursprünglichen Inspirationsquelle für die Videoinstallation Gas Men.

Christopher Coziers visuelle Sprache befasst sich sowohl mit persönlichen und kollektiven Erfahrungen, als auch mit strikt festgelegten formellen Aspekten. Allgemein gesehen erforscht Coziers Arbeit den problematischen Raum, der nach der Unabhängigkeit Trinidads geschaffen wurde. Er thematisiert die Denkbilder jener Machtsymbolik, die sich ändern und dennoch bestehen bleiben. Zusätzlich enthüllen seine Arbeiten komplexe Narrative ökonomischer und gesellschaftlicher Entwicklung sowie das Verschwinden von Geschichte und Kultur initiiert durch kommerzielle Expansion. Ein Leitfaden, der sich durch Christopher Coziers Karriere zieht ist das Engagement in gerade diesem anhaltenden kritischen Diskurs, welcher sich folglich auch solide in seinem visuellen Vokabular verankert hat. Die offengelegten Narrative enthüllen die Grenzen, die Möglichkeiten, das Scheitern und die Erfolge der zeitgenössischen karibischen Kunst – er zerlegt sie, entreißt sie ihrer Wurzeln, verteilt sie weltweit und bringt sie dann zurück in die Karibik.

Gas Men ist exemplarisch für diese Herangehensweise. Die Arbeit erforscht die aktuelle ökologische und sozialpolitische Problematik, die durch kommerzielle Expansion und politischen Opportunismus, repräsentiert wird. Gas Men wirft mit sehr einfachen und dennoch visuell direkten Mitteln Fragen auf, welche die Rolle Trinidads als Ölwirtschaft betreffen. Obwohl am Michigansee gedreht wurde könnte das tatsächlich gefilmte Material überall entstanden sein – in Venezuela, Nigeria, Mexiko oder eben in Trinidad. Zwei Männer in Geschäftsanzügen die gegen einen tiefgrauen Himmel gefilmt wurden, spielen im typischen Cowboy-Stil mit Zapfpistolen und Schläuchen. Das stellt Assoziationen zu imaginären Lassos und Pistolen her und stärkt somit auch das Gefühl einer unmittelbar bevorstehenden Gefahr oder Bedrohung. Das Video wird von einer musikalischen Untermalung begleitet die in Alice Yard aufgenommen wurde. Sie unterstreicht den extremen Kontrast zwischen dem visuellen Rahmen und dem kritischen Inhalt des Films. Das hypnotisierende Klangbild des Liedes und der Musik wird immer wieder durch den verstörenden Klang von Sirenen unterbrochen, um sicher zu stellen, dass jene harschen Realitäten, welcher der Arbeit zu Grunde liegen, nicht vergessen werden.
Selene Wendt
 

Aliki Palaska

Breathing Space/Broken Identities

15.01.2015 - 14.03.2015
Aliki Palaska zeigt in dieser Ausstellung drei Werkgruppen, Breathing space, Scherenschnitte und Broken identities.

Letztere, die gebrochenen Identitäten, setzen sich aus gebrochenen Porzellanteilen zusammen. Wir sehen einen ernst blickenden Beethoven mit Flügeln. Er steht auf Porzellantrümmern. Überhaupt, alle Figuren kämpfen mehr oder weniger mit ihrem Gleichgewicht, und gleichzeitig auch mit ihrer Rolle, die ihnen durch ihre Taten und Funktionen über Jahrhunderte hinweg zu eigen wurde. Die neuen Kontexte, in die Palsaka die Figuren setzt und die damit einhergehende Verwandlung machen sie allerdings menschlicher.
Die zweite Werkgruppe Breathing space zeigt am menschlichen Leib geformte Gipsbäuche. Modell waren hierfür unterschiedliche Personen. Diese Fragmente des menschlichen Körpers entwickeln eine starke Wirkung auf den Zuschauer, da mehrere in einer Reihe aufgestellt sind.
Ihre an alte griechische Torsos erinnernde Nacktheit gibt ihnen eine zusätzliche Bedeutung, sie wirken archaisch und selbstverständlich.
Die dritte Werkgruppe sind Scherenschnitte. Zwei sollten erwähnt werden:
Das Waisenhaus auf der Prinzeninsel vor Istanbul, und ein Paar Schuhe, die eine syrische Frau trug, als sie ihr Land hinter sich ließ. Alte, zerschlissene Schuhe.
Der Scherenschnitt des hölzernen Waisenhauses, welches seit 120 Jahren dem Verfall überlassen ist, gibt den heutigen Zustand des Hauses gefühlsmäßig und authentisch wieder. So wie dieser Scherenschnitt in sich zusammenfällt, so verhält sich auch dieses Gebäude, welches gnadenlos sich selbst überlassen wurde.
Neu zusammengesetzte Porzellanfiguren, Abdrücke von realen Bäuchen und Scherenschnitte: allen Werken ist ein roter Faden inhärent. So nah am Leben wie möglich, le passage du temps, die Zeit wie sie uns langsam an den Kragen geht, behutsam erzählt von Aliki Palaska.
Wir und die Welt brechen langsam auseinander, manchmal gelingt es eine Stelle zu flicken, vielleicht ein tiefes Durchatmen. Ja, so wünscht sie es uns die Griechin Aliki Palaska. Den Verfall durch die Verwandlung aufzuhalten.

