Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Galerie van de Loo Projekte

Gabelsbergerstr. 19 • 80333 M
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Gabelsbergerstr. 19
80333 München

Laufende Ausstellungen

Peter Kamm und Christophe Boursault

Peter Kamm und Christophe Boursault

revisited

28.10.2017 - 27.01.2018
Abbildungen
Galerieseite und Home, Slider: Christophe Boursault, Déter, 2017, 46 x 38 cm
Home, Reihung (Ausschnitt): Peter Kamm , o.T., Stehende, 2015, 64 x 35 x 35 cm

Steine des schweizerischen Bildhauers PETER KAMM und Gemälde des französischen Malers CHRISTOPHE BOURSAULT sind sich in unseren Räumen bereits 2014 anlässlich der 2. Jubiläumsausstellung "Tillykke med Fødselsdagen ASGER JORN"  begegnet.

Auf den ersten Blick erinnern die Steingebilde von PETER KAMM an umgestürzte, ausgehöhlte, Baumstämme, an Schwemmholz, auf jeden Fall an etwas Organisches und Naturbelassenes. Beim näheren Hinsehen jedoch wird deutlich, hier wurde schwer Hand angelegt. PETER KAMM arbeitet aus großen Blöcken heraus und entwirft seine "Konstruktionen" direkt in den Stein. Die Entscheidung für den relativ weichen und einfachen Sandstein ist, wie er sagt, das 'unspektakuläre' und 'hierarchielose' dieses Materials. Folglich bevorzugt er auch die horizontale Ausrichtung der Skulptur, um dem Imponiergehabe des für die Ewigkeit geschaffenen Standbilds entgegenzuarbeiten.

Auch CHRISTOPHE BOURSAULTS Umgang mit der Leinwand könnte man als 'hierarchielos', ja beinahe respektlos bezeichnen. Ganz anders als PETER KAMM jedoch, der sich dem Figürlichen entzieht, ist die Figur für CHRISTOPHE BOURSAULT, dem in Marseille basierten Maler und Performer, ganz essentiell. "Schnell und spontan wirft er die Farben auf die Leinwand, grob gesetzte Formen ergeben ein Gesicht frei nach dem Prinzip 'Punkt, Punkt, Komma Strich'", so Selima Niggl in unserem Katalog "Tillyke med Fødseldagen". Und Julie Higonnet spricht von einer "rauen, direkten, elektrisierenden aber auch spaßigen Malerei, die die Botschaft bewusst verschleiert und das Lesen erschwert."

AXEL HEIL, der Künstler, Kurator, Kunstvermittler und manches mehr steht seit vielen Jahren im Austausch mit PETER KAMM, hat dessen Werk begleitet und für uns entdeckbar gemacht. Auch BOURSAULTS Malerei ist ihm bestens vertraut. Wir sind gespannt auf seine einführenden Worte.
 

Kommende Ausstellungen


Vergangene Ausstellungen

Helmut Sturm

Helmut Sturm

Die Gruppe als Störfaktor

09.09.2017 - 21.10.2017
2017 gibt es einiges zu Feiern. Die SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE (1957-1972), die Gruppe SPUR (1957-1965), und schließlich auch wir selbst, die Galerie van de Loo (seit 1957) haben in diesem Jahr runde Geburtstage.

Mit allen eng verknüpft war der Maler Helmut Sturm (1932-2008), der heuer 85 Jahre geworden wäre. Für ihn als Mitglied der SITUATIONISTISCHEN INTERNATIONALE, als Gründer der Künstlergruppen SPUR, GEFLECHT und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE und nicht zuletzt als Initiator des KINDERFORUM VAN DE LOO war der Ausbruch aus der Isolation des Ateliers wichtiger Motor. Die Gruppe fungierte – so sagte er selbst 1979 – als produktiver Störfaktor.

Wir möchten Sturms Arbeiten vor diesem Kontext zeigen. Neben den Originalen kommen deshalb Zeitschriften, Fotografien, Film und andere Dokumente ins Spiel sowie eine archivbezogene Installation des in Hamburg lebenden Künstlers Felix Boekamp (*1977). Aus einer zeitgenössischen bildnerischen Perspektive heraus interessiert sich dieser für die Vision einer spielerisch geprägten Gesellschaft und hat sich in diesem Zusammenhang erst kürzlich mit dem belgischen Künstler Constant - ehemals Mitglied der Situationistischen Internationale - auseinandergesetzt. Auch für Sturm und seine Kollegen von SPUR, GEFLECHT und KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE war das Spiel immer wieder wichtiger Faktor, nicht nur auf kulturpolitischer Ebene, sondern auch ganz konkret innerhalb ihrer künstlerischen Strategien.

Über diese forscht seit einigen Jahren der international agierende Kunsthistoriker Dr. Giacopo Galimberti (*1981). Gerade ist bei Liverpool University Press sein Buch Individuals against Individualism. Art Collectives in Western Europe (1956-1969) erschienen, mit dem er die Arbeit der Gruppen SPUR, WIR und GEFLECHT über den deutschen Sprachraum hinaus rezipierbar macht. Im Rahmen unserer Ausstellung wird Galimberti am Freitag, den 13. Oktober um 19 Uhr in deutscher Sprache einen Vortrag zu den Détournements (Zweckentfremdungen) der Gruppe SPUR in der Zeit zwischen 1959 und 1961 halten und bei dieser Gelegenheit sein neues Buch präsentieren.

Die Verfolgung der Künstler
SPUR-Zeitschrift Nr. 4, 1961 hrsg. von der GRUPPE SPUR München
Redakteur HP Zimmer
Umschlag Rückseite (Ausschnitt)
Fotocollage mit Helmut Sturm im Vordergrund
Offset
28 x 29 cm

 
 

Endy Hupperich

26.07.2017 - 29.07.2017
 

Föhnsturm

Föhnsturm

Malerei der 1980er Jahre

01.06.2017 - 22.07.2017
Hans Matthäus Bachmayer
Dietrich Bartscht
Miriam Cahn
Gunter Damisch
Martin Disler
Franz Hitzler
 

Haut und Hülle

Haut und Hülle

30.03.2017 - 27.05.2017
Julia Bornefeld
L0thar Fischer
Klaus Hack
Beate Haupt
Gustav Kluge
Uwe Lausen
Maryan
Heike Pillemann
Heimrad Prem
Arnulf Rainer
Yolanda Tabanera

Die ausgestellten Bilder und Skulpturen von Künstlern der Galerie bewegen sich auf unterschiedlichste Weise im Spannungsfeld von Verhüllungen und Blöße, wobei die Hülle selbst als Sujet dient und zur formalen Herausforderung wird.

