Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Galerie Rüdiger Schöttle

Amalienstr. 41 (Rgb.)  • 80799 M
Tel. +49 89 33 36 86 • Fax +49 89 34 22 96
Di–Fr 11–18 • Sa 12–16 und nach Vereinbarung

Amalienstr. 41
80799 München

Laufende Ausstellungen

Rodney Graham

Rodney Graham

17.11.2017 - 03.02.2018
„50 years and something new“ ist das Motto der kommenden 12 Monate, das bereits am 16. November 2017 mit der Einzelausstellung des kanadischen Künstlers Rodney Graham eingeleitet wird. Die Galerie Rüdiger Schöttle feiert 2018 ihr 50jähriges Bestehen. Von Anfang an war die Konzeptkunst ein wesentlicher Bestandteil im Programm der Galerie, zu deren Vertretern gehört auch Rodney Graham. Rüdiger Schöttle stellte ihn 1985 erstmals in einer Gruppenausstellung in München aus. Sein Oeuvre umfasst Malerei, Fotografie, Musik, Film und Skulptur, worin er sich oftmals humorvoll mit vergangenen oder zeitgenössischen Strömungen in Kunst und Kultur sowie Philosophie beschäftigt.

In der diesjährigen Einzelausstellung steht die Musik im Vordergrund. Gezeigt werden neue und bestehende Arbeiten, die sich mit unterschiedlichen Musikrichtungen und deren Deutungsebenen auseinandersetzen.
Im Erdgeschoss der Galerie ist die mehrteilige Arbeit „Black Tapestry“ zu sehen. Sie besteht aus 25 dunkel übermalten Kopien von Carole Kings legendärem Plattenalbum „Tapestry“ mit dem sie 1971 ihren Durchbruch in der Rock & Pop Musik feierte. In der Mitte des Raumes steht ein Cello auf einem alten Perserteppich, eine erweiterte Arbeit von „Large Rattle“ aus dem Jahr 2012. Dieses Musikinstrument ist eine Spezialanfertigung aus Italien und zeichnet sich durch seine nicht vorhandenen F-Löcher aus, die bekanntlich für die Klangfülle des Cellos ausschlaggebend sind. Im Inneren des Instruments wurden als zusätzlicher Verfremdungseffekt Manschettenknöpfe aus Silber eingebaut.
Im Obergeschoss werden neue Werke der sogenannten „Rock Paintings“ gezeigt. Dafür verarbeitete der Künstler Material aus den 1980er Jahren des Circus Magazines, das sich zu dieser Zeit auf „Hair Metal“ Musik spezialisiert hatte. Als Inspirationsquelle für die übermalten Rockstars nennt Graham Robert Rauschenberg und Franz West. Das Prinzip des Zitats im Zitat ist typisch für sein Arbeiten. Daneben wird einer seiner berühmten Fotoleuchtkästen präsentiert. „Dead Flowers in my studio“, ein Strauß verwelkter Blumen in einer Vase, platziert im Studio von Rodney Graham – ein memento mori an den Künstleralltag.

Rodney Graham (*1949 in Abbotsford, British Columbia) lebt und arbeitet in Vancouver. Zusammen mit Jeff Wall und Stan Douglas gehört er zu den Vertretern der Vancouver School. Seine Einzelausstellung „That's not me“ wandert seit Anfang des Jahres durch Europa. Nach dem BALTIC in Gateshead und dem Museum Voorlinden in Wassenaar ist sie ab Ende November im IMMA in Dublin zu sehen. Das Museum Frieder Burda in Baden-Baden zeigt noch bis Ende November Grahams monumentale Fotoleuchtkästen.

Rodney Graham
Maiden’s Pile-Driving Return, 2017
acrylic gesso, spray paint and paper on canvas
149.8 x 124.4 cm, detail
© Rodney Graham
 

Kommende Ausstellungen


Vergangene Ausstellungen

Florian Süssmayr

Florian Süssmayr

Selbstportrait

08.09.2017 - 11.11.2017
Selbstdarstellungen bildender Künstler sind ein bekanntes Thema seit der Antike. In der Malerei Florian Süssmayrs spielt das Selbstbildnis eine zentrale Rolle und ist ein immer wieder aufgegriffenes Motiv. Es sind nicht die realistischen Selbstporträts, angefertigt mit Spiegel, die ihn interessieren, es sind vielmehr Reflektionen von sich selbst im weitesten Sinne. Diese oft auf der vorausgegangenen Fotografie basierenden Werke faszinieren durch ihre malerische Wiedergabe unterschiedlichster Örtlichkeiten; vom Fahrstuhl über die Straßenszene bis hin zum Badezimmerspiegel ist gerade das Alltägliche von Interesse, der Künstler selbst ist darin nur schemenhaft zu erkennen. Er ist in Form seines Umrisses, seines Schattens oder seiner Spiegelung wiedergegeben. Das Ego spielt keine Rolle. Die Umgebung steht geradezu im Vordergrund und weist mehr Details auf als das eigentliche Porträt. Die Selbstbildnisse sind eng mit der Biographie Florian Süssmayrs verknüpft und erzählen in typischer Manier vom Leben des Künstlers.

Florian Süssmayr
Selbstportrait, 2017
Öl auf Leinwand
160 x 140 cm

 
 

Goshka Macuga

Goshka Macuga

02.06.2017 - 29.07.2017
Die neue Skulpturenserie von Goshka Macuga “International Institute of Intellectual Co-operation“ ,wie sie in der Fondazione Prada in Mailand als auch im Schinkel Pavillon in Berlin zu sehen  war, hat eine Erweiterung in Form von Vasen-Portraits  in unterschiedlichster Materialität erfahren, die nun erstmals in ihrer Gesamtheit in München zu sehen sind.
Ausgehend vom Briefwechsel Albert Einsteins mit Sigmund Freud (1931), angeregt durch den Völkerbund und dem Internationalen Institut für geistige Zusammenarbeit, die den internationalen, kulturellen und intellektuellen Austausch zwischen Wissenschaftlern, Forschern, Lehrern, Künstlern und anderen Intellektuellen fördern wollte,  greift  Goshka Macuga die Idee der geistigen Zusammenarbeit wieder auf.  Neben einem enormen Pavillon aus Beton, der als offene Diskussionsrunde und bereits als reale Plattform für einen intellektuellen Austausch über die Themen der heutigen Zeit diente, sind neue Vasen-Skulpturen in Anspielung auf die damaligen Protagonisten, aber auch hypothetischer  Diskussionsteilnehmer entstanden.  Das Portrait Albert Einsteins blickt uns mit wuchernden Gedankenkanälen entgegen, genauso Freud, aus dessen Kopf es ebenso sprießt. Aber auch Karl Marx in Form eines Gummikopfes ist präsent und lässt auf immer noch wachsendes Gedankengut blicken.  Die Vasen-Porträts von Intellektuellen aus den unterschiedlichsten Epochen fordern uns zu einem vis-a-vis Austausch heraus. Die rhetorischen Strategien der Antike und der Renaissance werden wach gerufen.

Goshka Macuga ist 1967 in Warschau, Polen, geboren; sie lebt und arbeitet in London. Folgende Einzelausstellungen wurden ihr zuteil: „Now this, is this the end … the end of the beginning or the beginning of the end?” Schinkel Pavillon, Berlin (2016); „Goshka Macuga“, New Museum, New York (2016) “To the Son of Man Who Ate the Scroll”, Fondazione Prada, Mailand (2016); “Public Address: Goshka Macuga Tapestries”, Lunds konsthall, Lund, Schweden (2014); “Exhibit, A”, Museum of Contemporary Art, Chicago (2012); “Untitled”, Zachęta National Gallery of Art, Warschau (2011); “It Broke from Within”, Walker Art Center, Minneapolis, MN (2011); “The Nature of the Beast”; Whitechapel Gallery, London (2009); und “I am Become Death” Kunsthalle Basel, Schweiz (2009). Goshka Macuga war Teilnehmerin der 8. Berlin Biennale (2014); der dOCUMENTA (13), Kassel, und Kabul, Afghanistan (2012); “Fare Mondi/Making Worlds,” der 53. Venedig Biennale (2009); und der 5. Berlin Biennale (2008). 2008 war Goshka Macuga für den Turner-Preis nominiert.

Goshka Macuga
Karl Marx, 2016
Gummi und Harz
28 x 30 x 35 cm

 
 

Helene Appel

Helene Appel

02.06.2017 - 29.07.2017
Helene Appel rückt vertraute Dinge aus dem häuslichen Umfeld und natürliche Phänomene wie Wasserpfützen in den Mittelpunkt ihrer Malerei. Bei ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle präsentiert sie Stoffe, Kartoffelschalen, Weizenkörner, Kehrricht, Seifenschaum und rohe Fleischstücke in Öl und Acryl auf Leinwand. Die klein- bis großformatigen Werke wirken so plastisch und real, dass man sich ihrer Präsenz nicht entziehen kann.
Nur einen kurzen Moment dauert es, bis sich der Seifenschaum im Spülwasser wieder auflöst und doch kennen wir alle den Blick und das damit verbundene Gefühl der blubbernden Wasserbläschen unter den Händen. Genau das ist es, was Helene Appels illusionistisch wirkende Gemälde auf der rohen und unbehandelten Leinwand ausmachen. Sie versetzen den Betrachter in alltäglich bekannte und oft beiläufige Situationen, die mit Berührung, Riechen oder Schmecken in Verbindung stehen und so eine unmittelbare Assoziation zu dem Objekt hervorrufen. Die Haptik der Werke verleitet gar zum anfassen, so unglaublich erscheint es, dass es sich dabei um Farbe auf Leinwand handelt.
Andere Werke wie die Kartoffelschalen oder die rohen Fleischstücke sind wie auf Schneidebrettern angelegt, der Kehrricht wie zufällig vom zusammenkehren angeordnet - und doch ist jedes Objekt losgelöst vom räumlichen Umfeld dargestellt und erhält die volle Aufmerksamkeit im Detail.
Die Kuratorin und Autorin Anna-Catharina Gebbers stellte im Ausstellungskatalog zu Helene Appels erster institutioneller Einzelausstellung im Kunstmuseum Goslar, im Rahmen des Kaiserringstipendiums von 2011, bereits fest, dass die talentierte Malerin in ihrer künstlerischen Praxis die Dinge nicht wie Objekte behandelt, sondern mit ihnen ein parlamentarisches Kollektiv des Menschlichen und Nicht-Menschlichen bildet, frei nach Bruno Latours Theorie in “Von der Realpolitik zur Dingpolitik”.

Helene Appel (*1976 in Karlsruhe) hat an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und am Royal College of Art in London Malerei studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Werke werden international ausgestellt und befinden sich beispielsweise in der La Gaia Collection, Busca (Italien), dem Moenchehaus Museum Goslar oder der Olbricht Collection, Berlin.

Helene Appel
Spülmittel, 2017
Aquarell und Öl auf Leinen
50,3 x 69 cm

 
 

Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth

Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth

07.04.2017 - 27.05.2017
Erneut werden in der Galerie Rüdiger Schöttle Arbeiten aus den aktuellsten Werkzyklen von Candida Höfer, Thomas Ruff und Thomas Struth präsentiert. Anfang der 1980er Jahre studierten sie gemeinsam in der Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie und untersuchen noch heute unsere Kultur- und Lebensräume mit archivarischem Anspruch.

Bei Candida Höfer sind im letzten Jahr über 20 Arbeiten zur gerade eröffneten Hamburger Elbphilharmonie entstanden. Die Innenräume sind in gewohnter Manier aus der Zentralperspektive aufgenommen, aber auch Außenansichten und Details wie Fenster und die Empore sowie die Modelle der Architekten Herzog & de Meuron wurden von ihr beleuchtet. Darüber hinaus beschäftigt sich Candida Höfer auch vermehrt mit den nichtig erscheinenden Randphänomenen der Kulturstätten und überrascht mit kleinformatigen Detailaufnahmen. Sie stehen im Kontrast zu den so oft akkurat angeordneten Hauptschauplätzen.

In seiner neuen Press ++ Serie zeigt Thomas Ruff enorm vergrößerte Pressebilder, die er aus  unterschiedlichen Pressearchiven erworben hat. Während er sich in den 1990er Jahren dem analogen Pressebild über Zeitungsfotos näherte, indem er diese mit ihrer schwarzen Körnung isoliert als Bild vergrößert darstellte und somit die Beziehung zum begleitenden Text aufhob, vereint Thomas Ruff in seiner neuen Press++ Serie das ursprüngliche Bilddokument mit den Anmerkungen der Bildredaktion und legt beides als gleichwertige Bestandteile übereinander. Bild, Schrift, Festlegung des Bildausschnittes und Retuschen sind vereint zu einem informativen Ganzen: Recto und Verso bilden einen gemeinsamen ästhetischen Wert.

Seit 2007 erweitert Thomas Struth fortlaufend den Technik-Zyklus. Dabei sucht er für die Öffentlichkeit meist verschlossene Räume von Wissenschaftlern und Forschern auf und konfrontiert uns mit der Welt von morgen. Eines dieser Werke trägt den zunächst kryptisch erscheinenden Titel „AGLAE, C2RMF, Paris 2013“. Darauf zu sehen ist eine antike Bronze, die von einem komplexen, verkabelten Gerät angesteuert wird. Kunstgeschichte und moderne Technik treffen hier aufeinander. Die Szenerie in der Restaurierungswerkstatt des Pariser Louvre spiegelt den technischen Fortschritt wider, in dem sich auch das Schöpferische in der Kunst immer wieder aufs Neue bewähren muss.

Ab dem 27. April richtet das Frankfurter Städel dieser ersten Generation der Düsseldorfer Becher-Klasse eine groß angelegte Ausstellung unter dem Titel „Fotografien werden Bilder“ aus. Candida Höfers Aufnahmen der Elbphilharmonie sind noch bis 1. Mai in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen. Eine Übersichtsausstellung zu Thomas Struths Werkgruppen wird Anfang Mai im Münchner Haus der Kunst eröffnet und die Whitechapel Gallery in London plant für Ende des Jahres eine Einzelausstellung mit Thomas Ruff.

Galerieseite: Thomas Ruff, press++01.55, 2016, chromogener Abzug, 223 x 185 cm, © VG Bild - Kunst, Bonn 2017
Home, Reihung (Ausschnitt): Candida Höfer, Elbphilharmonie Hamburg Herzog & de Meuron Hamburg I 2016, C-Print, 180 x 197,9 cm © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
Home, Slider (Ausschnitt): Thomas Struth, AGLAE, C2RMF, Paris, 2013, InkJet Print, 101,8 x 68,9 cm, © Thomas Struth
 

Judith Adelmann, Mickael Marman, Sophie Reinhold, Elif Saydam, Anina Troesch, Raphael Weilguni/Viola Relle

Judith Adelmann, Mickael Marman, Sophie Reinhold, Elif Saydam, Anina Troesch, Raphael Weilguni/Viola Relle

Gruppenausstellung

03.02.2017 - 01.04.2017
Raphael Weilguni / Viola Relle, Facebook
(o.T.), 2016
Porzellan, salzgebrannt
24 x 48 x 27 cm

Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, eine Gruppenausstellung mit jungen Positionen aus Malerei und Skulptur mit Werken von Judith Adelmann (DE), Mickael Marman (NO), Sophie Reinhold (DE), Elif Saydam (CAN), Anina Troesch (CH) und Raphael Weilguni / Viola Relle alias R-R (DE/HU) zu präsentieren.

Judith Adelmann begreift ihre künstlerische Praxis als einen Prozess des Prüfens der Interaktion zwischen Visuellem und Taktilem. Der Betrachter findet Oberflächen vor, die keine sofortige Materialzuweisung zulassen und strukturell kontrastierende Momente aufweisen. Durch den Einsatz verschiedener Materialien werden die Komplexität des sensorischen Körpers erkundet sowie Klischees bezüglich der Stofflichkeit befragt. Neben formalen Bestrebungen erzeugt die Künstlerin Situationen, die Momentaufnahmen in Transformationsprozessen wahrnehmbar machen. Es sind Provisorien in skulpturaler Form, die zwischen Auflösung und Bestehen oszillieren und denen das Verschwinden bereits innewohnt. Judith Adelmann studiert an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Markus Karstieß – ehemals Klasse Norbert Prangenberg.

Mickael Marman kombiniert gemusterte Stoffe mit einer spontanen Malerei in drip painting Manier. Als Bordüren oder quer verlaufende Bildkomponenten stehen die bunten Waxprints, die in Westafrika sehr beliebt sind, in Relation und Kontrast zu den üppig-pastosen, malerischen Elementen. Thematisch knüpft Marman dabei an Themen wie kulturelle Identität und (Post-)Kolonialimus an: Die Textilien, die in Europa unter anderem durch die Dutch East India Company im Batikverfahren gefertigt wurden, gewannen in Westafrika im 19. Jahrhundert an Popularität und stehen noch heute für Status und Wohlstand. In den Arbeiten wird durch den Einsatz der Stoffe auf europäische Marktmacht – europäische Kolonialländer wussten geschickt Profit aus ihrem Textilhandel mit Asien und Afrika zu schlagen – als auch auf Exotismus referenziert: Bei einer heutigen Anschauung der Stoffe als typisch afrikanisch handelt es sich so um eine Verklärung, wurden sie doch eigentlich in Europa produziert und dann verschifft. Marmans abstrakte Arbeiten verweisen darüber hinaus gleichzeitig auf Künstler der amerikanisch-europäischen Avantgarde und deren Beeinflussung durch ethnische Kunst. Mickael Marman studierte in an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Jutta Koether und an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Michael Krebber und Josef Strau.

Sophie Reinholds zarte Arbeiten aus den Materialien Graphit, Bitumen, Marmor oder anderen Mineralien thematisieren die Fiktion des Naturalismus. Der Einsatz von Farbe wird von der Künstlerin als Moment persönlicher Anwesenheit verstanden, nicht als eine Möglichkeit, um eine Situation, eine äußerliche Stimmung oder einen Ort darzustellen. Reinhold rückt einem zu emotionalen und subjektiven Ausdruck jedoch sogleich zu Leibe: Durch das lasierende, wiederholte Auftragen der Ölmalerei auf geschliffenen Marmormehlschichten und ihre gegenseitige materielle Einebnung verlieren die inhärenten Affekte und expressiv aufgeladenen Gesten an Halt und es bleiben nur mehr glatte Flächen, in denen sich dezente Farbnebel auftun. Reinhold kontrastiert diese schwerelose Diffusität mit fragilen, aber klaren Linien-, Balken- und Wellenstrukturen. In den Oberflächen bleibt ein tiefschichtiger Nachhall von Malerei spürbar, der beim Betrachter, wie bei der Versenkung in ein Götzenbild, eine äußerst betörende Wirkung entfacht. Die Ausarbeitung des Erhabenen in der Malerei und die nicht darstellbare Empfindung sind der Künstlerin dabei ein Anliegen. Sophie Reinhold hat in der Klasse von Antje Majewski an der KHB (Kunsthochschule Weißensee) in Berlin studiert, zuvor bei Amelie von Wulffen an der Akademie der bildenden Künste in Wien sowie an der HGB in Leipzig.