 

 

 

 
 

Nikos Arvanitis, Stephan Dillemuth, Anja Kirschner, Karolin Meunier, Zafos Xagoraris

Nikos Arvanitis, Stephan Dillemuth, Anja Kirschner, Karolin Meunier, Zafos Xagoraris

01.11.2014 - 20.12.2014
Zafos Xagoraris
Downhill Talks
Event, Athen, 2013
Die Gruppenausstellung in der Galerie Francoise Heitsch zeigt die Positionen von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus Griechenland und Deutschland. Mittels Zeichnung, Audio, Text, Video und Performance werden private wie öffentliche Räume auf deren kulturelle, historische und politische Narrative hin untersucht – und gestört.
Nikos Arvanitis geht in seiner Arbeit häufig von kulturellen Ereignissen aus, die sich über Chaos und extreme Zustände vermitteln. Dabei beobachtet er die verschiedenen Kräfte, die gegenwärtig soziale Phänomene beeinflussen.
Stephan Dillemuth nutzt seine Optionen als bildender Künstler um in die Sphäre des Öffentlichen zu intervenieren. Im Kontext heutiger Kontrollgesellschaften gelangen vor allem Formen der Selbstorganisation für ihn zu neuer Bedeutung.
Anja Kirschner thematisiert Momente, in denen die Materialität Risse bekommt und politische Transformationen soziale Widersprüche offenbaren, doch ebenso neue Kulturformen und Klassenformationen ermöglichen.
Karolin Meunier untersucht das Verhältnis von Öffentlichkeit und Performer, Subjektivität und Objekt, und wie diese Kategorien in unterschiedlichen kommunikativen Situationen überhaupt erst konstruiert werden.
Zafos Xagoraris testet die Grenzen öffentlicher und privater Räumen: durch Störungen und Hindernisse, durch seine skulpturalen und auditiven Interventionen.
Derzeit arbeiten alle 5 Künstlerinnen und Künstler mit Studierenden der Athens School of Fine Arts und der Akademie der Bildenden Künste München an dem dreijährigen Kooperationsprojekt "Survival Kit", um neue Instrumente für eine kritische künstlerische Praxis in Krisenzeiten jenseits der Institution zu entwickeln.
 

Eleni Mylonas

Eleni Mylonas

The town crier

12.09.2014 - 31.10.2014
Abbildung (Startseite Ausschnitt):

Eleni Mylonas
Untitled#2 (Eleni Arafat)
Digitaldruck, 150 x 112 cm

Die Galerie Françoise Heitsch zeigt die Einzel- ausstellung „The town crier“ mit der griechischen Künstlerin Eleni Mylonas. Die ausgestellten Arbeiten von Mylonas sind von den unkonven- tionellen und improvisierten Kopfbedeckun- gen inspiriert, die die Demonstranten während des arabischen Frühlings auf dem Tahir Platz in Kairo trugen. Fasziniert von den kuriosen Helmen und Hüten die sie im Internet sah, entwarf Mylonas ihre eigenen Kopfbedeckun- gen, die sie in Skizzen festhielt und später zu Leinwandmalereien ausarbeitete. Mylonas erklärt sich solidarisch mit den Demons- tranten, indem sie sich selbst die Kreationen aufsetzt und sich anschließend in Selbst- portraits inszeniert. Durch die unterschied- lichen Rollen, die Mylonas darstellt, zeigt sie sich als Jedermann. Die Serie findet ihren Höhepunkt in dem Video „The town crier“. Die Künstlerin tritt in dem Video mit einer selbst- gemachten Kopfbedeckung und der alten Militäruniform ihres Großvaters auf. Dabei singt sie ein berühmtes griechisches Volks- lied, das aus dem Schattentheater von Kara- giozis ist. In dem Lied wird dazu aufgerufen, dass alle Menschen gegen jede Form der Tyrannei kämpfen sollen.
 