Arnulf Rainer
aus der Serie "Gesichter mit Goya", 1983/84
Übermalung/Fotoreproduktion
60 x 50 cm

 
 

Rencontre 4

Rencontre 4

Mariko Saito trifft auf Heiko Herrmann

26.01.2017 - 25.03.2017
2011 eröffnete unsere Reihe Rencontre. Die Idee dieser „Begegnungen“ war es, Positionen aus unserem Programm mit denen externer Künstler und Künstlerinnen zu konfrontieren und so den Bezugsrahmen zu erweitern. Mit Heiko Herrmann (*1953) zeigen wir einen Maler/Bildhauer, der das „Rencontre“ schon lange als Form künstlerischer Kooperation und Inspiration praktiziert. Seine „Kunstdingertage“, zu denen er jährlich eine Handvoll Mitstreiter aus ganz Europa nach Pertolzhofen einlädt, sind längst Synonym für einen produktiven Austausch mitten in der Provinz. Dorthin lud er auch die junge japanische Künstlerin Mariko Saito (*1979) ein, die mit 22 Jahren aus Tokyo nach Paris kam, als ihr die Nischen im strengen System zu Hause zu eng wurden. Zunächst im bewegten Miteinander der Atelierkommune in der besetzten Rue Rivoli 59, dann in konzentrierter Form im eigenen Atelier entwickelte sie reduzierte und doch sinnliche Tuschzeichnungen, die das Spannungsfeld zwischen ihren japanischen Wurzeln und ihrer Unangepasstheit aufzeigen. Ihnen gegenüber stehen Eisen- und Bronzeplastiken des Malers Heiko Herrmann, die auf ganz andere Weise ebenfalls Grenzen ausloten, in diesem Fall zwischen der insbesondere für Herrmanns Malerei typischen Expression und dem seinen Plastiken eigenen strengeren Ausdruck.
 

Heino Naujoks

Heino Naujoks

Neue Papierarbeiten

20.10.2016 - 21.01.2017
Heino Naujoks
Ohne Titel, 2015
Mischtechnik
25 x 17,5 cm

Arbeiten auf Papier und hier vor allem Zeichnungen haben meist einen offeneren, leichteren und oft auch freieren Charakter als Gemälde.
Nun arbeitet der 1937 in Köln geborene Maler Heino Naujoks seit beinahe 60 Jahren für einen offenen, dynamischen Bildraum und gegen ein Gefangensein in festgefahrenen, engen Strukturen: in der Gruppe WIR (1959 – 1965) mit der malerischen Verstrickung von Raum und Figur, mit Facetten und All over, während seiner Zeit in der Gruppe GEFLECHT (1965 – 1968) mit farbplastischen, raumgreifenden „Antiobjekten“. Spätestens Anfang der 1980er Jahre setzt er mit abstrakt-expressiver Malerei Ideen fort, die sein Werk Anfang der 1960er Jahre bereits prägten, und die bis heute aktuell für ihn sind.
Trotz seines auch auf Leinwand immer schon nach Autonomie strebenden Zugangs sind die in einer umfangreichen und sehr besonderen Werkgruppe entstandenen Zeichnungen aus den Jahren 2015 und 2016 für Heino Naujoks befreiend. Ohne durch maltechnische Schwierigkeiten, wie z.B. langwierige Trocknungsphasen unterbrochen zu werden, bieten sie ihm die Möglichkeit, mit bisherigen Erfahrungen zu spielen und hier und da vielleicht neue zu machen.

 

 
 

Pomona Zipser

Pomona Zipser

Stumme Diener

09.09.2016 - 15.10.2016
mit Mode von Michael Wagner und Maßschuhen von Lotte Post.

2014 vermisst die Bildhauerin POMONA ZIPSER während eines Symposiums bei Heiko Herrmann in Pertolzhofen einen Nachttisch an ihrem Gästebett und nimmt dies kurzer Hand zum Anlass für ihre neue und ungewöhnliche Werkreihe „STUMME DIENER. Möbel für Persönlichkeiten und Gäste“. Für die Berliner Künstlerin wird sie zu einer willkommenen Herausforderung, sich über die Doktrin der Funktionslosigkeit von Bildender Kunst hinwegzusetzen, ohne sich der Angewandten Kunst zu verschreiben. Da sie wie bei ihren „normalen“ Plastiken vor allem auf gefundenes Material zurückgreift und ihr Augenmerk auch bei den „Möbelstücken“ auf den Verbindungen zwischen den einzelnen Teilen liegt, muss sie immer abwägen zwischen den eigenen ästhetischen Ansprüchen und den zukünftigen praktischen Aufgaben, die ihre Arbeiten letztlich zu erfüllen haben.
„Stumme Diener“ bezeichnen in ihrer ursprünglichen Bedeutung eigentlich speziell für Herrenmode entwickelte Kleiderständer, die das Getragene in den nächsten Tag hinüberretten sollen. Bei Zipser sind sie allerdings gleichberechtigt für Dame und Herr ausgelegt und können weit mehr als ihr Namenspatron. Was man alles mit ihnen anstellen kann, zeigen der Modedesigner Michael Wagner und die Schuhmacherin Lotte Post, die diesen Grenzgang zwischen Kunst und Design während der Open Art vom 9. bis 11. September mit ausgewählten Stücken und Transitproduktionen begleiten. Beide sind in München ansässig und bekannt für ihre gradlinigen, eleganten Schnitte und Formen, die ihre Besonderheiten nicht zuletzt in den Details offenbaren.

LOTTE POST studierte zunächst Modedesign an der Kunstuniversität Wien, spezialisierte sich auf Schuhdesign und lernte das Handwerk bei einem der renommiertesten Schuhmacher Wiens Andreas Kudweis. 2013 eröffnete sie schließlich ihr eigenes Atelier in München. In den ehemaligen Räumlichkeiten einer Schusterei im Glockenbachviertel fertigt sie Schuhe nach Maß.
www.lottepost.com

MICHAEL WAGNER absolvierte nach seiner Schneiderausbildung ein Studium an der deutschen Meisterschule für Mode in München, welches er mit einer Auszeichnung abschloss. Seit März 2005 entwirft er eine eigene Kollektion für Frauen und Männer und seit September 2011 unterrichtet er an der deutschen Meisterschule für Mode in München Kollektionsgestaltung. Auch erstellte er mehrere Kostümentwürfe für verschiedene Theaterproduktionen.
www.michaelwagner-kollektion.de

Pomona Zipser
Der lehnende Diener, 2014
Holz, Eisen, Seil
115 x 55 x 48 cm

 

 
 

Antoni Tàpies – Antonio Saura

Antoni Tàpies – Antonio Saura

contemplacion y ataque

24.06.2016 - 30.07.2016
Galerieseite:
Antonio Saura
Duchesse d'Alba I, 1968
Mischtechnik auf Papier, 51 x 70 cm

Home, Reihung (Ausschnitt)
Antoni Tàpies
Collage à la paille, 1968/1969
Collage mit Stroh, 37 x 51 cm

Am 24. Juni, parallel zu den Opernfestspielen und dem Filmfest München, beginnt das sechste KUNSTWOCHENENDE MÜNCHEN:
17 Galerien und Projekträume mit international besetzten Ausstellungen, flankiert von einem Rahmenprogramm mit Vorträgen, Künstlergesprächen und Live-Konzerten.
Unter dem Titel CONTEMPLACIÓN Y ATAQUE. ANTONI TÀPIES – ANTONIO SAURA stellt die Galerie van de Loo Projekte Werke von zwei der bekanntesten
spanischen Maler der Nachkriegszeit gegenüber: Antonio Saura (1930-1998) und Antoni Tàpies (1923-2012).
 