Elif Saydams Œuvre speist sich aus surrealistischen Stilelementen, aus der Abstraktion als auch aus dem Cartoon – sie arbeitet sowohl mittels Malerei als auch dem Text. Thematisch greift sie gesellschaftliche Geschlechterzuschreibungen vor dem Hintergrund sozialer Rituale und typisierter Figuren auf. Immer wieder tauchen Motive wie der Cowboyhut oder der Matador auf, die für Wagemut und Abenteuer stehen und somit indirekt nach mangelnden weiblichen Super- und Abenteuerheldinnen fragen. Der Einsatz von transparenten Nylon- und Chiffonstoffen sowie von Blattgold bricht wiederum mit den männlich konnotierten Kraftsymbolen. Ein weiteres Interesse der Künstlerin liegt in der Behandlung des kreativen Arbeitsprozesses zwischen Ablenkung und Inspiration. Sie thematisiert die Phase vor dem eigentlichen künstlerischen Hergang als auch während der Arbeit auftretende Leerstellen. Elif Saydam ist Mitwirkende im Künstler- und Autorenkollektiv Pure Fiction und hat bei Monika Baer und Amy Sillman an der Städelschule in Frankfurt am Main studiert.

Anina Troesch verbindet mit ihren skulpturalen Arbeiten und großformatigen Installationen formale Paradoxe. Ihre textilen Collagen erzeugen mit einfachen Mitteln Kombinationen verschiedener Genres und behandeln Fragen nach Grenzen oder Identität. In der Gruppenausstellung zeigt Troesch die Arbeit „flag“ aus dem Jahr 2016. Troesch studierte in der Klasse von Judith Hopf an der Städelschule in Frankfurt am Main.

Die Keramikarbeiten des jungen Künstlerduos R-R weisen amorph-rätselhafte Formen auf – unter den Skulpturen befinden sich Darstellungen von zwischen natürlichen und technischen Strukturen oszillierenden Organismen als auch Momente surrealistischer Konstellationen. Ihre Motive sind  darüber hinaus Masken, Kronen, Wächterfiguren oder Sarkophage und entfalten einen spielerischen Zugang, der Partizipation zulässt und an Passstücke von Franz West oder an Arbeiten des Prozesskünstlers Franz Erhard Walther denken lassen. Raphael Weilguni und Viola Relles Arbeiten bestechen durch eine Präsenz, die konträre Materialeigenschaften und Aggregatszustände wie Schwere und Härte sowie Fragilität und Nachgiebigkeit spüren lassen wie auch durch eine Ästhetik des Unvollendeten. Die Arbeiten wirken so teilweise wie archäologische Fundstücke und regen zu Gedanken über Zivilisationsprozesse und kulturanthropologische Fragestellungen an wie über den Menschen als kulturellen Schöpfer und zugleich als Geschöpf der Kultur. Mit ihren „Heros“ stellen Weilguni und Relle Überlegungen zu Versprechungen an, die man glauben muss und erst einmal nicht gleich verifizieren kann. Weilguni und Relle studieren an der Akademie der bildenden Künste München – Weilguni in der Klasse von Jean-Marc Bustamante, Relle hat bei Norbert Prangenberg und Kerstin Brätsch studiert und arbeitet aktuell in der Klasse von Markus Karstieß.

 
 

Stephan Balkenhol

Stephan Balkenhol

03.02.2017 - 01.04.2017
Stephan Balkenhol
Mannn, 2016
Wawa Holz, Skulptur
185 x 45 x 45 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Stephan Balkenhol ist international bekannt für seine aus großen Holzstämmen mit Säge, Beitel und Stichel herausgearbeiteten, farbig gefassten Skulpturen. Oft aus nur einem Block gearbeitet, erscheinen die Figuren wie aus ihrem Sockel gewachsen und faszinieren durch die handwerkliche Virtuosität, die sie geradezu verkörpern. Der Mensch steht im Mittelpunkt seines Schaffens. Es sind Männer und Frauen, in den unterschiedlichsten Posen und Kleidern, wie sie uns im Alltag begegnen und mit ihrem unpathetischen Charme begeistern. Wer kennt ihn nicht, den „Mann mit schwarzer Hose und weißem Hemd“, dem man sowohl an exponierten Plätzen im öffentlichen Raum, im Museum, als auch im Privaten, in den unterschiedlichsten Varianten begegnet. Balkenhols Figuren zeugen von einer unglaublichen Präsenz, strahlen stets Ruhe und Besonnenheit aus. Ihren Blicken kann man nicht wirklich begegnen, sie wirken in sich gekehrt und kontemplativ, als würden sie über ihr eigenes Dasein sinnen oder das Alter Ego des Betrachters befragen. Besonders reizvoll sind die hybriden Skulpturen, die Mischwesen, die animalische Eigenschaften des Menschen verkörpern.
Bevorzugte Holzart sind die großen aus Westafrika importierten Wawa Holzstämme, die eine sehr einheitliche Struktur aufweisen und einen Durchmesser von bis zu 2 Metern erlangen. Aber auch das Arbeiten in allen anderen Holzarten, wie etwa dem sehr harten Pockholz, wegen seiner hohen Dichte auch Eisenholz genannt, beherrscht Stephan Balkenhol wie kein anderer. Jedem Werk liegt eine Vorzeichnung zugrunde. Mit unverwechselbarem, lockerem Duktus werden die Umrisse und die Gesichtsausdrücke mit nur wenigen prägnanten Strichen festgehalten. Auf den Holzblock werden diese Primi Pensieri in das Dreidimensionale übertragen und aus dem Holz erst in groben Strukturen gesägt, dann in immer feineren Spänen herausgeschält, bis uns die Figuren in ihrer ganzen Körperlichkeit anblicken und jeder abstehende Holzspan Teil des Ganzen geworden ist. Aber nicht nur Holz ist sein Material, zahlreich sind die in Bronze gegossenen Skulpturen im öffentlichen Raum, unter anderem in London, Paris, Hamburg, Salzburg, Frankfurt, Chicago, Amsterdam und Berlin. Stephan Balkenhol ist von einer Schaffenskraft beseelt, die kaum ihresgleichen findet, die  arbeitsamen Mußestunden mit dem Holz sind sein Lebenselixier. Wir sind sehr gespannt auf neue Balkenhol-Menschen und -Wesen.

Stephan Balkenhol (geb. 1957 in Fritzlar, lebt und arbeitet in Kassel, Meisenthal/Lothringen, Karlsruhe und Berlin) ist einer der bedeutendsten zeitgenössischen deutschen Bildhauer. Er studierte von 1976 bis 1982 unter anderem bei Ulrich Rückriem an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und ist seit 1992 selbst Professor für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Seit 1983 sind seine Werke in zahlreichen Ausstellungen weltweit zu sehen, u.a. dem Sprengel Museum Hannover (2003), dem National Museum of Art Osaka (2005), dem PAC Mailand (2007), den Deichtorhallen Hamburg (2008), dem Musée de Grenoble (2010), dem Landesmuseum Linz (2014) und dem Museum of Modern Art in Moskau (2016).

 
 

Karin Kneffel

Karin Kneffel

24.11.2016 - 28.01.2017
Karin Kneffel,
Ohne Titel, 2016
Öl auf Leinwand
180 x 240 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

In einer umfassenden Einzelausstellung widmet sich die Galerie Rüdiger Schöttle dem neuesten Werkzyklus der Künstlerin Karin Kneffel. Gezeigt werden klein- und mittelformatige Ölgemälde. Themenschwerpunkt ist hierbei die Neuinterpretation der Schlüsselwerke „Betty“ (1968) und „Kerze“ (1982) von Gerhard Richter, ihrem Kollegen und ehemaligen Professor an der Kunstakademie Düsseldorf.

Entstanden sind Zitate von Zitaten. In ihrer Symbolik bezieht sich Gerhard Richters „Kerze“ auf niederländische Vanitas-Stillleben des 16. und 17. Jahrhunderts und die Arbeit „Betty“ – mittels der Rückenfigur – auf das Werk des bedeutendsten deutschen Malers der Romantik, Caspar David Friedrich. Kneffel gelingt es, mit ihren Neuinterpretationen die künstlerischen Impulse zeitlich und gesellschaftlich zu rekontextualisieren.
Transparente Spiegelungen, abstrakte Farbfelder und realistische Darstellungen kondensierter Glasscheiben, die noch die Spuren menschlicher Präsenz tragen und durch die der Betrachter „Betty“ oder „Kerze“ erfährt, lassen die Sujets zwischen Realität und Fiktion oszillieren. Die Arbeiten evozieren dabei Fragen nach dem Ursprung, der Geschichte und Bedeutung von Kunst per se.

Karin Kneffel wurde 1957 in Marl, Deutschland, geboren. Von 1981 bis 1987 studierte sie an der Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 2008 ist sie Professorin an der Akademie der Bildenden Künste München. 2015 wurden ihr zwei Einzelausstellungen zuteil: „Werke auf Papier“ in der Kunsthalle Bremerhaven und „Fallstudien“ im Käthe Kollwitz Museum, Köln. 2014 würdigte sie das Museo de Arte Contemporáneo Gas Natural Fenosa in La Coruña, Spanien, mit einer Einzelausstellung. Im gleichen Jahr zeigte sie ihr Werk im Barcelona-Pavillon in Spanien. Sie lebt und arbeitet in Düsseldorf.
 

Toulu Hassani

Toulu Hassani

common shift

09.09.2016 - 12.11.2016
Toulu Hassani prüft mit präzisem Feingefühl und einem Konzept des Widerstands die Wesentlichkeiten sowie Parameter von Malerei und ihren Requisiten. Ihr Interesse liegt zunächst im Ausloten und Erfassen von Strukturen und Ordnungen, in einem zweiten Schritt wiederum bricht sie mit den gegebenen Dispositionen und Kriterien und nutzt das Ausgangsmaterial, um Umwege, Wendepunkte und Normabweichungen zu generieren:
Anordnungen, Relationen und Bemessungen bedienen sich regelmäßig eines Schemas, sie organisieren sich in Bezug auf die Norm. Eine Kritik an Normierungen setzt auf das Unbestimmte und auf das potenziell Mögliche, das noch nicht Verwirklichte, das Unerwartete, das, was von der Norm nicht vorgesehen ist. Ganz so agiert auch Hassani, indem sie dem Unangepassten, dem Eigenwilligen und der Kontingenz in ihren bildnerischen Arbeiten Ausdruck verleiht und so auf subtile Weise das Thema der Unberechenbarkeit und Zufälligkeit behandelt.
Dabei sind wie auch beim Schaffensprozess persischer Miniaturmalereien Geduld, Inspiration, Zeichentalent und Farbgefühl bedeutende Eigenschaften, die Toulu Hassani für ihre Werke aufbringen muss. Ihre unbefangene Begegnung mit den Musterungen und Stoffeigenheiten einer bespannten Leinwand kombiniert die Künstlerin mit einer sensiblen Farbgebung und verleiht somit ihren Materialanalysen stets eine individuelle Note.
In der iranischen Miniaturmalerei erlebte eine poetische Symbiose aus Text, Bild und Schrift ab dem 13. Jahrhundert ihre Blüte. Die Bilder strebten nach einer idealen Harmonie von Raumgestaltung, Pinselstrich und Farbgebung. Auch an diese Programmatik knüpfen die abstrakten Arbeiten von Hassani an. So taucht etwa die scheinbar bis ins Unendliche auslaufende Linienführung der Malerei der Timuriden bei Hassani auf und einige ihrer Werke erinnern an grenzenlos wirkende Darstellungen von Erde und Kosmos. Die zarten Interpretationen von Rastern und Strukturen lassen zudem immer wieder an frühe Arten von Schriften, wie beispielsweise die sumerische Keilschrift, denken.
Toulu Hassani wurde in Iran geboren und studierte an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig unter anderem als Meisterschülerin von Walter Dahn. 2014 war sie als Stipendiatin des International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York und war 2016 unter den „New Positions“ auf der Art Cologne vertreten. Ende 2016 wird ihr im Rahmen einer Einzelausstellung im Sprengel Museum Hannover der Sprengel-Preis für Bildende Kunst der Niedersächsischen Sparkassenstiftung verliehen.

Toulu Hassani
Ohne Titel, 2016
Öl und Feinminenstift auf Leinwand, 45 x 35 cm
© Toulu Hassani
 

Martin Creed

09.09.2016 - 12.11.2016
Martin Creed ist bekannt für seine minimalistischen Werke und seine auf der Konzepkunst basierenden Ansätze. Rhythmus, Ordnung, Gegensätzliches, Skalen, Dinge des Alltags oder simple Ideen sind genauso Gegenstand seiner Kunst wie Neonschriften, Filme, Musik und Performances. Creed ist in allen Medien zu Hause. Im Jahr 2001 gewann er den Turner Preis mit seiner Installation “Work No. 227. The lights going on and off”, die im gleichen Jahr in den Räumen der Martiusstrasse der Galerie Rüdiger Schöttle gezeigt wurde. Zur “Open Art 2016” präsentiert Martin Creed Wandmalereien kombiniert mit einer neuen Werkgruppe.
Die Wandmalerei ist eine der frühesten Ausdrucksformen künstlerischen Schaffens, von der Frühzeit bis in die Moderne war sie eines der wichtigsten, visuellen Darstellungsmittel. In der zeitgenössichen Kunst hingegen findet die Wandmalerei nur noch selten Anwendung. Martin Creed, der immer wieder mit Unwerwartetem überrascht, hat gerade diese in den Hintergrund geratene Gattung der Malerei in sein Repertoir aufgenommen. Seine raumfüllenden Wandmalereien sind minimiert auf die einfachsten Formen und Farben. Die Grundlagen der Malerei werden dabei mit malerischen Mitteln anlaysiert und rigoros reglementiert.
Seit längerem verfolgt Martin Creed die Praxis direkt vor Ort in den Galerieräumen seine Werke zu erstellen. Seine Kunst soll nicht als klar definiertes Konzept, sondern als etwas Unmittelbares und Lebendiges erfahren werden. Oft steht das Performative dabei im Vordergrund, aus den Körperbewegungen beim Akt des Malens resultieren die Formen seiner neuen Werke. So wurden etwa Bewegungen von Tänzern mithilfe von Pinseln an deren Füßen zu Bildern. Postmoderne Praxen aus der Konzept- und Aktionskunst sind stets wesentliche Merkmale seines künstlerischen Schaffens.
Martin Creed wurde 1968 in Wakefield, England, geboren und wuchs in Glasgow auf. Er lebt und arbeitet überwiegend in London. Von 1986 bis 1990 studierte er an der Slade School of Fine Art in London. Einzelausstellungen seiner Werke wurden zuletzt gezeigt in der Hayward Gallery, London (2014); Tate Britain, London (2013); The Andy Warhol Museum, Pittsburgh (2013); Museum of Contemporary Art, Chicago (2012); MAMAC, France (2011); und im Moscow Museum of Modern Art (2010). Als versierter Musiker hat er mehrere Alben aufgenommen, darunter Mind Trap (2014), Chicago (2012) und Love to You (2012).

Martin Creed
Work No. 2132, 2015
Acryl auf Leinwand
40,2 x 30,2 cm
© Martin Creed
Courtesy Galerie Rüdiger Schöttle

 
 

Sonderschau

Sonderschau

01.07.2016 - 30.07.2016
Parallel zur Einzelausstellung von Flaka Haliti zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle im Monat Juli eine Sonderschau mit Werken verschiedener KünstlerInnen der Galerie – beginnend mit dem Siebdruck eines zerbrochenen Rückspiegels von Jan Merta aus dem Jahr des Millenniumwechsels bis hin zu einer galvanisierten Feder von Anders Clausen aus dem laufenden Jahr 2016. Es dreht sich alles um Glück und Unglück und andere kosmische Zufälle und Zustände.

Wir freuen uns, im Rahmen der Gruppenschau u.a. Werke von Rodney Graham, Goshka Macuga, Thomas Struth, Florian Süssmayr und Thomas Zipp präsentieren zu können.

Unter folgendem Link können Sie sich einen Überblick zu Werken aus den Jahren 2000 bis 2016 verschaffen:
SHOWROOM GALERIE RÜDIGER SCHÖTTLE SONDERSCHAU JULI 2016

f.l.t.r.: Florian Süssmayr, Rote Sonne, Maximiliansplatz, 2008, oil on canvas, 90 x 75 cm | Slawomir Elsner, Aus der Serie A4 Blatt 133, 2014, crayon on paper, 29,7 x 21 cm | Jan Merta, Bud'te opatrní - Seid behutsam, 2000, silkscreen on paper, 50x 35 cm, edition of 21.
 

Flaka Haliti

Flaka Haliti

tea towels have something to do with tea

01.07.2016 - 30.07.2016
Flaka Haliti
My Gravity Slipped Away
installation view at SALTS Birsfelden
© Gunnar Meier Photography, courtesy SALTS and the Artist

Zum ersten Mal zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle eine Einzelausstellung der kosovarischen Künstlerin Flaka Haliti, die im letzten Jahr ihr Heimatland auf der 56. Biennale in Venedig vertreten hat. Spätestens seitdem ist sie international bekannt für ihre geopolitische Auseinandersetzung mit Landesgrenzen und der Identität von Vereinigungen wie der UNO oder der Europäischen Union. In Venedig füllte sie einen Raum mit blauem Sand und platzierte innerhalb des Raumes eiserne Gitter-Konstruktionen, die normalerweise als Gerüst für   Betonelemente von Grenzmauern dienen. Dieser Raum wurde durchflutet von Licht, das vom Weißen ins Gelbe, Rote, Pinke bis ins Blaue überging, zwei Mal am Tag in Referenz zur blauen Stunde. Mit den wechselnden Lichtfarben veränderte sich auch die Raumwahrnehmung, die Grenze zwischen Wand und Boden verschmolz vor allem im blauen Licht und öffnete den Raum ins Unendliche – eine Anspielung auf offene Landesgrenzen, wie die innerhalb der EU und gleichzeitig ein Affront gegenüber dem Länderschauprinzip der Biennale von Venedig.
In der Ausstellung „tea towels have something to do with tea“ in der Galerie Rüdiger Schöttle überträgt Flaka Haliti die Installation „My Gravity Slipped Away“, die bis Ende Mai im Projektraum SALTS in Birsfelden (CH) gezeigt wurde, auf die räumliche Situation der Galerie in München. Über die Tiefe des Ausstellungsraumes erstreckt sich in Form einer Tapete ein grau-weiß kariertes Gitternetz – eine Anspielung auf ein leeres Photoshop Dokument. Dieses „unbeschriebene Blatt“ wird bevölkert von glasbemalten Strichmännchen. Ursprünglich stammen die Zeichnungen von Kindern aus aller Welt, die eine internationale Schule in Abidjan (Elfenbeinküste) besuchen. Flaka Haliti hat diese Zeichnungen auf 20 Glaspanele in Kindergröße übertragen und lokalisiert sie auf diesem Niemandsland. Als Besucher ist man dazu eingeladen, diese Fläche zu begehen und mit den Figuren in Verbindung zu treten. Diese Raum-in-Raum Situation lässt die digitale mit der analogen Welt verschmelzen und schafft so eine Art neutralen Boden, der auf jeden Ort übertragbar ist.