Nikos Alexiou

Nikos Alexiou

Parcours

03.06.2014 - 30.06.2014
Nikos Alexiou
The End, 2007
digital print, 70 x 70 cm

 
 

Nikos Alexiou

Nikos Alexiou

Parcours

03.06.2014 - 30.06.2014
Nikos Alexiou
The End, 2007
digital print, 70 x 70 cm

 
 

Philipp Gufler

Philipp Gufler

Zirkeltraum

03.04.2014 - 22.05.2014
 

Dora Economou

Dora Economou

A modern Hug

23.01.2014 - 29.03.2014
Dora Economou fügt alltägliche, industriell genützte Materialien, Fundgegenstände und Bilder aneinander, fragmentiert, verändert und zeigt diese auf. Als geschulte Malerin, die hier jedoch als Bildhauerin arbeitet, befassen sich ihre Arbeiten mit dem Thema der Repräsentation, mit der Form als Prozess, und dem Raum als Bühne. Die finale Form ist abstrakt oder entwickelt sich häufig zu einem ungenauen Replikat der produzierten Objekte. Ein Prototyp von etwas, das nicht einzigartig ist, eine Kopie von etwas, das nicht existiert, oder etwas Neuem, das aus etwas Altem gemacht wurde. Diese Herangehensweise wirft ontologische Fragen wieder auf, reflektiert Materialität und Immaterialität, Substanz und Flux. Es ist diese Imitation der Imitation, welche, laut Plato, von der Wahrheit zweifach entfernt ist. Sie produziert falsche Fälschungen die letztendlich wieder zu Originalen werden. Der stetige Wiederholungsprozess und die Produktion durch endlose Reproduktion nähern sich dem Ursprung der anfänglichen Geste an. Es sind die aufgezeigten Qualitäten der einzelnen Komponenten, die Dora Economous Arbeit wirken lässt. Weder die Handwerkskunst noch das Nutzen des Readymades stehen auf dem Spiel – es ist die Neuinterpretation des Sehens und des Kreierens, die Neuerfindung einer Funktion, die im Mittelpunkt steht. Dieser umgekehrte, selbstreflektierte, fast kontraproduktive Produktionsprozess stellt zum einen den Nutzungswert von Arbeit und Freizeitangebot und zum anderen die Künstlerin und den Betrachter als Produzenten und Konsumenten in Frage.
(Auszug aus einem Text von Galini Notti)
 

Elias Kafouros

Elias Kafouros

The image is Unsustainable

07.11.2013 - 21.12.2013
Aussagen eines kosmischen Bewusstseins sind verwoben in den Referenzen und dem Vokabular von Massenmedien. Elias Kafouros’ (geb. 1978) fein detaillierte Kompositionen zeigen Figuren wie Gurdjieff, den Kapitän der Titanic (!) und den Oberst Gaddafi (!!), die mit Feder und Tinte in Mandalas verflechtet sind, die sowohl der tibetischen Tanga Malerei ihre Existenz verdankt, als auch den Novellen von Douglas Adams und William Gibson.
Können gemalte Werke, die in einer Galerie hängen, in eine temporäre autonome Zeit umgewandelt werden, welche die ermüdende oder zynische Realität unserer Zeit überschreitet?
Kafouros zeigt eine enge Verbindung zu dem Malstil der kalifornischen Schule (Joe Coleman, Robert Williams, und dem Juxtapoz magazine). Er teilt die Nach-Hippie Schwärmerei mit einigen seiner Repräsentanten. Während er dieses tut, stellt er diesem Malstil eine planetarische Größenordnung entgegen und eine beispiellose Religiosität, während die kalifornische Schule sich mehr mit den ‚Hollywood-Elementen’ beschäftigt.
Zu einer Zeit, in der die berühmtesten Künstler seiner Generation ein Doppelleben führen, in denen sie sich der ‚street art’, dem neuen Medienliebling, verpflichten und qualitative Avantgarde Kunstwerke für große Galerien fertigen, hat Kafouros sich nicht beirren lassen und ist einer Maltradition treu geblieben, welche seltsamerweise klassisch und futuristisch zu gleich ist.
Nach einiger Zeit in der Wildnis, zeichnend, malend und insbesondere gestaltend, hat sich Kafouros einer kritisch genauen Prüfung unterzogen und sich diesmal, in einer karikierenden Pop Gestalt wieder gefunden. Auch wenn zwei Jahrhunderte der Fotografie die Darstellung bedeutungslos gemacht haben, so bleiben die alten Vorbehalte doch bestehen. Aus dem selben Grund ist wohl auch Kaforous Werk, dessen figurative Elemente sich im unendlichen Raum ausbreiten, gegen diese Art der Kritik immun; ähnlich wie die östliche Kunst.
Obgleich seine Werke starke Züge der Meditation und Selbstdisziplin beinhalten, müsste man sie der Kategorie Pop zuordnen.
Jedes einzelne Werk von Kafouros bestätigt einen lang gehegten Verdacht: Der Planet befindet sich in einem seltsamen Wandel. Um die Wahrheit zu sagen, die Wirklichkeit wirkt immer weniger real.
Man bekommt das Gefühl, als würde der Künstler lieber Ende der sechziger Jahre leben wollen, als in unserer zynischen Jetzt-Zeit und uns deswegen mit seinem Werk eine Vorahnung dessen vermittelt, was in der Zukunft alles auf uns zukommen könnte...
Thanasis Moutsopoulos
 