Christophe Boursault

Christophe Boursault

Far from frame

07.04.2016 - 04.06.2016
Christophe Boursault
pluie fine, 2012
 

Henri Michaux (1899–1984)

Henri Michaux (1899–1984)

Mit Rätseln antworten

21.01.2016 - 02.04.2016
Zu unserer aktuellen Ausstellung von HENRI MICHAUX (1899–1984): 1963 fand die erste Einzelausstellung des belgisch französischen Künstlers in der Galerie van de Loo statt. Es war die Phase, in der sich Michaux mit immerhin gut 60 Jahren als Künstler von internationalem Ruf etablierte und Werke auf der Biennale in Venedig (1960) und der documenta in Kassel (1959/1964) zeigte. Große retrospektive Einzelpräsentationen waren im von Asger Jorn begründeten Silkeborg Museum (1962), im Stedelijk-Museum in Amsterdam (1964) und im Musée National d‘Art Modern de Paris (1965) zu sehen. Seitdem gehört Michaux zum festen Programm der Galerie van de Loo, was sich noch heute in unserem Bestand widerspiegelt. Anlässlich der aktuellen Ausstellung erscheint eine kleine Publikation, die diesen dokumentiert und in Abbildungen wiedergibt. Es handelt sich um Tuschen und Aquarelle auf Papier unterschiedlicher Werkgruppen aus dem Zeitraum 1959 bis 1975 sowie um eine Ölmalerei von 1982. Allerdings war Michaux selbst an fließenden Grenzen interessiert und vermied allzu scharfe chronologische Scheidungen, unter anderem indem er kaum datierte und immer wieder auf Techniken und Bildfindungen früherer Jahre zurückkam. Dieses bewusste Verwischen und Verunklären ist auch seinen Texten anzumerken, die für Michaux neben seinem bildkünstlerischen Werk eine gleichwertige Ausdrucksform darstellten. Und so antwortet er nicht nur mit Rätseln, sondern präzisierte: „Ist wirklich eine Erklärung nötig? Sieht man nicht, daß ich male, um die Wörter links liegen zu lassen, um den Kitzel des Wie und Warum zu unterdrücken? Vielleicht weil ich deutlich dieses oder jenes vor mir sehe, was ich zeichne? Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Ich zeichne, damit ich immer wieder in Verlegenheit komme. Und umso besser, wenn ich in Fallen gerate. Ich bin auf Überraschungen aus, wüsste ich etwas, es würde mich langweilen.“ (Ausst.-Kat. Galerie van de Loo 1963)
 

Heike Pillemann und Ernst Heckelmann

Heike Pillemann und Ernst Heckelmann

Cabrio

12.11.2015 - 19.12.2015
Heike Pillemann und Ernst Heckelmann
Cabrio, 2015
Mischtechnik auf Papier
42 x 59 cm

Im Nebensächlichen stecken Wegweiser
für aufregendes Neuland.
Heike Pillemann

Ich will, dass man meine Liebe
zu dem Ding sieht, das ich male.
Ernst Heckelmann

Anders als in unserer Reihe Rencontre, hat sich Heike Pillemann weniger ein Gegenüber als einen Mitstreiter ausgesucht. Mit Ernst Heckelmann verbindet sie nicht nur eine langjährige Künstlerfreundschaft, die bereits in diverse künstlerische Kooperationen mündete, sondern vor allem ein ganz spezieller, offener Blick auf die Dinge um sie herum.

Diesen in den lapidaren, scheinbar nebensächlichen, absurd-schönen Details des Alltags verhaftenden Blick in der Galerie sichtbar zu machen, war eine der grundlegenden Ideen für das jetzige Ausstellungsprojekt und gleichzeitig ein schwierig zu kalkulierendes Wagnis. Denn was sich einem beim Besuch der Ateliers von Heike Pillemann und Ernst Heckelmann im ersten Moment erschließt, lässt sich an anderem Ort – noch dazu dem neutralen Ausstellungsraum – kaum rekonstruieren, ohne im besten Falle konstruiert zu wirken. Ein Reenactment kam also nicht in Frage. Gleichzeitig gibt es bei beiden Künstlern diese vielen kleinen Dinge, Karten, Zettel, Ausschnitte, Kommentare etc. Zum Teil sind es selbstgestaltete Impulse, zum Teil gefundenes Material, das in seiner Auswahl eine eigene Aussage bekommt. Vieles ist – von Künstlerhand detourniert – meist mit Humor in einen anderen Zusammenhang gebracht worden. Die Verbindung zwischen diesem ebenso wilden wie leichtfüßigen Kosmos und den Werken selbst, wie wir sie später ordentlich gerahmt an der Wand sehen, ist nie direkt. Vielmehr entsteht ein assoziatives Netz aus Bildanlässen, das einen bei beiden Künstlern ähnlichen Zugang erahnen lässt, der in den Werken selbst vielleicht nicht unmittelbar ablesbar ist. Denn während Heike Pillemann die kleinen Themen des Lebens in figürlichem Gestus aufs Papier bringt, setzt Ernst Heckelmann eher die großen, romantisch besetzten Sehnsuchtsorte, seien es Palmen, Berglandschaften, Schwäne oder kaputtgeliebte Kuscheltiere, expressiv und bildgewaltig in Szene. Und so bestehen die Gemeinsamkeiten vor allem in der Haltung, die Ernsthaftigkeit mit Unbefangenheit verbindet und Unerhörtes nicht nur zulässt, sondern sucht. Das Moment des Scheiterns weniger als Damoklesschwert denn als Chance begreifend ist diese Suche keine Tour de Force, sondern ein – in diesem Fall gemeinsamer – Ausflug mit dem Cabrio, beschwingt und mit offenem Ausgang.
 

