Initiative Münchner Galerien zeitgenößischer Kunst

 

Lenbachhaus

Luisenstr. 33 • 80333 M
Tel +49 89 23 33 20 00 • Fax +49 89 23 33 20 03/04
www.lenbachhaus.de
Di–So 10–18 • Do bis 20
barrierefrei

 

Luisenstr. 33
80333 M

Laufende Ausstellungen

Die Sonne um Mitternacht schauen.

Die Sonne um Mitternacht schauen.

Gegenwartskunst aus dem Lenbachaus und der KiCo Stiftung

29.09.2020 - 01.08.2021
Artists/Künstler*innen:
AA Bronsen, Monica Bonvicini, Candize Breitz, Valie Export, Isa Genzken, Flaka Haliti, Barbara Hammann, Judith Hopf, General Idea, Annette Kelm, Barbara Klemm, Eva Kot´átková, Maria Lassnig, Michaela Melián, Senga Nengudi, Helga Paris, Friederike Petzold, Tejal Shah, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Rosemarie Trockel

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München präsentiert Werke der Gegenwartskunst, die seit 1958 bis heute entstanden sind. Das früheste Werk ist ein Gemälde von Maria Lassnig, die in den 1950er Jahren eine gegenstandslose Malerei verfolgte. Mit ihrer körperbetonten Gestik nahm sie Entwicklungen des Abstrakten Expressionismus vorweg. Später schrieb sie Kunstgeschichte durch die Einführung der „Körperbewusstseinsmalerei“, mit der sie ihren eigenen Körper, oft im Zusammenhang mit Geschlechterfragen, auf der Leinwand thematisierte. Seit den 1960er Jahren waren VALIE EXPORT und Friederike Pezold im feministischen Kunst-Diskurs aktiv und wurden bekannt für ihre radikalen Performances, Videos und Fotografien. Meist stellten sie sich selbst in den Fokus und bezogen die Öffentlichkeit in Debatten über den weiblichen Körper und den männlichen Blick mit ein. VALIE EXPORT selbst sagte: „Der weibliche Körper war schon immer eine Konstruktion. Sogar die feministische Kunst der 1970er Jahre hat einen Körper nach ihren eigenen Vorstellungen gestaltet, und diesbezüglich war es auch eine Form der Manipulation.“
Das Lenbachhaus hat früh Positionen zu feministischer Kunst in Ausstellungen gezeigt und für die Sammlung erworben. Auch die Werke von Rosemarie Trockel und Barbara Hammann sind in diesem Zusammenhang zu sehen. Fragen von Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und deren Verhältnis zueinander beschäftigten in den 1970er Jahren auch die Künstler des kanadischen Kollektivs General Idea, zu dem AA Bronson gehört. Gender-Fragen oder die AIDSKrise waren zentral in ihrer künstlerischen Befassung. Sehr persönlich und auf sich bezogen, aber immer das Gesellschaftliche im Blick, geht die Fotografin Cindy Sherman mit dem Thema ihres Körpers, Geschlechterfragen, der Konstruktion von Identität und dem für sie damit verbundenen Schrecken um. Eine junge Position zum Thema Identitätsbildung, Humanität und Sexualität vertritt Tejal Shah, deren hier gezeigtes Werk erstmals bei der documenta 13 im Jahr 2012 zu sehen war. Soziale Herkunft und der Umgang mit dem eigenen Selbstverständnis innerhalb größerer gesellschaftlicher Zusammenhänge sind auch Themen von Candice Breitz, Flaka Haliti, Eva Kot'átková und Senga Nengudi. Sie gehören verschiedenen Generationen an und bearbeiten ihre Anliegen in unterschiedlichen Medien von Performance über Installation, Film und Fotografie. Monica Bonvicini und Isa Genzken beschäftigen sich mit Machtstrukturen, die sich in Architektur und urbanen Zusammenhängen als Lebensraum der Menschen widerspiegeln. Dabei spielen Immobilienspekulation, Ausbeutung durch rücksichtslose Regierungen aber auch Naturkatastrophen eine Rolle.
Die Fotografinnen Barbara Klemm und Helga Paris dokumentierten seit den 1960er/70er Jahren die politische und soziale Wirklichkeit im geteilten Deutschland, deren Protagonisten persönliche und gesellschaftliche Identitäten, politische wie soziale Umbrüche, Feminismus und Emanzipation sowie das Leben in Familien und Nachbarschaften waren.
Der Titel „Die Sonne um Mitternacht schauen“ ist einem Werkzyklus von Katharina Sieverding entliehen. Die Fotografin begann 1975 mit Großformat zu arbeiten und war damit als Frau im Kunstbetrieb lange eine Ausnahmeerscheinung. Ihrer Zeit voraus war sie auch mit ihren Bildthemen, in denen sie das große Ganze in den Blick nimmt: Politik, deutsche Geschichte, Geschlechteridentität und die Macht des Bildes in der digitalen Zeit. Der Titel bleibt enigmatisch, ruft aber auch das klare Bild vor Augen, dass Dinge und Themen aus der einen Sicht im Dunkeln verborgen liegen, aus der anderen hingegen hell und klar aufscheinen. Wo die Sonne zu einer Zeit scheint, ist sie für andere nicht zu sehen und doch existiert sie immer und überall und ist Grundvoraussetzung allen Lebens auf der Erde. Zu diesem Leben gehören Fragen und Konflikte, die die Bedingungen für das Zusammenleben einzelner Menschen, ganzer Gesellschaften sowie das Bestehen globaler Zusammenhänge betreffen. Diesen Bedingungen liegen Ungleichgewichte in Machtausübung, Sprachhoheit und Rollenwahrnehmung zugrunde, die in den hier ausgestellten Kunstwerken behandelt werden.
Die Ausstellung versammelt unter anderem erstmals zu sehende Neuerwerbungen und Schenkungen der letzten Jahre – vor allem auch Werke der KiCo Stiftung, die das Lenbachhaus seit über 20 Jahren im Bereich der Gegenwartskunst unterstützt.