Synthesis

Synthesis

kuratiert von Christina Petrinou

13.09.2013 - 26.10.2013
Abbildung:
Poka-Yio
White Plain Wedding Cake, 2008

In der Ausstellung Synthesis präsentiert uns die griechische Kuratorin Christina Petrinou fünfzehn griechische Künstler, die ihre Arbeiten teilweise im Bezug auf die Tapete von Klaus vom Bruch gestaltet haben, und dabei die Frage des malerischen untersuchen. In dieser Bild-°©‐im-°©‐Bild-°©‐Ausstellung wird eine bourgoise Zeit evoziert, die den White Cube überwindet. Dadurch entsteht in den Räumen der Galerie Francoise Heitsch eine Kulisse, die das spielerische Kräftemessen der Künstler aushalten muss, umso mehr da die Räume durch die Präsenz der Tapete von Klaus vom Bruch geprägt sind.
Lina Bebi, Panos Charalambous, Panos Famelis, Eva Marathaki, Maro Michalakakos, Eleni Mylonas, Aliki Palaska, Nikos Papadopoulos, Tula Plumi, Poka-Yio, Valinia Svoronou, Yiannis Theodoropoulos, Athanasia Vidali, Myrto Xanthopoulou, Ioanna Ximeri, Klaus vom Bruch
 

Klaus vom Bruch

Klaus vom Bruch

Tapete

12.04.2013 - 17.05.2013
Klaus vom Bruch
RAF-Tapete, 2013

Tapeten werden schon seit einigen Jahrhunderten in Räumen auf Wände geklebt. Sie waren Ersatz für einen Mangel an Reisemöglichkeit. Sie sollten vor allem die Interieurs der Bourgeoisie repräsentativ und reizvoll gestalten. Flauberts Madame Bovary umgab sich mit teuren Tapeten und Stoffen, um der Enge ihrer Umgebung zu entfliehen. Überhaupt je reicher der Hausherr, desto üppiger und ausgefallener wurden die Wände. Teure Stoffe mit Goldverzierung wurden ausgelegt, der Ton wurde natürlich von Königen und Prinzen angegeben. Die zwei Weltkriege fegten diesen Wand- und Tapetenkult hinweg. Ab sofort mussten die Wände so weiß, so makellos wie unser Gewissen sein. Unsere Gedanken, unsere Blicke sollten wenn, dann nur auf der Kunst haften bleiben, nichts sollte uns vom Ernst und Verantwortung des Lebens ablenken. Ab und an wagten sich Künstler an das Medium Tapete. So geschah es auch, dass Klaus vom Bruch dem Reiz, den uns umhüllende Intensität einer Tapete unterlag, die er ursprünglich nur für sich, für die Ironisierung seiner eigenen vier Wände entworfen hatte. In dieser Arbeit verbindet er politische und private Gedanken durch rhythmisierte Kontrastierung disparater Topoi und Bilder.
Ähnlich wie in seinen frühen Videocollagen geht er von verschiedenen politischen und gesellschaftlichen Motiven aus. Die RAF-Tapete, die Sade-Tapete und andere erfüllen alle Aspekte einer fröhlichen Ausschmückung und erscheinen im sarkastischen Spiel der Bildwechsel von RAF-Steckbriefen und einer japanischen Übersetzung von de Sades Justine, die zu Klebebildern mit Rosen und Schlafmohn dekonstruiert werden.
So unterhält er uns abwechselnd ,indem er Obsession und Beruhigung gegeneinander ausspielt. Er lässt uns teilnehmen an einer Sehnsucht, die so wieder neu populär wird. Der diskrete Charme der Bourgeoisie wird stachelig und scharf vorgeführt.
 

