Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Dokoupil

Der Ring des Nibelungen
21.06.2012 - 28.07.2012
Dokoupil

Dokoupil, “Siegmund zieht Nothung aus der Esche”, 1993, Ruß auf Leinwand;
Foto: Claus Bach; Courtesy Galerie Karl Pfefferle,
© Dokoupil / VG Bild-Kunst, Bonn

In Bezugnahme auf die diesjährigen Münchner Opernfestspiele mit ihrem Fokus auf Wagners Ring des Nibelungen, zeigt die Galerie Karl Pfefferle erstmals eine Reihe von Bildern und Skizzen, die Dokoupil (*1954) zu diesem Thema 1993 geschaffen hat.

Der „Einfallsreichtum, die innere Freiheit und bildnerische Intelligenz“, die Robert Fleck (Kurator der Ausstellung Dokoupil. Malerei im 21. Jahrhundert, Deichtorhallen Hamburg, 2005) dem Werk Dokoupils zuschreibt, spiegelt sich in diesen Arbeiten aufs Beste wider.

Ohne jeden Betroffenheits- oder Anklage-Ethos nimmt sich Dokoupil des von den Nationalsozialisten ideologisch funktionalisierten Mythenstoffes an: Er entwirft für den Bankettsaal des Hotel Elephant in Weimar, das 1937 als „Führer-Quartier“ auf der Achse München / Berlin erbaut wurde, einen 14-teiligen Bilderzyklus. Dabei nähert sich Dokoupil dem Wagnerschen Kosmos von Liebe, Macht und Verrat vollkommen frei an. Seine Darstellungen beziehen sich zwar auf die Bühnengestaltung Josef Hoffmanns für die Uraufführung des Rings in Jahr 1876, doch tauchen die Nibelungen-Gestalten nur als Umrisse, als flimmernd vibrierende Flammenspuren auf, die wie Heraufbeschwörungen von etwas Schatten- oder Geisterhaftem wirken. Das Trugbildhafte dieser mythischen Schlüsselszenen wird noch gesteigert durch die von Dokoupil Ende der 80er Jahre entwickelte Technik des Malens mit Kerzenruß, das den malerischen Gestus verschleiert. Das Dargestellte bleibt flüchtig, fragmentarisch und löst sich an den Bildrändern bis hin zur rein weißen Fläche auf. Einen genialen Kontrapunkt setzt Dokoupil, indem er durch die Initialen der Handlungsträger mit ihrer vordergründigen Signalwirkung ein dadaistisches Buchstabenspiel einfügt und damit dem Heldenepos seine Bedeutungsschwere nimmt.

Noch pointierter wird alles weihevoll Teutonische in den linearen Filzstift-Zeichnungen und spontanen,
comicartigen Skizzen karikiert.

Zur Ausstellung gibt die Galerie zwei Portfolien unterschiedlicher Größe (Auflage 1 + 1 a.p.) mit jeweils 14 Pigmentdrucken zu dem Nibelungen-Zyklus von Dokoupil heraus.

 

Taking place at

Galerie Wolfgang Jahn

Reichenbachstr. 47-49 (Rgb.) • 80469 München
+49 89 29 79 69
www.galeriejahn.com info@galeriejahnpfefferle.com
Tue – Fri 1 – 6 pm • Sat 12 am – 4 pm
and by appointment