Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Maurer Zilioli Contemporary Arts

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Laufende Ausstellungen

Holger Schmidhuber

Holger Schmidhuber

Carpets of the Forgotten

26.10.2017 - 25.11.2017
Holger Schmidhubers seit Ende 2014 entstandener Werkzyklus "CARPETS OF THE FORGOTTEN" vermittelt einen anschaulichen Begriff davon, wie weit das künstlerisches Ausdruckspotential greifen und sich ausdehnen, welche Aktualität und Spannung, welche Bereicherung im heutigen Umgang mit den verschiedenen, auch konträren Medien liegen kann.
Als Basismaterial, als Fond, dienen dem Künstler handgeknüpfte, bis zu 100 Jahre alte Orientteppiche, deren ornamentale Struktur als verbindende ‚Kommunikationsschicht’, gleichsam als "Bildschirmhintergrund" allgegenwärtige Präsenz zeigt und sich trotzdem mit seinen von Schmidhuber arrangierten „Auflagen“ verbündet. Expressive Liniengespinste von gestisch-explosiver Natur ergänzen den ornamentalen Bildträger und legen sich, ähnlich den „drip style paintings“ über die geknüpfte Fläche. Eine weitere Ebene von ganz anderem Ausdruckswert und aus einem weiteren Funktionszusammenhang stammend, bringen die in Drucklettern aufgebrachten Wort- oder Satzfragmente ein, welche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die Betrachter oder „Nutzer“ der Teppiche zwischen der suggestiven Botschaft und der malerischen Komposition hin und her trägt. Die gestisch-freie, scheinbar chaotische Farbgestaltung bilden mit den Textzeilen, die sie wie unterlegte Musik, wie emotiver Rhythmus, wie ein „Groove“ begleiten, der das Ensemble zum Schwingen bringt, kontrastierend, ergänzend und verschmelzend, ein vollendetes Ensemble. Alte Tradition, meisterliche Handwerklichkeit, Wort- und Farbspiel ergeben ein komplexes, dynamisches Oeuvre, das sowohl als Wandbild wie auch als Gebrauchsgegenstand fungieren kann.
Schmidhuber pflegt bereits seit Langem die Überschneidung und Vermischung vom üblichen instrumentellen Repertoire zwischen Design und Kunst, ja er sucht nachgerade deren Kontakt, deren Konfrontation und Dialog. Da ist er in seinem Element und agiert mit höchster Bravour zwischen den Aktionsfeldern. Er gehört zu jener Künstlergeneration, die, dank der elektronischen „Bewusstseins-Erweiterung“, ganz selbstverständlich mit Genres und Kategorien jonglieren, diese kombinieren und jenseits klassischer Gattungen eine neue Dimension entwickelt, einen neuen Raum für Kunst erschlossen haben und damit eine Position definieren, die einem künstlerischen / agitatorischen Postulat gleichkommt und unserer gegenwärtigen Welt vielleicht zuweilen eher gerecht wird.

Holger Schmidhuber (geb. 1970 in bad Mergentheim und gegenwärtig Professor für Zeitbasierte Medien an der Hochschule Mainz) wird mit dem Werk „RESIST“ aus der Reihe „Carpets of the Forgotten“ an der Benefizauktion von „PIN. Freunde der Pinakothek München e.V.“ am 18. November in der Pinakothek der Moderne München, teilnehmen.

Holger Schmidhuber
Silence (Carpets of the Forgotten), 2017
Mischtechnik auf Orientteppich | Mixed media on oriental carpet
142 x 237 cm | 55 7/8 x 93 5/16 inches Mischtechnik auf Orientteppich | Mixed media on oriental carpet

 

 
 

Kommende Ausstellungen

Jungwon Jung – Nadine Kuffner

Jungwon Jung – Nadine Kuffner

off-limits

07.12.2017 - 13.01.2018
Nadine Kuffner
Objekt "Bild", 2017
Zinn geschmiedet

 
 

Vergangene Ausstellungen

Nachlese II

Nachlese II

09.09.2017 - 07.10.2017
Jamie Bennett
Annette Lucks
Helga Schmidhuber
Annegret Soltau
Graziano Visintin
Annamaria Zanella

Die Ausstellunsgreihe NACHLESE I und NACHLESE II beschäftigt sich mit Positionen in der Kunst, für die das Verhältnis Zeichnung, Sprache, collagierendes Verfahren, Objekt eine ganz besondere Allianz eingehen. Dabei handelt es sich um ein explizit aktuelles Phänomen, wie uns auch die documenta 14 vor Augen führt. Zeichnung, Schrift, malerische Aktion oder fotografische Bildmittel – in ihrer Verbindung – verschränken, überlappen einander, dialogisieren, brechen mit vertrauten Mustern und kategorischen Definitionen.

Jamie Bennett etwa (geb. 1948 in Philadelphia ) – ein amerikanischer Goldschmied und Zeichner – agiert grundsätzlich zwischen den Medien. Patchwork-artige Skizzen ornamentalen Charakters reflektieren die Natureindrücke seiner vielfältigen Wanderungen, die sich schließlich in zarten emaillierten Schmuckoberflächen von äußerst poetischer Wirkung einbetten.

Bei Annette Lucks (geb. 1952 in Regensburg) vereinen sich bekanntermaßen aufs Selbstverständlichste zeichnerisches und graphisches Element mit weiteren Lagen zu komplexen Bildgeschichten, deren primäres Anliegen uns erscheint, Erzählungen visuell entfalten, ohne konkrete Handlung zu implizieren. Es geht vielmehr um die Befreiung des Bildraumes und die Freiheit der künstlerischen Aktion.
Auch Helga Schmidhuber (geb. 1972 in Wiesbaden) gehört zu jenen Protagonist/Innen, zu deren Leidenschaften die Expansion zählt: Expansion im Sinne von Grenzüberschreitung, Dimension und inhaltlicher Expression. Schmidhuber arbeitet mit Zeichnung, Schrift, Collage, Malerei, Installation, Assemblage und erschafft damit einen ganz spezifischen individuellen Kosmos, so wie auch jedes einzelne Werk uns einen Ausschnitt aus diesem umfangreichen Handlungsfeld spiegelt und näherbringt. Unsere Ausstellung kann in kleiner Auswahl einen Einblick gewähren.
Graziano Visintin (geb. 1954 in Padua / I) und Annamaria Zanella (geb. 1966 in Padua / I) entführen uns erneut in die Welt des zeitgenössischen Autorenschmucks. Beide aus einer der „Hochburgen“ seiner Geschichte, Padua, stammend, und dort wirkend, sowohl als Künstler wie auch als Lehrer am dortigen Istituto d’Arte Pietro Selvatico, verraten ihre Werke einerseits die klassische Herkunft, die Verpflichtung an die ästhetische Botschaft der so genannten „Paduaner Schule“, andererseits aber auch Aufbruch und Verweigerung, wenn etwa Zanella Stahlgewebe verarbeitet oder Visintin das Gold durch diverse Schichten farblicher Eingriffe „verschmutzt“.

In dieser Zusammenstellung zwischen den Disziplinen lädt unsere Präsentation zu vertiefenden Überlegungen ein über die zunehmend spielerische und leichtfüßige aber nicht leichtfertige Vernetzung verschiedener Ausdrucksformen und Medien ein.

Helga Schmidhuber
o.T.,  2011
Aus der Serie “Arctica Islandica”
Mischtechnik auf Leinwand
70 x 70 cm