Ergül Cengiz

Ergül Cengiz

borderlines

20.02.2013 - 20.03.2013
Ergül Cengiz
cicek, 2011
Scherenschnitt Öl auf Papier
100 x 100 cm

Bei ihrer dritten Einzelausstellung in der Galerie Francoise Heitsch zeigt Ergül Cengiz eine Auswahl von Arbeiten, deren Oberfläche durch das Ausschneiden der Konturen der jeweils abgebildeten Gegenstände vielfach durchbrochen ist. Was im gegenwärtigen Kunstjargon auch gerne anglisierend als „cutout“ bezeichnet wird nimmt in den Arbeiten von Ergül Cengiz Formen an, die manchmal an Scherenschitte, aber auch an Spitzenstoffe oder Metallgitter erinnern. Der Schnitt als Grenzlinie des Abgebildeten ist folglich auch namensgebend für die gegenwärtige Ausstellung.
Der Schnitt in die Oberfläche ist der wohl radikalste Schritt zur Herbeiführung einer räumlichen Tiefe im Bild, gleichzeitig bedeutet er aber auch die endgültige Abkehr von der Vorstellung des Bildes als Projektionsfläche für illusionistische Räumlichkeit. Das Bild erscheint nicht mehr als ein durch sein Format begrenztes Fenster, weil die durchbrochene Oberfläche den dahinter befindlichen Raum erfahrbar macht und es in die Objekthaftigkeit überführt.
Das Anliegen, das in den Arbeiten von Ergül Cengiz formuliert wird, ist jedoch nicht einfach nur formalistischer Natur, sondern hat seinen Ursprung in einer autobiografisch begründeten Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Bildauffassungen der zwei Kulturen, in denen sich Ergül Cengiz als Deutschtürkin heimisch fühlt.
Im Zuge dieser Auseinandersetzung kristallisierten sich eine Reihe emblematischer Motive heraus, die entweder stellvertretend für die abstrakt-flächige Bildauffassung des islamischen Kulturkreises, oder aber für die illusionistische Tradition in der europäischen Malerei stehen und in den Bildern der Künstlerin immer wieder neu kombiniert werden.
So wird die abstrakte Flächigkeit ihrer Ornamentbilder immer wieder gestört, etwa indem räumliche Tiefe durch perspektivische Verzerrung des Ornaments angedeutet oder das Ornament durch Zitate aus Stilllebenmalereien, deren illusionistische Plastizität rudimentär erhalten bleibt, durchbrochen wird.
In diesem Sinne sind die neuen Objektbilder von Ergül Cengiz mit ihren durchbrochenen Oberflächen der nächste logische Schritt, der sich aus dem Spiel mit Bildraum und Bildfläche ergibt, indem dieses auf die Präsenz des Bildes als Objekt im Raum erweitert wird.
Moritz Altmann
 

Andreas Savva

Andreas Savva

martyrium – Installation und Objekte

09.11.2012 - 05.02.2013
Andreas Savva
Detail aus
OPEN 2009. Venice.

Die Ausstellung kuratiert Olga Daniylopoulou.

Das Erfassen von politischen Phänomenen und Ereignissen ist ein zentrales Thema im Werk des zypriotischen Künstlers Andreas Savva (1970). In seiner neuesten Installation bei Françoise Heitsch befasst er sich mit der aktuellen Lage in der europäischen Polit-Szene, angeregt durch die Situation um Griechenland. Mit den für ihn typischen Materialien wie Seile und alltägliche Gebrauchsgegenstände verarbeitet er die Zusammenhänge und die gegenseitige Einwirkungen zwischen den Staaten in der europäischen Union. Der angespannte Schwebezustand, in dem sich gegenwärtig die europäische Politik befindet, dominiert auch Savvas Arbeit – 12 Stühle, stellvertretend für die einzelnen Sterne der Europaflagge, werden in ein raumgreifendes Geflecht aus gespannten Seilen eingefasst. Die Sitzmöbel, deren ursprüngliche Funktion Standfestigkeit und Ruhe suggeriert, werden zweckentfremdet, schweben in Ungewissheit, gefangen in einer gefährlichen Lage wie im Spinnennetz. Und genau so mühselig und arbeitsaufwendig, wie die Spinne ihr Netz aufbaut, ist das Aufstellen dieses Werks für den Künstler. Der handwerkliche Akt des Webens und Bindens, der genaue Berechnungen und Messungen erfordert, versinnbildlicht nicht nur den bisherigen Weg der Gemeinschaft, sondern auch die Anforderungen an der Politik bei der Suche nach einer Lösung. Das Konstrukt ist zugleich ein System, in dem jedes Element seinen funktionellen Platz hat und zum Erhalt des gesamten Mechanismus beiträgt.