Flaka Haliti (*1982 in Prishtina, Kosovo) lebt und arbeitet in München. Sie studierte an der Universität in Prishtina und an der Städelschule in Frankfurt. Aktuell ist sie Teilnehmerin des PHD in Practice Programs an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Die Künstlerin ist zudem eine der diesjährigen Stipendiatinnen der Villa Romana in Florenz und Gewinnerin des Ars Viva Preises 2016. Flaka Halitis Arbeiten wurden bisher u.a. gezeigt in der Kunsthalle Wien, mumok Wien, Kosovo National Gallery in Prishtina, Haus der Kulturen der Welt Berlin und auf der 6. Moskau Biennale. Ihre Arbeiten sind in diesem Sommer Teil der Ausstellung Favoriten III : Neue Kunst aus München im Lenbachhaus München.

 
 

Alex Mirutziu

Alex Mirutziu

22.04.2016 - 25.06.2016
Alex Mirutziu
Wildt case #5, 2016
Bleistift auf Papier
28,3 x 21 cm

Das Œuvre des intermedialen Künstlers Alex Mirutziu umfasst Fotografie, Performance, Skulptur, Malerei und Zeichnung als auch Video. Den kürzlich verstorbenen David Bowie nennt Mirutziu als ein großes Vorbild. So bricht auch der junge rumänische Künstler in seinem Schaffen stets mit konventionellen Repräsentationen von Männlichkeit und Weiblichkeit. Die künstlerische Ausdrucksweise Mirutzius steht in enger Beziehung zum performative turn und bietet in Form von inszenatorischen Settings und Ritualuntersuchungen gesellschaftliche Interpretationen als auch kulturelle Wandlungskonzepte an. Sein Ansatz geht über Konzepte der Body Art hinaus, indem er sich intensiv mit Begriffen von Gestalt oder vom Apparatus beschäftigt.

In seinem neuen Werkzyklus, bestehend aus Zeichnungen und Radierungen, referiert Mirutziu auf das Schaffen des Mailänder Bildhauers Adolfo Wildt (1868-1931). Wildts Arbeiten lassen sich nur schwerlich in genau definierten künstlerischen Kategorien beschreiben: Teils wirken die Arbeiten an einem ruhigen Klassizismus orientiert, sind aber auch immer wieder vom Jugendstil und Symbolismus geprägt und mit seinen Selbstporträts in schmerzhaft erschütterten Momenten steht Wildt an der Schwelle zum Expressionismus. Alex Mirutziu greift diese Bildsprache in seinen Werken auf: Die Portraits sind expressiv in ihrer Linienführung und von dramatisch-manieristischer Mimik geprägt. Der Strich ist nervös, aber bestimmt. Durch mehrfache Konturierung entstehen Bildnisse, die Zeitlichkeit, Erregung und Zustandsverschiebungen thematisieren. Ergänzend zu den Arbeiten auf Papier zeigt Mirutziu in seiner Einzelausstellung skulpturale Werke. Die fragile Körperlichkeit der Arbeiten sowie die Integration lebender Pflanzen umschließt Themenfelder wie Tod, Vergänglichkeit, Schöpfung und Transformation.

Mirutziu beschreibt seine Herangehensweise beim Zeichnen folgendermaßen:
„In meinen Zeichnungen arbeite ich mit schroffen Linien, die ich als 'bastard lines' oder 'homeless lines' bezeichne. Diese Methode der Linienführung folgt nicht der Kontur der Dinge, sondern bedingt sich durch die Bewegungen einer fremdartigen, fast unheimlichen Hand. Meine Hand legt dem Geist keine Rechenschaft ab, was sie zeichnet. Ich trainiere meine Hand dazu, das Papier zu attakieren und eine unmittelbare Textur der Linien zu erzeugen und nicht das sofort Ersichtliche wiederzugeben. Meine Zeichnungen entstehen ohne jegliche Vortäuschung von Kontinuität. Viel interessanter ist es, in der Zeichnung eine Stimmung zu erzeugen als das Objekt oder Subjekt darzustellen. Bedeutung möchte ich vorübergehend außer Kraft setzen und Abgeschlossenheit für einen kurzen Moment in Frage zu stellen.“

Alex Mirutziu wurde 1981 in Sibiu, Rumänien, geboren. Er lebt und arbeitet in Rumänien und England und übt Lehrtätigkeiten an verschiedenen europäischen Institutionen wie am Royal College of Arts, London, dem Von Krahl Theater in Tallinn oder der Universität Konstfack in Stockholm aus. Jüngere Projekte wurden u.a. im ZDB, Lissabon, The Power Plant, Toronto, der Mucsarnok Kunsthalle, Budapest, dem Nationalmuseum Warschau und auf der Biennale von Venedig präsentiert.
 

Jānis Avotiņš

Jānis Avotiņš

22.04.2016 - 25.06.2016
Jānis Avotiņš
Particular, Öl auf Leinwand
64 x 74 cm

Jānis Avotiņš aktuelle Arbeiten zeigen sublime Szenerien vereinzelter Passanten vor Architekturkulissen wie auch Gruppierungen von Menschen, die an Berichterstattung politisch-gesellschaftlicher Ereignisse in historischen Zeitungen denken lassen. Kombiniert wird dieser Werkzyklus mit Malereien von sich in tänzerischen Posen befindenden Figuren. Avotiņš ist bekannt für seine diffusen und geheimnisvollen Gemälde von menschlichen Gestalten in undifferenzierten Räumen. Die zarten Erscheinungen seiner Figuren lassen eine ephemere Wirklichkeit erahnen. Schleierartig-nebulöse Farbgebung taucht die Motive in eine unzugänglich Stille, zugleich aber zeugen die Figuren von einer eindringlichen Präsenz. Gerade durch das Herauslösen aus einem Kontext und durch Metaphern von Auslassung und Leere reflektiert Avotinš u.a. die Mechanismen von kulturellen Symbolsystemen, Kollektivsymboliken oder Ideologien: Die Figuren ohne Umgebungseinbettung und somit zuordenbare Milieus oder Funktionen sind auf sich alleine zurückgeworfen. Avotiņš' künstlerische Praxis reflektiert somit stets subjetive und objektive Wirklichkeitskonstruktionen sowie die Auflösung und Transformation von gesellschaftlichen Strukturen und Wahrheiten.

Die Farben trägt der in Riga lebende Maler zumeist so fragil und in dünn lasierenden Schichten auf, dass die Leinwandstruktur in das Bild mit einbezogen wird und dabei die atmosphärische Wirkung seiner Gemälde unterstützt. Dunkle Farbpigmente, die an der Struktur haften bleiben und somit eine feine Körnung der Oberflächen entstehen lassen, erinnern an alte Fotografien oder Zeitungsbilder.

Auch Avotiņš' neue Werke lassen sein stetes Interesse an phänomenologischen Fragestellungen über das menschliche Bewusstsein erkennen. Darüber hinaus weisen einige Arbeiten rebellische Stimmungen und Motive auf. Seine Darstellungen von Tanz und Bewegung stehen für Leichtigkeit und Transzendenz und verkörpern gerade in Verbindung mit den stilleren und statischeren Motiven Begrifflichkeiten von Dynamik, Widerstand und Befreiung.

Jānis Avotiņš beschreibt seine Exploration historischer Motive folgendermaßen:
"In meiner Kultur, wo ich aufwuchs und wo meine Phantasie und Denkweisen sich herausbildeten, gab es keine 'Kunst', weil alle so genannte Kunst mehr oder weniger eine dekorative Ergänzung zur Ideologie des Kommunismus war. Eine Kunst, die als Kunst gemeint war, war nie stark genug, um meine Phantasie zu beeinflussen. Einen viel stärkeren Einfluss bekam ich durch die Bilder der Massenmedien, die Zeichen, die Banalitäten, die nie dazu gedacht waren poetisch, sondern 'informativ' zu sein. In meiner Kindheit empfand ich sie nicht als abstoßend, sie waren einfach da. Ich blicke auf diese Bilder in einer naiven Weise. Ich sehe die Kraft dieser Bilder, ein anderes mögliches Potential in ihnen. Die meisten dieser Bilder wurden abgedruckt und die Druckqualität war meist schlecht und dadurch waren sie poetisch, unklar und irgendwie mythologisch für einen unschuldigen Verstand."

Jānis Avotiņš wurde in Lettland geboren und hat an der Kunstakademie von Lettland studiert. Im In‐ und Ausland ist er mit zahlreichen Einzel‐ und Gruppenausstellungen präsent. Im Rahmen einer Nominierung für den „Prix Jean-Francois Prat“ werden aktuell Arbeiten von Jānis Avotiņš im Pariser Palais de Tokyo gezeigt.

 

 
 

Anders Clausen

Anders Clausen

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19.02.2016 - 16.04.2016
Anders Clausen, Untitled (Urmeter X-Profile), 2015, brass, 2,5 x 100 x 2,5 cm.

Zum vierten Mal widmet die Galerie Rüdiger Schöttle dem dänischen Künstler Anders Clausen eine Einzelausstellung. Sein Werk dreht sich um die Prinzipien der Konsumgesellschaft, Massenproduktion, aber auch um das digitale Zeitalter und die dadurch bedingte Veränderung unserer alltäglichen Verhaltensweisen.
In seiner aktuellen Arbeit setzt sich der Künstler mit verschiedenen Beispielen der Evolutionstechnologie und mit Phänomenen der Globalisierung auseinander. Die Ausstellung besteht aus zwei Werkgruppen: Reproduktionen des Urmeters und Vogelfedern, die durch verschiedenste Prozesse bearbeitet wurden.
Der Urmeter geht auf eine Erfindung des 18. Jahrhunderts in Frankreich zurück und sollte den zehnmillionsten Teil der Entfernung vom Nordpol über Paris bis zum Äquator betragen. Anders Clausen beschäftigt sich mit der Entstehung dieser uns heute so selbstverständlichen Längeneinheit. Er fertigte Reproduktionen des Urmeters aus Aluminium, Messing und Plastik an. Die im Ausstellungsraum präsentierten Meterstäbe haben ein X-Profil und beziehen sich auf den zweiten Prototypen des Urmeters von 1867 in Paris, ein damals in Platin-Iridium gegossener Meterstab. Um der Bevölkerung eine frei zugängliche Orientierung für das neue Längenmaß zu bieten, wurde der Meter auch im öffentlichen Raum angebracht. Die Definition des Meters wurde seitdem mehrmals überarbeitet, angepasst an wissenschaftliche Entwicklungen.
Ähnlich verhält es sich in der Federkunde. In dieser Disziplin geht die Urfeder auf den Archaeopteryx aus dem Oberjura zurück und bietet seit einem Fossilienfund im 19. Jahrhundert die Grundlage für die Evolutionsforschung der Ornithologie. Die Erkenntnisse zur Beschaffenheit der Feder und Entstehung der Klasse Vögel änderten sich je nach aktuellem Wissensstand und Neuentdeckungen von Fossilien der internationalen Forschung. Anders Clausen zog Konturfedern von unterschiedlichen Vogelarten (z.B. Adler, Pute) heran, um daraus mit komplexen Techniken wie Wasserdruck, Galvanisierung, Sprayfarbe und Scherenschnitten kunstvoll schimmernde, gänzlich neuartige Federkompositionen zu schaffen. Die künstliche Farbe und Form steht im Kontrast zur natürlichen Funktion der Feder für den Vogel.
Anders Clausens neue Arbeiten weisen subtil auf den Anfang uns heute selbstverständlicher Begebenheiten hin. Sie erinnern daran, wie flexibel ein bestehendes System sein kann und muss. Wie die Mathematikerin Kristin Shaw feststellte, war der Urmeter in Paris vielleicht das, was das Internet heute für uns ist. Wir sind von dessen Funktionalität und Existenz abhängig geworden. Ursprünglich wurde es jedoch von Wissenschaftlern entwickelt, um Daten auszutauschen.

Anders Clausen (*1978, Kopenhagen) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte am Royal College of Art in London. Zuletzt waren seine Arbeiten in 2015 bei „Between Bridges“ in Berlin und in der Ausstellung „A perfect Match“ anlässlich des 50. Jubiläums der PIN. Freunde in der Pinakothek der Moderne München zu sehen.

 
 

Candida Höfer

Candida Höfer

Bibliotheken

19.02.2016 - 16.04.2016
Candida Höfer, Benediktinerstift Admont III 2014, C-Print, 180 x 200.4 cm
copyright: Candida Höfer, Cologne / VG Bild-Kunst, Bonn 2016.

Candida Höfer ist seit 30 Jahren eng mit der Galerie Rüdiger Schöttle verbunden. Die Künstlerin ist bekannt für ihre sachliche und konzentrierte Darstellung von kulturellen Stätten, wie Opernhäusern, Kirchen, Palästen oder Bibliotheken.
Wir freuen uns, zur diesjährigen Einzelausstellung ihre neuesten Aufnahmen von spätbarocken Klosterbibliotheken in Österreich erstmalig in Deutschland präsentieren zu können. Die Idee diese Räume in ihr Oeuvre aufzunehmen, entstand während Candida Höfers Ausstellung „Düsseldorf“ in der Landesgalerie Linz in Oberösterreich vor zwei Jahren. In gewohnter Manier zeigen auch die neuen Bibliotheksräume Orte des Wissens und der Bildung, repräsentative Säle irdischer und himmlischer Macht, menschenleer und aus der Zentralperspektive. Der Blick auf die großformatigen Arbeiten macht nicht nur das farbenprächtige, dynamische Zusammenspiel von Architektur, Plastik und Malerei oder die theatralische Lichtführung des Barockzeitalters erfahrbar, sondern erfasst vor allem die Quelle des Wissens auf der unser heutiges Weltverständnis basiert in einem gleichnishaften Bild.
Die von Candida Höfer festgehaltenen Klosterbibliotheken zählen zum bedeutendsten Kulturerbe spätbarocker Kunst und Architektur. Sie beherbergen frühe Handschriften, Inkunabeln, Bibeln und nach den Wissenschaften aufgeteilte Buchbestände. Der aufklärerische Gedanke mit der Hinwendung zu Bildung und Wissenschaft kommt auch in der Ausstattung der Bibliotheksräume zum Tragen. Beispielsweise im Bibliothekssaal des Benediktinerstifts Admont und im Augustinerstift Sankt Florian sind Deckenfresken von Bartolomeo Altomonte zu sehen, die die Stufen der menschlichen Erkenntnis vom Denken und Sprechen über die Wissenschaften bis zur göttlichen Offenbarung darstellen. Auch auf den triumphalen Deckenfresken der Benediktinerstifte Melk und Altenburg ist die Vermählung von Tugend und Wissenschaft unter der Schirmherrschaft der Religion dargestellt, hier geschaffen von dem berühmten österreichischen Maler Paul Troger. In Altenburg liegt unterhalb der Bibliothek gar eine Krypta, die in diesem Falle rein als Ort zur Meditation über den Tod dient. Die Ausmalung wurde von den Schülern Paul Trogers nach einem ausgefallenen Bildprogramm zum Thema Tod gestaltet, ein einzigartiges Beispiel für den grotesken Barock. Mit ihren monumentalen Fotografien ruft Candida Höfer diese Gesamtkunstwerke wieder in Erinnerung und überführt sie in ein zeitgenössisches Medium.

Candida Höfer (*1944, Eberswalde) zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Düsseldorfer Fotoschule. Sie studierte von 1976 bis 1982 in der Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf. Ihre Werke werden international ausgestellt und sind heute Teil der bedeutendsten Sammlungen weltweit.

 
 

Thomas Struth

Thomas Struth

12.11.2015 - 30.01.2016
Thomas Struth
Research Vehicle, Armstrong Flight Research Center, Edwards 2014
Inkjet print
145,8 x 196,7 cm
© Thomas Struth, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle

Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, den neuesten Werkzyklus des Deutschen Künstlers Thomas Struth, der bereits seit den 1980er Jahren mit der Galerie verbunden ist, zu präsentieren.
Auf einer Reise nach Südkorea in 2007 fotografierte Thomas Struth auf einer der größten Werften der Welt Tankschiffe, die in Reparatur standen, sowie einen halb im Wasser versenkbaren Bohrturm. Seit dieser Reise stehen industrielle Innovationen und wissenschaftliche Errungenschaften im Fokus seines künstlerischen Interesses.
Mit den im Erdgeschoss und im ersten Stock der Galerie gezeigten Werken eröffnet uns Thomas Struth einen Einblick in die sich im Inneren der Anlagen befindenden Maschinerien und Gerätschaften und in die oftmals unzugänglichen Räume wissenschaftlicher Forschung. Testlabore mit Instrumentarien und Apparaten sowie auch medizinische Einrichtungen geraten hierbei in sein Blickfeld.
Das Werk „Research Vehicle, Armstrong Flight Research Center, Edwards, 2014“, zeigt einen Simulator, mit dem Apollo Astronauten ab 1964 die Mondlandung probten. Nur der Titel der Werke gibt einen Hinweis auf den Ursprung und die Funktion des Abgebildeten. Ohne die Präsenz des Menschen als Zeuge und Indiz für Zeit und Raum ist eine Einordnung in Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft nicht sogleich realisierbar. Verschlungene Schläuche, Kabelknäuel, unerklärliche Konstruktionen in oftmals satten Farben, beginnen sich herauszulösen und in abstrakte Kompositionen von Farbe und Form zu verwandeln. Ähnlich seinen frühen Straßenlandschaften und Aufnahmen von Wäldern und Dschungelansichten steht auch bei dieser neuesten Werkgruppe der Mensch ausgegliedert dem Bild gegenüber.
Thomas Struth, geboren 1954 in Geldern, zählt zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation. Die schwarz– weißen und farbigen Architekturfotografien von Städten in Europa, Amerika und Asien sowie die bekannten Familienportraits, bei denen er die Möglichkeit der Fotografie als Ursprung psychologischer Erforschung hinterfragt, sind wichtige Etappen von Struths Oeuvre. Es folgten die scharfsinnig analysierenden Museumsfotografien, die das Verhältnis von Besucher, Museum und Kunstwerk ausloteten und Aufnahmen von Wald- und Dschungelansichten, die „Paradiese“. Das Werk von Thomas Struth wurde bereits mit zahlreichen internationalen Einzelausstellungen gewürdigt. 2016 wird ihm sowohl der Martin-Gropius-Bau in Berlin als auch das Museum Folkwang in Essen eine Einzelausstellung mit der neuen Werkgruppe ausrichten, die im Anschluss in mehreren Museen in den USA zu sehen sein wird.
 

