Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Hadrien Dussoix // Martin Kippenberger

Was macht die Kunst?
06.02.2015 - 07.03.2015
Hadrien Dussoix // Martin Kippenberger

Unter dem Titel “Was macht die Kunst?” zeigt die Galerie Andreas Binder die zweite Einzelausstellung des Künstlers Hadrien Dussoix im Dialog mit dem im Jahr 1997 verstorbenem Künstler Martin Kippenberger. Die mediale Welt und ihr Einfluss auf den 1975 geborenen Schweizer Künstler Hadrien Dussoix ist Grundlage einer Malerei, die sich mit Grenzen, Widersprüchen und Poesie auseinandersetzt. Aus seiner Umwelt, aus Film und Fernsehen schnappt der junge Künstler plakative Sätze mit aussagekräftigem, provozierendem und lyrischem Gehalt auf und adaptiert diese in seine Malerei. Grossflächige Buchstabenformationen nehmen die gesamte Grösse der Leinwand ein, werden zum Hauptsujet, werden autonom, gehen über den reinen Wortgehalt hinaus. Schrift wird zu Malerei, Malerei wird zu Schrift. In vielfältiger Weise nehmen Dussoix´s Werke gleichzeitig den Dialog mit dem Betrachter auf, etwa wenn Dussoix Lackbuchstaben auf der Leinwand komponiert wie in „Make Some Noise“, „Shop Now Riot Later“, „Want Some More“, „That Ends Well“, in denen sich aufgrund ihrer Materialität der Betrachter selbst gespiegelt sieht und damit zum Teil des Werkes wird. „Was macht die Kunst? Was bleibt von der Kunstgeschichte?“ – auch diese Frage liegt dem Werk von Hadrien Dussoix zugrunde. Auf imposante monochrome Leinwände malt der Künstler Kirchen im Stil der Renaissance oder Gotik, die nach seiner Aussage unverrückbare Marksteine unserer Kulturgeschichte sind. Diese Sicht der Vergangenheit setzt er unserer heutigen Sicht entgegen und verwendet Sprühfarbe, um jene Sakralbauten zu reproduzieren und sie auf unser Zeitalter zu übertragen. Spontaneität in der Umsetzung und Einfachheit in der Form verschmelzen zu einer ästhetischen und starken visuellen Wirkung, wobei die natürlich verlaufenden Konturen die charakteristischen Merkmale dieser riesigen Kunstwerke weiter hervorheben und illuminieren. Den Gemälden steht eine Reihe originell gestalteter Skulpturen gegenüber. Stuckteile, Keramiken, afrikanische Masken, Möbel und Fundobjekte sowie beliebige Gegenstände ergeben ein ungeordnetes archäologisches Gebilde, in dem vergangene und gegenwärtige Kulturen zu verschwimmen scheinen. Hadrien Dussoix gewährt uns eine moderne Einsicht in die Kunst der Vergangenheit. Auf der Suche nach einer neuen Ästhetik mischt der Künstler in seinem Werk verschiedene Techniken und kombiniert spontane Eingebungen mit vergangenem Klassizismus, verbindet Punk mit Sakralem – Kunst jenseits von Gut und Böse.
Martin Kippenberger, der mit nur 44 Jahren verstarb, gilt als einer der wichtigsten Künstler seiner Generation. Der deutsche Maler und Installationskünstler gehört zum weiteren Kreis der „Jungen Wilden“, ein Enfant terrible in der Kunstwelt der 1980er Jahre. Martin Kippenberger realisierte spöttische Bildfindungen und Kombinationen aus Bilder und Texten, mit denen er in Tabuzonen der Kunst vorstößt. Seine ausgewählten Mittel dazu sind beispielsweise Nonsensetexte oder absurde Frechheiten, die bewusst provozieren. Stets bemühte er sich gegen die traditionelle Kunstauffassung zu arbeiten und bestehende Kunstbegriffe in Frage zu stellen. Seine Mittel dazu waren unter anderem Provokationen und Spott, wobei er nicht selten die konventionelle Geschmacksrichtung übertrat. Zu Kippenbergers Kunstschaffen zählen Skulpturen, Bilder, Performance, Zeichnungen, Installationen, Künstlerbücher, Plakate, Kataloge und Einladungskarten, die er oftmals in einem naiven Subjektivismus gestaltete.
Hadrien Dussoix lebt und arbeitet in Genf und hat auf der Ecole Supérieure des Beaux-Arts und Haute Ecole Supérieure des Arts Appliqués Geneva studiert. In den Jahren 2006 bis 2008 gewann er dreimal in Folge den renommierten „Swiss Art Award“ für junge Kunst. Internationale Ausstellungen seit 2002, zuletzt: Swiss institute, Rome, Musée Rath, Geneva; MAMCO – Musée d’art moderne et contemporain, Genève, Galerie SAKS, Geneva; Galerie Lange & Pult, Zurich; Espacio Odéon, Bogota, Colombia; Palais de l’Aténée, Geneva; Vegas Gallery, London; Projektraum Viktor Bucher, Vienna; BAC – Espace “Le Commun”, Bâtiment d’Art Contemporain, Geneva, curated by Hadrien Dussoix and Peter Stoffel, Centre d’art contemporain, Geneva, Switzerland etc.

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 12–17 • Sa 12–15