Neue Figurationen aus der Werkstatt der Malerei um 1960

Neue Figurationen aus der Werkstatt der Malerei um 1960

11.09.2015 - 06.11.2015
Antonio Saura
Ohne Titel, 1959
Tusche auf Papier
70 x 50 cm

Hans Platschek, Antonio Saura, Jean Dubuffet, Asger Jorn, Pierre Alechinsky, Heino Naujoks, Helmut Rieger, Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer, Uwe Lausen

1959 veröffentlichte der Maler und Publizist Hans Platschek in München sein Buch "Neue Figurationen. Aus der Werkstatt der heutigen Malerei" und traf damit den Nerv der Zeit. „Abstraktion als Weltsprache“ dominierte nicht nur das internationale Ausstellungswesen, sondern auch den Kunstmarkt. Der immense Erfolg des Informel zog jedoch schon bald eine „zur Rezeptur verkommenen Bilderfabrikation“ (Hans Platschek) nach sich, die viele Künstler misstrauisch machte. Da bot die Wiedereinführung der Figur, für die Platschek unter Berufung auf Vorreiter wie Saura, Dubuffet und Jorn plädierte, völlig neue Möglichkeiten – gerade auch für eine jüngere Künstlergeneration wie die Mitglieder der Gruppen SPUR und WIR. Impulse übrigens, die woanders in ähnlicher Weise aufgenommen wurden, man denke nur an Bewegungen wie die Karlsruher Figuration, die Nouvelle Figuration in Paris oder an Maler wie Baselitz und Schönebeck in Berlin. Mit dem Fokus auf die spezielle Münchner Situation, für die die Galerie van de Loo um 1960 nicht zuletzt einen Ort des Austauschs bot, bezeugen heute die Werke diesen Wendepunkt in der Kunst der Nachkriegszeit.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Vorwort von Selima Niggl.
 

Ländliches Scharmützel

Ländliches Scharmützel

Ein Rencontre zwischen Heinz Braun und Richard Vogl

20.05.2015 - 31.07.2015
Heinz Braun
Ohne Titel, 1982
Mischtechnik auf Papier
29 x 27,5 cm

2011 fand die Reihe RENCONTRE, die Künstler der Galerie mit Positionen außerhalb des Programms konfrontieren soll, ihren Anfang.

Mit den Malern HEINZ BRAUN (1938 in München –1986 in München) und RICHARD VOGL (* 1952 in Furth im Wald) treffen diesmal zwei Künstler aufeinander, die unterschiedlicher wohl nicht hätten sein können.

Auf der einen Seite ist da der bayerische Hüne HEINZ BRAUN, der als aktiver Boxer und Ringer in Germering Briefe austrug, bevor er sich als Autodidakt mit voller Wucht in ein Künstlerleben hineinwarf. Einschneidend war dafür seine Begegnung mit Herbert Achternbusch, für den er zwischen 1974 und 1979 in sechs Filmen prägende Rollen übernahm. Parallel wurde ihm seine Malerei in einem chaotischen, zugigen Atelier in Germering immer wichtiger. Wie Achternbusch hatte Braun ein zutiefst gespaltenes Verhältnis zu seiner Heimat Bayern, die ihn einerseits stark prägte, die er andererseits aber mit beißendem Sarkasmus zum Inhalt seiner Bilder und Äußerungen machte. Über Jürgen Serkes Stilisierung zur tragisch-exzessiven Künstlerfigur im Stern 1982 gelang Heinz Braun erst vier Jahre vor seinem frühen Krebstod der Durchbruch als Maler.

Diesem Mythos von 15 Jahren unberechenbarer Malerei gegenüber steht Richard Vogl, der – akademisch ausgebildet in München bei Heinz Butz und Rudi Tröger – seit über 35 Jahren so konsequent wie sensibel seinen künstlerischen Ansatz verfolgt. Wie Heinz Braun ist er motivisch seinem nächsten Umfeld verpflichtet, spielen die Landschaft und die dort verorteten Menschen und Tiere eine große Rolle. Seine Haltung zu dem Dargestellten ist dabei aber, wenn zwar nicht frei von hintergründigen Ansätzen, in seiner Gesamtheit doch ungleich versöhnlicher, oder – wie Peter Eikemeier es 2009 beschreibt: „In sich ruhend, treten die Werke eher zögernd, mit einer gewissen Sprödigkeit nach außen und stellen durch ihr bemerkenswert stimmiges Anderssein die scheinbar klaren Sachverhalte in Frage. (...) In ihrer Dichte und Prägnanz liegt eine Selbstverständlichkeit, ein Vertrauen in die letztendliche Ordnung, wie sie den Schöpfungen der Natur innewohnt.“

Bei all ihrer Unterschiedlichkeit verbinden die beiden Maler aber nicht nur der Bezug zum Ländlichen als Motiv, sondern auch ein zutiefst malerisches Vorgehen, das Figuration aus der Farbe bzw. ihrer Materialität heraus entwickelt.

 

 
 

Alfred Kremer (1895­–1965)

Alfred Kremer (1895­–1965)

26.03.2015 - 16.05.2015
im Kontext mit HM Bachmayer, Maryan, Michel Nedjar und Helmut Rieger.

Alfred Kremer
Ritt, 1963
Tempera auf Papier, 14 x 20 cm

Alfred Kremer (1895 in Regensburg – 1965 in Weilheim i.OB) schuf in seinen letzten drei Lebensjahren, krankheitsbedingt körperlich sehr eingeschränkt, einen umfangreichen Werkkomplex kleinerer Tuschen, die in ihrer Intensität das begrenzte Format in jeder Hinsicht sprengen. Völlig losgelöst von seinem bisherigen Werk, aber auch von künstlerischen Strömungen in der Zeit gelang ihm in einer radikal reduzierten, von Vorbildern freien Bildsprache der „Aufbruch in neue Dimensionen“ (Andreas Franzke). Eine solche Unabhängigkeit kennzeichnet auch die bildnerische Arbeit von Maryan (1927 in Nowy Sącz – 1977 in New York City), Helmut Rieger (1931 in Neisse/Oberschlesien – 2014 in München), Hans-Matthäus Bachmayer (1940 in Bayersoien – 2013 in München) und Michel Nedjar (*1947 bei Paris). Obgleich die genannten Künstler zeitlich, geographisch und auch stilistisch in größtenteils völlig unterschiedlichen Kontexten zu verorten sind, ist intuitiv eine große Nähe zwischen ihnen spürbar. Sucht man nach Ursachen für dieses anfängliche Gefühl, erschließt sich nicht zuletzt eine zentrale Gemeinsamkeit. So steht der Mensch bei allen im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzung, wobei es nicht um sein narratives Abbild geht, sondern um das teils schmerzhafte Ergründen seiner animalischen, erotisch-obsessiven und zerstörerischen Wesenhaftigkeit. Der formale Rückgriff auf archaische Ausdrucksformen (wie zum Beispiel die Maske) ist dabei mehr als reines Mittel zum Zweck, impliziert er doch unmittelbar auch inhaltlich die Suche nach diesen Urbildern des Seins. Jean Dubuffet hat Werke von Michel Nedjar in seine Art Brut-Sammlung aufgenommen. Ohne den Begriff zu weit zu dehnen, könnte man auch die anderen Positionen darunter subsumieren.
 