David Claerbout

David Claerbout

11.09.2015 - 07.11.2015
David Claerbout
Highway Wreck, 2013
15 min 35 sec loop
single channel video, HD animation, black & white, silent
© David Claerbout, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle

Anlässlich der Open Art 2015 zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle zwei Werke des international renommierten belgischen Videokünstlers David Claerbout. In einem eigens für diese Ausstellung entworfenen Environment präsentiert Claerbout die audiovisuelle Installation „Radio Piece (Hong Kong)“ sowie die Videoinstallation „Highway Wreck“. Beiden Werken gemeinsam ist die Auseinandersetzung mit Zeit und Raum.

Ursprünglich studierte David Claerbout, 1969 in Kortrijk, Belgien geboren, Malerei. Erst später fand er anhand seines eigenen Interesses am Sammeln den Weg zur Fotografie und zum Film - beides Medien, deren Wahrnehmung und Bedeutung er im Hinblick auf unsere zunehmend digitalisierte Welt technisch und thematisch durchleuchtet. So ergänzt er gefundene Bilder, teils historischer Herkunft, mit rekonstruierten Bildern und eigenen Filmaufnahmen, setzt Bilder in Bewegung oder entschleunigt sie. Oftmals agieren seine Werke als Leinwände, auf denen banale Geschehnisse oder Momente des täglichen Lebens zu sehen sind, die mittels technischer Bearbeitung narrative Räume eröffnen, deren Ende jedoch immer unabsehbar bleibt. Dies ermöglicht dem Betrachter den Moment nicht in filmischer Zeit wahrzunehmen, sondern ihn als nahezu physischen Raum zu erleben. Der eingefangene Moment kann als Allegorie des Lebens gesehen werden.

Die audiovisuelle Installation „Radio Piece (Hong Kong)“, 2015, eine Kollaboration mit RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain, beginnt mit der Aufnahme eines Zengartens, der sich im nächsten Schritt als Bild in einem kleinen chaotischen Zimmer entpuppt. Kontinuierlich entfernt sich die Kamera von diesem Raum weg, bis nur mehr die Fassaden von Hong Kongs berüchtigter Kowloon Walled City zu sehen sind, einem Stadtviertel auf der Halbinsel Kowloon, die 1987 die höchste Bevölkerungsdichte der Welt hatte und lange Zeit einen ungeklärten rechtlichen Status besaß, bevor sie 1994 abgerissen wurde.

Diese visuellen Aufnahmen werden von binauralen Tonaufnahmen begleitet. Mit Hilfe eines Kunstkopfes, bei dem die Mikrofone jeweils in den Ohren platziert sind, entstehen die Tonaufnahmen, deren Wiedergabe über Kopfhörer einen realitätsnahen und räumlichen Höreindruck gewährleistet. Für diese Arbeit nahm Claerbout die Geräusche rund um den Protagonisten des Videos, einem jungen Mann, auf.

Schnell vereinnahmt „Radio Piece (Hong Kong)“ den Besucher mit einer Qualität von Bild und Ton, die in sich stimmig ist. Nach und nach wird man sich jedoch der Umstände dieser Szenerie bewusst. Nur zu deutlich impliziert das Video den Mangel an Wohnungen, den Kampf um bezahlbaren Lebensraum und das Geschäft damit. Wortwörtlich umfassen aber auch die Tonaufnahmen einen Raum. Laut Claerbout kann die Gesinnung, dass reale Orte und Ressourcen immer rarer zu werden scheinen, zu einem Markt mentalen Grundbesitzes werden, der zwischen den Ohren angesiedelt ist. Die Videoprojektion „Highway Wreck“ von 2013 basiert wiederum auf einer über 70 Jahre alten Schwarz-Weiß-Fotografie, die ein paar Kinder und einen Soldaten zeigt, die fasziniert die Trümmer eines Autounfalls betrachten, der kurz zuvor stattgefunden hat. Claerbout hat diese Fotografie mit weiteren Aufnahmen von Hilfsarbeitern und Schaulustigen, die aufgrund des entstandenen Staus aus ihren Autos steigen, zu einem Moment verdichtet, in dem die Dringlichkeit losgelöst und das Spektakel somit entwaffnet wird.

David Claerbout ist einer der wichtigsten und bekanntesten Videokünstler seiner Generation.
Sein Werk wird international mit Einzelausstellungen gewürdigt. Noch bis zum 13. September 2015 richtet ihm das MAMCO in Genf eine Werkschau mit dem Titel „David Claerbout. Performed Pictures“ aus.

 
 

Painting Show – Part Two

Painting Show – Part Two

11.09.2015 - 07.11.2015
Thomas Zipp
Beyond Conventional Limitations (Fechner), 2015
Öl auf Leinwand
105 x 125 cm

Im zweiten Teil der Painting Show präsentiert Rüdiger Schöttle Malerei von Thomas Helbig (DE), Ma Ke (CN), Karin Kneffel (DE), Andrew Palmer (GB), Qiu Ruixiang (CN) und Thomas Zipp (DE), nachdem im ersten Teil der Malereiausstellung (12. Juni – 31. Juli 2015) Werke von Helene Appel (DE), Jānis Avotinš (LT), Adrian Ghenie (RO), Toulu Hassani (IR), Kour Pour (GB) und Florian Süssmayr (DE) gezeigt wurden.
In Thomas Helbigs neuesten Arbeiten leuchten wie bei Photogrammen immaterielle Spuren von Schmuck, Zierketten und kosmischen Motiven im Dunkel des Malgrundes auf. Helbig verwendet farbige Bühnenstoffe als Trägermaterial. Im Unterschied zur Leinwand schluckt die Oberfläche das auftreffende Licht oder reflektiert es in einem weichen Schimmer. Die Sichtbarkeit der goldenen Webkante verstärkt die feierliche Anmutung des Stoffes und unterläuft gleichzeitig auf subtile Weise dessen Pathos. Ihr täuschendes Gegenlicht, in dem die fragilen Negativformen erscheinen, verdanken sie dem Farbnebel, den der vorangegangene Sprühvorgang hinterlassen hat. Die eigentlichen Dinge sind verschwunden, was wir wahrnehmen ist ihr Nachglühen. Diese Umkehrung der Malerei fungiert hier wie das sprichwörtliche "Hinters Licht führen" und so wirft Helbig im hybriden Spiel mit Material und Farbauftrag die Frage des Mediums nach Darstellung und Repräsentation auf. Thomas Helbig hat an der Akademie der bildenden Künste in München und am Goldsmiths College in London studiert. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Im Zentrum von Ma Kes Schaffen steht die oftmals in ein surreal anmutendes Setting platzierte menschliche Figur. Durch verzerrte Darstellungsformen nimmt sie eine starke Präsenz im Bildgeschehen ein: Häufig ist der Körper in der Breite gedehnt gemalt oder die Köpfe sind mit einer unnatürlich hohen Stirn versehen. Immer wieder scheinen Ma Kes Charaktere mit eigentümlichen Apparaturen zu hantieren bzw. haben diese den Anschein, mit den Körpern verbunden zu sein. Handelt es sich um McLuhan'sche Gerätschaften des elektronischen Zeitalters, die Ma Ke als Klotz am Bein visualisiert? Der Medientheoretiker Marchall McLuhan betrachtete Medien als Erweiterungen – „extensions“ – aber auch als Amputationen des menschlichen Sinnesapparates. In seinen Theorien geht es darum, wie die Medialität den Menschen und damit auch die Gesellschaft verändert und unmittelbar menschliches Denken, Handeln und unsere Wahrnehmung bestimmt. Auch Ma Ke wurde durch chinesische Medienpolitik sowie gesellschaftliche Praktiken Chinas geprägt. Er war zunächst stark von traditioneller chinesischer Ölmalerei und dem sozialistischen Realismus beeinflusst, bis er an der Kunstakademie von Tianjin eine ganz neue Wahrnehmung entwickelte, sich von Restriktionen befreite und zu seiner eigenen bildnerischen Sprache fand. Seinen MFA absolvierte er an der Central Academy of Fine Arts (CAFA) in Beijing. Ma Ke wurde in Zibo in der Provinz Shandong geboren. Er lebt und arbeitet in Beijing.

Karin Kneffel erfasst mit ihrer realistischen Malerei ein breites Spektrum an Motiven, denen Sie sich mit gleichbleibender unvoreingenommener Distanziertheit wie auch Präzision in der Darstellung annähert. Seit Anfang der 2000er Jahre bilden Interieurs und Fensterbilder einen Schwerpunkt ihres Schaffens. Die Spiegelungen in polierten Fußböden, schimmerndem Mobiliar, glatten Scheiben, Fernsehmonitoren oder in Gemälden im Gemälde erzeugen Vexierspiele über das Erkennen von Außen und Innen, Vorder- und Hintergrund wie auch Vergangenem und Gegenwärtigem. Kneffel transferiert alles auf die zweidimensionale Fläche der Leinwand und lässt Raum und Zeit in einem Moment anhalten. Der gekonnte Einsatz von Lichteffekten unterstützt die Undefinierbarkeit und mysteriöse Stimmung der Szenarien. Sie muten wie schockgefroren an und erinnern zuweilen an Stills aus Filmen von David Lynch. Kneffel setzt immer wieder das nasse Element des Wassers ein, das in Form von Tropfen oder Rinnsalen auf den Fensterscheiben sitzt, durch die hindurch sich den BetrachterInnen teils ganze Bildräume offenbaren. In den Wasserflecken lodern nochmals Farben und Oberflächen der Requisiten auf. Die Malerei Kneffels changiert durch diesen Kunstgriff gelegentlich beinahe ins Abstrakte. Karin Kneffel war Meisterschülerin bei Gerhard Richter und ist Professorin für Malerei an der Akademie der bildenden Künste München.

Andrew Palmers abstrakt-geometrische Malereien ähneln in ihrer Bildsprache jenen von Thomas Helbig. Wie auch bei Helbigs Arbeiten erinnern die mäandernden, undefinierbaren Flächenbereiche und Linien seiner Gemälde an makrokosmische Strukturen oder lassen mikroskopische Aufnahmen wie auch geologische Formationen ersinnen. Es eröffnen sich symbolische Orte und Welten mit verästelten Wegen, die in uns oder weit außerhalb von uns liegen könnten. Immer wieder tauchen geometrische, schwerelos anmutende Gebilde auf, die als transparente Körper den Bildhintergrund durchscheinen lassen. Vordergrund und Hintergrund, Konkretes und Abstraktes kippen ineinander. Nicht zuletzt trägt Palmer seine Materialien – Ölfarbe, Acrylgips oder Lack – nicht nur auf Leinwände, sondern auch auf gefundenes Gestein auf. Die bearbeiteten Bereiche lassen hierbei die Illusion aufkommen, man sähe die glatt geschliffenen Ebenen der Steingebilde mit ihren schimmernden Farbflächen und Aderlinien vor sich. Sie stehen in Kontrast zu den rauen, unbehandelten Oberflächen der Gesteine. Palmer schaut sich Gestaltungsformen und Oberflächenstrukturen der Natur ab und macht diesen in seinen Malereien und Objekten regelrecht Konkurrenz. „Die Kunst steckt in der Natur“, wusste bereits Albrecht Dürer und Haeckels „Kunstformen der Natur“ erfreuten sich schon bei bildenden KünstlerInnen der vorherigen Jahrhundertwende großer Beliebtheit. Andrew Palmer wurde in Salisbury (UK) geboren und absolvierte sein Kunstdiplom an der Slade School of Fine Art. Er lebt und arbeitet in London.

Qiu Ruixiang rückt wie sein chinesischer Künstlerkollege Ma Ke die menschliche Figur in den Mittelpunkt seines Schaffens. Seine Protagonisten erwecken den Anschein entweder in handwerkliche Arbeiten vertieft zu sein oder meditative leibliche Übungen - wie Qigong, eine chinesische Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist - auszuführen. Die Figuren treten stets aus einem in verschiedenfarbigen Schattierungen gehaltenen Dunkel hervor und sind von einer starken Lichtquelle dramatisch in Szene gesetzt, womit sie sich aus der Umgebung herausheben und ihre inneren Spannungen gesteigert zum Ausdruck gebracht werden. Regelmäßig sind die Charaktere alleine in ihre Tätigkeiten versunken und wirken in stiller Emotionalität von der äußeren Welt abgegrenzt. Verstärkt wird dieser Effekt durch eine teilweise eingesetzte Draufsicht, bei der im übertragenen Sinne ein auktorialer Erzähler – von oben und aus der Distanz – das Geschehen beobachtet. Ruixiangs Figuren strahlen eine kontemplative und in sich gekehrte Aura aus. Seine Arbeiten bestechen gerade dadurch, dass sie sich von allzu Zeitgenössischem unterscheiden und eine unaufdringliche Farbigkeit und Ruhe zelebrieren. Qiu Ruixiang hat an der Akademie der bildenden Künste von Xi'an studiert. Er stammt aus Shanxi und lebt und arbeitet in Xi'an.

Thomas Zipp behandelt in seinem Schaffen künstlerische, wissenschaftliche, religiöse und soziale Utopien und thematisiert dabei deren Hoffnungen, Versprechen wie auch ihr Scheitern. Zur Umsetzung seiner Assoziationen benutzt er nicht nur malerische Mittel, sondern greift stets auch auf Zeichnung, Fotografie, Fotokopie, Skulptur und Objekt zurück, wobei die diversen Medien von Zipp bevorzugt in programmatisch raumgreifenden Inszenierungen assembliert werden. Darüber hinaus ist Thomas Zipp auch in der Musik und Textarbeit aktiv. Sein „narrativer Konzeptualismus“ greift verschiedenste gestalterische Stilmittel auf. So lassen sich seine Arbeiten teils als ironisch und humorvoll, teils als poetisch-sinnlich bis düster-melancholisch interpretieren. Die Darstellung von Begrifflichem spielt in Zipps Gemälden eine zentrale Rolle, womit sich sein malerisches Œuvre deutlich von einer lauten, bunten und poppigen Malerei unterscheidet. Immer wieder kreisen jene Begrifflichkeiten um die Themenfelder Körper und Geist, Norm und Abweichung, Unbewusstes oder Visionäres. Psychologische Konzepte und Theorien und Forschungen über die Geschichte der Psychiatrie alla Michel Foucault sind von Zipp bevorzugt aufgegriffene Gegenstandsbereiche. Stets ist auch eine Auseinandersetzung mit historischen Kunstströmungen wie dem Kubismus, Futurismus oder dem Surrealismus in Zipps Werken erfahrbar. Thomas Zipp studierte an der Städelschule Frankfurt und der Slade School of Fine Art in London. Er ist Professor für Malerei und Multimedia an der Universität der Künste Berlin.

 
 

Painting Show Part One

Painting Show Part One

12.06.2015 - 31.07.2015
Kour Pour
Chanting, Humming all day long, 2014
acrylic on canvas over panel
244 x 183 cm

Helene Appel
Jānis Avotinš
Adrian Ghenie
Toulu Hassani
Kour Pour
Florian Süssmayr

Im ersten Teil der Malerei Ausstellung der Galerie Rüdiger Schöttle werden mit Werken von Helene Appel (DE), Jānis Avotinš (LT), Adrian Ghenie (RO), Toulu Hassani (IR), Kour Pour (GB) und Florian Süssmayr (DE) sechs verschiedene Positionen gezeigt. Die Arbeiten von Helene Appel, Toulu Hassani und Kour Pour sind in ihrer Bildsprache illusionistisch sowie bei Appel und Hassani weitestgehend klar und sachlich geprägt, wohingegen bei Adrian Ghenie eine stark gestisch-expressive Tendenz auszumachen ist. Jānis Avotinš figürliche Malerei besticht durch eine diffuse und reduzierte Darstellungsart und jene von Florian Süssmayr durch ihre fotorealistische Malweise als auch durch die Transformation von Motiven in unterschiedliche Bildträger.

Mit Jānis Avotinš ist ein langjähriger Künstler der Galerie vertreten, der mit seiner poetisch-subtilen Malerei in dezenter Farbigkeit einen unverkennbaren Stil prägt. Avotinš lässt seine menschlichen Figuren und Antlitze aus diffusen, meist undeutlich gehaltenen Kulissen hervortreten, die die Gestalten aus Raum und Zeit entrücken und ihnen eine eindringliche, teils unheimliche Aura verleihen. Verstärkt wird dieser Effekt durch einen häufig eingesetzten intensiven Hell-Dunkel-Kontrast. Avotinš verwischt die Spuren der Vergangenheiten und Identitäten seiner Figuren und greift dabei Themen wie Konstruktivismus oder Strukturalismus auf. Gerade durch das Herauslösen aus einem Kontext reflektiert Avotinš u.a. die Mechanismen von kulturellen Symbolsystemen, Kollektivsymboliken oder Ideologien: Die Figuren ohne Umgebungseinbettung und somit zuordenbare Milieus oder Funktionen sind auf sich alleine zurückgeworfen. Jānis Avotinš stammt aus Lettland und lebt in Riga. In Riga, Manchester und Paris hat er seine künstlerische Ausbildung erhalten.