Kuratiert von Eva Huttenlauch und Matthias Mühling

Katharina Sieverding
Kontinentalkern X / Die Sonne um Mitternacht schauen, 1988
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: Lenbachhaus
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Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter

Unter freiem Himmel. Unterwegs mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter

13.10.2020 - 06.06.2021
Gabriele Münter
Landschaft bei Rapallo, 1906
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 
 

Kommende Ausstellungen

Michaela Eichwald

Michaela Eichwald

01.12.2020 - 16.05.2021
Michaela Eichwald
Zur Klärung eines Sachverhaltes bitte mitkommen, 2018
Acryl, Lack, Sprühfarbe auf Kunstleder
80 cm x 135,8 cm x 3,5 cm
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020

 
 

Vergangene Ausstellungen

Sheela Gowda

Sheela Gowda

It...Matters

31.03.2020 - 18.10.2020
Die Ausstellung "Sheela Gowda. It.. Matters" ist die erste museale Einzelausstellung der indischen Künstlerin in Deutschland. Sie war u.a. bei der Biennale Venedig 2009 und São Paulo 2014 vertreten sowie bei der documenta 12, 2007. Für ihre raumfüllenden Installationen verwendet Gowda landesspezifische Materialien, die durch Beschaffenheit, Farbe oder Geruch eine narrative Atmosphäre erzeugen und zugleich metaphorische Kraft entfalten. Deren künstlerischer Einsatz verbindet Vorstellungen von Alltagsgebrauch mit poetischer Aufladung und bezieht sich auf das Leben in Indien.

Sheela Gowda
Making of "And...", 2007
© Sheela Gowda

 
 

Radio-Aktivität.

Kollektive mit Sendungsbewusstsein.

18.02.2020 - 13.09.2020
Die Ausstellung betrachtet ausgehend von Berthold Brechts Radiotheorie politische und künstlerische Kollektive der 1920er–30er und 1960er–70er Jahre, die sich ihre eigenen Organe und Kommunikationswege schufen. In dieser Zeit gab es verschiedene Bestrebungen, Sprache neu zu denken und Formen antinationaler und internationaler Verständigung zu schaffen.

 
 

Das Malerische

Die Kunst, die richtige Farbe auf den richtigen Fleck zu setzen

19.11.2019 - 31.01.2020
 

Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin

Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin

Lebensmenschen

22.10.2019 - 16.02.2020
Die Ausstellung Lebensmenschen rückt die Beziehung dieser beiden starken Künstlerpersönlichkeiten des Expressionismus in den Mittelpunkt, die über die Jahre ihrer künstlerischen und außergewöhnlichen privaten Partnerschaft (1893 – 1921) hinaus ihr Leben lang schicksalhaft miteinander verbunden waren. Zum ersten Mal seit über 70 Jahren werden Alexej von Jawlenskys und Marianne von Werefkins Werke gemeinsam und explizit als Künstlerpaar in einer Ausstellung gezeigt und die verschiedenen Phasen ihres künstlerischen Schaffens und gegenseitiger Beeinflussung beleuchtet.

Alexej von Jawlensky
Spanierin, 1913
Öl auf Karton
89 x 70 cm
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Foto: Lenbachhaus

 
 

Senga Nengudi

Topologien

17.09.2019 - 19.01.2020
 

Martin Kippenberger – Maria Lassnig

Martin Kippenberger – Maria Lassnig

Body Check

21.05.2019 - 15.09.2019
Martin Kippenberger
o.T., Medusa, 1996

 

 
 

Marcia Hafif

Marcia Hafif

Films (1970–1999)