Eun Nim Ro

Eun Nim Ro

Mein Kopf ist mein Spielplatz

29.01.2015 - 21.03.2015
Eun Nim Ro
Südsee Träumen, 2012
Acryl auf Leinwand
40,5 x 30 cm
 

Tillykke Med Fødelsdagen, Asger Jorn II

Tillykke Med Fødelsdagen, Asger Jorn II

wünschen Ch. Boursault, A. Butzer, A. Heil, M. Hüppauff, P. Kamm, U. Lindau und Tal R

06.11.2014 - 24.01.2015
Abbildung: Katalogumschlag
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Text von Selima Niggl.
 

TILLYKKE MED FØDSELSDAGEN, ASGER JORN!

TILLYKKE MED FØDSELSDAGEN, ASGER JORN!

Ausgewählte Arbeiten

12.09.2014 - 29.10.2014
Abbildung (Slider und Startseite Ausschnitt):

Asger Jorn
Ohne Titel (Blaue Augen), 1966
Öl auf Leinwand
65 x 50 cm

23.10., 19 Uhr Filmvorführung:
Am Anfang war das Bild - Der Maler Asger Jorn
ein Film von Marie-José van de Loo 1990/2014, 60 min

„ich freue mich sehr über die möglichkeit in München eine malerische orgie zu haben“, schrieb Asger Jorn 1957 vor seinem ersten Malaufenthalt hier an den jungen Galeristen Otto van de Loo. Damit nahm eine folgen- reiche Geschichte ihren Lauf. Jorns Präsenz in München prägte die hiesige Kunstentwick- lung mit seinem figurativ-expressiven Stil und seiner Begeisterung für Künstlergruppen wie kaum ein anderer. Seine Malerei ist mitt- lerweile international durchgesetzt. Sein großer Einfluss auf München wird aber immer noch weitgehend unterschätzt. Heute – zum 100-sten Geburtstag des dänischen Malers und Mitbegründers der Gruppe CoBrA – möchten wir ihn mit einer Schau ausgewähl- ter Arbeiten, die zum großen Teil in München entstanden sind, feiern. Der Austausch mit jungen Malern war Jorn immer sehr wichtig. Umgekehrt spielt sein Werk bei vielen heute arbeitenden Künstlern eine große Rolle. Die- ser Tatsache wird der zweite Teil unserer Hommage an Jorn ab dem 23. Oktober Rech- nung tragen. Ab Oktober sind Arbeiten Jorns darüber hinaus in der Kunsthalle in Emden sowie im Museum Lothar Fischer in Neumarkt zu sehen.
 

Julia Bornefeld

Julia Bornefeld

Sublime

05.06.2014 - 02.08.2014
Abbildung:

Julia Bornefeld
Intervalle, 2013
Acryl auf Leinwand
160 x 120 cm
 

Gespinste, Labyrinthe, Ornamente

Gespinste, Labyrinthe, Ornamente

P. Alechinsky, G. Damisch, A. Jorn, H. Michaux, A. Saura, K. Schleinkofer, Y. Tabanera u.a.

10.04.2014 - 31.05.2014
Abbildungen (Slider: Ausschnitt):
Asger Jorn, ohne Titel (Luxury Painting), 1961
Gouache, 100x69 cm
 

Heimrad Prem

Heimrad Prem

Werke aus der SPUR-Zeit (1957–1965)

23.01.2014 - 05.04.2014
Abbildungen (Slider:Ausschnitt):
Heimrad Prem
Er und Sie, 1965
Mischtechnik/Leinwand, 120x120 cm

Zur Ausstellung erscheint ein 60-seitiger Katalog.

Die in dieser Ausstellung vereinten Bilder und Zeichnungen Heimrad Prems sind zwischen 1959 und 1966 entstanden.
Sie zeigen den Weg vom „konventionellen“ Duktus des Frühwerks zu feinstofflichen Arbeiten von 1959, den
Arbeiten im Facettenstil von 1960, von den stark farbigen und expressiven Werken von 1961/62 bis hin zu den von
der Pop Art angeregten flächigen „Paarbildern“ von 1964/65. Es handelt sich um entscheidende, formative Jahre für
den jungen Akademieabsolventen und das Mitglied der Ende der 50er Jahre gegründeten Künstlergruppe SPUR.
In diesem Zeitraum entdeckt er Bildmotive und Techniken für sich, auf die er in späteren Jahren immer wieder
zurückgreifen wird.
Wie seine Mitstreiter Lothar Fischer, Helmut Sturm und HP Zimmer befindet er sich im äußerst produktiven Spannungsfeld
der eigenen künstlerischen Entwicklung und gleichzeitig der intensiven Auseinandersetzung innerhalb
der Gruppe, die auch als eine Art Schutzraum fungiert gegen Desinteresse und Missachtung durch die damalige
Kunstwelt. In seinem Tagebuch notiert Prem:
„Vielleicht ist die Gruppe SPUR ein Versuch zu einer kultischen Gemeinde; in dem Sinn, daß wir eine Malerei aufbauen,
die wir gegenseitig stützen, die wir selbst tragen, wenn sie schon kein Volk trägt. […] Also sehen wir die
Gruppe SPUR als eine Art Seilschaft, die sich aneinander im Notfall stützt, aber auch gemeinsam abstürzen kann.
Der einzelne muß trotzdem selber steigen.“ (1964)
Dabei ist die mögliche Fallhöhe für Prem besonders groß, da er, wie aus zahlreichen seiner Äusserungen hervorgeht,
in der Malerei immer das Risiko sucht. Nicht das gelungene Resultat in Form eines meisterhaften Bildes zählt
für ihn, sondern der Malprozess selbst. Das schließt die Bereitschaft zu scheitern mit ein. Andererseits ermöglicht
erst das Eingehen eines Risikos das Vordringen zu immer neuen, noch nicht gesehenen Bildfindungen.
Heimrad Prem, der mit nicht einmal 44 Jahren aus dem Leben scheidet, wäre am 27. Mai 2014 achtzig Jahre alt geworden.
Wir wünschen seinem Werk weiterhin die Anerkennung, die es verdient und möchten mit diesem Katalog
die Begeisterung für seine Malerei wach halten.
 