Die Arbeiten der jungen Künstlerin Toulu Hassani haben die Objekthaftigkeit, Materialität und Oberflächenbeschaffenheit von Malerei und ihrem Zubehör zum Thema. Ihre Werke fertigt Hassani zumeist in ausgefeilter Mischtechnik mit hoher Präzision und lockt den Betrachter damit in die Falle des Illusionismus. Man weiß nie genau, womit man es zu tun hat. Mal lassen ihre Arbeiten vermeintlich Keilrahmen durch die Leinwand hindurch schimmern, mal glaubt man, das grobe, unbehandelte Gewebe mit Abriebspuren vor sich zu sehen. Mit ihrer sensiblen Farbgebung verleiht Hassani ihren nur scheinbar sachlichen Materialanalysen stets eine individuelle Note. Die Werke referieren damit ganz nebenbei zusätzlich auf Strömungen wie die Farbfeldmalerei oder neuinterpretieren den Minimalismus. Hassani begreift die Leinwand als Verbündete und Gegnerin zugleich und spielt mit den Musterungen und Stoffeigenheiten, die sie in den verschiedenen Materialien einer bespannten Leinwand vorfindet. Toulu Hassani hat in Braunschweig und Valencia studiert und war Meisterschülerin von Walter Dahn. Im Jahr 2013 erhielt sie den Preis des Kunstvereins Hannover, 2014 war sie als Stipendiatin mit dem International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York.

Auch Helene Appel ist eine Meisterin der Wirklichkeitsbefragung. Täuschend echt malt sie klein geschnittenes Gemüse, Reiskörner, dünne Fäden von Fischernetzen, verschmutzte Wasserlaken oder Anspitzreste von Stiften. Die Motivauswahl ist stets am Alltäglichen orientiert, am Unscheinbaren und wenig Beachteten. Appel nähert sich den Dingen mit großer Ruhe, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, sie erweist ihnen die höchste Reverenz, indem sie nicht vorzugeben versucht, ihre Eigentümlichkeit zu dekonstruieren oder zu übersteigern und indem sie ihre individuelle Ausdruckskraft aus dem Arbeitsprozess gänzlich herausnimmt. Die fein gemalten Linien der Netze, die Pfützen aus Kunstharz und die anderen Bildgegenstände entsprechen dabei immer den Größenverhältnissen der Wirklichkeit. Mit großer Sensibilität und Geduld häuft Appel ihre Materialien und Einzelteile zu Gruppierungen an, die somit Teil eines Ganzen werden. Die Wiederholung und Aufreihung der einzelnen Teile kreieren dynamische Formationen und referieren u.a. auf die Kraft des Kollektivs. Die in Karlsruhe geborene und international vielfach ausstellende Künstlerin hat in Hamburg und London studiert. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Kour Pours Schaffen lässt sich als verwandte Position zu Toulu Hassanis und Helene Appels Œuvre einordnen. Wie auch diese beiden Malerinnen, ist der aus England stammende junge Künstler mit iranischen Wurzeln an einer wirklichkeitsgetreuen Gestaltung interessiert. Er findet seine Motive vor allem in der ornamentalen Ästhetik und im fantastischen Figurenrepertoire von alten persischen Teppichen. Pour geht es jedoch nicht nur um eine Reproduktion der formalen Schönheit dieser kulturhistorisch bedeutsamen menschlichen Handwerkskunst, sondern auch um eine Verdichtung, Collagierung und einen Remix der alten Muster und eine durch die moderne Technik ermöglichte Zirkulation von Bildern. So finden sich Abbildungen seiner Arbeiten neben jenen von antiken Teppichen mit entsprechendem Bilderfundus beispielsweise in Auktionskatalogen und im Internet. Pour spielt mit diesem Phänomen wie auch mit der zunehmenden Verschmelzung und Überlagerung von Hochkultur, Subkultur oder Gebrauchsgrafik. Manche der alt-persischen Geschöpfe und Fabelwesen oder Symbole der Macht und des Glaubens werden so heute als Clipart- Motive für illustrative Zwecke genutzt. Kour Pour lebt und arbeitet in Los Angeles, wo er auch das Otis College of Art and Design besucht hat.

Adrian Ghenies Arbeiten sind im Gegensatz zu den Positionen von Hassani, Appel und Pour einer gestischen Malerei zuzuordnen. Seine Werke bewegen sich zwischen figürlichen und abstrakten Darstellungsformen, insofern als einzelne figurative Bildbereiche oftmals verwischt oder mit Flecken und Tupfen überlagert sind. Ghenie beschäftigt sich mit historischen Personen aus Wissenschaft, Kunst und Politik und erzeugt Settings, die eine tendenziell düstere Stimmung evozieren. Immer wieder werden Interieurs gezeigt, die mit großen Sesseln ausgestattet sind, in denen zuweilen seine Figuren beim Innehalten und Nachdenken zu sehen sind. In anderen Situationen stehen sie in theatralisch anmutender Pose im Raum und verdecken ihr Gesicht mit den Händen oder scheinen im Begriff zu sein, sich den Kopf zu raufen. Die Gesichter sind dabei immer wieder unkenntlich gemacht. Auch andere Staffage in den Interieur-Gemälden erinnert an Ästhetiken des kommunistischen Regimes Rumäniens, in dem Ghenie aufgewachsen ist. Ghenie repräsentiert in diesem Jahr Rumänien auf der Biennale von Venedig. Er wurde in Baia Mare geboren, hat an der Universität für Kunst und Design Cluj-Napoca (UAD) sein Kunststudium absolviert und lebt und arbeitet in Cluj und Berlin.

Florian Süssmayrs Arbeiten bezeugen eine große malerische Könnerschaft. Seine fotorealistischen Gemälde sind meist in Braun-, Grau- und Schwarztönen gehalten und zeigen augenblickshafte Motive aus der Punk- oder Rockmusikszene, dem Milieu bayerischer Kneipen- und Wirtshauskultur oder alltäglicher Phänomene. Durch den steten Einsatz von Sepiatönen scheinen die Sujets einer jüngeren Vergangenheit zu entstammen. Sie tragen Spuren einer „rebellischen Jugend“ in sich, auf die Florian Süssmayr gleichfalls zweifelsfrei wie Malerkollegen wie Daniel Richter oder Albert Oehlen zurückblicken kann. Die verschiedenen Sujets und Materialien werden von Süssmayr einer Verwandlung und Neuanordnung unterzogen: Aus einem Foto wird Malerei, diese wird fotografiert, fotokopiert oder als Tapete gedruckt und somit zum Hintergrund für neue Bilder. Bezeichnend für Süssmayrs Werk ist auch der Einsatz von Text, der in Form von Logos, Plattencovertiteln oder manifestartigen Aphorismen auftaucht. Referenzen auf die Arbeit von KünstlerkollegInnen, bekannte Orte, Motive und Personen lassen sich im umfangreichen Schaffen von Süssmayr allenthalben finden. Florian Süssmayr lebt in München, er war als Musiker aktiv und arbeitete über einen längeren Zeitraum beim Film.

Im zweiten Teil der Painting Show, die am 11. September 2015 eröffnet wird, werden Arbeiten von Thomas Helbig (DE), Ma Ke (CN), Karin Kneffel (DE), Andrew Palmer (GB), Qiu Ruixiang (CN) und Thomas Zipp (DE) gezeigt.
 

Thomas Ruff

Thomas Ruff

17.04.2015 - 06.06.2015
neg◊nus_15, 2014, chromogenic print, 71 x 61 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Thomas Ruff ist einer der international renommiertesten Fotokünstler. Wer seine Fotografien, die immer technischen Neuerungen unterliegen, im Original sieht, kann sich deren Wirkung kaum entziehen. Die Galerie Rüdiger Schöttle zeigt zwei Serien, die sich auf eines der ältesten Genres der Kunst beziehen: den Akt.
Thomas Ruff hat in seinen Serien immer etwas Neues erschaffen, angetrieben durch die Neugier des wissenschaftlichen Künstlers und der Praxis eines konzeptuellen Fotografen.
In der „nudes“-Serie griff Thomas Ruff erstmals das klassische Thema des weiblichen Aktes auf. Ausgehend von der Überlegung, wie ein Aktfoto in seiner eigenen künstlerischen Ausdrucksweise auszusehen vermag, recherchierte Thomas Ruff Ende der 90er Jahre im damals noch jungen Internet und stieß schließlich auf Sex- und Pornoseiten in schlechter Auflösung. Aus dem Interesse an der Struktur dieser digitalen Bilder und an der Bearbeitung der Pixelstrukturen ergab sich schließlich Thomas Ruffs erste „nude“. Heute sind seine „nudes“ weltbekannt – die Galerie Schöttle zeigt in ihrer Ausstellung ganz unterschiedliche Beispiele und Ausformungen dieser digitalen Aktfotografie.
Thomas Ruff ist bekannt dafür, dass er immer wieder neue Methoden entwickelt und gängige Begriffe von Fotografie ständig erweitert. So auch in seiner jüngsten Serie, den „Negatives“. Hierin bezieht er sich auf den Beginn der Fotografie und greift auf Fotografien aus dem 19. Jahrhundert zurück. Rein aus Blautönen bestehend, erinnert der neue Werkkomplex an das Verfahren der Cyanotypie – ein Verfahren zur Herstellung von Fotografien, das bekannt wurde durch die Naturwissenschaftlerin Anna Atkins, die damit Pflanzen präzise zu dokumentieren vermochte. Thomas Ruff erwarb historische Fotografien aus dem 19. Jahrhundert, darunter Aufnahmen von Künstlerateliers, Porträts und Aktfotografien. Diese alten Fotografien scannte er ein, invertierte die Farbskala digital und erstellte eine blautonige Fotografie in Originalgröße des ursprünglichen Negativs.
Im Vergleich zu Ruffs „nudes“-Serie sind diese Aktdarstellungen von einer wunderbaren historischen Ästhetik geprägt. Die Idee für die „Negatives“ kam Thomas Ruff während der Arbeit an den Fotogrammen, die aus einem von ihm an Hochleistungsrechnern entwickelten virtualisierten Prozess der historischen Foto- grammtechnik entstanden, bei der er die Bilder immer wieder als Positiv und als Negativ betrachtet. Bei den „Negatives“ entstehen durch die Invertierung ganz neue Kompositionen mit einer neuen Hell-Dunkel-Wertigkeit, die komplett andere Tiefenwirkungen erzielen, die Plastizität steigern und damit eine neue Seherfahrung ermöglichen. Mit dem Titel „Negative“ thematisiert Ruff ferner den Wegfall von Negativen in einer digitalisierten Welt, deren neue Generation kaum noch mit dem Negativ als Vorstufe von Fotografie in Berührung kommt.
 

Stephan Balkenhol

Stephan Balkenhol

17.04.2015 - 06.06.2015
Accident (Relief und halbnackter Mann), 2013,
Wawa Holz, Skulptur 170 x 24,5 x 24,5 cm / Relief 100 x 139 cm
© VG Bild-Kunst, Bonn 2015, Foto: Wilfried Petzi

57 Pinguine, in Wawaholz geschnitzt, zeigte Stephan Balkenhol 1991 unter anderem im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt. Das Publikum war begeistert von dieser Pinguin-Population, die sich in allen Variationen präsentierte: sitzend, stehend, liegend, brütend, laufend, schwimmend. Die aus einem einzigen Holzblock gearbeiteten Skulpturen wirken auf den ersten Blick in ihrer Sujetwahl simpel, zeugen aber nicht nur von der Virtuosität seines handwerklichen Könnens, sondern auch von seiner ständigen Hinterfragung des menschlichen Daseins. Denn der Mensch steht seit mehr als dreißig Jahren im Mittelpunkt des Schaffens von Stephan Balkenhol. Neben den mittlerweile zahlreichen geschnitzten „menschlichen Pinguinen“ – Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose – die in Anzahl und Variation die Frankfurter Pinguine bei Weitem übertreffen, widmet sich Stephan Balkenhol vor allem dem Thema Mann und Frau. In der zuletzt gezeigten, umfassenden Werkschau im Landesmuseum in Linz wurde dies wieder einmal überdeutlich: Eine rote Fächer-Konstruktion zeigt von der einen Seite gesehen einen Mann, erst beim Umschreiten der Bodenskulptur erblickt der Betrachter von der anderen Seite eine Frau, beide in paradiesischer Nacktheit. Nicht unweit davon räkelt sich anmutig ein „Hermaphrodit“ (2013), daneben entspannt ein „Satyr“ (2014) in der erotischen Pose des berühmten Baberinischen Faun. Ein Nackter, nur mit einer braunen Jacke bekleideter Mann, der sein Gesicht verhüllt, steht vor einem Relief, das wie ein Stück Höhlenmalerei an die Ursprünge menschlichen Kunstschaffens erinnert.
Zahlreich sind auch Stephans Balkenhols Bronzeskulpturen im öffentlichen Raum, oft ist es der ganz normale Mensch, der im Blickpunkt steht. Ein Bronzener Balkenhol-Mann in weißem Hemd und schwarzer Hose balanciert – als einprägsames Symbol der Wende – auf einer Mauer unweit des ehemaligen Todesstreifens der Berliner Mauer („Balanceakt“, 2009). Selbst der junge Richard Wagner in Leipzig (2013) ist bei Balkenhol in erster Linie Mensch, lediglich der vier Meter hohe Schatten hinter der Skulptur zeugt von seiner enormen Schaffenskraft; auch die Skulptur des Widerstandskämpfers Jean Moulin in Metz (2014) zeigt einfach den Menschen ohne jeglichen Pathos.
Stephan Balkenhol steht in der Tradition der Bildschnitzer und vermag es wie kein anderer dem menschlichen Dasein immer wieder neuen Ausdruck zu verleihen. Seine Figuren sind mal zart aus hartem Holz, mal grob aus eher weichem Holz und bestehen fast immer aus einem durchgehenden Holzstück. Die Skulpturen werden zunächst mit der Kettensäge aus den Holzklötzen gesägt, um dann mit Beitel und Stichel in Feinarbeit herausgeschält zu werden. Abschließend werden sie noch farbig gefasst. Trotz ihrer rauen Oberflächenstruktur mit abstehenden Spänen sind sie in unglaublicher Präzision gefertigte Skulpturen in Menschenform. Man kann sich diesen, dem Holz entlockten Figuren, nicht entziehen und steht immer wieder fasziniert vor ihnen. Die Galerie Rüdiger Schöttle wird in der kommenden Ausstellung keine Pinguine zeigen, wir sind gespannt auf neue Werke von Stephan Balkenhol.

 

 
 

Rodney Graham

Rodney Graham

06.02.2015 - 11.04.2015
Rodney Graham, untitled (no. 1-12), 2014, ink (with pipe cleaners and traditional brushes) on watercolour paper, 37,7 x 27,5 cm, © Rodney Graham, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle.

Rodney Graham zählt zu den bedeutendsten Konzeptkünstlern unserer Zeit. Er ist bekannt für seine humorvollen, selbstreflexiven und narrativen Arbeiten, in denen er sich selbst in Bezug auf Literatur, Musik, Film oder Ikonen der Kunstgeschichte in verschiedene Rollen setzt.
Die Ausstellung Kitchen Magic Drawings in der Galerie Rüdiger Schöttle zeigt neue Arbeiten von Rodney Graham in der Rolle des „pipe cleaner artist“, eine Idee die er seit 2013 verfolgt. Den Impuls zu den farbkräftigen und geheimnisvollen Zeichnungen gab das neueste Buch KÜCHENZAUBER von Rüdiger Schöttle. Der Text basiert auf Gedanken von Theodor W. Adorno und Jacques Derrida, die Küche dient als Metapher und Raum für Rüdiger Schöttles Überlegungen zu Zeitlichkeit, Wahrnehmung und der Verbindung von Subjekt und Objekt.

Rodney Graham: „Ich habe versucht, auf Rüdigers sehr abstrakten Text in der Figur des „pipe cleaner artist“ zu antworten, eines imaginären Künstlers der 1960er Jahre, der die Ausdruckskraft gebogener, verdrehter, in Farbe getauchter Pfeifenreiniger erkundet (ein bisschen in der Tradition von Cocteau, den man in einer Fotografie von Man Ray an einem aus Pfeifenreinigern konstruierten Kopf arbeiten sieht – wie jener in Das Blut eines Dichters). Ich fertigte zwei Serien von Zeichnungen an, eine in Schwarz-Weiß mit Pfeifenreinigern, die ich in Tusche tauchte, und eine zweite in Farbe sowohl mit Pfeifenreinigern als auch mit herkömmlichen Pinseln. Beide Küchenzauber-Serien versuchen, in Rüdigers Text Resonanz zu finden, indem sie durch einen im Wesentlichen automatistischen Zugang unbewusste Bilder der Transformation evozieren.“

Zusätzlich zu den Zeichnungen sind in der Ausstellung Assemblagen zu sehen, die ebenfalls aus Pfeifenreinigern zusammengesetzt sind und eine weitere Facette des „pipe cleaner artist“ zeigen. Nicht auf ein Medium fixiert, lässt er in dieser Rolle, die reale und die fiktive Künstlerfigur miteinander verschmelzen.

Rodney Graham ( *1949 in Vancouver, Kanada ) lebt und arbeitet in Vancouver. Seine Arbeiten sind Teil der bedeutendsten Sammlungen weltweit und werden seit den 1980er Jahren international ausgestellt. Die Sammlung Goetz in München widmet ihm Ende 2015 eine Einzelausstellung.

Im Frühjahr 2015 erscheint im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln: RÜDIGER SCHÖTTLE: KÜCHENZAUBER / KITCHEN MAGIC.
Mit 12 farbigen Zeichnungen von Rodney Graham.
 

Chen Wei

Chen Wei

Yesterday Shop

06.02.2015 - 11.04.2015
Chen Wei, In The Waves #6, 2013, Archival Inkjet Print, 180 x 225 cm
© Chen Wei, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle and Chen Wei.

Mit Yesterday Shop eröffnet die Galerie Rüdiger Schöttle die zweite Einzelausstellung des chinesischen Fotokünstlers Chen Wei.
Gezeigt werden inszenierte Farbfotografien unterschiedlichen Formats. Malerei, Fotografie und Film dienen Chen Wei als Inspirationsquelle und finden sich in Motivwahl, Komposition sowie Farb- und Lichtgebung in den Werken wieder.

Betritt man den Ausstellungsraum im 1. Stock der Galerie, steht man einer Gruppe von Menschen gegenüber, die in sich versunken tanzend in blaues Licht getaucht sind. Der Ort an sich ist nicht erkennbar, lediglich ein paar Lichtkegel durchziehen den Raum und lassen auf einen Tanzclub schließen. Chen Wei selbst kommentiert diese Arbeit „In the Waves #6“ im Interview mit dem Britischen Guardian wie folgt: „In China sind Nachtclubs die einzigen Orte, wo es gestattet ist, dass viele Menschen zusammenkommen. Ansammlungen von Menschen, die alle das gleiche tun, sind anderswo nicht erlaubt – schon gar nicht auf der Straße. Dabei würde die Regierung nervös werden. Dieses Foto entstand letztes Jahr in Peking, wo ich wohne. Es handelt von Träumen und Realität: In China gehen Menschen in Clubs, um ihren Träumen nachzujagen, aber sie können dem, was draußen passiert, nicht entkommen …“ (The Guardian, 30. April 2014, Interview von Karin Andreasson).

