Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Wolfgang Koethe

Hamlet ... eins ... zwei ... drei
16.03.2012 - 28.04.2012
Wolfgang Koethe

Wolfgang Koethe, Paul Hunter, 2006, ÖL auf Leinwand, 40 X 60 cm

Vor einigen Jahren sah ich durch Zufall Berichte von der Snooker-Weltmeisterschaft im Crucible-Theatre in Sheffield, England. Dabei erkannte ich einige Spieler wieder, die ich gut 20 Jahre vorher gemalt hatte. Zwischen 1983 und 1986 war eine Serie von Billardspielern entstanden, wo Spieler als “Einsame Jäger … um den Tisch herum pirschen” (Waldemar Janusczcack im Guardian: „ Seine Snooker-Spieler sind die düsteren Einwohner der Dunkelheit außerhalb des grünen Billardtisches “). Alle Bilder dieser Serie wurden verkauft, eines hängt im Hessischen Landesmuseum, Darmstadt, Sammlung „Tiefe Blicke “.

Meine neueren Bilder zeigen jetzt die Spieler mit Zuschauern im Hintergrund, oder im Moment höchster Konzentration, kurz vor dem Stoß. Bei der Darstellung ist das Hell/Dunkel früherer Bilder größerer Farbigkeit und stärkerer Individualisierung gewichen. Die Spieler sind nun erkennbar geworden, nicht mehr nur ein Typus, ein Stellvertreter. Snooker wurde durch das Fernsehen auch in Ländern bekannt, in denen es diesen Sport vorher nicht gab. Die Formate dieser Bilder orientieren sich an den Formaten kleiner Fernsehempfänger, von 38 x 55cm bis 50 x 70cm.

Hamlet 1,2,3, die neusten Bilder, zeigen drei Momente des Spiels aus einem Viertelfinale von 1986. Die Vorlagen zu diesen Bildern, vom TV aufgenommene Farbfotos, habe ich 2010 in meinem Archiv wieder entdeckt. Die schlechte Qualität der Aufnahmen, nämlich „Geisterbilder, „Schnee“ und undeutliche analoge Definition der Figuren sind genau das, was mich gereizt hat, jetzt diese Bilder zu malen. Es entsteht ein beinahe nachimpressionistisches Farbenspiel und auch eine Geistergestalt erscheint, wie bei Hamlet.

Wenn man selber spielt oder engagiert einer Partie zuschaut (also für einen der Kontrahenten Partei ergreift) erlebt man in den langen Auseinandersetzungen Berg- und -Talfahrten der Emotionen. Das lässt sich durchaus mit dem Besuch eines Dramas im Theater vergleichen, mit einer Tragödie von Shakespeare, etwa. Im Crucible-Theater wird gerade, da die nächste Weltmeisterschaft erst im April beginnt, ein Stück von Michael Frayn aufgeführt, „Democracy, das vom Leben Willi Brandts handelt.

 

Taking place at

Galerie Michael Heufelder

Gabelsbergerstr. 83 • 80333 München
+49 89 54 32 09 20
www.galerie-heufelder.demail@galerie-heufelder.de
Wed – Fri 2 pm – 7 pm • Sat 12 am – 4 pm