17.07.2018 - 30.09.2018
Seit den 1970er Jahren widmete sich Marcia Hafif (1929–2018) der reinen Wirkkraft von Farbe. Ihre Gemälde verzichten auf Bildgegenstand und Komposition und repräsentieren ausschließlich sich selbst. Hafif fand in dieser Reduktion die Möglichkeit, Grundkomponenten der Malerei wie Material, Pinselführung, Oberfläche und Format analytisch zu befragen. Am Lenbachhaus befinden sich in der Sammlung KiCo mehr als 20 Malereien und Zeichnungen von Hafif aus sämtlichen Phasen ihres Schaffens. Seit 2003 wurden sie mehrfach in Sammlungspräsentationen ausgestellt.
Marcia Hafif: Films (1970–1999) wendet sich einem weniger bekannten Aspekt ihres Œuvres zu: Film und Sprache. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Rom, wo Hafif in den 1960er Jahren als Malerin lebte, fand sie in ihrer Heimat Kalifornien Anschluss an die experimentelle Kunstszene von Los Angeles. Im Umfeld von Künstlerinnen und Künstlern wie Robert Irwin, Nancy Buchanan, Chris Burden und Barbara T. Smith beschäftigte sie sich mit neuen Formaten und Medien: Sie entwickelte Klang-Installationen, setzte ihre bereits in Rom begonnene Auseinandersetzung mit Fotografie fort und drehte kurze Filmsequenzen. Inspiriert von Regisseuren wie Michelangelo Antonioni und Jean-Luc Godard intensivierte Hafif in dieser Zeit ihr filmisches Schaffen und produzierte ihre längsten Filme: Notes on Bob and Nancy (1970–1977) und India Time (1978).
Das Schreiben begleitete Hafifs gesamte Künstlerlaufbahn. Im Medium Film bot sich ihr die Möglichkeit, ihre Text- und Bildproduktion auf innovative Art und Weise zu verknüpfen: Viele ihrer Filme sind mit selbstverfassten Texten unterlegt, die als Begleitkommentar aus dem Off verlesen werden. Die Filme werden zu audiovisuellen Essays, in denen Hafif Themen wie Eskapismus und weibliche Selbstbestimmung verhandelt – Themen, die bis heute ihre Gültigkeit behalten.
Mit Marcia Hafif: Films (1970–1999) zeigt das Lenbachhaus als erstes Museum in Deutschland eine umfangreiche Auswahl von Filmen der Künstlerin, die über Jahre hinweg in Kalifornien, Indien und New York entstanden. Ihre Rezeption als Malerin der Monochromie – eine einengende Kategorie, der Hafif mehrfach widersprach – wird damit um wichtige Aspekte erweitert. Das Nebeneinander von filmischer Narration und malerischem Minimalismus in ihrem Werk erweist sich nicht als Widerspruch, sondern als Ausdruck einer künstlerischen Offenheit, die charakteristisch ist für die von Medienreflexivität geprägte Kunst in den USA der 1970er Jahre.
Kuratiert von Sebastian Schneider

Eintritt frei

 
 

Dan Flavin

Dan Flavin

Untitled (for Ksenija)

17.07.2018 - 30.09.2018
Im Jahr 1994 wurde der vom Architekten Uwe Kiessler gestaltete Kunstbau eröffnet. Mit der unterirdischen Galerie erschloss sich für das Lenbachhaus eine neue Dimension für Sonderausstellungen. Dan Flavin (1933–1996) entwickelte eigens für die Eröffnungsausstellung die Installation Untitled (for Ksenija). Das Spätwerk bekräftigt Flavins fortwährende künstlerische Beschäftigung im Spannungsfeld von Lichtkunst und Architektur auf eindrückliche Weise. Seine langjährigen Freunde und Wegbegleiter Heiner Friedrich und Philippa de Ménil schenkten dem Lenbachhaus dieses Werk zum Andenken an ihre Eltern Harald und Erika Friedrich sowie John und Dominique de Ménil. Anlässlich des 80. Geburtstags von Heiner Friedrich wird Untitled (for Ksenija) ein weiteres Mal im Kunstbau ausgestellt.

Flavin zählt zu den bedeutendsten Vertretern der Minimal Art. Der wesentliche Ansatz dieser Kunstrichtung liegt in einer radikalen Reduzierung der bildnerischen Mittel auf einfache geometrische Formstrukturen. In ihrer formalen Eindeutigkeit nehmen die Werke stets Bezug auf ihre räumliche Umgebung. Dadurch werden die Wahrnehmung der Betrachterinnen und Betrachter sowie ihr Verhältnis zum Raum zu integralen Bestandteilen der künstlerischen Arbeit.
Im Kunstbau bestückte Flavin die vier an der Decke verlaufenden Lichtschienen mit Bändern aus Leuchtstoffröhren in den Farben Grün, Blau, Gelb und Pink. Diese farbliche Setzung betont die leichte Krümmung der Architektur und lässt an die Schienen des unter dem Kunstbau befindlichen U-Bahnhofs denken. Das Licht bewirkt differenzierte Farbprojektionen auf Boden, Wände und Einbauten – aber auch auf den Körper des Besuchers oder der Besucherin. Ohne die Architektur zu verstellen, erzeugt Flavins Installation neue Akzentierungen und Wahrnehmungsmöglichkeiten des Raums.
Kuratiert von Sebastian Schneider

Eintritt frei