Chen Weis Werk befasst sich mit aktuellen gesellschaftsrelevanten Fragen. Schonungslos rückt er unsere Lebensbedingungen, Träume, Wünsche aber auch Ängste in den Fokus. Unter sorgfältiger Vorarbeit und mit einer ausgewählten Gruppe von Assistenten produziert er seine Werke in Filmstudios oder in seinem Atelier. In seinen Fotografien inszeniert er Stillleben, leere Interieurs oder ganze leerstehende Ladenzeilen, die in ihrer Komposition und Motivwahl an Werke Edward Hoppers erinnern.

„In the Waves #6“ bildet eine besondere Ausnahme zu den anderen Werken der Ausstellung, da hier Protagonisten seine oft menschenleeren Kulissen bevölkern. Lässt man den Blick durch die Ausstellung schweifen, so fällt jedoch auf, dass auch die übrigen Werke stets von einer menschlichen Präsenz zeugen, während die Menschen in „In the Waves #6“ fast wie Staffage wirken.

Chen Wei wurde 1980 in der Zhejiang Province, China, geboren. Er lebt und arbeitet in Peking.
2015: Sein Werk ist vertreten in der Gruppenausstellung zeitgenössische chinesische Fotografie, die im Mai 2015 am Museum Folkwang in Essen eröffnet. Im März 2015 werden seine Fotografien in einer Einzelausstellung am K11 Art Space in Shanghai zu sehen sein. 2014 stellte er in der Australia China Art Foundation, Sydney, aus und war zudem Teil folgender Gruppenausstellungen: Chinese Photography 1911-2014, Stravanger Art Museum, Stravanger, Norwegen; My Generation: Young Chinese Artists, Tampa Museum of Art, Tampa, Florida, und Museum of Fine Arts, St. Petersburg. Sein Werk ist in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten.

 

 

 

 
 

Elger Esser

Elger Esser

14.11.2014 - 31.01.2015
Elger Esser
Ninfa – Physadeia, 2013
Unikat, Directprint, AluDibond, Shellac
98 x 123 x 4,5 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

„Nur durch eine Nymphe wird Natur zur Landschaft.“ - Elger Esser
Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich die fünfte Ausstellung mit dem deutschen Fotokünstler Elger Esser zu realisieren. Gezeigt werden Werke aus seiner neuesten Serie von Landschaftsaufnahmen mit dem Titel „Ninfa“ (dt. Nymphe), die in dem gleichnamigen italienischen Giardino di Ninfa, südlich von Rom, entstanden sind.
Aufgrund der besonders geschützten Lage am Fuße der Lepinischen Berge und an der Quelle des Flusses Ninfa ist dort ein Biotop mit einer einzigartigen Flora und Fauna entstanden, dessen Ursprünge bis in die Antike zurückführen. Die städtischen Strukturen wurden aufgrund der Pest und zahlreicher Raubzüge im Mittelalter aufgegeben und von der Natur zurückerobert. Im 16. Jahrhundert ließ schließlich die Adelsfamilie Caetani einen englischen Garten rund um diese fruchtbare Ruinenlandschaft anlegen. Der verwunschene Giardino di Ninfa zieht seit Jahrhunderten Künstler, Literaten und Dichter an, darunter Giorgio Vasari, Virginia Woolf und Gabriele D’Annunzio.
Elger Esser konzentrierte sich in seiner Auseinandersetzung mit Ninfa auf den mythologischen Geist, der diesem Ort innewohnt. Die Werke tragen Titel wie Orseis, Abarbaree und Nysa, benannt nach den Wasser-, Felsen- und Blumennymphen der griechischen Mythologie. In Farbe und Schwarz-Weiß näherte sich Esser der Wasser- und Pflanzenwelt, die durch die verfallenen Mauern und Steinreste wuchert. Dabei entstand ein allegorischer Werkkomplex, der den Nymphen wieder Leben einhaucht.
Die hochwertige Drucktechnik der Unikate verstärkt den geheimnisvollen Charakter der Umgebung, in der die Werke entstanden sind. In einem speziellen Verfahren wurden die fotografischen Aufnahmen direkt auf Aluminium gedruckt und mit Shellac überzogen, sodass sie eine malerische Oberfläche erhielten. Ergänzt werden die Fotoarbeiten durch Videoinstallationen, die die Bewegung des Wassers und dessen Geräusche im Garten sinnlich erfahrbar machen.

Elger Esser (*1967 in Stuttgart) verbrachte seine späte Schulzeit in Rom. Zum Studium kam er zurück nach Deutschland in die berühmte Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf (1991 – 1997). Seitdem werden seine Landschaftsbilder und Veduten in zahlreichen internationalen Ausstellungshäusern präsentiert, u.a. im Solomon R. Guggenheim Museum New York, Stedelijk Museum Amsterdam, Kunsthaus Zürich, Centre Pompidou Paris oder auch im Lenbachhaus München.
 

Florian Süssmayr

Florian Süssmayr

14.11.2014 - 31.01.2015
Florian Süssmayr
Betti, 2014
Öl auf Leinwand, 170 x 140 cm

Hey, Lovers Club, Geyerwally, Lindwurmstrasse, Schelling Salon, U6 Großhadern, Marienplatz, Nein, BC Hartha, Ok Girls sind typische Titel der Werke Florian Süssmayrs. Das Repertoire reicht von zufälligen Motiven – wie etwa die jüngst entstandene Serie ölverschmierter T-Shirts, die er beim Malen trägt und die sowohl gerahmt, als auch wieder abgemalt als Ölgemälde ihre Wirkung entfalten – bis hin zu ausgewählten und in Szene gesetzte Sujets, die oft dem Alltäglichen entsprungen sind.
Eine seiner neuen Arbeiten zeigt einen Frauenschopf von hinten, die blonden Haare geordnet zu einer klassischen Frisur, die ein ebenso hübsches Gesicht erwarten lassen würde, aber eben das wird uns vorenthalten. „Betti“ ist die Süssmayrische Version von Gerhard Richters berühmten fast gleichnamigen Gemälde. Gleich dem Vorbild handelt es sich um ein fotorealistisches Gemälde, das – wie so oft in Süssmayrs Werken – in der Farbpalette jedoch auf Weiß-, Grau-, Braun- und Schwarztöne reduziert bleibt. In einem Arbeitsgang wird die Farbe direkt auf die richtige Stelle der Leinwand platziert. Die Endfassung des Bildes ist im Kopf fixiert und wird in technischer Präzision frei auf die Leinwand gebannt. Florian Süssmayr beherrscht die „klassische Königsdisziplin“ der Kunst.
Aber dieses Gemälde besteht noch aus einem zweiten Akt. Süssmayrs „Betti“ trägt keine beschauliche Blumenjacke, sondern eine mit Nieten besetzte Lederjacke. Eine Reminiszenz an die Punk-Zeit Florian Süssmayrs, als er noch mit seiner Band „Lorenz Lorenz“ unterwegs war, ein Verweis auf das linksautonome Milieu der 1980er Jahre, in dem sich der Künstler bewegte? Süssmayr sucht wohl eher einen bewussten Gegenpol zum bürgerlichen Idyll des Richter Porträts. „Fuck the...“ prangt in großen Lettern auf der Lederjacke. Hier wird gleich noch ein Maler zitiert: Daniel Richter, der Punk unter den Malern. Punkmotive und -sprüche sind in der Malerei beider Künstler gegenwärtig, auch biografische Parallelen lassen sich ziehen. Der einst brisante und politisch mittlerweile belanglose Spruch „Fuck the police“ entstammt der Nietenjacke von Daniel Richters Gemälde „Lonely Old Slogan“. Beide Künstler verbindet eine eher subversive Geisteshaltung und es ist ein wahre Freude zu sehen, wie es Florian Süssmayr gelingt, das bürgerliche Gerhard Richter-Motiv mit dem Sujet des Revoluzzers Daniel Richter zu verbinden, um dann doch typisch Süssmayr zu bleiben.
Süssmayrs Motive sind oft nicht wirklich eindeutig. Durch Überlagerungen verändert sich der Charakter seiner Bilder. Untertitel machen aus einem Gemälde ein Film-Still, durch Übermalung entsteht aus einer Landschaft ein Schmierzettel, Kratzer und Gebrauchsspuren verwandeln eine manieristische Auferstehungsszene in eine plakative Reproduktion. Korrespondierend dazu transformiert er seine Motive in unterschiedliche Medien. Aus einem Foto wird Malerei, die fotografiert, fotokopiert, und wieder als Tapete gedruckt, Hintergrund für neue Bilder wird.
Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

 

 
 

Goshka Macuga

Goshka Macuga

Madness and Ritual

12.09.2014 - 08.11.2014
Abbildung (Startseite und Slider Ausschnitt):

Goshka Macuga
Aby Warburg on Madness and Ritual, set for Scene 2, 2014
tapestry, 270 x 366 cm
© Goshka Macuga, courtesy Galerie Rüdiger Schöttle
Foto: Simon Vogel

Die in London lebende polnische Künstlerin Goshka Macuga ist in vielen Techniken zu Hause. Grundlage vieler ihrer Kunstwerke ist die Collage, die auf innovativste Weise selbst bei monumentalen Wandteppichen ihre Anwendung findet, denkt man etwa an den spektakulären Beitrag Macugas zur Docu- menta 13. Nun hat sich Goshka Macuga einer neuen Gattung zugewandt, dem Theater. In Kooperation mit Dieter Roelstraete beim Skript und Brygida Ochaim bei der Choreo- graphie hat sie ein Theaterstück über Kunst, Künstler und Kunsthistoriker konzipiert, das anlässlich der 8. Berlin Biennale für zeitge- nössische Kunst seine Uraufführung hatte. In Anlehnung an eine unpublizierte Komödie des Kunsthistorikers Aby Warburg wird die Kunstwelt in drei Szenen humorvoll analysiert. Am Höhepunkt des Stücks liefern sich Aby Warburg, Marina Abramovic ́ und ein Hopi-Indianer einen Schlagabtausch über Kunst, deren Eingrenzung und Verrückthei- ten. Eine daraus entstandene neue Teppich- arbeit Aby Warburg on Madness and Ritual, set for Scene 2 ist aus all diesen Verrücktheiten gewebt und wird damit zu einem der Highlights der Goshka Macuga Ausstellung.
 

Candida Höfer

Candida Höfer

Düsseldorf

06.06.2014 - 31.07.2014
Candida Höfer
Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf I 2012
chromogenic print
180 x 252,5 cm
© Candida Höfer; VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Candida Höfer, geboren 1944 in Eberswalde, zählt unumstritten zu den führenden internationalen Fotokünstlerinnen der Gegenwart. Bekannt ist sie vor allem für ihre großformatigen Farbfotografien von zumeist menschenleeren Innenräumen, die eine künstlerische und kulturelle Bedeutung haben. Orte des Wissens, der Bildung und des Kunstgenusses wie Bibliotheken und Museen, repräsentative Säle irdischer und himmlischer Macht in Palästen und Kirchen, kulturelle Begegnungsstätten wie Theater und Opernhäuser, die sie betont sachlich, aus der Zentralperspektive oder einer idealen Diagonale heraus komponiert.
Was auf den ersten Blick in seiner Perfektion zunächst unspektakulär erscheint, enthüllt bei genauerer Betrachtung ein die Architektur durchdringendes Ordnungssystem, das bis in die Tiefe des Bildes präzise wiedergegeben wird. In vielen Arbeiten durchbrechen zufällige Details wie eine verschobene Absperrung, ein stehen gebliebener Eimer oder ein unschöner fleckiger Boden die strikte Ordnung. Spuren von momentan nicht mehr anwesenden Menschen geben der auf den ersten Blick idealisiert erscheinenden Szenerie Alltäglichkeit und Normalität.
Candida Höfer stellt seit 1985 in der Galerie Rüdiger Schöttle aus. Unsere diesjährige Ausstellung trägt den Titel „Düsseldorf“. Für die Künstlerin ist Düsseldorf verbunden mit ihren Anfängen. Allem voran ihr Studium an der Akademie in der bekannten Klasse von Bernd und Hilla Becher (1976 – 1982). Dem Thema widmete sich die große Einzelausstellung „Candida Höfer: Düsseldorf“ im dortigen Museum Kunstpalast (Sep 2013 – Feb 2014). Daraus zeigen wir in München eine Auswahl.
Im Erdgeschoss verweist die „Projektion Düsseldorf III 2012“ auf Candida Höfers frühe Erfahrungen mit dem Medium Film. Durchlaufend führt die Installation elf in der Mitte der 1970er Jahre entstandene Selbstportraits mit Kamera vor. Dabei wird die Künstlerin im Bild nur andeutungsweise als transparente Spiegelung in Schaufenstern von Läden des alltäglichen Bedarfs sichtbar. Begleitet wird die Wandinstallation von einer aktuellen fünfteiligen Bildergruppe kleineren Formats, „Düsseldorf IV 2012“. Größtenteils ohne Titel und somit ohne den gewohnten Hinweis auf den Entstehungsort, rücken die Arbeiten Farbflächen, Überblendungen und Lichtrefelexe in den Fokus - womöglich eine neue Tendenz der Künstlerin zu mehr abstrakt anmutenden Arbeiten. Gleiches gilt für zwei im ersten Stock gezeigte Großformate: „Neuer Stahlhof Düsseldorf I und II 2012“. Schneckenförmige dunkle Linien durchziehen die fast gänzlich in weiß gehaltenen Bildkompositionen. Erst auf den zweiten Blick erschließt sich, bedingt durch die ungewohnte Perspektive, dass dies einTreppenhaus einmal in Auf-, einmal in Untersicht ist. Weitere Großfotografien, darunter „Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf I 2012“ und Arbeiten aus dem Benrather Schloss, vervollständigen die Ausstellung.
 

Maria Bartuszova

Maria Bartuszova

04.04.2014 - 31.05.2014
Abbildung:
Maria Bartuszova
Untitled 20, 1985
plaster
213x118x25 cm

Im Erdgeschoss der Galerie zeigen wir parallel zu Thomas Ruff im ersten Stock ausgewählte Werke aus dem Nachlass von Maria Bartuszova (1936-1997). Der non-figurative sinnliche Formenschatz der in Prag geborenen Künstlerin umspannt die Materialien Gips, Holz, Stein, Bronze und Aluminium. Maria Bartuszovas Kunstwerke waren nach mehreren Ausstellungen in Osteuropa auf der documenta 12 (2007) erstmalig einem internationalen Publikum vorgestellt worden.
Seit 2008 stellt die Galerie Rüdiger Schöttle ihre teils sehr fragilen Werke regelmäßig aus. 2010 folgten die Gruppenausstellungen im Centre Pompidou (Les promesses du passé) und 2013 “Fritz Winter, das innere der Natur” im Kunstmuseum Stuttgart. Ein umfassender Werkkatalog der Künstlerin, erarbeitet von der Kunsthistorikerin Gabriela Garlatyova und der Familie von Maria Bartuszova, insbesondere von den Töchtern Anna und Veronika, mit Texten von Noemi Smolik, Jan Verwoert u.a. wird voraussichtlich in diesem Jahr erscheinen.
 

Thomas Ruff

04.04.2014 - 31.05.2014
Abbildung (Startseite):
Thomas Ruff
phg.05_II, 2012
chromogenic print
240 x 185 cm

Thomas Ruffs seit 2012 entstehende Serie „phg“ (photograms) entsteht in Fortsetzung seiner sich konsequent von der klassischen Fotografie weiter entwickelnden Technik auf vollständig digitale Weise. Inspiration lieferte die in den 1920er Jahren durch die Surrealisten bekannt gewordene Fotogrammtechnik, bei der ohne Verwendung einer Kamera in Handarbeit durch direkte Belichtung von Objekten Schwarz-Weiß-Motive entstehen.
Eine nach Künstlerwunsch entwickelte 3D Software versetzt Thomas Ruff nun in die Lage, Fotogramme quasi als digitales Faksimile auch für große Formate zu verwirklichen und dabei Farben einzusetzen. Dies geschieht auf verschiedene Weise, so steht das Kürzel “s.” im Titel einer Arbeit beispielsweise für “solarisiert” (überbelichtet), “ch.” für “chromatisch”, d.h. das farbige Licht sitzt auf dem Objekt selbst. Was entsteht sind vielfältige frei schwingende Formen, Kreise, Wellen, Linien und Flächen von gedeckter Farbigkeit in Kompositionen, die an die Malerei der 1920er Jahre erinnern, aber über ihre eigene, in das 21. Jahrhundert weisende Ästhetik verfügen. Wir freuen uns sehr, dass Thomas Ruff, der schon seit den 1980er Jahren in der Galerie Rüdiger Schöttle regelmäßig ausstellt, eine Auswahl seiner neuen Serie im oberen Raum vorstellt.
 

Lorena Herrera Rashid

Lorena Herrera Rashid

07.02.2014 - 29.03.2014
Abbildungen:
Lorrena Herrera Rashid
No One, 2014

Die in Mexiko geborene Künstlerin Lorena Herrera Rashid zeigt ihre zweite Ausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle unter dem Titel New Solutions. Es dreht sich um Themen wie Medien, Konsum, Künstlichkeit, Verschwendung und Reflektion.
Das Werk No One besteht aus einer Rose in einer umgedrehten, gläsernen Vase und zwei bearbeiteten Händen. Die Rose befindet sich seit etwa einem Jahr in der Glaskugel. Sie hat zwar ihre ursprüngliche Form bewahrt, aber ihre rote Farbe verloren und symbolisiert so das Memento Mori. Die Glaskugel in Kombination mit den Händen erinnert stark an die Darstellung von Wahrsagern. Durch dieses Zusammenspiel wird Zeitlichkeit in den Fokus gesetzt und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem Moment erlebt.
Die Figuren mit dem Titel New Solutions I – IV können als kleinste gesellschaftliche Einheit, die Familie oder auch als Individuum innerhalb einer Gesellschaft gesehen werden. Nr. I bis III sind unterschiedlich große Plastiken, die als Gruppe vor einem Spiegel positioniert sind. Die Werke sind auf verschiedene Art und Weise aus Materialien wie Holz, Sperrholzplatten, Aluminium und Teilen von Möbeln zusammengesetzt. Durch die Hände der Schaufensterpuppen erhalten die Figuren einen menschlichen Charakter. Die Spiegelung der Gruppe führt zum einen zu einer Doppelung der Szenerie, aus einem bestimmten Blickwinkel aber auch zur Einbeziehung des Betrachters in diese Gruppe.
Die dritte Arbeit der Ausstellung trägt den Titel Savings. Sie ist eine Zusammenstellung gleichmäßiger, industrieller Massenprodukte. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass die eingesetzten Objekte Unterschiede aufweisen. Die Steigerung der Unterschiede besteht darin, dass jede Dose, jeder Karton und auch die Palette ihre eigene, individuelle Nummer trägt. Auch bei dieser Arbeit wurden Spiegel eingesetzt, um den Multiplikations- und Reflektionsgedanken unseres Konsumverhaltens anzuregen.
Lorena Herrera Rashid schafft es auf ironische und zurückhaltende Art und Weise dem Betrachter den Spiegel vor Augen zu halten. Die Welt, in der wir leben ist von Massenmedien, Künstlichkeit, Konsum und Verschwendung geprägt, sodass wir manchmal nicht mehr zwischen der realen und der künstlichen Welt unterscheiden können. Dieses Phänomen macht Rashid in jeder einzelnen Arbeit, aber auch im Gesamtwerk der Ausstellung spürbar. Geschickt bezieht die Künstlerin dabei den Betrachter mit ein, setzt ihn mit den Plastiken in Korrespondenz und konfrontiert ihn so mit kritischen Denkanstössen, die nach neuen Lösungsansätzen fragen - New Solutions, doch das Ende bleibt offen.
 

