Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Mario Fani – Nan Goldin

momenti
12.05.2015 - 23.07.2015
Mario Fani – Nan Goldin

Nan Goldin
James and Kyle at pool hall, 1995
Cibachrom-Abzug
40 x 50 cm

Mario Fani
Cena celeste, 2014
Triptychon, Öl und Acryl/Leinwand
100 x 260 cm

 

Unter dem Titel „momenti“ stehen sich in der Galerie Rieder die Ölbilder von Mario Fani und die Fotografien von Nan Goldin gegenüber.
Das Werk von Mario Fani lässt die intensive Auseinandersetzung mit der Malerei der Renaissance erkennen, sie findet in seinen Ölgemälden eine autonome Tradierung in die Gegenwart.
Sein bevorzugtes Sujet ist das Interieur seines eigenen kleinen Landhauses, das abseits auf einem Hügel im toskanischen Casentino-Tal liegt,
Holztische mit leeren Tellern, Gläsern, Krügen, Schüsseln. Sie assoziieren das ausgebliebene Mahl eines Asketen, der sich bewusst Verführungen aussetzt, um Willensstärke und Verzicht zu dokumentieren.
Fani zeigt menschenleere, sparsam mit Tisch und Stühlen möblierte Räume aus unterschiedlich wahrgenommenen Blickwinkeln; geschlossene Türen lassen Spekulationen über das dahinter befindliche Unsichtbare zu, geöffnete Türen und Fenster gewähren Einblick in weitere Zimmer oder Ausblick auf die Landschaft.
Alltägliche Utensilien werden aus diversen Perspektiven in leuchtendem Kolorit vor dunklem Hintergrund inszeniert. Eine Kerze, eine Lampe, das von außen hereinströmende kräftige Blau des Himmels fungieren als Lichtquellen und entwickeln ein alternierendes Spiel zwischen Licht und Schatten. Die in subtiler Lasurtechnik aufgetragenen, kontrastierenden Farbtöne vermitteln ein mystisch-kontemplatives Moment – sie offenbaren Mario Fanis fortwährendes Interesse am Umgang mit Farbe und Licht.
In den Fotografien von Nan Goldin spiegelt sich eine ausgeprägte Sensibilität gegenüber den Porträtierten wider. Sie veranschaulichen den gelebten und erlebten Augenblick des Individuums.
Goldins Beziehung zu den wiedergegebenen, aus ihrem engsten Lebensumfeld stammenden Personen sowie ihre eigene Biografie schaffen eine schonungslose Offenheit ihrer Kunst.
Innenräume mit und ohne Menschen, Bars, Clubs, Restaurants, Hotelzimmer mit zerwühlten Betten und auf dem Boden liegenden Kleidungsstücken sind Metaphern für Einsamkeit, Verlust und Rückzug, für sozialen Auf- und Abstieg sowie daraus entstandenen psychischen und physischen Schmerz. Das Charakteristische dieser Interieurszenen ist die ausgewogene Balance zwischen künstlichem Licht, Farbigkeit und Komposition, die sowohl die Aura als auch die Erotik sowie das Triviale der festgehaltenen Situation einfangen.
Die schnappschussartigen Aufnahmen enthalten Zufälliges und Narratives; wie ein Psychogramm zeichnen sie Nan Goldins Erinnerung an Personen, Orte, Zeit und Geschichte des eigenen Ichs auf.

 

Ausstellungsort

Galerie Rieder

Maximilianstr. 22 • 80539 M
Tel. +49 89 29 45 17 • Fax +49 89 255 43 856
www.galerierieder.deinfo@galerierieder.de
Di–Fr 11–13/14–18 • Sa nach Vereinbarung

Ansprechpartner:
Edith Rieder
Stephanie Schnürer, M.A.