Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Wolfgang G. Bühler – Gottfried Salzmann

StadtLandschaften
24.01.2014 - 30.04.2014
Wolfgang G. Bühler – Gottfried Salzmann

Abbildungen (Slider: Ausschnitt):
Gottfried Salzmann
New York, Red, Blue & White, 2013,
Aquarell/Papier, 60 x 47 cm

In Wolfgang G. Bühlers in den 1990er Jahren begonnener Serie „Erdenleben“ klingt das Landschaftsthema bereits an. Unter Verwendung von Acryllasuren, Polyethylenfolien und kalkuliertem Farbauftrag entstehen außergewöhnliche biomorphe Strukturen, die im Wandel begriffene Naturerscheinungen und verkrustete Landschaftsoberflächen assoziieren.
Mit der Konzentration auf die horizontale Linie gelangt der 1957 in Nürnberg geborene Bühler zu gegenständ-lichen Landschaftsbildern. Sie implizieren sein individuelles Erleben der Welt, spiegeln den Einklang von Gesetz-mäßigkeit und freier Gestaltungsform wider, sind Utopie statt Abbild.

In kleinformatigen Aquarellen formuliert er nicht real existierende Landschaft und Natur. Die nach zahlreichen alpinen Wanderungen in der Erinnerung bewahrten Eindrücke verdichten sich auf Leinwand und Papier zu per-sönlichen Bildern. Mit polychromen, nuancierten Acryl- und Aquarelllasurschichten und feinsten Abstufungen und Mutationen erfasst Bühler in verhaltener Dynamik den mannigfaltigen Charakter der Bergwelt.

Seine jüngst entstandenen, teils großformatigen Bilder, betitelt mit „Forcella“, abgeleitet vom italienischen „Forcola (Furche)“, bezeichnen profilierte Gebirgseinschnitte und Pässe, die mit unterschiedlichen Neigungen zwischen zwei Bergen verlaufen. Der Künstler erschließt diese einsamen vegetationsarmen Landschaften, ihre
sich abwechselnde Enge und Weitläufigkeit, ihre Anziehungskraft.
Bühlers zurückgenommenes Kolorit und die differenzierten Strukturen führen zu einer Verbildlichung des Motivs.

Der Österreicher Gottfried Salzmann, Jahrgang 1943, in Paris und Vence lebend, setzt in Aquarell- und Collage-technik Landschafts- und Stadteindrücke um. Aus der Vogelperspektive nehmen sie das Panoramahafte der Ve-dutenmalerei auf, geben einen überschaubaren Ausschnitt der Außenwelt wieder, der durch Transparenz Durch-blicke ermöglicht, sie zu Wahrnehmungsbildern werden lässt.
Die Adaption einzelner abstrakt-expressiver und informeller Elemente dient der Gliederung der richtungslos fließenden, dünn aufgetragenen Farbe.
In der Betonung des Flächigen äußert sich Salzmanns Auseinandersetzung mit den Wiener Sezessionisten um Gustav Klimt. Seine auf analytische fragile Strukturen reduzierte Landschaftsmalerei entwickelt sich aus zerleg-ten, neu und unregelmäßig zusammengesetzten Flächen, die abstrakt und zufällig erscheinen.
Den Ansichten von New York, Paris, Tokio liegt ein exaktes Konglomerat aus Würfelformen und Rasterstruk-turen zugrunde, das konkrete Architektur abbildet. Die irritierte Netzhaut des Betrachters findet sich im Sog eines faszinierenden Labyrinths aus Formen wieder – in vertikalen Straßenschluchten und Alleen mit über-stürzenden Fluchten, die auf einen Punkt im unendlichen Raum gerichtet sind.

Mit der Zusammenführung von Fotografie, Zeichnung und Druckgrafik definiert Salzmann eine neue Bildsprache. Motive mit Wiedererkennungswert werden partiell durch Farbe überhöht oder vollständig übermalt, ihre groben Konturen bleiben jedoch erkennbar. In komplexen und langwierigen Prozessen werden die Blätter geflutet, trocken gelegt und ausgewaschen.

Unschärfe alterniert mit Präzision, formloses Fließen mit regelmäßig Strukturiertem, Flächigkeit mit räumlicher Tiefe, fließende Grenzen und Übergänge verknüpfen Figuratives und Ungegenständliches miteinander – auf der Suche nach der abstrakten Form offenbart sich ein gegenständlicher Maler, dessen Gegenständlichkeit in einer permanenten Auflösung begriffen ist.

 

Ausstellungsort

Galerie Rieder

Maximilianstr. 22 • 80539 M
Tel. +49 89 29 45 17 • Fax +49 89 255 43 856
www.galerierieder.deinfo@galerierieder.de
Di–Fr 11–13/14–18 • Sa nach Vereinbarung

Ansprechpartner:
Edith Rieder
Stephanie Schnürer, M.A.