Heinz Frank

Heinz Frank

07.02.2014 - 29.03.2014
Abbildungen:
Keine Augen, die das Nichts sehen, 1975
Ausstellungsansicht „Der Ungeduld der Freiheit Gestalt zu geben“, Württembergischer Kunstverein 2013
Foto: Hans D. Christ, Courtesy: Heinz Frank

Zum ersten Mal zeigt die Galerie Rüdiger Schöttle Arbeiten des österreichischen Künstlers Heinz Frank.
Der Titel der Ausstellung ist zugleich ein Zitat des Künstlers: "Ewige Treue hält das Loch seiner Leere. Jede Äußerung ist ein inneres oder innerstes Selbstporträt". Aussagen wie diese führen den Betrachter gleich zum Kern seiner Arbeit. Am Anfang steht ein Gedanke, der wird notiert und anschließend in eine Form gebracht. 'Dem gedachten Gefühl gibt er Material, um es zu fixieren'.
Zur Formgebung bedient sich Heinz Frank zufällig gefundener Objekte aus Holz oder Metall, Teilen von Möbeln und mit Vorliebe Steinen. Aus diesen Einzelteilen entstehen geheimnisvolle und rätselhafte Gebilde, die immer wieder das Bild vom Loch, Auge, Hirn oder anderen Körperteilen hervorbringen. Es geht darum, wie alles miteinander verbunden ist und was davon bleibt.
Im Umgang mit dem Material lotet Frank Spannungsfelder wie hart/weich, kalt/heiss, innen/aussen und Anfang/Ende aus und zeigt das, was dazwischen liegt. In Verbindung mit seinen treffend, lakonischen Aussagen sprechen die Objekte für sich und verbleiben als Spuren eines einstigen Gedankens.
Die Assemblagen von Heinz Frank sind stark von dem schweizer Bildhauer Alberto Giacometti beeinflusst, der sich schon vor hundert Jahren traute den Körper nur auf das Nötigste zu reduzieren, um ihn zur Figur werden zu lassen und so das Essenzielle sichtbar zu machen.
Heinz Frank (*1939 in Wien) studierte Architektur und Design an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Seit den 1970er Jahren widmet er sich der künstlerischen Arbeit. Seine Werke wurden seither in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und sind in österreichischen Sammlungen, wie dem Museum moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien (Mumok), dem Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien oder dem Rupertinum in Salzburg, vertreten.
 

Andreas Gursky / Jeff Wall

Andreas Gursky / Jeff Wall

29.10.2013 - 25.01.2014
Abbildungen:
links:
Andreas Gursky, Ohne Titel XV, 2008
© Andreas Gursky
Startseite:
Jeff Wall, Band and Crowd, 2011

Gleich zwei große Ausnahmekünstler auf dem Gebiet der zeitgenössischen Fotografie stehen sich erstmalig explizit in einer gemeinsamen Ausstellung gegenüber, obschon die Idee für dieses Projekt, basierend auf wechselseitiger Wertschätzung, schon seit vielen Jahren besteht.
Andreas Gursky, geboren 1955, besuchte erst die Folkwang-Schule in Essen, deren Fachbereich Fotografie ein hohes Renommee genoss, bevor er sich auf Rat seines Freundes Thomas Struth zu Beginn der 1980er Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf in die bekannte Fotoschule unter Bernd und Hilla Becher bewarb. Andreas Gurskys frühe Werke sind zumeist kleinformatig und eher dokumentarischer oder konzeptueller Natur. Die Motive umspannen hauptsächlich die Bereiche Landschaft, Architektur und Interieur. 1986 hatte er seine erste Ausstellung bei Rüdiger Schöttle in München. Ende der 1980er Jahre beginnt er großformatig zu arbeiten und sich die Möglichkeiten der computergestützten Bildbearbeitung zunutze zu machen. Durch auf den ersten Blick kaum als solche ersichtliche Montage entstehen einige seiner bekanntesten Werke, die sich durch additive ornamentale Strukturen bei zugleich homogen wirkenden Oberflächen auszeichnen. Erst bei genauerer Betrachtung erschließen sich mehr und mehr Details, was zu der großen Faszination von Andreas Gurskys Arbeiten beiträgt, der heute zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Fotografen zählt. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Jeff Wall, geboren 1946 in Vancouver, wo er bis heute ansässig ist, beeinflusste die zeitgenössische Fotografie seit den frühen 1980er Jahren auf wohl einzigartige Art und Weise. Seit 1981 ist er bereits mit der Galerie Rüdiger Schöttle verbunden. Seinen frühen Bezug zu München bespiegelt auch die von November 2013 bis März 2014 andauernde Werkschau in der Pinakothek der Moderne. Dabei genießen Jeff Walls unverwechselbare, großformatige Diapositive in Leuchtkästen offenbar die größte Bekanntheit, aber auch Schwarz-Weiß-Fotografien und C- bzw. Inkjetprints ergänzen seine Technik. In einem aufwendigen Entstehungsprozess inszeniert der studierte Kunsthistoriker seine Fotografien ähnlich einem Filmset, so dass auf ihnen entgegen dem ersten Eindruck kein Detail zufällig ist. Einflüsse zeigen sich aus ganz verschiendenen Bereichen wie Malerei und Skulptur vergangener Epochen, verbunden mit alltäglichen Medien der heutigen Zeit, insbesondere Film und Werbung. Die scheinbar realen Sujets wirken oft wie dem Alltagsleben entsprungenen oder führen mitunter drastische, aktionsreiche Szenen aus einem raueren Milieu vor. In unserer diesjährigen Ausstellung liegt der Schwerpunkt von Jeff Walls Arbeiten auf C-Prints, die im weitesten Sinne dem Thema Musik und Jugend zuzuordnen sind. Herzstück ist die großformatige Arbeit Band & Crowd von 2011.
Andreas Gursky zeigt neben weiteren Arbeiten ebenfalls ein sehr großes Querformat – Ohne Titel XV, dessen Hintergrund die silbermetallisch glänzende Schwammstruktur einer Akustikwand beherrscht. Ein weiteres Hightlight wird die neue Arbeit Lehmbruck von 2013 sein.
 

Steven Claydon

Steven Claydon

14.09.2013 - 19.10.2013
Abbildung:
Steven Claydon
The passage of different substance (detail)
Installation view, firstsite, Colchester, 2012
Ceramic, wicker, Formica, acrylic, powder coated steel, copper, polyurethane foam, hessian, string, peacock feathers, gum rubber, wood, brass
178 x 200 x 400 cm
photo: Andy Keate

Compulsive Communicators
Mit spielerischer Präzision hinterfragt Steven Claydon (*1969) allgemein geltende Denkstrukturen und Taxonomien. Er arbeitet mit unterschiedlichen Materialien und Ästhetiken, stellt Artefakte Alltagsgegenständen gegenüber, setzt Repliken neben Originale. Durch ihre besondere Präsentationsform knüpft der Künstler an die Ausstellungstradition naturgeschichtlicher und prähistorischer Museen an. Gleichsam setzt sich Claydon mit dem Konstruktionscharakter von Sammlungen und Archiven auseinander sowie mit der kuratorischen Praxis an sich.
 

Martin Creed

Martin Creed

14.09.2013 - 19.10.2013
Abbildung:
Martin Creed
Work No: 671
Friends, 2007
Yellow neon
6 in / 15.2 cm high
Edition of 3 + 1 AP
photo: Hugo Glendinning

„Everything is going to be alright; don't worry; Things“ oder einfach nur „Friends“ lauten die weittragenden Schriftzüge der Neonröhren Martin Creeds (*1968).
Seine minimalistisch geprägten Arbeiten gehen gedanklich weit über das eigentliche Objekt hinaus und lösen unweigerlich Assoziationen und Reflexionen aus. Seit 1987 nummeriert Creed seine Werke, die Werktitel bezeichnen dabei das Werk unmittelbar: „Work No. 656. A sheet of paper folded and unfolded“ ist ein gefaltetes und entfaltetes Blatt Papier.
 

Andrew Palmer

Andrew Palmer

Disjunction of Men

17.05.2013 - 03.08.2013
Andrew Palmer
Untitled, 2012

Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, mit Disjunction of Men die zweite Einzelausstellung des jungen britischen Künstlers Andrew Palmer zu präsentieren.
Die Ausstellung zeigt einen neuen Werkzyklus an Gemälden in zwei- und dreidimensionaler Form. Ergänzt werden diese durch von Hand geflochtene Holzzäune, die den Ausstellungsraum teilen und dessen geradlinige Architektur akzentuieren. Ähnlich den Arbeiten erweitert der Ausstellungstitel Disjunction of Men die offene, dennoch gelenkte Welt möglicher Interpretationen.
Palmers Werk konfrontiert uns mit einer Welt jenseits des Sicht- und Definierbaren. Intuition und Zeit spielen eine wichtige Rolle in einem Prozess, bei dem Materialien geschichtet, verdichtet, entfernt und auflöst werden. Über mehrere Monate hinweg modelliert er mit Spachtel, Pinsel und Skalpell verschiedenste Materialien wie Ölfarbe, Acrylgips und Lack auf Leinwände, Massivholzplatten und gefundenes Gestein. Er schichtet und exkaviert und erschafft flache Reliefs, die darunter liegende komplexe Strukturen in Pastell- und Erdtönen gleichzeitig verbergen und offenbaren. Wie der Titel bereits suggeriert, liegt Palmers Hauptaugenmerk auf der Wahrnehmung von Grenzen, Überschneidungen, Trennung und Vereinigung, was er mit einer ausgefeilten Technik demonstriert. So setzt er Bildraum und Sinneswahrnehmung in Widerspruch: er lässt Vorder- und Hintergründe kippen und negative und positive Form verschmelzen. Gleichzeitig lösen sich die Unterschiede zwischen tatsächlichem und illusionärem Raum auf. Die daraus resultierenden Arbeiten wecken Assoziationen an organische Strukturen, digitale Systeme, alte Gemäuer oder vergangene und zukünftige Welten.
Disjunction of Men ist eine komplexe Komposition von Fläche und Raum, die durch das Zusammenspiel von Objekten und Materialien, von Farbe, Form und Textur entsteht. In einem steten Wechsel von Fülle und Leere, von Licht und Schatten, kreiert Andrew Palmer einen Raum mäandernder Dimensionen. Ungreifbar und in einem konstanten Zustand des Wandels, entzieht sich die Ausstellung jeglicher Kontinuität und greift somit auch das Rätsel um die eigene Subjektivität auf.
 

Thomas Helbig

Thomas Helbig

S

17.05.2013 - 03.08.2013
Thomas Helbig
Untitled 2013

Thomas Helbig ist bekannt für seine Skulpturen, die in ihrer Allansichtigkeit zum Umschreiten einladen und deren Detailreichtum den Betrachter immer wieder zu neuen Assoziationen anleiten. Sie stehen im Dialog mit seinen Gemälden, die in ihrer Reduktion auf scheinbar abstrakte und gleichzeitig erzählerische Strukturen faszinieren.
Helbigs neue Arbeiten sind gekennzeichnet durch einen gewissen Existentialismus der Mittel als eine Praxis der Reduzierung. Die Malerei besteht aus Farbspuren, die scheinbar direkt aus der Tube auf die Leinwand gedrückt sind. Ein „S“ zeichnet sich ab, ein Buchstabe, eine Figur, eine Spur oder auch fast nichts; aber eben nur fast, noch ist das Sujet nicht wirklich aufgehoben. Der monochrome unbemalte Hintergrund, ein farbiges Textil, hat sich verselbstständigt und wirft Falten, als wolle sich die Malfläche zur Skulptur erheben. Lucio Fontanas Errungenschaften des „Spazialismo“, die die Fläche zum Raum werden läßt, werden unmittelbar in Erinnerung gerufen und formieren sich als Negativgeste in Helbigs Arbeiten.
Lucio Fontanas Philosophie des Nichts, das er nicht als das Nichts der Zerstörung, sondern als das Nichts der Schöpfung versteht, findet sich auch in der neuen Skulptur Helbigs wieder. In einem Schrank, einem Aufbewahrungsutensil einer vergangener Zeit, wird wie in einem Schrein ein Objekt aufgebahrt; ein Fragment eines Glastisches, ein „übrig gebliebener Rest einer kaputten Kulissenwelt“, wie so oft in Thomas Helbigs Werk. Beide Objekte sind zerstört und ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, zusammen bilden sie etwas Neues und entfalten ihre eigene inspirierende Kraft. Zerstörung, ein wesentlicher Bestandteil der Skulpturen Helbigs, ist als Befreiung, als Öffnung jenseits des Objektes zu verstehen.
Thomas Helbig (*1967) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Akademie der Künste, München und am Goldsmith College in London. Zahlreiche Ausstellungen wurden ihm international gewidmet, seine Werke sind in namhaften Privatsammlungen und öffentlichen Sammlungen vertreten.
 

Janis Avotins

Janis Avotins

23.03.2013 - 11.05.2013
Jānis Avotinš
Untitled a, 2013

Jānis Avotinš hat seine eigene, unverwechselbare Sprache in der Malerei gefunden. Bekannt sind seine atmosphärischen Landschaften und „Seelenlandschaften“ zwischenmenschlicher Beziehungen, die mit reduzierter Farbpalette auf die Leinwände gehaucht sind. Im Vordergrund seines malerischen Interesses stehen die Emotionen, die Beziehung zwischen Innen und Außen, Rückblicke auf Vergangenes, Alltag und Ideologien.

In den neuen Arbeiten scheint sein Augenmerk vor allem auf Licht und Raum gerichtet zu sein. Die Gegensätze von Hell und Dunkel bestimmen zunehmend Komposition und Bildwirkung seiner Gemälde. Dieser, von Caravaggio als bewusste Bildgestaltung eingeführte, Chiaroscuro-Effekt verleiht Avotinš Gemälden eine unverwechselbare Aura. Die Personen werden aus dem dunklen, diffusen Hintergrund mit heller werdenden Tonabstufungen moduliert und wirken wie Lichtgestalten. Die starken Kontraste ergeben eine plastische Körperlichkeit und Stoffmodellierung, die eine effektvolle Dramatisierung des Bildinhaltes evoziert. Die vollständige Person lässt sich oft nur erahnen.

Jānis Avotinš wurde 1981 in Lettland geboren,studierte an der Janis Rozentals Kunstschule und der Lettischen Kunstakademie in Riga. Seine Arbeiten sind in zahlreichen namhaften Privatsammlungen vertreten, sie wurden in der Bundeskunsthalle Bonn (2013), der Saatchi Gallery London (2012), im Contemporary Art Center Vilnius (2010), der Stadtgalerie Schwaz und dem Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen (2008) gezeigt.
 

Stephan Balkenhol

Stephan Balkenhol

23.03.2013 - 11.05.2013
Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, neue bildhauerische Arbeiten des Künstlers Stephan Balkenhol zu präsentieren.

Weltbekannt und unverwechselbar sind Stephan Balkenhols grob geschnitzte und farbig gefasste Holzfiguren. Im Zentrum seiner Motivwelt stehen der Mensch, Tiere und phantasievolle Hybridwesen. Immer wieder variiert der Künstler die Körper von Männern und Frauen, zeigt sie häufig in neutraler Kleidung und ruhiger Gestik, manchmal aber auch ausgefallen inszeniert und mit unerwarteten Attributen ausgestattet. Obwohl keine Figur der anderen gleicht, erscheinen ihre Gesichter in ihrem Ausdruck rätselhaft typisiert, über dem Individuellen stehend, bewegt und still zugleich. Sie verweisen auf keine bestimmten Persönlichkeiten, illustrieren nicht und erzählen keine Geschichten. Ihre Deutung soll offen bleiben. Sie wirken zeitlos modern und zeigen sich unbeeindruckt vom hektischen Drang zum ständig Neuen und Spektakulären um sie herum. Kaum ein anderer zeitgenössischer Bildhauer findet ein modellhafteres Abbild des modernen Menschen.

Dieser Ausdruck steht in einem gewissen Widerspruch zu der von Splittern, Kerben und Fugen übersäten Oberfläche, die von einem expressionistischen Schaffensprozess zeugt: die Figuren werden mit Motorsäge und traditionellen Holzwerkzeugen grob aus dem Holz gesägt, gehauen und geschnitzt. Gerade diese scheinbare Diskrepanz verleiht den Skulpturen und Reliefs ihre Faszination und macht sie so unverwechselbar.

Neben kleinformatigen Holzskulpturen und Wandreliefs für den Innenraum nehmen die Arbeiten für den öffentlichen Raum im Schaffen Stephan Balkenhols eine hohe Stellung ein. So wird im Mai 2013 in Leipzig das neue Richard Wagner Denkmal, gestaltet von Stephan Balkenhol, eingeweiht. 2012 bespielte Stephan Balkenhol mit seinen Werken die Kasseler Kirche Sankt Elisabeth.

Stephan Balkenhol (*1957) lebt und arbeitet in Meisenthal, Frankreich, und in Karlsruhe, wo er seit 1992 eine Professur für Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste inne hat. Seit 1988 stellt er regelmäßig in der Galerie Rüdiger Schöttle aus.
 

