Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Stefan Hunstein

Verdichtungen
17.09.2015 - 07.11.2015
Stefan Hunstein

In der Ausstellung “Verdichtungen” zeigt die Galerie Andreas Binder neue Arbeiten des Künstlers Stefan Hunstein, in denen er seine konzeptionelle fotografische Arbeit über die fragilen Eisgebilde der Arktis fortsetzt. Hier weichen die vormals vordergründig poetischen Szenarien abstrakten Räumen und bizarren Strukturen und es scheint, als würden sich die wahrgenommenen Landschaften im Bild zu eigenen Formen verdichten. Die Fotoarbeiten sind nicht mehr lediglich ästhetische Abbildungen einer uns eher fremden Wirklichkeit, sondern vielmehr eine Essenz des Sichtbaren, das sich zu einer eigentlichen Realität verdichtet. Schon seit jeher haben Künstler und Dichter die Eiswelten mit Seelenzuständen in Verbindung gebracht, die sie in künstlerische und sprachliche Bilder übersetzten. Insofern sind die verschiedenen Lesarten und Sinnebenen des Ausstellungstitels Verdichtungen auch durchaus nicht als Zufall zu verstehen: Die Erfahrung der Urkräfte der Natur in menschenabweisenden, weißklirrenden Welten ist für den Menschen nicht fassbar – ihre dichterische Poetisierung und malerische Verdichtung in Sprache und Bild jedoch bereits seit der Romantik ein Versuch der künstlerischen Umsetzung einer höheren Wahrheit, dem sich Stefan Hunstein nun durch das Medium der Fotografie ebenfalls nähert. Hierin verbirgt sich auch die Motivation des Künstlers seinen neuen Arbeiten literarische Assoziationen beizuordnen, u.a. von Adalbert Stifter, Heinrich Heine, Stefan Zweig und Edgar Allen Poe. Sie sind das Ergebnis seiner intensiven Auseinandersetzung mit Bild und Literatur, und liest man das folgende Zitat, wird einmal mehr deutlich, dass sich in den Werken des Künstlers in der Abstraktion das Unendliche zum Wesentlichen verdichtet.

Schnee abstrahiert. Er hat die Wege eingeschläfert,
Auf denen sich der Gedankengang sonst verirrte.
Die Landschaft gleicht der Schiefertafel, blankgewischt,
Gekippt um neunzig Grad. Im Winterlicht erstrahl
Die reinste Kammer lucida. Durchs Guckloch geht
Der Sehstrahl scharf zum Horizont und kommt zurück.
Kein Hindernis, kein Zickzackpfad, nur Perspektiven.
(Durs Gründbein, aus: Vom Schnee)

Stefan Hunstein (*1957 in Kassel) stellt seit den 80er Jahren regelmäßig aus u.a. 2015 „Über Wasser. Photographie und Malerei von 1800 bis heute“ im Bucerius Kunst Forum, Hamburg; 2014 „Im Eis“, Münchner Stadtmuseum, München; Deutsche Börse Group, Frankfurt; Galerie Clairefontaine, Luxemburg; „Eine Fotografie ist nie bloß eine Fotografie“, Cité Auditorium, Luxemburg, Installation „ Gegenwart…!“ , St. Paul; München; Paul Clemen Museum im KHI Bonn; 2012 „Surf + Anarchie + Alchemie. Metaphorik + produktive Missverständnisse“, Amtsrichterhaus Schwarzenbek; 2010 „Hitler und die Deutschen“, Deutsches Historisches Museum, Berlin; “Schön war’s” Buchpräsentation, Ausstellung und Lesung im Haus der Kunst; 2009/ 2010 Ausstellung „Man Son 1969. Vom Schrecken der Situation“ in der Hamburger Kunsthalle sowie in der Villa Merkel in Esslingen; 2008 zeigte er seine Installation „Gegenwart…!“ im Diözesanmuseum Freising; 2002 im Haus der Kunst; 1995 in der städtischen Galerie im Lenbachhaus München. Seine Werke sind Teil zahlreicher bedeutender Sammlungen wie der des Deutschen Bundes, der ADAC Sammlung, der Sammlung der Pinakothek der Moderne, der Sammlung Thurn und Taxis und der UniCredit Sammlung. Der Künstler lebt und arbeitet in München.

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 12–17 • Sa 12–15