Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Yigal Ozeri & Eugene Lemay

Monochrome
13.03.2015 - 02.05.2015
Yigal Ozeri & Eugene Lemay

Yigal Ozeri
Untitled (Olya), 2015
Öl auf Leinwand
51 x 76 cm / 20 x 30 inch

Unter dem Titel Monochrome zeigt die Galerie Andreas Binder die dritte Ausstellung des Künstlers Yigal Ozeri im Dialog mit dem amerikanischen Künstler Eugene Lemay.
Die Ausstellung zeigt fotorealistisch gemalte monochrome Portraits einer Frau, die Yigal Ozeri aus unterschiedlichen Perspektiven fotografiert hat, sowie Eugene Lemays abstrakte Gemälde, die aus patinierten Oberflächen und gestischen Spuren bestehen. Der erste Gedanke beim direkten Vergleich dieser beiden Künstler ist oft der eines gewollten Kontrasts. Dies wäre jedoch ein Trugschluss, da man sich nur auf die unterschiedlichen Äußerlichkeiten konzentrieren würde. In unserer heutigen Welt wird der Vergleich von mimetischer und abstrakter Darstellungsweise mehr und mehr als eine bedeutungslose didaktische Übung abgetan. Schließlich hat schon Andy Warhol in den 60er Jahren diese beiden Techniken miteinander vereint: durch das Siebdruckverfahren mit Benday Dots wurde ein photografisches Bild auf einem monochromen oder abstrakten Hintergrund reproduziert.
Obwohl die größten Gemeinsamkeiten von Lemays und Ozeris Werk in ihrer Beziehung zur Photographie zu finden sind, lässt sich nicht bestreiten, dass ihre Arbeiten auch tief im Minimalismus und der künstlichen Reproduktion der Pop Art verwurzelt sind. Gleichermaßen versuchen beide das Persönliche in diesem Kontext darzustellen. Dies wird erreicht, indem die Künstler die industrielle Ästhetik und die kommerziellen Inhalte der Minimalistischen Kunst und Pop Art in ihren Werken ad hoc unterdrücken. Lemay und Ozeri erschaffen so auf ihre Art und Weise eine poetische Ästhetik und Subjektivität. Aus diesem Grund lassen sich ihre Arbeiten konzeptuell nicht auf eine Ebene mit der Logik und Geschichte ihrer stilistischen Vorbilder reduzieren, sondern beide Künstler verwenden diese künstlerischen Strategien als eine Aufeinanderfolge von aus dem Zusammenhang gerissenen, ahistorischen Verfahren.
Bei genauerer Betrachtung von Lemays Werken lässt sich eine Reminiszenz von Text oder Briefsprache wiederfinden. Es wird nicht klar für wen diese ausradierten Schriebe gedacht sind, oder wieso sie unaufhörlich wiederholt und unkenntlich gemacht werden. Man fängt an etwas hinein zu projizieren, sich zu fragen ob sie einen manischen oder obsessiven Gedankengang des Künstlers ausdrücken und wieso sie sich scheinbar endlos wiederholen bis sie sich in unleserlichen Kritzeleien auflösen.
Lemays Werk ist thematisch weit entfernt von Ozeris Studien von einer jungen Frau, die vor einem leeren Hintergrund abgebildet ist. Jedes seiner Bilder ist aus einer anderen Perspektive aufgenommen, so als ob der Photograph um sie herum laufen würde, während sie versucht seinem Blick auszuweichen. Die Kargheit der Umgebung spiegelt ihre emotionale Zurückgezogenheit wieder. Wer mag sie sein: ein Model, eine Schauspielerin, eine Bekanntschaft, eine Liebhaberin? Sie scheint so kryptisch wie die unkenntlichen Nachrichten in den Gemälden von Lemay. Wenn uns Lemays und Ozeris Bilder etwas sagen, dann dass sie Geheimnisse haben – Geheimnisse die ihre Werke verweigern zu enthüllen. Ähnlich wie in Samuel Becketts Dramen und John Cages Kompositionen strahlen sie eine Stille aus, die eingehende Betrachtung und Aufmerksamkeit unabdinglich machen.
Sowohl Lemays als auch Ozeris Gemälde lassen einen mit dem Gefühl zurück, dass in jedem eine unerreichbare Abwesenheit verborgen ist. Ihr Werk ist daher nicht so aufschlussreich wie anfangs angenommen – nicht weil ein essentieller Teil absichtlich weggelassen wurde, sondern genau das Gegenteil. Ihrem Werk fehlt mit Absicht ein klares sujet; man kann nicht sicher bestimmen, ob ihre Werke von Malerei, von Repräsentation, von Verlangen, oder sogar davon, wie diese Dinge sich gegenseitig beeinflussen, handeln. Diese Abwesenheit von Ausdrücklichkeit bedeutet jedoch nicht, dass sie nichts zu sagen haben. Das, was sie ausdrücken, entspringt aus einem Bereich von Ereignissen, wo momentane Einzigartigkeiten entstehen und sich wieder auflösen. Mit anderen Worten bieten die Bilder keine didaktische Endinterpretation, sondern öffnen einen Raum für Spekulation.
Obwohl die Künstler ihre Betrachter auf ähnliche Weise sehen mögen, sind sie selbst sehr verschieden: der eine ist Klassizist, der andere Romantiker. Der eine glaubt an eine natürliche, objektive platonische Ordnung der Welt; der andere an eine Ordnung, die subjektiv und auferlegt ist. Aus diesem Grund führen ihre Auffassungen und der hier besprochene Gebrauch der verschiedenen künstlerischen Mittel und Beziehungen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Obwohl sich Lemays abstraktes Werk zum Beispiel von seiner Bedeutung her unendlich ausdehnen lässt, gibt es nichts außerhalb des vorgegebenen Rahmens. Im Gegensatz dazu stellen Ozeris photorealistischen Gemälde immer einen Auszug aus einer sich stetig ausdehnenden Welt dar. Seine Bilder zeigen eine Begebenheit die letztendlich den Betrachter über den Rahmen hinaus einbezieht. Ozeris Malerei lädt so den Betrachter in eine Welt der Vergänglichkeit, der Unnahbarkeit und Erotik ein, während Lemays Arbeiten den Zuschauer mit einer Mauer aus Zwängen, sentimentaler Materialität und obsessiver Anhäufung konfrontieren. Das Aufnehmen all dieser Eindrücke regt dabei die persönlichen Erinnerungen des Betrachters an. Im Gegensatz zu dem was man sieht, öffnen diese unaussprechlichen Erfahrungen einen Raum der Reflexion, in dem die Kunstwerke anfangen zu existieren und ihr eigenes „Selbst“ finden
Die Künstler sind bei der Ausstellungseröffnung anwesend.

 

Ausstellungsort

Galerie Andreas Binder

Knöbelstr.27 • 80538 M
Tel. +49 89 219 39 250 • Fax: +49 89 219 39 252
www.andreasbinder.deinfo@andreasbinder.de
Di–Fr 12–17 • Sa 12–15