Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Belleparais_raumfuerkunst

Schellingstr. 54 • 80799 M
Tel. +49 (0) 176 963 46 584
www.belleparais.com info@belleparais.com
Mi–Fr 15–18 • Sa 12–14 Uhr u.n. Vbg.
Samstag 5.12./12.12./19.12. von 10–18 Uhr geöffnet

Schellingstr. 54
80799 München

Laufende Ausstellungen

Esther Rutenfranz / Doris M. Würgert

Esther Rutenfranz / Doris M. Würgert

vorstellung

12.09.2020 - 08.01.2021
'vorstellung' – Esther Rutenfranz und Doris Maximiliane Würgert spielen mit der Mehrdeutigkeit des Titels. Sie verweisen zum einen auf die Tatsache, dass BELLEPARAIS sich diesen Herbst das erste Mal im Rahmen der Open Art vorstellt. Zum anderen stehen Hintergründigkeit und scharfsinnige Destabilisierung vermeintlich sicherer Lesarten für das Werk beider Künstlerinnen zentral. Was auch immer Doris M. Würgert oder Esther Rutenfranz schaffen, letztlich geht es um das eigene und fremde Vorstellungsvermögen und das Befragen von Bildern vor sich – vor Augen und im Kopf. So unterschiedlich sie arbeiten, so ähnlich öffnen sie die Grenzen des sichtbaren Bildraums ins Inkommensurable. Letztlich landet jeder wieder zu Hause, im eigenen Erfahrungsraum und bei seiner Abenteuerbereitschaft, Gewissheiten zu hinterfragen und Horizonte zu überschreiten.

Wir erweitern die Ausstellung 'vorstellung' um zusätzliche Werke. Portraits von Pflanzen und Blumen erlauben Esther Rutenfranz -trotz der natürlichen Verbundenheit zum en plein air dargestellten Gegenüber- eine gewisse emotionale Distanz. Nun rücken diese Protagonisten zusammen und treten in Beziehung zu – Kinderportraits. Esther Rutenfranz portraitierte ihr nahe stehende Menschen, nicht zuletzt auch sich selbst. Sie macht ein derzeit besonders bemerkenswertes Phänomen deutlich: Das Oszillieren von Entfernung verringernden und vergrößernden Situationen – von innerer Verbundenheit und zeitlicher Distanz.

Die Ausstellung "vorstellung" von Esther Rutenfranz und Doris M. Würgert läuft  erweitert weiter und wird sich mit der folgenden verschränken. Deren Eröffnung, namlich die prozesshafte Ausstellung "Unternehmerinnen III" mit Werken von 17 Künstlerinnen unterschiedlicher Generationen, ist für Freitag, den 15. Januar 2021 ab 15 Uhr angesetzt.
Zwei in Holland lebende Künstlerinnen wurden bereits jetzt schon in die Ausstellung aufgenommen – quasi 'Corona bedingtes Asyl'. Sanne Vaassens Arbeit "Echo" basiert auf Gehirnstrom-Aufzeichnungen, die als Lochkartenmuster auf Papierstreifen umgesetzt wurden. Gehirnaktivität kann so mittels einer Spielorgel erklingen. Anne Büscher läßt in ihren Mobiles hochfragile Universen aus mundgeblasenem Glas, Zwischenraum und Luft entstehen. Selbst die geschwungenen Verbindungsstränge sind gläsern. Wir dachten, das passt gerade in die Zeit, in der alles fragil ist.

Esther Rutenfranz
Christian (Juli 1976)
Acryl / Lack auf Leinwand
Doris M. Würgert
schön
Videoinstallation mit Ton

 

 
 

Kommende Ausstellungen

Unternehmerinnen III

Unternehmerinnen III

15.01.2021 - 08.03.2021
Jutta Burkhardt
Katja Felle
Nikola Irmer
Franziska Kneidl
Annette Lachenmann
Silvie Lampe von Bennigsen
Lee Jiyoun
Lucia Mirlach
Karin Peulen
Karin Rehdantz
Esther Rutenfranz
Lili Schultz
Doris M. Würgert
Anneliese Zenzmaier

Galerieseite: Franziska Kneidl, S.O., 2011, Öl auf Leinwand, 90 x 70 cm
Home, Slider: Doris M. Würgert, schön, 2016, Video HD, 38 sec, 10 +2ap
Home, Reihung (Ausschnitt): Nikola Irmer, Toilettentisch, 2018, Öl und Eitempera auf Leinwand, 40 x 50 cm

 
 

Vergangene Ausstellungen

Seltene Gewächse

Seltene Gewächse

15.07.2020 - 27.08.2020
Justin Almquist
Burkard Blümlein
Jutta Burkhardt
Jonah Gebka
Nikola Irmer
Philipp Lachenmann
Lee Jiyoun
Herbert Nauderer
Karin Peulen
Herbert Post
Tonn Prins
Esther Rutenfranz
Valio Tchenkov
Karl Unterfrauner
Peter Vogt