R.B. Kitaj

R.B. Kitaj

Home Truth. Graphik aus den 60er Jahren

08.11.2013 - 18.01.2014
Abbildungen:
R.B. Kitaj
Boys and Girls, 1964
Siebdruck, 61,2 x 43,6 cm
Edition 40
 

Endy Hupperich

Endy Hupperich

Kleine große Frau

13.09.2013 - 02.11.2013
Abbildung:
Endy Hupperich
eins, zwo, drei, 2013
Öl auf Leinwand
90 x 70 cm

Endy Hupperich (*1967) – Meisterschüler von Helmut Sturm und seit 2008 Assistent von Markus Oehlen – kombiniert in seinem Werk eine malerisch-expressive Herangehensweise mit den oftmals absurd-komischen Motiven unserer Alltagskultur.
 

Rencontre

Rencontre

Sati Zech trifft auf Pomona Zipser

06.06.2013 - 27.07.2013
Galerieseite, links:
Atelieraufnahme Pomona Zipser

Startseite, Reihung (Ausschnitt):
Atelieraufnahme Sati Zech

Eine Gegenüberstellung von MARCEL HÜPPAUFF und ASGER JORN eröffnete 2011 unsere Reihe Rencontre.
Die zugrundeliegende Idee dieser „Begegnungen“ war es, feste Positionen aus unserem Galerieprogramm auf externe Künstler und Künstlerinnen treffen zu lassen und so den Bezugsrahmen zu erweitern.
Mit SATI ZECH und POMONA ZIPSER, von der größere Plastiken bereits 2008/09 in der Galerie Marie-José van de Loo gezeigt wurden, begegnen sich nun zwei Bildhauerinnen, die sich über ihre gemeinsame Studienzeit bei dem ehemaligen SPUR-Mitglied LOTHAR FISCHER in den 80er Jahren kennen und die künstlerische Entwicklung der jeweils anderen seitdem – zumindest aus der Ferne – interessiert verfolgt haben. Zu einem engen persönlichen Austausch kam es jedoch nicht.
Um so mehr freuen wir uns, dass die beiden unserem Vorschlag gefolgt sind und hier nicht nur ihre Werke präsentieren, sondern sich darüber hinaus gemeinsam den Fragen von Dr. Fritz Jacobi gestellt haben. Der Kunsthistoriker und ehemalige Kustos der Neuen Nationalgalerie Berlin ist mit den Arbeiten beider Künstlerinnen schon lange vertraut, was sich bislang in mehreren Katalogbeiträgen und Eröffnungsreden niedergeschlagen hat.
Im folgenden Gespräch spürt er den verbindenden Ansätzen zwischen Pomona Zipser und Sati Zech nach, die sich formal zunächst in den eher zweidimensional gehaltenen Papiercollagen beider Künstlerinnen zeigen, die sich aber auch in einer ähnlich konsequenten Haltung zu ihren Zielen in der Kunst äußern. Über die Gemeinsamkeiten offenbaren sich gleichzeitig große Unterschiede: Während Pomona Zipsers Arbeiten – um Fritz Jacobi zu folgen – „einen stärker spitzigen, konstruktiveren, fragilen, aber dennoch in sich gefestigten Charakter“ aufweisen, herrscht bei Sati Zech „das Organische, Plastische, zuweilen das aggressiv Aufgeladene, aber trotzdem Verletzbare und Gefährdete“ vor.
In dieser Ausstellung, die Pomona Zipsers konsequente Entwicklung der Wandarbeiten von Collagen hin zu „zweidimensionalen Skulpturen“ und schließlich zum Schattenriss verfolgt und von Sati Zech ebenfalls die verschiedenen Werkgruppen der Papier-, Leinwand- und Lederarbeiten versammelt, können solche Feststellungen ebenso wie viele andere Thesen des Gesprächs von jedem selbst und im direkten Gegenüber mit den Werken überprüft werden.
 

Friedrich Einhoff

Friedrich Einhoff

Dunkelkammer

25.04.2013 - 01.06.2013
Mit der Einzelausstellung Figuren auf Zeit konnte das Münchner Publikum 2009 – damals noch in den Räumen in der Maximilianstraße – erstmals Einblick in das Oeuvre des Künstlers FRIEDRICH EINHOFF gewinnen. Mit den für ihn typischen „mit Pigmenten, Staub, Sand und Asche befingerten, ertasteten, gehäuteten“ [F.E.] Physiognomien gehörte er in unserer Gruppenausstellung Gesichtschirugien im Sommer 2012 zu einem ihrer Protagonisten.
Das Gewicht der inzwischen entstandenen Arbeiten liegt nun nicht mehr allein auf der Auslotung und Einkreisung der menschlichen Figur, sondern bezieht auch Tier-Motive wie Hunde oder Ameisen mit ein. Gleichzeitig ziehen sich die eindeutigen Züge der Figuren immer öfter zurück, lösen sich manchmal – biomorphe Prozesse suggerierend – sogar ganz auf.
Nicht von ungefähr erinnern Ludwig Seyfarth „die immer stärker dominierenden Schlieren, Schatten und Abreibungen an Gemälde oder Fotografien, die Wasser-, Brand- oder andere Schäden erlitten haben“ (Katalogbuch „Friedrich Einhoff. Dunkelkammer“, hrsg. von Thomas Levy, Bielefeld/Berlin 2012).
Friedrich Einhoff experimentiert dabei mit dem kleinen Format. In teils mikroskopisch wirkenden Nahaufnahmen entwickelt sich das Mal-Material in der Dunkelkammer des Künstlers zu geheimnisvollen, schrundigen Gebilden, in ihrem Fluss vom Autor im richtigen Moment fixiert.
Wir freuen uns, Ihnen eine umfangreiche Auswahl dieser neuen Arbeiten, die größtenteils im zur Ausstellung vorliegenden, 2012 bei Kerber erschienenen Katalogbuch abgebildet sind, präsentieren zu dürfen. Friedrich Einhoff wird zur Eröffnung aus einem eigenen, bisher unveröffentlichten Text lesen.

Außerdem würden wir Sie gerne auf die Ausstellung DRITTE WELLE – Die Gruppe SPUR, der Pop und die Politik, die ab dem 25. Juni in der Kunsthalle zu Kiel zu sehen ist und neben den Arbeiten der SPUR auch Werke wichtige Einflussgeber und Zeitgenossen zeigt.