Ergänzend wird eine weitere installative Arbeit Savvas präsentiert, bei der purpurrote Samtschleifen in einem Stahlrahmen gebunden werden. Hier führt uns der Künstler die Dualität materieller Dinge vor Augen. Der Samt als edler, glanzvoller Stoff ist wunderschön, jedoch nur von Vorne. Seine Rückseite ist karg und unscheinbar gewöhnlich. Mit seinen metaphorischen Parabeln hält Andreas Savva Wahrheiten fest, die im Leben nicht selten hinter dem Glanz einer konstruierten Oberfläche zu schwinden beginnen.
 

Lila Polenaki

Lila Polenaki

Malerei

14.09.2012 - 30.10.2012
Lila Polenaki, Aware, 2011, Mischtechnik auf Leinwand, 160 x 140 cm

Lila Polenaki (*1964) spielt in ihren Arbeiten des Öfteren mit stofflichen Materialitäten, die ihre Malerei zu Collagen formieren. Die Künstlerin integriert die Stofflichkeit aus ihrem Fundus, beladen mit einer ganz eigenen und geheimnisvollen Emotionalität- als ob man den Stoff zu lange versteckt hielt und er nun der Verborgenheit entfliehen kann. Plötzlich entlädt er seine gesamte Farbigkeit, Verletzlichkeit und sein Geheimnis- stellvertretend für das Weibliche, als wären Stoff und Weiblichkeit unzertrennlich verbunden. In einer explosionsartigen Entladung fliegen die Fetzen auf der Leinwand und manchmal bleibt auch nur ein Gesicht übrig, welches man aus einer Teilabstraktion heraus erahnt. Eine Erinnerung, die uns wie im Traum zurückgegeben wird, um sie im nächsten Moment wieder an die Abstraktion zu verlieren. Sinnlich furios und bewegt sind diese Bilder und sie erschüttern uns durch ihre sonderbare Kraft, die sie aus diesem Spiel zwischen Gegenständlichem und Ungegenständlichem gewinnen.
 

Shirin Damerji

Shirin Damerji

Girls from Gazalija

15.06.2012 - 22.07.2012
In ihrer aktuellen Ausstellung zeigt Shirin Damerji Arbeiten, die aus einem Treffen der Künstlerin mit jungen Irakerinnen während ihres Urlaubs 2005 in Jordanien hervorgingen. „Girls from Ghazalija“ ist eine Geschichte, die aus dem Zusammenspiel zwischen der Welt des Offensichtlichen auf der einen und der Welt des Verborgenen auf der anderen Seite entstand.

Anfangs sieht man den Protagonistinnen beim allabendlichen Zurechtmachen zu. Sie kleiden sich an, schminken und frisieren sich. Eine scheinbar gewöhnliche Situation, wie sie sich in gleicher Weise an vielen Orten auf der Welt abspielt. Die dabei entstandenen Fotos durften jedoch auf Geheiß der Frauen nicht öffentlich gezeigt werden: ein Bilderverbot, aus dem die Künstlerin schöpfte, wodurch das erste Kapitel der Ausstellung entstand. Damerji übersetzt die Fotovorlagen in großformatige Graphitzeichnungen. Diese „zeichnerische Strukturen“ (Damerji) formen eine neue Einheit, die autonom ist und zugleich auf ihre fotografischen Wurzeln verweist. Die Werke entstanden aus den Fotos, ohne diese zu kopieren, aber auch ohne die fotografische Herkunft zu verstecken, der Entstehungsprozess kommt eher einer Genesis als einer bloßen Replikation gleich. Bedingt durch die Übertragung in ein anderes Medium ist eine Transformation zu erkennen - die fotografische
Schnappschuss-Realität verschwimmt in Unschärfe und damit verschwindet auch der Anspruch auf
unmittelbare wirklichkeitsgetreue Wiedergabe, den die maschinell abgelichteten Ursprungsbilder
unweigerlich mit sich brächten. Eine Umwandlung, die das Bildmotiv ins Abstrakte führt. Gesten und Blicke, die aus der universellen Ausgangssituation heraus entstehen und auf dem Foto locker und gelassen wirken, verschieben sich und erstarren in der Zeichnung, schwenken um und werden ernst.

