Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Anna Krammig – Longtemps / Adam Mysock – When Everything was Wonderful Tomorrow

26.06.2015 - 13.09.2015
Anna Krammig – Longtemps / Adam Mysock – When Everything was Wonderful Tomorrow

Unter den Ausstellungstiteln „Longtemps“ von Anna Krammig und “When Everything was Wonderful Tomorrow” von Adam Mysock zeigt die Galerie Andreas Binder zwei unabhängig voneinander konzipierte Einzelausstellungen aktueller Werke der beiden Künstler.

ANNA KRAMMIG malt das stille Leben. Die daraus resultierenden Werke sind jedoch keinesfalls Stillleben im traditionellen Sinne. Nicht das gegenständliche Motiv steht im Mittelpunkt ihrer Kunst, vielmehr entsteht durch ihre aufmerksame Beobachtung von Licht und Schatten, Zimmerfluchten und Blickkorridoren, Flächen und Raumtiefen, ein Abbild des Lebens, das seine Vitalität gerade durch die Abwesenheit von Mensch und Natur erhält. Die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts anhaltende Dichotomie von Abstraktion und Figürlichkeit wirkt wie aufgehoben in Anna Krammigs Kunst. Ihr gelingt die objektive Umsetzung der Realität, während es gleichzeitig den Anschein macht, ihre Bilder seien Ausdruck einer Intimität, die die Künstlerin selbst in ihr Bild gesteckt hat, als auch einer Innerlichkeit, die vom Betrachter in das Bild projiziert wird. So erzeugen die Schatten als Beweis für die Anwesenheit des Nicht-Sichtbaren eine melancholische Grundstimmung, ausgelöst durch den sensiblen Blick, den Anna Krammig – wie mit den Augen eines Kindes – neugierig und versteckt auf das im Offensichtlichen Verborgene richtet.
Die Künstlerin ist Teil der Räume und der Landschaften, die sie malt. Sie erzählt uns durch Schichten der Erinnerung von der Plötzlichkeit des Sehens. Im Betrachter lösen die Motive nicht selten eine Assoziation mit Gerüchen aus, die er aus der Kindheit kennt und die ihm beim Anblick der gebohnerten Böden, der Treppenhäuser und Dachkammern in die Nase steigen. Keine Spuren von Menschen oder Tieren. Kahle Bäume und Geäst stehen dicht nebeneinander, in die Tiefe gestaffelt – ein lautloses Ineinandergreifen von sich durchdringendem Undurchdringlichem, lichtdurchwoben, statisch und oszillierend. Eine Stille, die einen mit sich selbst konfrontiert, die macht, dass man in sich hineinhört, dass das, was man sieht zum Spiegelbild wird, emotionsgeladen und gleichzeitig leer. Leere als Distanz, um die Emotion einzukreisen, zu erfassen, um ihr eine Form und eine Struktur zu verleihen. Das Innere in der Reduktion des Äußeren und die Lebendigkeit in der Stille sichtbar zu machen – das ist es was, Anna Krammig in ihren Stillleben gelingt. (Auszug aus Künstlerbuch “Anna Krammig”, frei nach dem Text von Jean-Christophe Ammann)
Anna Krammig (*1981) lebt und arbeitet in der Schweiz. Studium der Freien Kunst an der Ecole Régionale des Beaux-Arts de Nantes sowie Studium der Malerei an der Hochschule für Künste in Bremen. Ihr Studium an der Akademie der Bildenden Künste München schloss sie als Meisterschülerin bei Prof. Karin Kneffel ab. 2012 erhielt sie ihr Diplom mit Auszeichnung. Nationale sowie internationale Ausstellungen (Auswahl): 2015 Kunstverein Recklinghausen; ‘Mal was Deutsches, 10 Positionen zeitgenössischer deutscher Kunst, Hangar7 Salzburg (Kuratorin: Lioba Reddeker); 16. Kunstpreis, Kunstverein Aichach: KKKK, Kunstverein Oberhausen 17//24; Auswahlausstellung des Cusanuswerks Bonn, Städtische Galerie, Bremen