Abbildungen
Startseite Reihung (Ausschnitt) und Galerieseite, oben:
Friedrich Einhoff
Neuer Kopf, 2012
Acryl, Kohle, Sand auf Holz
45 x 35 cm

Startseite, Slider:
Friedrich Einhoff
Ameisen 2, 2012
Acryl, Sand auf Leinwand
24,5 x 20,5 cm
 

Hans Matthäus Bachmayer

Hans Matthäus Bachmayer

1940 – 2013

11.04.2013 - 20.04.2013
Hans Matthäus Bachmayer
Maske und leviathanisches Zeichen, 1987
Ölkreide auf Holz
140 x 100 cm

Zwei Monate nach Hans Matthäus Bachmayers unerwartetem Tod möchten wir mit einer nur zwei Wochen laufenden Interimsausstellung an diesen für das München der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägenden Künstler erinnern und die Werke zumindest für eine kurze Zeit wieder präsent machen. Dazu zeigen wir neben einer großen Holzplastik eine Auswahl von Leinwänden und Papierarbeiten aus den 80er, 90er und 2000er Jahren. Mit einem öffentlichen Gespräch zwischen dem Maler Franz Hitzler und dem Philosophen Dr. Volker Rühle möchten wir außerdem anknüpfen an die seit der Beerdigung Hans M. Bachmayers lebendigst geführten Diskussionen um neue Perspektiven auf eine expressiv-figurative Malerei im Allgemeinen, aber auch um Bachmayers außergewöhnliche Stellung zwischen den teilweise sehr konträr verorteten Bereichen Kunst, Philosophie und Mode.
Natürlich können wir als Galerie keinen retrospektiven Anspruch erfüllen, so dass die wichtigen Gruppenaktivitäten der 60er und 70er Jahre mit WIR, GEFLECHT und dem kürzlich bei uns vorgestellten KOLLEKTIV HERZOGSTRASSE ebenso außen vor bleiben müssen wie seine Performances, Videoinstallationen und fotografischen Arbeiten, die seit der Zusammenarbeit mit Susanne Wiebe in der jüngeren Vergangenheit entstanden sind. Gerade deshalb hoffen wir aber, mit dieser Initiative nur einen ersten Schritt zu machen und möglicherweise einen Anstoß zur weiteren Auseinandersetzung zu geben.
 

Maurice Wyckaert

Maurice Wyckaert

Die Landschaft im Blick

31.01.2013 - 06.04.2013
In Kooperation mit Galerie Jo van de Loo
und Philip Gaisser

Reihung, Startseite (Ausschnitt) und Galerieseite links
Maurice Wyckaert
We’ll see tomorrow, 1988
Öl auf Leinwand
65 x 75 cm

Slider, Startseite (Ausschnitt)
Maurice Wyckaert
Een Mei (Erster Mai), 1960
Öl auf Leinwand, 100 x 120 cm

Wir freuen uns sehr, dass wir mit dem Werkverzeichnis der Gemälde von MAURICE WYCKAERT (1963–1996) den Abschluss eines arbeitsintensiven und lange andauernden Projekts präsentieren können. Das Buch versammelt nicht nur das umfangreiche, 1028 Ölbilder umfassende Werk des Malers aus den Jahren 1946– 1996, sondern enthält auch einen ausführlichen werkanalytischen Text von den Herausgebern der Publikation Gérard Berréby und Danielle Orhan u.a. in deutscher Übersetzung.

Schon in Wyckaerts erster Ausstellung der Galerie Otto van de Loo im Jahr 1961 – er ist gerade Mitglied der Situationistischen Internationale, einer durchaus politisch motivierten und ungemein spannenden Avantgardegruppierung – zeigt sich das Sujet, an dem der Maler Zeit seines Lebens und gänzlich unbeeindruckt von gesellschaftlichen oder künstlerischen Strömungen festhält: Die Landschaft als expressiv-abstrakt aufgefasste, künstlerische Erfahrung wie sie auch bei den von Wyckaert sehr geschätzten Malern Vincent van Gogh oder Asger Jorn vorkommt. In der aktuellen Ausstellung stehen hierfür eine repräsentative Auswahl von Ölgemälden aus den Jahren 1960–1994 ebenso wie noch nie gezeigte Papierarbeiten von 1962.

Anders als in der Malerei, in der das Thema Landschaft im 20. Jahrhundert eher eine Randposition einnahm, spielt es in der Fotografie bis heute in vielfältiger Weise eine wichtige Rolle. So kam der Wunsch auf, Wyckaerts Landschaften zu einer gegenwärtigen fotografische Position in Bezug zu stellen. Die Fotogalerie Jo van de Loo wird dies nun in einer unerwarteten Gegenüberstellung mit der jungen Position des in Hamburg lebenden Fotografen PHILIP GAISSER (*1980) realisieren und auch bei uns wird eine seiner Arbeiten zu Gast sein.
 

Gustav Kluge

Gustav Kluge

Dunkle Materie

08.11.2012 - 26.01.2013
Gustav Kluge
Stimme aus dem Off: ‘Malen wie Morandi’
2012, Öl auf Leinwand
80 x 100 cm, (Startseite: Ausschnitt)

„Es gibt nur wenige andere Künstler der Gegenwart […], die sich als Bildermaler intensiver und radikaler mit den Bedingungen unserer körperlichen und geistigen Existenz in der Welt beschäftigen als Gustav Kluge...“ So beschreibt Martin Schulz im anlässlich unserer Ausstellung DUNKLE MATERIE erscheinenden Katalog den Hamburger Maler, dessen Hauptaugenmerk seit den 70er Jahren die intensive Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper und vor allem dessen Abgründen ist. Seit ca. 15 Jahren arbeitet Kluge jedoch einmal im Jahr im Spätsommer mit einem einzigen Bild an einer Serie, die eine absolute Ausnahme innerhalb seines Gesamtwerks darstellt. In seinen sogenannten „Hollerbildern“ nämlich steht nicht der Mensch im Mittelpunkt sondern – versinnbildlicht durch die schwarzglänzenden prallreifen Hollunderbeeren – die unbelebte, tote Materie. Als Stillleben nahm diese lange Zeit einen
wichtigen Platz in der Kunstgeschichte ein. Spätestens nach dem Kubismus allerdings geriet sie immer mehr in Vergessenheit obgleich, wie Martin Schulz schreibt, „keine andere künstlerische Gattung […] sich stärker mit der Materie der Dinge und ihren vielfachen Erscheinungen auseinandersetzt als die nature morte [...] als eine ‚tote Natur’, die einmal alles Leben barg und aus der alles Leben geboren wird.“ Gustav Kluge nun geht sowohl inhaltlich als auch maltechnisch nicht gerade zimperlich mit dem traditionsreichen Genre um, wenn er in schroffen, stark pastosen Pinselstrichen und teils absurden Kombinationen von billigen Alltagsgegenständen mit der ursprüngliche Intention des Stilllebens, sich über schöne, teure oder seltene Gegenstände nach außen zu repräsentieren, radikal bricht. Vielmehr offenbaren seine Bilder einen schonungslosen, abgründig dunklen Blick auf die Realität und nehmen damit trotz aller Verschiedenheit einen durchaus stimmigen Platz innerhalb Gustav Kluges Oeuvre ein.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit dem Text „Dunkle Materie. Die Hollerbilder von Gustav Kluge“ von Dr. Martin Schulz, Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.