Das zweite Ausstellungskapitel bildet ein Video, das die jungen Frauen später am Abend beim Flanieren auf der Promenade zeigt. Hier wird ein gewisser dokumentarischer Ansatz deutlich, der dem Thema und dem Aufbau der Ausstellung zugrunde liegt. Die Mädchen aus Ghazalija, einem vornehmen Bagdader Stadtviertel, das zum Schauplatz des Irakkriegs wurde, machen Urlaub, nehmen eine Auszeit vom Alltag. Doch unter der Oberfläche unbeschwerter Lässigkeit ist die Allgegenwart des Krieges deutlich spürbar. Die Unsicherheit, die Angst und die Gefahr sind stets präsent in Gedanken und Gesprächen.

Die einzelnen Ausstellungsabschnitte sind durch die chronologische Linearität der Erzählung
verbunden und stehen aufgrund ihrer formalen Unterschiede gleichzeitig in einer kontroversen
Relation zueinander. Dieser Kontrast hebt das Spannungsfeld hervor, in dem sich die Arbeiten
bewegen. Somit setzen Damerjis Werke an dem Konfliktpunkt zwischen dem alltäglichen Ereignis und seiner tieferen emotionalen Bedeutung an, also dort, wo die verschiedenen Wirklichkeitsebenen aufeinander prallen.

Im August geschlossen.
 

Misheck Masamvu

Misheck Masamvu

„Menschen dekonstruiert und geflickt“

19.04.2012 - 26.05.2012
Misheck Masamvu, *1980, studierte bei der zimbabwischen Künstlerin Helen Lieros in der Gallery Delta Harare und von 2005 – 07 bei Prof. Jerry Zeniuk an der Akademie der Bildenden Künste München. In der Ausstellung colour africa 2000 in der Münchner Rathausgalerie, die aus der seit 1996 bestehenden Städtepartnerschaft zwischen München und Harare entstand, waren erstmals Werke des gerade erst 20jährigen zu sehen. Damals malte Masamvu Miniaturen, um sie vor seiner Familie verbergen zu können, die gegen eine Künstlerlaufbahn war und ihm Bilder und Malzeug zerstört hatte. Inzwischen hat sich Misheck Masamvu zu einem eigenwilligen und international auftretenden Künstler entwickelt, der im Zimbabwe Pavillon auf der Biennale von Venedig 2011 die Malerei seines Landes repräsentierte. Er gehörte auch zu den Künstlern
der Ausstellung colour africa 2011 in München.

Masamvus jüngste Bilder, die er fast alle für diese Ausstellung gemalt hat, zeigen die Verwüstung, die Gewaltpolitik und Zerstörung sozialer Strukturen im Menschen anrichtet.
Zugleich sind die Menschen in Masamvus meist großformatiger Malerei wieder zusammengefügt und in der Kunst aufgehoben.

Mit seiner Ausstellung in München zeigt Misheck Masamvu,in souveräner Auseinandersetzung mit der europäischen Kunst, an der er sich schulte, die Autonomie von Kunst aus einem afrikanischen Land. Die Galerie Françoise Heitsch feiert mit diesem Künstler und der Zusammenarbeit mit
Kulturallmende und der Stadt München ihr 20. Jubiläum als Münchner Galerie.
 

Ali Taptik, Suat Ögüt, Volkan Aslan

Ali Taptik, Suat Ögüt, Volkan Aslan

10.02.2012 - 14.04.2012
Suat Ögüt, Hello to nationalism, 2012

Die drei türkischen Künstler Ali Taptik (1983, Istanbul), Suat Ögüt (1985, Diyarbakir) und Volkan Aslan (1982, Ankara) setzen sich in ihren Arbeiten mit dem universalen Menschen und seinem spezifischen Umfeld auseinander. Witnessing Negotiation Stability als Konzept der Ausstellung beschreibt das Verständnis der Fotografien von Ali Taptik, der mixed media Arbeiten von Suat Ögut und der Zeichnungen von Volkan Aslan. In dieser Zusammenarbeit konnte man die drei jungen Künstler das letzte Mal in München 2010 in der Gruppenausstellung Cityscale in der Lothringer 13 München sehen. Dieses künstlerische Austauschprojekt zwischen Istanbul und München, u. a. kuratiert von Francoise Heitsch, war offizieller Beginn der fortlaufenden Kooperation zwischen den Ausstellungsteilnehmern aus Istanbul und der Galerie Françoise Heitsch.