ADAM MYSOCK bildet in seinen miniaturgroßen Arbeiten erzählerische Bildwelten ab. Er selbst sieht sich dabei als revisionistischer Historienmaler. Statt die Geschichte der Vergangenheit visuell nachzuerzählen, verwendet er bereits im kollektiven Gedächtnis verankerte Bilder als Grundlage seiner Werke und begründet so unser Bewusstsein für die Gegenwart neu. Doch nicht nur die kritische und teils humorvolle Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Geschichtsschreibung auf die Gegenwart steht im Mittelpunkt seines Oeuvres, sondern auch die Frage nach den Konsequenzen unseres gegenwärtigen Handelns für die Zukunft. So beschäftigt sich Adam Mysock in der Ausstellung When everything was Wonderful Tomorrow insbesondere mit den verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Welt von morgen.
“Denken wir an die Zukunft, stellen wir uns unsere Umgebung von morgen meist so angenehm und gemütlich vor, wie die, in der wir heute leben. Doch mit dem Wissen um die beängstigenden Folgen der globalen Erwärmung wird es zunehmend schwerer, sich eine Umwelt zu erträumen, die der jetzigen gleicht. Vielmehr macht es uns der Missbrauch der Natur durch den Mensch in Vergangenheit und Gegenwart unmöglich, einer potentiellen Zukunft entgegen zusehen und zu sehnen. Und dennoch tut sich ein Weg auf, diesen Entwicklungen voll Optimismus entgegenzublicken – nämlich durch die Augen derer, die die Klimaveränderung leugnen. Motiviert von Ignoranz und Gier gleicht ihre Vorstellung der Umwelt von morgen der Umwelt, die sie heute umgibt. Sämtliche Veränderungen, die mit den steigenden Temperaturen einhergehen werden, sind für sie lediglich neue aufregende Hürden, die ihre Großenkel mit Leichtigkeit überwinden werden! Betrachten wir dieses Verhalten im Spiegel der Satire als künstlerische Ausdrucksform zwischen Dichtung und Lüge, so wirkt es als seien die lautesten Leugner des Klimawandels die größten Satiriker unserer Zeit. Und so ist es auch der schmale Grat zwischen Satire und Wahnsinn, auf dem sich die Gemälde der Ausstellung When everything was Wonderful Tomorrow bewegen. In ihnen untersucht Adam Mysock die Konsequenzen unserer durchtrennten Beziehung zu Umwelt und Zukunft. Sei es die Hervorhebung der neuen Kleidungsmöglichkeiten beim Wintersport in einem wärmeren Klima oder die Betonung der psychologischen Taktiken, die wir gebrauchen, um die wiederholte Schädigung der Natur und damit von uns Menschen zu rechtfertigen – jedes Werk stellt uns vor die Frage, wie wir zwischen Absurdität und seriöser Kritik differenzieren können.” (Adam Mysock)
Adam Mysock wurde 1983 in Cincinnati, Ohio geboren und lebt heute in New Orleans. Bachelor in Malerei und Kunstgeschichte an der Tulane University 2004, Studium an der School of Art and Design, Southern Illinois University, Carbondale 2007. Professur für Malerei Sinclair Community College in Dayton, heute Tulane University. Nationale und internationale Ausstellungen (Auswahl): “Bittersweet times: Baroque and presence in the SØR Rusche Collection Oelde/ Berlin” @ Kunsthaus Apolda Avantgarde, Jena / Kunsthalle Jesuitenkirche Aschaffenburg / Museum Stade, Stade und  Bayer Kulturhaus. Leverkusen; Dishman Art Museum, Beaumont, Texas; The Ogden Museum of Southern Art, New Orleans; The Mississippi Museum of Art, Jackson.

Beide Künstler sind bei der Ausstellungseröffnung anwesend.

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 12–17 • Sa 12–15