Parallel findet derzeit im Museum Lothar Fischer, Neumarkt i.d.OPf. die Ausstellung Helmut Rieger. Afrika in mir. Ein Dialog mit außereuropäischer Skulptur statt. Der von Dr. Pia Dornacher und uns herausgegebene Katalog mit aktuellen Raumaufnahmen der laufenden Ausstellung wird anlässlich eines Künstlergesprächs zwischen Helmut Rieger und Prof. Dr. Wolfgang Tunner am Donnerstag, den 15.
November 2012, um 19.00 Uhr im Foyer des Museums präsentiert.

Darüber hinaus möchten wir Ihnen das großformatige limitierte und signierte Ausstellungsheft Salute dentale von Endy Hupperich sehr empfehlen.
 

Malen in der Gruppe.

Malen in der Gruppe.

Das Kollektiv Herzogstrasse 1975 – 1982

14.09.2012 - 03.11.2012
Abbidung:
Ohne Titel („OMEN“), 1976, Mischtechnik, Collage auf Papier, 40 x 35 cm

Mit einer Doppelausstellung in unseren Räumen sowie direkt gegenüber in dem eigens verladenen „Kunstcontainer“ von Heiko Herrmann widmen wir uns dem Phänomen des Münchner Kollektiv Herzpogstrasse. Die Gruppe formierte sich Mitte der 70er Jahre im Klima der zerfallenden Studentenrevolte und brach mit der selbstauferlegten und politisch motivierten Entsagung von jeglicher künstlerischen Produktion. Das Feld der expressiven Malerei schien für sie bei weitem nicht ausgeschöpft. Heimrad Prem und Helmut Sturm nahmen den Faden ihrer Gruppenaktivitäten in der SPUR (1957-65) gemeinsam mit jüngeren Malern wie Heiko Herrmann und Dietrich Bartscht, aber auch mit den um 1940 geborenen Künstlern Thomas Niggl, Armin Saub, Dieter Strauch und Heinz Weld wieder auf. HM Bachmayer stieß als ehemaliges Mitglied der Gruppe WIR hinzu. Im Gegensatz zu den Gruppen der 60er Jahre waren mit Renate Bachmayer, Jutta von Busse und Ursula Strauch-Sachs nun auch Malerinnen integriert. Ein gemeinsames Atelier und Aufenthalte auf dem schwedischen Bauernhof von Jørgen Nash, dem Bruder Asger Jorns, ermöglichten ausgedehnte Experimente der kollektiven Malerei aber auch des gemeinsamen Zusammenlebens.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit einem Künstlergespräch.

Kollektiv Herzogstrasse
IM CONTAINER der
KUNSTHALLE PERTOLZHOFEN
gegenüber der Galerie
14.9.–28.9.
 

„Gesichtschirurgien“

„Gesichtschirurgien“

29.06.2012 - 08.09.2012
Arnulf Rainer, aus der Serie “Gesichter mit Goya”, 1983/84, Übermalung/Fotoreproduktion,
60 x 50 cm

Beteiligte Künstler:
Julia Bornefeld
Martin Disler
Friedrich Einhoff
Beate Haupt
Franz Hitzler
Gustav Kluge
Uwe Lausen
Heike Pillemann
Hans Platschek
Arnulf Rainer
Antonio Saura
HP Zimmer

Zum Abschluss unseres RENCONTRE – ANNEMARIE DELLEG TRIFFT AUF KLAUS HACK möchten wir
Sie gerne am 26. Juni zu einem Künstlergespräch einladen, das Selima Niggl mit Klaus Hack führen
wird.

Im Anschluss folgt die Ausstellung GESICHTSCHIRUGIEN mit eine Gruppe von Werken – Köpfe, Fratzen und Portraits im weitesten Sinn. Sie wird bereits ab dem 29. Juni zu sehen sein und endet mit einer thematischen Lesung mit Andreas Neumann, am 26. Juli um 19 Uhr.

„Gesichtschirurgie, Verwucherung und Verfurchung, Überwachsung und Transponierung in energetische Bündel, wenn nicht gar gänzliche Verfeuerung, völlige Beerdigung“ beschreibt Arnulf Rainer seine Herangehensweise an das menschliche Gesicht. Mit unserem Ausstellungstitel beziehen wir uns auf den österreichischen „Übermaler“, der mit seinen Face Farces nicht nur über 200 fotografische Selbstportraits überarbeitet hat, sondern sich in vielen seiner prägenden Zyklen – wie z. B. auch den hier gezeigten Gesichter nach Goya mit dem Thema Porträt auseinandersetzt.

Die Darstellung von Köpfen gehört zu den ältesten Motiven der Geschichte der Kunst und lange Zeit galt die Porträtmalerei als eine der nobelsten Gattung ihrer Art. Allerdings hat sich der Zugang zum Thema des menschlichen Gesichts insbesondere seit 1945 stark verändert. Nun geht es nicht mehr um ein souveränes, würdevolles Abbild des Gegenüber, sondern - das zeigt auch die für diese Accrochage getroffene Auswahl – meist um eine über die Individualität des Porträts hinausgehende Auseinandersetzung mit dem Menschsein an sich. Dabei wird offenbar, dass die Künstler trotz ihrer unterschiedlichen
zeitlichen, technischen und künstlerischen Verortungen immer das Gebrochene, das Versehrte, das hinter der Oberfläche Verborgene suchen und dazu – mal ironisch hintergründig, mal aggressiv verletzend, nie jedoch schmeichelnd sanft – auf Methoden der Fragmentierung, Deformierung, Verwischung und
Verwerfung zurückgreifen.
Marie-José van de Loo und Selima Niggl

Galerieferien: 1.8.–4.9.
 

Rencontre – Annemarie Delleg trifft auf Klaus Hack

Rencontre – Annemarie Delleg trifft auf Klaus Hack

19.04.2012 - 26.06.2012
Annemarie Delleg, Der rote Mund, (13.12.) 2007,
Bleistift, Buntstift auf Papier, 50 x 37,5 cm
 

Helmut Sturm

Helmut Sturm

Sechs Dekaden auf Papier

02.02.2012 - 14.04.2012
Helmut Sturm, Collage, 1964
 

Die Galerie Polad-Hardouin im Austausch – Teil II

Die Galerie Polad-Hardouin im Austausch – Teil II

Gastspiel Paris-München

24.11.2011 - 28.01.2012
Marcel Hüppauff, Die Sanftmutigen, 2011, Öl auf Leinwand, 115 x 145 cm