Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Nataly Maier

Innen - Außen
19.10.2012 - 24.11.2012
Nataly Maier

Nataly Maier
Leoni, Starnberger See, Sturmwarnung,
August 14 Uhr, 2012
Öl auf Leinwand, 90 X 130 cm

Ein Fenster (und ein Blick) auf den Ursprung

Die Bilder in dieser Ausstellung verlangen gemächliche Betrachtung. Sie sind Gemälde mit einer dichten, porösen Malmaterie, die das Licht absorbiert. Die Farben sind in horizontalen Streifen angeordnet, die sich im Auge des Betrachters bewegen, abwechselnd ab- oder auftauchen. So nimmt das Auge eine diffuse, dauernde Vibration wahr, obwohl die Komposition statisch und kompakt ist. Der Blick, der einen Fixpunkt sucht, gleitet rastlos über die Oberfläche, ohne einen Ruhepunkt zu finden. Eine schmales helles Band, das über (oder, selten, unter) dem Zentrum liegt, leitet den Blick ins Innere, in die Tiefe, wie in Richtung des Horizonts in einer Landschaft. Es hängt mit einem dunkleren Band zusammen, das es von Mal zu Mal in die Höhe hebt oder zusammendrückt, doch kann man nicht feststellen, wo sich zwischen diesen beiden Bändern exakt ein Horizont abzeichnet und wo ein Oben und ein Unten beginnt. Der Horizont in diesen Bildern ist ein Streiflicht aus der Tiefe, das sich über die ganze Leinwand ausbreitet. Und das ist auch ihr Sujet: das Licht mit seiner bestätigenden Phänomenologie. Aber welches Licht sehen wir hier? Eine leichte, aber ebenso trügerische Antwort könnte die sein, dass es sich um das Licht der Landschaft handelt. Wenn diese Bilder Landschaften sind, verweisen sie auf flache, grenzenlose Räume wie die Wüsten, die Tundra oder die Gletscher, und auf jeden Fall hat in ihnen der Himmel, die Leere, dieselbe Dichte wie die Erde, die Fülle. Die gleiche, wenn nicht vielleicht sogar die größere Dichte. Wenn das Paradigma der Gemälde die Natur ist, dann vor allem deshalb, weil das Licht eine ihrer Schöpferkräfte ist. Das Licht ist unser hauptsächliches Welterfahrungsmittel (ich erinnere daran, weil es Lebewesen gibt, die auch ohne es zurecht kommen), aber noch bevor es den Rahmen bildet, in dem wir die alltäglichen Bewegungen wahrnehmen und ausüben, befördert es als einer ihrer Erzeuger unsere Wahrnehmung von der Ausstrahlung des Lebens selbst. Auf diese Voraussetzungen beziehen sich Nataly Maiers Bilder, auf einen Zustand, der in Schwellensituationen spürbar wird wie in Momenten, die dem Einschlafen oder dem Aufwachen vorausgehen, oder bei Benommenheit oder Bewusstseinstrübung. Dieselben Verhältnisse finden wir in der Natur in gewissen kurzen Schwebemomenten zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Tag und Nacht, oder in bestimmten Übergängen von einer Jahreszeit in eine andere, in denen der Fluss der Zeit stillzustehen scheint. Ursprüngliche Zustände des Schwebens und des Übergangs fangen Maiers jüngere Leinwände ein und erinnern uns dadurch daran, dass das Leben jenseits des Alltagshorizonts Bedingungen unendlicher Kraft und Potentialität bereit hält (“La vie est vaste, étant ivre d’absence”, bemerkte Paul Valery). Wie können wir jedoch zu diesem Bewusstsein vordringen? Indem wir Türen und Fenster vor dem Alltagslärm verschließen und ein Fenster (oder einen Blick) auf unseren ursprünglichen Zustand richten, der uns unendliche Möglichkeiten für Veränderungen und Handlungen erschließen kann.
Dario Trento

 

Taking place at

Galerie Michael Heufelder

Gabelsbergerstr. 83 • 80333 München
+49 89 54 32 09 20
www.galerie-heufelder.demail@galerie-heufelder.de
Wed – Fri 2 pm – 7 pm • Sat 12 am – 4 pm