Die Gruppenausstellung vergegenwärtigt ein weites Assoziationsfeld zum Thema 'Botanik', 'Natur' und 'organisches Wachsen'. Während Esther Rutenfranz etwa einen Tulpenstrauß zur Farbexplosion kulminieren läßt, tut sich Lee Jiyoun in der verhaltenen, poetischen Welt scheinbarer Einzeller und Meeresgetier um. Es sind liegen gebliebene Alltagsfundstücke, die in ihren Inszenierungen zu leben beginnen. Justin Almquist spürt einer Befindlichkeit wie dem Anschwellen von Schmerz in bereits materialästhetisch unerwarteten Zeichnungen und Collagen nach. Ein rhizomartiges Anwachsen und Überborden thematisiert Jutta Burkhardt, wenn sie in ihren der ecriture automatique folgenden Tuschzeichnungen aus repetetiven Strichen und Verwerfungen des Transparentpapiers mäandernde Organismen schafft. Valio Tchenkov reflektiert den Entwicklungsprozess seiner Gemälde und bringt sie und seine Automatismen in Bereiche der Unausgewogenheit. Tatsächliche Objekte wie ein Fuchsschwanz retten die Komposition und verschieben Aufmerksamkeit und Kontext. Nikola Irmer entführt motivisch in die Welt der Präparate naturwissenschaftlicher Einrichtungen. Es sind es genuin malerische und zeichnerische Fragestellungen an die Gegenwartskunst, die sie wie auch die anderen teilnehmenden Künstler letztlich unabhängig vom Motiv untersucht. So portraitiert Karl Unterfrauner in der Reihe 'Neophyten' keineswegs nur fremde Gewächse, die sich in unseren Gefilden angesiedelt haben, sondern weist meilenweit über sie hinaus.
Zahlreiche Gedankenverflechtungen münden schließlich in einem einzigen Wort – 'TAO' geschrieben – besser gesagt gezeichnet vom Schriftkünstler Herbert Post. TAO oder auch DAO, bedeutet im Chinesischen 'Pfad' oder 'Weg', aber ebenso eine Denkrichtung und eine Wahrheitssuche.

Jutta Burkhardt
„Aphasía XI“, 2020
Tuschezeichnung auf Transparentpapier
46, 5 x 25,5 cm
(Foto: Jutta Burkhardt)

 
 

Karin Peulen

Karin Peulen

coloratura

20.12.2019 - 04.07.2020
Bereits der Ausstellungstitel ›coloratura‹ sowie seine Assoziation an das Gestalten von Tönen und Klängen verweisen auf die konzeptuelle Auseinandersetzung mit den Begriffen von Malerei und Farbe in Karin Peulens Werk. Stets Haptik und Sinnlichkeit des Materials im Auge habend untersucht sie die Möglichkeiten von Farbe und Malerei heute. Dabei bewegt sie sich auf unterschiedlichen Terrains. Sie bedient sich klassischer künstlerischer Ausdrucksformen in Papier- und Tafelbild- oder Textilarbeiten, doch darüber hinaus entstehen ihre Arbeiten in interdisziplinären Künstlerprojekten, die musische, naturwissenschaftliche, philosphische, soziale und damit auch sozialpolitische Bereiche integrieren.
Für ihre Ausstellung in Belleparais entwickelte Karin Peulen aus ein und derselben Aussicht vom Dach der Unité d‘Habitation in Marseille (Le Corbusiers wohl bekanntester und frühester Sozialwohnbau) auf einen gegenüberliegenden Plattenbau eine Art Mikrokosmos von Farbverschiebungen auf großformatigen Leinwand-Siebdrucken. Gedanken über Architektur und Raum, tatsächlichen und empfundenen, Theorien Le Corbusiers zur Farbe – etwa die Zusammenhänge von sogenannten ‚claviers de couleurs‘, Farbenklaviaturen, und ‚sentiments‘, die Gefühlszustände, Stimmungen und materialbezogene Assoziationen umfassen, werden zum Thema und untersucht. Die Technik des manuellen Siebdrucks ermöglicht ihr, Nuancierungen zu vergegenwärtigen, die sich dem RGB Modus unserer träge gewordenen Erwartungen an Farbe entgegenstellen und zugleich Figuration und Abstraktion in ein die Wahrnehmung herausforderndes Wechselspiel verwickeln.
Als welch weites Feld sich Malerei und Farbraum verstehen lassen, führte Karin Peulen in einer Zuammenarbeit mit einem Imker und einem Schäfer vor Augen. Gemeinsam entwickelten sie in ‚natural moving landscape‘ ein wissenschaftlich anmutendes Projekt, das aus dem Gebiet der Nutztierhaltung in das von Farbe und Malerei überleitet. Durch Mischungen u.a. aus Bienenwachs, Ölen und natürlichen Pigmenten entwarf Karin Peulen ein Spektrum von 120 Farben, die zur Kennzeichnung begatteter Schafe dienten. Dabei wandelte sie einen Markierungsvorgang ab, der tatsächlich in der Schafzucht vorgenommen wird. Allerdings kulminierte das farbenfrohe Treiben durch die Erhöhung der Anzahl der Böcke in einer Herde und ein häufigeres Wechseln der Markierungsfarben, die sich beim Decken eines Schafes auf demselben abzeichneten. Farb-und Zuordnungsprotokolle entwickelte Karin Peulen zu Pigment-Notationen und zweckfreien Papierarbeiten. Den lebensnahen Zyklus von Werden und Vergehen, integrierte sie experimentell und nachdenklich machend in das Projekt, indem sie die Farbwachsproben der Deckblöcke in die Bestandteile auflöste. Eine Fett-Aureole umgibt schließlich das pure Pigment, das als Nachricht von Farbe und Malerei zugleich wie ein pseudowissenschaftliches Präparat anmutet und fragil auf dem Blatt verharrt.

Karin Peulen
natural moving landscape, 2018/2019
Pigment, Bienenwachs, eigene Rezeptur
Größe variabel, in der Ausstellung 'coloratura':
119 Wachsblöcke (je 6 x 9,5 cm), 172 x 48 cm

moving landscape no.1, 2018
Pigment, Bienenwachs, eigene Rezeptur, auf Papier
70 x 100 cm
Ausstellungsansicht 'coloratura' (Foto: D. M. Würgert)