Anri Sala I Edi Rama

Anri Sala I Edi Rama

Creating Space Where There Appears To Be None

18.01.2013 - 16.03.2013
Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, das Jahr 2013 mit einem Ausstellungsprojekt des Künstlers Anri Sala zu beginnen.
Seit 2000 stellt die Galerie Rüdiger Schöttle Anri Sala regelmäßig aus. Bisher waren ausschließlich Filminstallationen präsentiert, die aktuelle Ausstellung konzentriert sich nun auf das Projekt ‚Creating Space Where There Appears to Be None’, das in Zusammenarbeit mit dem Künstler Edi Rama entstand und zu dem Gesprächsaufnahmen und eine Reihe von Zeichnungen von Edi Rama und Anri Sala gehören. Edi Rama, mit Anri Sala befreundeter Künstler und Politiker, beteiligte sich nach Zusammenbruch des kommunistischen Regimes aktiv an den ersten Demokratiebewegungen Albaniens. Nach einem Aufenthalt in Paris, bei dem er sich ganz seiner künstlerischen Karriere widmete, kehrte er in den 1990er Jahren nach Albanien zurück und war unter anderem von 1998 bis 2000 Minister für Kultur, Jugend und Sport, danach Bürgermeister von Tirana von 2000 bis 2011. Seit 2005 ist er Vorsitzender der Sozialistischen Partei (SP).

"Creating space where there appears to be none between the foreground and the background of a drawing, an in-between dimension: through the rabbit hole we freefall to unfold the compressed space underlying a doodle over the papers of a politician. Duty-freed from the dire reality of their pages, Edi Rama's doodles take on a repetitive form like that of a "reality planner" whose bird's eye vision of a landscape demarcates neighbourhoods as zones of thought through the cartography of colour. The lines curve and curl, never remaining straight for too-great a distance, loosely binding the day-to-day. Over the past 10 years, these automated abstractions have connected the present to the otherwise unintelligible future."
Anri Sala, 2010

‚Creating Space Where There Appears to Be None’ beruht auf einem gleichnamigen Projekt aus dem Jahr 2010, bei dem Anri Sala von der Berliner About Change, Collection eingeladen war, in einer Art Ateliersituation ein Kunstprojekt zu erarbeiten. Sala hatte damals den befreundeten Künstler Edi Rama eingeladen und das Studio nicht nur als Ausstellungsort, sondern auch als Ort zur Aufnahme von Gesprächen mit weiteren Gästen genutzt: es wurden Dialoge zwischen Edi Rama und dem Kunsthistoriker Michael Fried, dem Künstler Philippe Parreno, dem Philosoph Marcus Steinweg und dem Aktivisten Erion Veliaj aufgenommen.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle ist als Dokumentation und Fortsetzung gleichermaßen zu sehen. Die Dialoge der damals mitwirkenden Personen werden im Erdgeschoss der Galerie an Hörstationen präsentiert. Zur Ausstellungseröffnung wird ein weiteres Gespräch aufgezeichnet und setzt die Konversationsreihe fort: Edi Rama und Anri Sala sprechen mit Okwui Enwezor, Direktor des Haus der Kunst, München.
Im ersten Stock der Galerie ist die Serie der ‚Inversions’, Resultat der Zusammenarbeit zwischen Edi Rama und Anri Sala, ausgestellt. Die sogenannten ‚doodles’ (zu Deutsch ‚Kritzeleien’) zeichnet Edi Rama während seiner beruflichen Tätigkeit als Politiker, also während Sitzungen oder Telefonaten - dabei bleibt vorerst offen, ob die Zeichnungen Produkte größter Aufmerksamkeit oder Resultate tagträumerischer Abwesenheit sind. Wie Lavaströme ergießen sich Linien, Formen und Farben auf dem Papier und können so als Sinnbild unserer assoziativen Gedankenflüsse gelesen werden. Anri Sala antwortet auf die Zeichnungen seines Freundes und entwickelt seinen eigenen Blick darauf: er extrahiert die Farben, Formen und Linien und kreiert neue Kompositionen. In einem weiteren Schritt konfrontiert er diese neuen zeichnerischen Gebilde mit jenen Edi Ramas: gespiegelt legt er sie auf die Rückseite der Zeichnungen. Die gerahmten Zeichnungen sind – um Vorder- und Rückseite betrachten zu können – senkrecht zur Wand gehängt.

Anlässlich der Ausstellung wird eine Publikation veröffentlicht, in der sich Anri Sala mit verborgenen Beziehungen und unterschiedlichen Realitätsschichten auseinander setzt. Den Zeichnungen Edi Ramas und seiner ‚Inversions’ stellt er internationale, nationale und lokale Nachrichtenmeldungen sowie Zitate aus Aleksandr Rodchenko's Tagebuch ‚Experiments For The Future’ (1911-1956) gegenüber und eröffnet damit neue Verbindungen.
Die Publikation wird zudem die vier Gespräche mit Michael Fried, Philippe Parreno, Marcus Steinweg und Erion Veliaj beinhalten.

Anri Sala wurde 1974 in Tirana geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Er hatte u.a. Einzelausstellungen im Museum for Contemporary Art Miami, in der Serpentine Gallery London, im Centre Pompidou Paris und im Louisiana Museum for Contemporary Art Humlebæk/Dänemark. 2012 war er Teilnehmer der dOCUMENTA (13) in Kassel, 2013 wird er Frankreich bei der Biennale in Venedig repräsentieren. In München ist bis 10.2.2013 seine Arbeit ‚Long Sorrow’ in der Ausstellung ‚ECM - eine kulturelle Archäologie’ im Haus der
Kunst München zu sehen.
 

Florian Süssmayr

Florian Süssmayr

Landschaften und Portraits

09.11.2012 - 12.01.2013
Florian Süssmayr
Ruth Ann Moorehouse
2012, 30 x 25 cm

Die Galerie Schöttle freut sich, eine weitere Ausstellung des Münchner Künstlers Florian Süssmayr zu präsentieren. Florian Süssmayr zeigt neue Bilder aus den Themenkomplexen Landschaft und Portrait, die er mit Schriftbildern kombiniert.

Welche Spuren hinterlassen Gewalt, Krieg und Exzess? Wie prägt die Geschichte Landschaften und Personen? Sieht man Mensch und Natur erlittene und verübte Gewalt an?
Florian Süssmayr beschreibt Folgen von Handlungen, die in der Vergangenheit liegen und dabei Orte und Personen prägten. Konkret zu sehen ist davon meistens nichts. Seine frühen „Farbund Fußballfelder“ beschreiben ein Fußballspiel, zeigen aber einen menschenleeren Platz. Seine Interieurs mit einsamen Tischen und Stühlen sind Orte, an denen etwas stattgefunden hat, das noch spürbar, aber nicht mehr sichtbar ist.
Einige Landschaften aus seiner neuen Serie sind als „Unbekannter Ort, Polen“ betitelt, stellvertretend für unbekannte Opfer an unbekannten Orten. Auf einem Bild liegen tote Hunde, einmal sieht man einen Schützengraben, aber auf den meisten Bildern assoziiert man diese Zeichen der Zerstörung automatisch.
Florian Süssmayr malt seit jeher nach fotografischen Vorlagen, die er in Magazinen und Büchern findet, die er aber auch selbst bei Spaziergängen mit der Handykamera festhält. So wird auch das Licht- und Schattenspiel der Baumwipfel auf den Bildern festgehalten: Ein kurzer Moment des Aufblitzens der Sonne durch die Blätter lässt uns ins Licht blinzeln. Ebenso wird ein beiläufiger Blick aus dem fahrenden Auto auf eine triste Stadtlandschaft festgehalten.
Alltägliches wird ästhetisiert: „Die Themen sind einfach, vielleicht unfreundlich; sie zeigen eine bestimmte Haltung. Skepsis, Distanz. Es ist eher etwas Düsteres, Aggressives, das sich breit macht. Und es geht um Alltäglichkeiten. Die meisten Motive sind unspektakulär. (…) Im Grunde ist es so, dass ich meine Motive einfach finde, das heißt ich finde einen Ausschnitt aus meiner Welt. Es geht um das Sehen und Erkennen.“ (Florian Süssmayr, 2005)
 

Thomas Ruff

Thomas Ruff

ma.r.s.

14.09.2012 - 03.11.2012
Thomas Ruff
3D-ma.r.s.03, 2012, Chromogener Abzug
255 x 185 cm, Ed. 3/ 3
Copyright: Thomas Ruff
Courtesy Galerie Rüdiger Schöttle

Thomas Ruff, der zu den weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Fotokünstlern zählt, stellt bereits seit drei Jahrzehnten regelmäßig in der Galerie Rüdiger Schöttle aus.
Wir freuen uns, zur Open Art neue Arbeiten aus seiner jüngsten Serie „ma.r.s.“ präsentieren zu können. Die Grundlage stellen von der NASA über das Internet publizierte präzise Schwarz-Weiß-Bilder unseres Nachbarplaneten. Sie zeigen uns nicht unvertraut wirkende Landschaften aus trockenen Flussbetten, Berggraten und Kratern. Thomas Ruff staucht die von der Sonde senkrecht erfassten Bilder zu Schrägansichten und ermöglicht in Verbindung mit ihrer Kolorierung die Vorwegnahme einer Perspektive, wie sie sich einem zukünftigen Marsbesucher auf die noch unberührte Landschaft bieten würde.
Neu sind Thomas Ruffs Experimente mit der 3D-Technik. Mittels einer speziellen Brille wird die Wahrnehmungsveränderung sichtbar: Berge springen dem Betrachter entgegen, Schluchten ziehen sich zurück. Aber auch ohne Brille betrachtet faszinieren diese Arbeiten mit ihrer intensiven und zugleich diffusen Farbigkeit und laden dazu ein, mit ihren optischen Möglichkeiten und Effekten zu experimentieren.
 

Goshka Macuga

Goshka Macuga

29.06.2012 - 11.08.2012
Goshka Macuga, Anti-Collage (Harald Szeemann), 2011

In unserem Showroom zeigen wir neue Arbeiten aus Goshka Macugas Einzelausstellung ‚Untitled’, die kürzlich in der Nationalen Kunstgalerie Zacheta, Warschau, stattfand. Auch hier betreibt sie tiefbohrende, archivistische Untersuchungen, diesmal im Hinblick auf die Zensur in der polnischen Kunst.
Goshka Macuga, 1967 in Warschau, Polen, geboren, lebt und arbeitet in London. Sie studierte an der Wojciech Gerson School of Art, Warschau, an der Central St. Martin’s School of Art, London und ist Absolventin des Goldsmith College, London. Goshka Macuga war Teilnehmerin der berlin biennale 2008 und wurde im selben Jahr für den Turner Prize nominiert. 2011 erhielt sie den Arnold Bode Preis, sie ist Teilnehmerin der gerade eröffneten dOKUMENTA (13).
 

Anders Clausen

Anders Clausen

29.06.2012 - 11.08.2012
Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich, eine neue Einzelschau des Künstlers Anders Clausen zu präsentieren.
Die diesjährige Ausstellung knüpft an seine zweite Einzelpräsentation ‚Nero Tools’ in der Galerie Rüdiger Schöttle im Jahr 2009 an. Schon damals interessierte sich der Künstler für die Prinzipien unsere Konsumgesellschaft. Neben Skulpturen, die er aus verschiedenen Alltagsgegenständen und Massenprodukten zusammensetzte und durch Präsentation auf schlanken Sockeln zum Kunstwerk erhob, zeigte er Vergrößerungen von Titelblättern deutscher Computerzeitschriften, deren grelles Design die Ängste der Computernutzer mit Titeln wie ‚Gute Tools, böse Tools’, ‚Daten retten’ oder ‚Vista geknackt’ direkt ansprachen. Ausgehend von dieser Ausstellung entwickelte Anders Clausen in den darauf folgenden Jahren einen Werkkomplex, der sich intensiv mit der Ästhetik unserer Computerwelt auseinandersetzte und insbesondere die Architektur des Computerdesktop in den Focus stellte. Screenshots unserer ‚Tools’, die wir alltäglich nutzen und nur unbewusst betrachten, werden vielfach vergrößert und geraten dadurch unausweichlich in unseren Blickpunkt. Die großformatigen Bilder, deren klare, technoide Sprache uns durch die alltägliche Arbeit vor dem Computerbildschirm vertraut ist, erscheinen nun gleichzeitig fremd. Anders Clausen überführt die digitale Welt der Computer in unsere analoge Umwelt und hinterfragt unsere Sehgewohnheiten: Nebensächliches tritt in den Mittelpunkt.
Seine erst kürzlich entstandenen Arbeiten wiederum brechen die kühle Ästhetik auf: Wischspuren unterbrechen die strenge Komposition und bringen eine individuelle, menschliche Handschrift zurück ins Werk. In der aktuellen Ausstellung wird der Künstler sowohl Wandarbeiten als auch Skulpturen präsentieren.
Anders Clausen, geboren 1978 in Kopenhagen, Dänemark, lebt in Berlin. Er besuchte bis 2007 das Royal College of Art in London. Im selben Jahr zeigte die Galerie Rüdiger Schöttle die erste Einzelausstellung des jungen Künstlers weltweit. 2012 nimmt er an der Gruppenausstellung ‚Out of Focus’ in der Saatchi Gallery, London, teil.
 

Slawomir Elsner

Slawomir Elsner

11.05.2012 - 23.06.2012
Slawomir Elsner, Odyssee 3, 2012,
Zeichnung und Aquarell auf Papier

"Marginal" bezeichnet etwas am Rande Liegendes, Nebensächliches. Slawomir Elsner bezieht den Begriff auf seine Serie "Populaire", eine Serie von Buntstiftzeichnungen, die der Künstler durch den vandalistischen Akt des Zerreißens ihrer Mitte beraubt und nur am Rande liegende Fragmente übrig lässt. Das Kunst gewohnte Publikum überrascht zunächst die Verschwendung, die der Künstler an den virtuos gezeichneten farbenfrohen Papierarbeiten betreibt. Er schafft etwas und zerstört es teilweise wieder. Durch die Vorenthaltung des eigentlichen, zentralen Motivs wird der Betrachter, getrieben von seiner menschlichen Neugierde und seinen Sehgewohnheiten, dazu veranlasst, seine eigenen Assoziationen und Imaginationskräfte einzubringen, um das rudimentäre Werk im Geiste zu einem heilen vollständigen Ganzen zu vervollkommnen. Während dieses Prozesses erkennt er mehr oder weniger deutlich die pikante Motivik der nach pornografischen Vorlagen der 1970er Jahre erschaffenen Zeichnungen und wird damit unfreiwillig zum Voyeur, obwohl es eigentlich rein garnichts zu gaffen gibt. Einmal mehr spielt Slawomir Elsner mit der Wahrnehmung des Betrachters und präsentiert etwas von ihm Geschaffenes, enthält durch seine Entscheidung, nur Bruchteile davon zu erhalten, das Ergebnis vor und erzeugt gerade dadurch das eigentliche Kunstwerk.
Mit der Wahrnehmung spielt auch das in der Ausstellung gezeigte Werk "Odysee". Drei Männer wandern durch eine Wüste, der Horizont verschwimmt diffus in einer Luftspiegelung. Das Bild hängt an seiner oberen rechten Ecke an einem Nagel, schräg, als sei es von der Wand gerutscht. Aber hinge es gerade, würden die drei Männer scheinbar aus dem Bild kippen. Der imaginäre Perspektivwechsel findet im Auge des Betrachters statt.
Geplant ist weiterhin eine Serie von Portraits, jedes monochrom gezeichnet in einer anderen Farbe eines Buntstiftsatzes, die mit der Galerie Rüdiger Schöttle verbundene Personen und Künstler zeigen werden, und zusammen eine hauseigene orts- und menschenbezogene Installation begründen.
Slawomir Elsner wurde 1976 in Polen geboren und kam als 11-jähriger nach Deutschland. Er lebt und arbeitet in Berlin und kann seit seinem Abschluss an der Kunsthochschule Kassel auf eine beachtliche Reihe von Gruppen- und Einzelausstellungen zurückblicken, die weltweit von Zürich, Warschau, Paris, London, Madrid, New York und in zahlreichen deutschen Städten stattfanden, so zuletzt 2011 im Marburger Kunstverein (Titel: Marginesy). Seine nächste größere institutionelle Ausstellung wird der Gewinner des Falkenrot-Preises 2012 ab Mai im Künstlerhaus Bethanien, Berlin, haben. Zur Ausstellung entsteht ein Katalog.
 

Chen Wei

Chen Wei

23.03.2012 - 05.05.2012
Chen Wei, Rain In Some Areas, 2010

Die Galerie Rüdiger Schöttle freut sich sehr, die erste umfassende Einzelausstellung des chinesischen Künstlers Chen Wei in Deutschland zu präsentieren.
Chen Wei ist ein Geschichtenerzähler. In seinen Fotografien inszeniert er fantastische Bildwelten, er kreiert Schauplätze und Situationen, zeigt dunkle, isolierte Räume, wie etwa einen verwahrlosten Brunnen oder einen in seinem eigenen Zigarettenqualm sitzenden Mann. Immer ist der Mensch in Beziehung zu seiner Umwelt zu sehen oder seine Präsenz zu spüren.
In seinen Fotografien schafft Chen Wei vielschichtige Kompositionen aus einzelnen miteinander agierenden Elementen, die in Ihrem Zusammenspiel eine Vielzahl an Interpretationsmöglichkeiten eröffnen. So sind auch seine Titel Teil dieses narrativen Geflechts, die oftmals schwarzhumorig die Komplexität des Lebens unterstreichen.
Rain In Some Areas ist der Titel einer Fotografie, gleichzeitig aber auch programmatischer Titel der gesamten Ausstellung. Die Fotografie zeigt ein Zimmer. Ein Sofa, ein Hocker, eine Pflanze und ein Regal, von dem aus eine Wäscheleine wie ein Zeltdach eine Linie gegen die Wand zeichnet. Unterschiedliche Kleidungsstücke hängen daran: eine Hose, ein Hemd, ein beiger Trenchcoat. Ein Ventilator bläst Luft auf eine nasse Bodenfläche. All dies sind komplex und oftmals widersprüchlich kombinierte Zeichen, die Erinnerungen und Bilder in uns auslösen.
Chen Wei wurde 1980 in der Zhejiang Province, China geboren. Er lebt und arbeitet in Beijing. Sein Werk war bereits international zu sehen. So stellte er im Museum of Contemporary Art, Schanghai sowie im Seoul Museum of Art aus. 2011 wurde Ihm eine Einzelpräsentation im Creativecity Center, Yokohama zu Teil.
 

Tim Lee und Anicka Yi

Tim Lee und Anicka Yi

Tim Lee und Anicka Yi

08.12.2011 - 28.01.2012
Tim Lee, Dialogue II Merce Cunningham 1967, 2011