Ali Taptik täuscht in seinen Fotografien einen Hang zur Dramatik vor, die auf dem zweiten Blick einer schürfenden Tristesse weicht und sich durch Komponenten wie Lichtführung, Farbigkeit, Thematik und scheinbarer willenloser Inszenierung durch das gesamte Werk Ali Taptiks zieht. Seine Bildwerke werden diese traurige Ohnmacht nicht los – Stille, Offenbarung und Direktheit – seien es Stadtaufnahmen, Objekte oder die Menschen, die uns zum Zeugen des nüchternen Blickes des Fotografen werden lassen. In der Ausstellung konfrontiert uns Ali Taptik mit der Ehrlichkeit. Jedes Bild beschäftigt sich mit einem nackten Menschen, mit der Wahrheit des Menschen, die der Künstler nicht ins rechte Licht zu rücken versucht: Weder Beschönigungen, noch Verschönerungen, keine Eitelkeiten haben hier Platz, weder die des Fotografen, noch die des Porträtierten. Wir werden zwar nicht zu Voyeuren, dennoch weiß man von dem Gefühl des „Unbeobachtetseins“, das die Hauptperson beschleicht haben muss. Die Ästhetik ist vorhanden, jedoch nicht die des vermeintlichen Ideals, sondern die der Natürlichkeit, eine Ästhetik der menschlichen Geheimnisse, die Ali Taptik ohne zu bedrängen zu entblößen vermag. Diese Entblößung von tief Verborgenem des jeweiligen Individuums verlangte einen Dialog zwischen Künstler und Porträtiertem. Sind doch Wahrheiten entstanden, die die Hauptperson teils nicht öffentlich machen wollte. Den Weg vom intimen Blick Ali Taptiks im fotografischen Zwiegespräch bis hin zum fremden Gegenüber in einer Ausstellung dokumentiert der Künstler erstmals als wichtigen Bestandteil seiner Arbeit.

Suat Ögüts beschäftigt sich überwiegend mit dem Menschen in der Großstadt, mit dem Menschen in einem System, das System seiner Heimat. In seinen großformatigen mixed media Arbeiten bewegt sich das Individuum in seiner alltäglichen, dynamischen Situation – im Straßenverkehr, als Fußgänger, zwischen Geboten und Verhaltensregeln, in einer Welt aus Metaphern. Das Chaos steht der Ordnung gegenüber, einer Ordnung, die durch Regeln, Kapitalismus, Justiz und gar Unterdrückung fiktiven Bestand hat und nach Außen nur das Beste für einen jeden möchte. SuatÖgüt kritisiert bzw. offenbart Situationen, die zwar banal zu sein scheinen, dennoch bedacht und überdacht werden sollten. Wie alles funktioniert, alles einen bestimmten Zweck erfüllt, wie die Menschen funktionieren, gehorchen und Regeln befolgen, die auf sie und das gewisse Lebensziel abgestimmt sind und dennoch traut sich SuatÖgüt die Frage zu stellen, ob Sinn und Zweck gerechtfertigt und legitimiert werden können.

In seinen kleinformatigen Zeichnungen spielt Volkan Aslan unter dem Begriff der Beständigkeit mit der Thematik des Raumes und dem Individuum in ihm. In der Abstraktion des Raumes finden sich hier und da gesichtslose Personen wieder, die sich als fotomontierte Silhouetten an dem undefinierbaren Ort versuchen zurecht zu finden und dabei völlig unbeholfen ihren willkürlichen Platz einnehmen. Es sind die Umrisse ihrer Konturen, abgezeichnet von fotografierten Persönlichkeiten, die plötzlich in den Zeichnungen namenlos und anonym platziert sind – es könnte ein jeder sein, vielfach wiederhol- und kopierbar.
 

Sergi

Sergi

Gülcin Aksoy, Gözde Ilkin, Yasemin Nur Tokyos

04.11.2011 - 04.02.2012